25. September 2017

Puppennähverliebt Forever

Dieses Jahr wird Mariengold zehn Jahre alt. Ich dachte immer, dass ich das ganz groß feiern würde und habe mir die schönsten Aktionen und besten Jubiläumsblogartikel ausgemalt. Zehn Jahre Mariengold, das ist zwar ein Grund zum Jubeln, aber doch lieber im Kleinen. Und zwar mit einem kleinen, feinen Wort, das – soweit ich weiß – meine ganze eigene Schöpfung ist und das wie kein anderes für mein Schaffen steht: puppennähverliebt.

Dieses Wort möchte ich mit euch teilen. Dafür habe ich mich mit meiner Freundin Anna von Wsake zusammengetan, die exklusiv für Mariengold einen wunderschönen, schlichten und einfachen Anhänger mit der Prägung „puppennähverliebt“ anfertigt hat. Als Schmuckstück, Talisman, Geschenkanhänger, Glückstaler oder Lesezeichen für Menschen, die Puppenmacherei lieben.

Die Anhänger sind ab heute in meinen Shops bei Dawanda und Etsy erhältlich.

Und weil ich so gern mit euch feiere, verlose ich auch einen. Wenn ihr gewinnen möchtet, schreibt bis Dienstag Nacht an hello@mariengold.net. Es ist kein Muss, aber ich würde mich sehr freuen, wenn ihr dazu schreibt, warum ihr puppennähverliebt seid. Viel Glück, ihr Lieben!

(Die Gewinnerin des Anhängers ist Inka.)


24. Mai 2017

Was gerade so los ist #9

Anfang 2017 habe ich einen Spruch gefunden (ich glaube, es war bei Lena), der mich mit seiner Poesie und Klarheit wunderbar durch dieses Jahr führt: Drei Schritte tue nach innen, dann den nach außen. So fügt sich seit einiger Zeit alles ganz geschmeidig zusammen, ohne dass es mich mehr Kraft, Zeit und Nerven kostet, als mir gut tun würde, wie es in den letzten Jahren oft der Fall war. Rückblickend habe ich erkannt, dass ich 2016, als es mir oft so vorkam, als würde ich nichts, aber auch gar nichts Bedeutendes für Mariengold auf den Weg bringen, vor allem innerlich gearbeitet und die Dinge reifen lassen habe, so dass sie sich jetzt, da ich mich nach einer langen Phase der körperlichen und seelischen Erschöpfung endlich wieder richtig wohl fühle, voll und ganz entfalten können. Die ersten fünf Monate von 2017 sind bald rum und derzeit befinde ich mich auf dem Höhepunkt meiner Vorhaben für dieses Jahr.

Im Juli erscheint endlich mein neues E-Book. Daran arbeite ich schon seit gut 14 Monaten, musste jedoch lange pausieren, weil einfach keine Energie da war. Dafür läuft es jetzt umso besser. Aktuell ist meine Grafik-Designerin Clara mit dem Layout beschäftigt. Parallel dazu werden die Text ins Englische übersetzt. Es folgen das Lektorat der deutschen Version, das Setzen der englischen Version und noch einmal ein Lektorat. Nach acht E-Books, die wir in den letzten vier Jahren zusammen herausgebracht haben, sind mein Team und ich sehr gut eingespielt, so dass ich davon ausgehe, dass Nummer Neun noch vor der langen Sommerpause veröffentlicht werden kann. Warum es in dem neuen E-Book geht, dazu erfahrt ihr später mehr.

Ein weiteres Herzensprojekt, das ich schon seit über einem Jahr vorbereite, ist die Landpartie für Puppennähverliebte, der mehrtägige Puppenmacherei-Workshop im Refugium Hoher Fläming, den meine Freundin Laura von 1000 Rehe und ich kommende Woche geben. Eine Veranstaltung dieser Größe ist absolutes Neuland für uns. Umso mehr haben wir es genossen, in den letzten Wochen und Monaten viele neue Erfahrungen zu machen: Die Suche nach einem geeigneten Seminarhaus, Konzeption und Planung der vier Tage von der groben Idee bis ins kleinste Detail, Schreiben von Informationstexten, Daumendrücken für die Anmeldungen, Kommunikation mit den Teilnehmerinnen, Handling der Finanzierung, praktische Vorbereitungen. Alles lief wie am Schnürchen und von Anfang an schwang so viel Vorfreude mit, dass Laura und mir die Dinge ganz leicht von der Hand gingen und wir jetzt so kurz vor der Veranstaltung einfach nur genießen, dass so etwas Schönes und Aufregendes auf uns zukommt.

Nach einer kurzen Verschnaufpause geht es nach der Landpartie munter weiter mit dem Puppennähvergnügen. Dann beginnt die dritte PuppenMITmacherei, die virtuelle Puppennäh-Aktion von NATURKINDER und Mariengold. Während ich letztes Jahr ziemlich lange überlegt habe, ob ich es wieder machen möchte (kein Wunder bei meiner Zustand damals), bin ich dieses Jahr ohne Zögern dabei und weiß auch schon, welches Projekt ich verwirklichen möchte. Die Details zur PuppenMITmacherei 2017 erfahrt ihr in wenigen Wochen von Caro und mir.

All diese Projekte laufen neben dem ganz normalen Tagesgeschäft: Puppen nähen, Materialpackungen schnüren, Bestellungen versenden, Kurse vorbereiten, E-Mails beantworten, Blogartikel schreiben, mich um die Buchhaltung kümmern, Vorräte aufstocken, Projekte für die Zukunft auf den Weg bringen und so weiter. Das alles kann ganz schön viel werden. Deshalb habe ich vor einigen Monaten eine Mitgliedschaft in einem Yogastudio in meiner Nähe abgeschlossen. Drei bis vier Mal die Woche gehe ich hin und es bekommt mir ganz wunderbar. Aufgrund meiner Rückenbeschwerden habe ich ein paar Jahre auf Yoga in der Gruppe verzichtet und nur ein kleines tägliches Programm zu Hause gemacht. Dabei tut es mir besonders mit dem Arbeitsplatz in meiner Wohnung sehr, sehr gut, regelmäßig rauszukommen, mich unter Anleitung zu bewegen und von ganz unterschiedlichen Menschen begleiten und inspirieren zu lassen.

Auch wenn nicht immer alles rund läuft und immer wieder Stolpersteine und Fragezeichen auftauchen und es sich nie so anfühlt, als wäre ich am Ziel oder auch nur in der Nähe, geht es mir gerade sehr gut. Es geht immer weiter. Es gibt so viel zu lernen und zu entdecken. Gerade in den Innenräumen, die sich erst öffnen, wenn man mit dem Leben strömt, wo auch immer es einen hinführen mag.

Drei Schritte tue nach innen, dann den nach außen.


27. Februar 2017

23 Dinge über Mariengold

Als Kind hatte ich nie einen besonderen Berufswunsch, selbst im Studium sah ich mich in keinem bestimmten Beruf. Um ehrlich zu sein, ich hatte immer Angst vor der Arbeit in einem klassischen Unternehmen, so wie ich es mir vorstellte. Das war vor über 10 Jahren auch ein wichtiger Grund für meine berufliche Selbständigkeit.

Das mit der Aufregung vor Kursen wird bei mir nicht besser mit der Zeit. Obwohl ich schon sehr lange unterrichte, habe ich vor jedem Kurs ein bisschen Lampenfieber, ob mit Kindern oder Erwachsenen, mit neuen Leuten oder bekannten Gesichtern, zusammen mit Laura oder allein.

Laura und ich haben uns vor 12 Jahren bei der Gründung des Waldorfkindergartens Fliederhof in Berlin-Mitte kennengelernt. Puppenmacherinnen waren wir damals noch nicht.

Nach der Arbeit entspanne ich am besten beim Autofahren, was ich erstaunlich finde, denn ich habe meinen Führerschein erst seit 3 Jahren und fühle mich noch nicht so sicher beim Fahren. Dabei muss ich mich wohl so sehr konzentrieren, dass ich alles andere für eine Zeit vergesse.

Bei meiner Overlock-Nähmaschine wechsle ich nie die die Garnrollen, sondern mache sämtliche Nähte in Off-White. Nähmaschinen, insbesondere die Overlock, sind mir auch nach all den Jahren noch ein großes Rätsel. Deshalb bin ich immer heilfroh, wenn ich einfach anknoten kann, wenn eine Rolle verbraucht ist.

Ich bin absolut keine Sammlernatur. Weder horte ich Stoffe, noch Strickgarne oder bin ich einer anderen Leidenschaft verfallen. Was ich aber nicht wegwerfen kann, sind alte Garnspulen aus Pappe. Wohl weil sie mich an meine Oma erinnern, die schon lange nicht mehr lebt.

Ein Mal ist es mir passiert, dass ich eine Frau nicht wiedererkannt habe, die zum zweiten Mal in meinen Kurs kam.

10 Meter Gummiband reichen bei mir 5 Wochen lang, ein Rolle Paketband 4 Wochen und eine Rolle Garn für Handnähte 3 Wochen.

Wenn es mir besonders gut geht, scheint sich das auch auf meine Verkäufe auszuwirken. Einmal habe ich einen tollen Tag mit einer Freundin verbracht und als ich nach Hause kam, waren gleich zwei Puppen verkauft, für die sich vorher wochenlang niemand interessiert hatte. So ähnlich habe ich es schon mehrere Male erlebt. Und immer haben dabei Herzensmenschen eine Rolle gespielt.

Ich liebe es, nach Haarschmuck für die Puppen zu stöbern. Das meiste davon verwende ich nicht selbst, sondern verschenke es in meinen Kursen. Was ich dabei festgestellt habe: Am beliebtesten ist Hellblau, die Farbe, in der es jedoch am wenigsten zu kaufen gibt.

Letztes Jahr habe ich meine Arbeitszeit für die PuppenMITmacherei getrackt. Herausgekommen sind 42,75 Stunden für Planung und Kommunikation mit meiner Partnerin Caro von NATURKINDER, den Austausch mit den Teilnehmerinnen, die Herstellung meiner Rag Doll, das Schreiben der Blogartikel, die Organisation des Interviews mit Jess Brown und die Moderation der Kommentare auf dem NATURKINDER-Blog.

Ich habe seit Jahren eine bestimmte Lieblingsnähnadel, auf die ich besonders achtgebe. Sie ist mittellang, schön spitz, sehr stabil und hat ein Öhr groß genug für alle Garne, die bei mir zum Einsatz kommen.

Nachtschichten mache ich keine. Vielmehr bin ich ein Morgenmensch, eine echte Lerche. Und ich bekomme die Dinge auch ohne extra Arbeit nach Feierabend geregelt.

Ich habe kein Smartphone und bin nicht in den sozialen Netzwerken im Internet unterwegs. Dennoch schätze ich einige Instagram-Accounts, mein liebster zur Zeit ist @minusgold, der hat mit Puppen/macherei nichts zu tun, dafür mit Poesie und Verletzlichkeit.

Erst vor kurzem habe ich mitbekommen, dass man Stoffscheren nicht zum Schneiden von Garnen verwenden sollte. Dafür gibt es sogenannte Fadenknipser, bei denen ich mich immer gefragt habe, wozu sie eigentlich gut sind, wenn man eine Stoffschere hat. Jetzt weiß ich es.

Seit über 10 Jahren nähe ich Puppen, genauso lange bin ich auch Kundin bei Wollknoll. Mittlerweile kenne ich ihre Kontonummer auswendig.

Letztes Jahr habe ich 145 Kilo Stopfwolle verbraucht. Das ging natürlich nicht alles in meine Puppen, sondern auch in Materialpackungen und die Puppen meiner Kursteilnehmerinnen.

In den letzten beiden Wochen habe ich im Durchschnitt 18 E-Mails am Tag verschickt, die Wochenenden nicht mitgezählt, denn da arbeite ich nicht. (Deshalb sind es montags immer besonders viele.)

Die eingehenden E-Mails zähle ich lieber nicht.

Mittlerweile benötige ich keine 15 Minuten mehr, um meine Siebensachen für die Kurse zu packen. Solche Abläufe immer weiter zu optimieren, macht mir total viel Spaß. So habe ich zum Beispiel inzwischen alle Werkzeuge und Arbeitsutensilien doppelt, die ich sowohl in meinem Atelier als auch in den Kursen brauche. Das spart enorm viel Packzeit. Nicht inbegriffen sind natürlich die Zeit für die Korrespondenz mit den Teilnehmerinnen und die Vorbereitung des Puppenbastelmaterials.

In den letzten 10 Jahren habe ich an die 70 Kurse gegeben. In zweien davon habe ich am Ende geweint, vor Rührung.

Heute würde ich niemandem mehr empfehlen, sich mit Puppenmacherei selbständig zu machen, zumindest nicht, wenn der Wunsch besteht, wirklich davon leben zu können. Und doch würde ich es jederzeit wieder tun.

Aktuell befinden sich 24 Entwürfe im Content Mangement System meines Blogs. Die möchte ich alle noch dieses Jahr veröffentlichen.

Noch mehr Dinge über Mariengold findet ihr hier und hier.


16. Januar 2017

Wolle was komme (Willkommen 2017)

Wie gut sie getan hat, die lange Pause zwischen den Jahren. Das Neue ist jetzt schon einen halben Monat alt und gar nicht mehr so neu. Mit guten Gedanken und Träumereien, Schneestille und dem ein oder anderen Becher feinster Neujahrsschokolade habe ich es mir vertraut gemacht, dieses Neue, bin sanft gelandet in den Möglichkeiten, dem Schönen und Guten, das noch nicht ist, aber sein könnte, und freue mich so.

Denn ich fühle mich wohl, so wohl wie lange nicht mehr. Letzten Sommer bin ich nach Jahren, in denen ich mich nicht gut um mich gekümmert habe, in eine tiefe Erschöpfung geschlittert, von der ich mich mittlerweile, dank vieler guter Geister, auch meines eigenen, bestens erholt habe. Die Kraft ist jetzt zurück, aber auch die Erkenntnis, was ich alles nicht mehr möchte, oder anders gesagt: wie ich mir das Leben wünsche.

Immer etwas zu lachen zu haben, frische Luft, Bewegung und gutes Essen. Herzensmenschen um mich herum. Bücher und Musik. Die Natur. Atmen. Nach innen lauschen. Mehr braucht es nicht. Und doch habe ich mir für die Siebzehn ein paar Dinge vorgenommen.

Mit Mariengold möchte ich weiter dicht am Leben sein. Das ist mir 2016 schon gut gelungen und darauf bin ich unheimlich stolz. Ich sehe schon lange, dass ich die schönsten Herzmomente und Freudebegegnungen meist zusammen mit anderen Menschen habe. Das ist mein Wegweiser und gleichzeitig meine größte Aufgabe, denn da sind natürlich auch Ängste, Unsicherheit und Herausforderungen. Mit dem Schreiben geht es mir ähnlich. Aber ich kann gar nicht anders als Texte zu schreiben, für die ich etwas empfinde, die meine Wahrheit erzählen. Solche Texte wird es hier weiterhin geben und es wird mir eine Freude sein, sie für euch und für mich zu schreiben.

Ich möchte das Leben spüren, in meinen Knochen, in meiner Arbeit und in meinen Worten. Mit allem, was das mit sich bringt. Stärke und Verletzlichkeit. Hoffen und Bangen. Erfolg und Scheitern. Ganz groß und ganz klein. Das Leben und seine Natürlichkeit mögen in diesem Jahr all meine Wünsche und Vorhaben mit gestalten, ja beflügeln. Dafür braucht es vor allem Hingabe und das möchte ich üben, üben, üben.

Das heißt nicht, dass ich keine Pläne mehr mache. Ich liebe es zu planen! Und so habe ich mich in den letzten beiden Wochen intensiv mit den Projekten für 2017 beschäftigt. Was mir auf den ersten Blick gefällt: da steht viel, viel weniger als in den letzten Jahren. So lässt es sich atmen und das Leben auf sich zukommen lassen. Drei Vorhaben möchte ich euch schon einmal mit euch teilen:

Ein Lieblingsprojekt, mit dem ich letztes Jahr schon viel beschäftigt war und das 2017 hoffentlich Wirklichkeit wird, ist die Landpartie für Puppennähverliebte, unser mehrtägiger Puppenmacherei-Workshop in der Natur. Auf diese neue Erfahrung bin ich unheimlich gespannt, außerdem freue ich mich riesig, diesen Weg gemeinsam mit meiner Freundin Laura von 1000 Rehe zu gehen.

In diesem Jahr werde ich endlich auch wieder ein neues E-Book veröffentlichen. Das war eigentlich schon für 2016 geplant, ist aber liegen geblieben, weil keine Kraft da war. Worum es in dem neuen E-Book geht, worauf ihr euch freuen könnt, wird im Laufe der nächsten Wochen gelüftet.

Und ich möchte mit euch feiern, 10 Jahre Mariengold. Zu diesem Jubiläum wird es hier auf dem Blog ein paar besondere Artikel geben, die zurückblicken und vorausschauen, Mut machen und das Herz berühren. Außerdem schwirrt mir schon seit einiger Zeit ein wahnsinnig schönes Produkt für Puppenmacherinnen im Kopf herum, das ich zusammen mit einer von mir hochgeschätzten Handweberin in die Welt bringen möchte, quasi als Geburtstagsgeschenk von mir für euch. Und ein bisschen auch für mich selbst.

Kein Projekt, aber auch eine wichtige Nachricht sind die neuen Preise in meinen Webshops. Anstoß war die saftige Gebührenerhöhung von Dawanda zum Jahreswechsel. Ein Blick auf meine Kalkulation zeigte allerdings auch, dass neue Preise für meine Angebote längst überfällig waren. Denn während die Preise bei Mariengold seit Jahren stabil waren, sprich seit den jeweiligen Produkteinführungen nicht erhöht worden waren, sind die Preise für Rohstoffe und Dienstleistungen nahezu jährlich gestiegen. Das kann Mariengold als Ein-Frau-Unternehmen in der Kreativwirtschaft auf Dauer natürlich nicht tragen. Deshalb gelten ab heute neue Preise für Puppen und Bastelmaterial in meinen Shops bei Dawanda und Etsy. Ein kleiner Trost: Die Preise für meine E-Books bleiben vorerst gleich und die Materialpackungen kommen jetzt auch mit Stickgarn für Augen und Mund.

Als dann vorige Woche der letzte Punkt hinter meine Jahresplanung gesetzt war, musste ich schmunzeln. Denn wer weiß schon, was kommt? Was weiß ich schon? Und was sind Pläne überhaupt wert in dieser Zeit? Pläne können Richtschnur sein, im besten Falle bringen sie uns ans Ziel, was und wo immer das sein mag. Manchmal hat das Leben aber auch etwas anderes mit uns vor. Und dann können sie zum Glück jederzeit wieder losgelassen werden und Platz machen für etwas völlig anderes. So wurde aus dem Schmunzeln ein Ja aus vollem Herzen, ein Ja zum Leben. Alles darf sein, alles ist willkommen. Eben dicht am Leben.

Für 2017 wünsche ich euch ein Füllhorn an Liebe.
Fühlt euch gut aufgehoben, in der Welt, in euch selbst. Und hier.


15. Dezember 2016

Viele Herzmomente und Freudebegegnungen in 2016

Die Frage einer Kursteilnehmerin, was ich eigentlich hauptberuflich mache, wenn ich nicht gerade anderen Menschen das Puppennähen beibringe. Ich bin dann immer wieder stolz und glücklich, sagen zu können, dass ich Puppenmacherin in Vollzeit bin.

Charlie Bo goes Simbabwe. Im Januar hatte ich meine erste Kundin aus Afrika. Aufregend! Und im Juni eine aus Indonesien.

Verspätete Weihnachtspost aus Japan mit zwei Puppenbastelbüchern von einer ehemaligen Kursteilnehmerin. Ich verstehe zwar kein Wort, aber die Bilder sind toll.

Anfang des Jahres 2000 Verkäufe bei Etsy geknackt. Es war ein Oh Boy! E-Book. Bei Dawanda geht es auf die 6000 zu.

Regelmäßig den Namen eines bekannten deutschen Autors auf meinen Kontoauszügen zu lesen, weil seine Frau so gern Puppen näht.

Dass meine Kurse für die erste Jahreshälfte bereits im Januar ausgebucht waren.

Immer wieder Frühstück mit Splitterbrötchen mit Laura, ein Ritual aus alten Charlie-Bo-Zeiten, jetzt mit Kurs auf unsere Landpartie für Puppennähverliebte im Mai.

Ein kleiner Schokoladennikolaus an jedem Platz am 6. Dezember, heimlich hingestellt von einer Kursteilnehmerin (das war allerdings schon in 2015).

Begrüßung mit Sekt. Eine Kundin und ihr Mann stießen am Vorabend des 2. Geburtstags ihrer Tochter mit einem Gläschen auf das Puppengeschenk an: „Liebe Maria, Danke für deine gute und liebevolle Arbeit!“

Als mir eine Kursteilnehmerin lachend gestand, sie habe sich vor allem deshalb für die Hautfarbe mit der Bezeichung Marzipan entschieden, weil sie dieses so gern esse. (Geht mir genauso.)

Mein Kids Kurs im Frühjahr. Er hat mir unheimlich viele Glücksmomente geschenkt:

Zum Beispiel als M. einmal ihre halbfertige Puppe mit nach Hause nahm, um sie ihrer Familie zu zeigen, sie zum nächsten Treffen wieder mitbrachte und die Puppe, die noch nicht einmal Gesicht und Haare hatte, bereits kleine Strümpfe trug.

Oder der Mariengold-Herzchen-Aufkleber auf der Rückseite von F.’s Smartphone (Foto hier).

Wie A. beim Hören von Vasalisa zum Abschluss unseres Kurses fragte: „Ist das Ihre Stimme?“ (Sie war immer so besonders aufmerksam und scheinbar die einzige, die bemerkte, dass das Märchen tatsächlich von mir selbst gesprochen wurde. Und sie redete mich während der gesamten Zeit als einzige mit Sie an.)

Oder die E-Mails von den Eltern, die erzählten, wie selig die Kinder ihre Freude über die Puppenmacherei Freitag für Freitag nach Hause trugen.

Das Abschlussgeschenk von Eltern und Kindern und überhaupt die Wertschätzung, die mir von allen Seiten für dieses Projekt entgegengebracht wurde.

Auch die Mutmachworte der Klassenlehrerin und ihres Mannes, die mich letztlich dazu bewegten, den Kids Kurs doch anzubieten, nachdem ein Gespräch mit der Handarbeitslehrerin mich zunächst verunsichert hatte.

Eine kleiner Gruß von Christa, einer treuen Leserin und Kundin: „Heute Morgen sagte meine Tochter (9) beim Zähneputzen zu mir: „Lieselotte ist meine liebste und schönste Puppe der Welt.“ Das sollst du gerne wissen! Die Puppe wird seit einigen Tagen wieder allerliebst bespielt und ihr (neuerdachter) Geburtstag ist schon im Familienkalender vermerkt, am 23. April.“

Wie Janet aus dem Februar-Kurs vor ihrer Abfahrt nach München noch einmal laut hupte und mit der kleinen Puppenhand winkte. Alle jubelten begeistert. (In solchen Momenten bin ich immer den Tränen nahe.)

Janet war es auch, die mir zum Valentinstag, der dieses Jahr auf ein Kurswochenende fiel, eine köstliche italienische Praline von der Mittagspause mitbrachte. Ich war so gerührt.

Krank-Woche meiner Tochter im Winter. Alle paar Stunden kam sie in mein Atelier und bestaunte Puppen und Kleider. Mir war gar nicht klar, wie sehr ihr Herz noch für meine Arbeit schlägt.

Große Mitfreude für Julia und ihr lang erträumtes großes Puppennähatelier.

Euer Feedback auf meine Zitatsuche. Es war klein, aber fein und ich habe viel Neues entdeckt.

Dank Instagram den kreativen Reisen ehemaliger Kursteilnehmerinnen folgen zu können, z. B. elfenkindberlin, zauberflink, kleinewoelkchen, frau_apfelkern ,puppenherz_ und diekleineamsel.

Mit Sandra von Junikate und ihrem Mann einen Kaffee im Silo Coffee zu trinken und zu staunen und mich zu freuen, dass er sie genauso toll unterstützt, wie es mein Liebster seit Jahren für Mariengold tut.

Wie Barbara sich genüsslich das kleine Schokoladenherz aus dem Materialpäckchen für meine Kurse auf der Zunge zergehen ließ und meinte, es sei so gut – und das sage sie als Frau vom Fach, die selbst hauptberuflich Pralinen herstellt.

Sorgfältig und liebevoll ausgearbeitete Bestellungen, wie die von Tina für die Puppe „Nisse Pfau“ für ihren Sohn Hans mit einer schönen Collage mit Fotos, Skizzen und kurz und knapp und klar formulierten Wünschen.

Als eine gute Schulfreundin ganz unverhofft eine Puppe zum 2. Geburtstag für ihre Tochter in meinem Dawanda-Shop kaufte.

Wie unkompliziert immer Interessentinnen von der Warteliste für meine Kurse nachrücken, wenn eine Frau kurzfristig ihre Teilnahme absagt.

Wenn Puppen für ganz besondere Anlässe wie Taufe, Geburtstag oder Schuleinführung bestellt werden. Dann strotzen die Puppen nur so vor eingenähten guten Wünschen, besonders für eine lebenslange Freundschaft zwischen Kind und Puppe.

Die alte (sehr alte) Frau, die sich von Herzen an den Handpuppen erfreute, die es neben unserem Bioladen zu kaufen gab. Ihre Augen haben so geleuchtet, dass ich einen dicken Kloß im Hals bekam.

(Wenn ich mir nur vorstelle, dass meine Puppen vielleicht auch manchmal so angeschaut werden.)

Im selbstgenähten Glitzerpullover zu unterrichten. So viel Gold muss sein.

Im Mai die Anfrage von einer Abiturientin, ob ich sie bei der Vorbereitung ihrer mündlichen Prüfung unterstützen könne, Thema: „Puppen in einer technologisierten Welt“ im Fach Kunst. Und unser Hin-und-her-Schreiben über Wochen. (Die Prüfung hat sie natürlich bestanden.)

Als Julia nach dem Launch meiner neuen Reihe Mit Mariengold gemacht meinen Blog als die „Vogue unter den Puppenmacherei-Blogs“ bezeichnete.

Dass ich zwei Mal erfolgreich Spezialanfragen an Evi von daskleinekra vermitteln konnte, die nichts für Mariengold waren.

Meine Tochter, die mich immer wieder mit ihren Näh-Skills überrascht. Von mir hat sie das nicht.

Als ich auf dem übervollen Kurstisch das kleine rote Herz aus Staniolpapier entdeckte, dass Rena aus dem Überbleibsel ihres Schokoladenherzens geformt hatte.

Im selben Kurs Luise und Joe als Paar zu erleben, die gemeinsam zwei Puppen für ihre beiden Kinder nähten. (Joe war der zweite Mann in meinen Kursen in neun Jahren.)

Am Wochenende vor der Veröffentlichung von Puppen und Schmetterlinge in dem Kindergarten, in dem meine Kurse immer stattfinden, eine kleine Schmetterlingszucht zu entdecken und die wundersame Metamorphose, von der ich da schrieb, noch einmal mit eigenen Augen bestaunen zu können.

Die vielen Rückmeldungen zu eben jenem Blogartikel. Yoga für die Seele – das ist Origami scheinbar auch für euch. Und das freut mich.

Das ausführliche (und mutige) Feedback von Ariete mit guten Impulsen, wie ich in meine Kurse in Zukunft noch besser machen kann.

Die unzähligen Nachmittage, die ich schreibend im Goodies saß oder einfach nur mit einem Milchkaffee und meinen Gedanken.

Oder mit Clara, meiner wunderbaren Grafik-Designerin, die Mariengold seit Jahren so schön macht.

Handgeschriebene Dankeschön-Post von lieben Kundinnen und Kunden, manchmal sogar mehrseitig.

Der Austausch mit meiner Leserin Maja-Friederike zu den Wurfpuppen von Alma Siedhoff-Buscher und zur Puppenmacherinnnen-Künstlerinnen-Seele.

Jasmin, die mir auf den letzten Metern zur Vollendung der Puppen für ihre beiden Kinder eine Audiodatei mit von ihr gespieltem Klavier und dazu improvisiertem Gesang ihres Zweijährigen schickte.

Jedes Jahr in Doro nach meiner Arbeit als Puppenmacherin gefragt zu werden. Und das Leuchten in den Augen der Bergbauern zu sehen, die trotz ihrer eher groben Arbeit ein feines Gesprür für das Schöne haben. (Sonst rede ich im Urlaub nicht so gern über Berufliches.)

Post von Ramona im September. Eine Karte mit einer Puppe von Elisabeth Pongratz in warmen Herbstfarben, ein lieber kleiner Ich-denke-an-dich-Gruß aus Bayern von einer tollen Frau, die ich seit über zehn Jahren aus dem Internet kenne. (Die Karte hängt immer noch an meiner Pinnwand.)

Elefanten sind gleich nach Katzen meine Lieblingstiere. Deshalb hat es mich besonders gefreut, dass die Puppe Elli mit der Elefantenhose so gut ankam, dass sie vom Fleck weg verkauft und mehrfach nachbestellt wurde.

Als Waltraut mir auf mein Stöhnen über die Fummelei mit den kleinen Ärmchen meiner PuppenMITmacherei-Rag-Doll hin eine professionell selbstgezeichnete Anleitung zum Wenden von schmalen Teilen schickte.

Sonst gab es in der PuppenMITmacherei aber nichts weiter zu stöhnen, nur vor Glück zu jauchzen. Denn es war wieder einmal ganz fabelhaft. Ich freue mich auf 2017.

Wiedersehen nach acht Jahren. Im Herbst kam Andrea aus einem meiner ersten Kurse noch einmal zum Puppennähen. Mitgebracht hatte sie auch Benz, ihr zerzaustes und zerliebtes Erstlingswerk. Es war schön, sich nach so langer Zeit wiederzusehen und zu erleben, wie sich meine Puppenmacherei verändert hat.

Überhaupt kommen jetzt einige Jahre (zehn um genau zu sein) Erfahrung mit Mariengold zusammen. Einige Leserinnen, Kundinnen und Kursteilnehmerinnen kenne ich bereits seit vielen Jahren. Da gehen E-Mails und Bilder hin und her, Briefe und Karten landen in meiner Post und manchmal trifft man sich sogar zufällig in der Stadt (wie zuletzt in der Meierei). Ich finde es auch immer wieder toll zu sehen, wie die Puppen über die Jahre mitleben und immer zerliebter werden.

Meine erste Praktikumsanfrage. Leider kann ich so etwas (noch) nicht ermöglichen.

Die Caput Medusae, die Laura mir zum Geburtstag geschenkt hat mit den Worten: „Wenn das Leben mal wieder allzu schwer wird, schau dir die Luftpflanze an.“

Manchmal passieren auch doofe Dinge im Kurs, also nicht direkt währenddessen, eher drumherum. Umso schöner ist es, wenn die Gruppe es mitträgt und tröstet und Mut zuspricht.

Im Oktober gab es ein Treffen der Kursleiterinnen und Kursleiter des Familienzentrums Honigpumpe, in dem auch meine Veranstaltungen zu Hause sind. Es ist unglaublich bereichernd, Teil einer solchen Gemeinschaft zu sein, die sich der Unterstützung von Eltern und Familien im Kiez widmet. Auch wenn meine Teilnehmerinnen oft gar nicht aus dem Prenzlauer Berg, ja nicht einmal aus Berlin kommen, spüre ich doch, wie gut die Puppenmacherei allen tut.

Stecknadelpost von Ute. Im Kurs hatte ich gesagt, dass ich gern einmal Nadeln mit altrosa Kopf zum Markieren des Mundes hätte. Ein paar Wochen später kamen sie mit der Post.

Einmal schrieb mir Margit, eine ältere ehemalige Kursteilnehmerin, die immer noch regelmäßig Puppenbastelmaterial bei mir bestellt: „Solange meine Augen es zulassen, möchte ich noch so viele Puppen wie möglich nähen.“

Solveig hatte gerade die Puppe Amali für ihre Enkelin gekauft. Am gleichen Tag schrieb ich (und las sie) auf meinem Blog von den drei Glückshauben, die ich in den Herbstferien gestrickt hatte. Glückshauben, das sind vollkommen intakte Fruchtblasen, mit denen Babys manchmal auf die Welt kommen. So war es auch bei Solveigs Enkelin. Daraufhin schickte ich ihr gleich die Anleitung zum Selbermachen. (Ich glaube ja nicht an Zufälle.)

Amali war übrigens meine liebste Lieblingspuppe in diesem Jahr. Aber eigentlich mag ich sie natürlich alle gern. Auch und gerade nach all den Jahren mit der Puppenmacherei.

Im November habe ich meine erste Puppe nach Russland verkauft. (Bemerkenswert, weil meine Oma von dort kommt.)

Und Puppennähanleitungen in die Türkei. (Bemerkenswert, weil das erst im dritten Anlauf funktionierte, als die Käuferin eine Übersetzerin zur Hilfe nahm, die zwischen uns vermitteln konnte.)

Im November nähte Caroline in ihrem zweiten Kurs ihre dritte Puppe für ihr drittes Kind, das zu diesem Zeitpunkt noch in ihrem Bauch war, und sagte am Ende: „Das war mein Geburtsvorbereitungskurs.“ (Wieder so ein Seligkeitstränenmoment.)

Das neue riesige Regal in meinem Atelier, frische weiße Wände und ein gemütliches Eckchen für den Feierabend, weil ich in beschlossen habe, diesen schönen Raum nicht mehr nur zum Arbeiten zu nutzen.

Dass die Puppe, die ich seit Jahren in meinen Kursen dabei habe (und die schon einen großen Kaffeefleck auf dem rechten Bein hat), immer wieder von Teilnehmerinnen gekauft werden möchte.

Das Interview mit der Puppendesignerin Jess Brown. Es brauchte einen langen Atem, aber es hat geklappt.

Die 8Hände-Treffen sind zwar selten geworden, aber unser Wochenende unter Puppenmacherinnen war ein Highlight des Sommers.

Manche Kursteilnehmerinnen schickt mir der Himmel. Dieses Jahr waren es besonders zwei Kunsttherapeutinnen, die mir geholfen haben, klarer zu sehen, was meine nächsten Schritte als Puppenmacherin sind.

Immer wieder: Alles ist gut, alles ist gold.

Mehr Herzmomente und Freudebegegnungen findet ihr hier und hier.


23. November 2016

Rosinen im Kopf

Immer wenn ich in der Vergangenheit gefragt wurde, was die Puppenmacherei einbringt, habe ich mit einem Augenzwinkern geantwortet: Man kann davon leben, wenn man keine Rosinen im Kopf hat. In den letzten Wochen habe ich viel darüber nachgedacht, was dieser Satz eigentlich aussagt und ob er tatsächlich stimmig für mich ist.

Rosinen, das waren für mich vor allem materielle Dinge, die über das hinausgehen, was ich wirklich zum Leben brauche. Natürlich habe ich Träume und Wünsche, die sich mit dem Geld, das ich verdiene, nicht erfüllen lassen. Darüber bin ich manchmal traurig. Aber ich bin auch froh. Denn meine Rosinen sind eigentlich anderer Natur. Selbstbestimmt, schöpferisch und sinnstiftend zu arbeiten, das ist mir wirklich wichtig. Und das kann ich mit Mariengold.

Nach zehn Jahren als Puppenmacherin weiß ich, dass ich mit dieser Art von Arbeit wohl niemals reich werde, aber ich kann mir davon ein Gehalt auszahlen, meine Krankenversicherung finanzieren, Rücklagen bilden und für das Alter vorsorgen. Dafür muss ich aber auch etwas tun und zwar fünf Tage die Woche, täglich sechs bis acht Stunden, oft mehr, ein Mal im Monat auch am Wochenende. Bei aller Freude und Erfüllung ist das manchmal auch langweilig, anstrengend und frustrierend. Und Ängste kenne ich natürlich auch, Angst, meine Rechnungen nicht zahlen zu können, mein Potenzial nicht voll auszuschöpfen oder arm zu sein, wenn ich einmal nicht mehr arbeiten kann.

Wie gut es mir eigentlich geht, fällt mir manchmal ganz schön schwer zu erkennen. Denn ich neige sehr dazu, viel zu arbeiten und viel zu selten innezuhalten und zu schauen, was ich geschafft habe, geschweige denn es ausreichend zu würdigen. Mein Fokus liegt häufig darauf, was alles noch zu tun ist, welche Projekte warten oder ob ich alle Zahlungen pünktlich leisten kann. Das macht Blick und Herz eng.

Was mir in solchen Zeiten hilft, ist Dankbarkeit. Dann mache ich mir bewusst (meist in Form von Aufschreiben), wofür ich dankbar bin, jeden Abend drei Dinge, meistens sind es mehr. So ein Dankbarkeitstagebuch wirkt Wunder und macht glücklich, das kann ich aus Erfahrung sagen. Gerade erlebe ich es wieder ganz intensiv, denn aktuell schreibe ich an meinen Herzmomenten und Freudebegegnungen für 2016. Solche Glückslisten führe ich seit einigen Jahren und veröffentliche sie immer im Dezember. Unglaublich schön, was sich in den letzten 365 Tagen angesammelt hat!

Vor einigen Wochen hat mich eine Leserin meines Blogs gefragt, ob ich schon eine Antwort gefunden hätte auf meine Frage hier, ob man in Deutschland davon leben kann, mit guter Handarbeit ein solides und schönes Traditionsprodukt herzustellen und es selbst zu vermarkten. Im Laufe des Gesprächs stellte sich heraus, dass sie selbst vorhatte, sich mit ihrer Hände Arbeit selbständig zu machen. Und darin liegt auch die Antwort, nämlich, dass man sie nur für sich selbst finden kann. Man kann nur für sich selbst erkunden, was einem Erfolg bedeutet, was Wohlstand, ein gutes Leben und Selbstverwirklichung.

Für mich ist es ein großes, unfassbares Glück, mein Berufsleben den Puppen und der Puppenmacherei widmen zu können. Das sind die Rosinen in meinem Kopf und von und mit denen lebe ich sehr, sehr gut.


31. August 2016

Was gerade so los ist #8 (und ein Rezept für den Sommer)

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Im Dezember 2012, in meinem fünften Jahr mit Mariengold, gab es zum ersten Mal einen Relaunch, also ein neues Erscheinungsbild für mein Label. Meine Grafik-Designerin Clara, mit der ich zu diesem Zeitpunkt schon länger zusammenarbeitete, entwickelte damals ein neues Logo und Gestaltungsrichtlinien, die seitdem auf alle Kommunikationsmittel und Produkte von Mariengold angewendet werden. Der Höhepunkt war meine neue Internetseite, die ich nach all der Mühe mit Pauken und Trompeten feierte. Der Prozess zur Entwicklung eines Corporate Designs geht tief, macht unheimlich Freude, aber auch ganz viel Arbeit. (Mehr dazu habe ich schon einmal hier geschrieben.) Vier Jahre ist das jetzt her. Für mich war das auch eine Art Neubeginn. Schließlich spiegelt die äußere Erscheinung immer die Identität, die Seele eines Unternehmens wider. Bei Mariengold ging es damals vor allem darum, die Kernwerte Herzverbundenheit, Offenheit und Humor in ein leichteres, frisches Design zu übersetzen. Das ist Clara so gut gelungen, dass ich nach wie vor superglücklich mit der Gestaltung bin.

Jetzt ist es aber so, dass sich in letzter Zeit viel bei Mariengold verändert hat. Anfang 2015 trennte ich mich von meiner langjährigen Mitarbeiterin und fasste den Entschluss, anders weiter zu machen (in Wirklichkeit war die Reihenfolge natürlich andersherum). Ich wollte viel weniger Puppen nähen, weg der Puppenmacherei wie am Fließband, worin ich keine Zukunft für meine Ambitionen sah, und mich dafür stärker im Bereich DIY und Kurse engagieren. Das umzusetzen war und ist eine ziemliche Achterbahn, ein gutes Stück Kopf- und vor allem Herzarbeit, verbunden mit einer neuen finanziellen Situation, Unsicherheit und manchmal auch Verzagtheit. Mittlerweile ist das Ruder rumgerissen. Zwar gibt es weiterhin offene Fragen (die wird es immer geben), und mehr Mut hätte ich auch manchmal gern, aber ich folge jetzt einfach stoisch meinem inneren Kompass, auch wenn es gefühlt oft nur klitzekleine Schritte sind.

Das Neue fühlt sich also langsam vertraut an und so kam in den letzten Wochen der Wunsch auf, das neue Selbstverständnis von Mariengold mehr nach außen zu tragen. An der Optik wollte ich nichts ändern. Das war auch eine Frage der Zeit und des Geldes. Und es gibt ja auch andere Möglichkeiten. Also habe ich meine Internetseite gründlich aufgeräumt und umstrukturiert, sämtliche Texte überarbeitet, viele Altes gelöscht, den Menüpunkt „Über mich“ wiederbelebt, eine Puppenbilder-Galerie und einen Bereich für Downloads und Give-Aways eingerichtet und einen neuen Seitenleistenbanner für meine DIY-Angebote gestaltet. Für Außenstehende mögen das nur kleine, kaum wahrnehmbare Veränderungen sein. Für mich aber waren sie wichtig, um den neuen Fokus von Mariengold nach außen sichtbar zu machen, auch als Erinnerung an mich selbst, an meinen Zielen dran zu bleiben.

Konkret bedeutet das in den nächsten Monaten vor allem, weiter an meinem neuen E-Book zu arbeiten, das ich in letzter Zeit ziemlich vernachlässigt habe, das Puppenmacherei-Retreat mit Laura auf die Beine zu stellen, auf das ich mich in 2017 ganz besonders freue, die Kurse für das kommende Jahr zu planen und meinen Blog weiterhin mit dem prallen Leben zu füttern, was manchmal gar nicht so leicht ist, wenn anderswo bezahlte Arbeit ruft. Und dann gibt es noch das Thema „Puppen und Heilung“, das von Anfang an über allem schwebt und endlich auf die Erde geholt werden möchte. Puppen wird es natürlich auch weiterhin geben, mindestens eine pro Woche für euch.

Herzverbunde Puppenmacherei, diese Formulierung kam mir in den Sinn, als ich in letzter Zeit über Mariengold nachdachte. Das trifft es gut. So war es immer und so ist auch jetzt. Auch wenn die Umstände sich ändern, wenn ich mich verändere oder das, was ich in meinem Leben und mit meiner Arbeit vorhabe. Das Herz führt.

Schoko-Beere-Eis am Stil

Für 8 Stück, je nach Eisform (meine ist von Rosenstein & Söhne, erhältlich über verschiedene Anbieter im Internet)

1 Superreife Banane
1 Tasse tiefgekühlte oder frische gemischte Beeren
1 EL Tahin
1 Tasse ungesüßte Reis- oder andere Milch
2 EL Kakao (ich nehme am liebsten MaKao in Rohkostqualität)

Alles in den Mixer geben, glatt pürieren und in die Eis-am-Stiel-Form füllen. Die Stiele nicht vergessen. Für 4 bis 6 Stunden in den Tiefkühler stellen. Zum Lösen des Eises aus der Form diese vorher ein paar Sekunden unter heißes Wasser halten. Frohes Schlecken!


13. Juni 2016

Puppen und Schmetterlinge (und ein Sommer-Give-Away für euch)

Origami-Schmetterling Blog

An Puppen mag ich einfach alles: ihre handwerkliche Herstellung und die künstlerische Gestaltung, ihren unschätzbaren Wert als Spielzeug für Kinder oder Seligkeitsding, das auch Erwachsene gern in ihrer Nähe haben, die Gefühle, die sie zu wecken vermögen, die Herzenserinnerungen, die fast alle Menschen mit ihnen verbinden. Ich mag aber auch das Wort selbst.

Geheimnis Puppe

Das Wort Puppe kommt von dem lateinischen pup(p)a für „(Spiel-)Puppe, kleines Mädchen“. Es hat drei Bedeutungen: 1. die Nachbildung der Figur eines Menschen, 2. eine Larve oder Raupe im letzten Entwicklungsstadium sowie 3. zu einer bestimmten Form zum Trocknen zusammengestellte Getreidegarben in der traditionellen Landwirtschaft.

Was diese drei in erster Linie gemeinsam haben, ist ihre Form. Ich sehe aber auch eine schöne symbolische Verbindung zwischen der Puppe als Spielzeug und der Puppe in der Zoologie.

Puppen für Kinder sind Nachbildungen der menschlichen Gestalt. Sie sind Bilder des Menschen und das macht sie so wertvoll als Spielzeug. Sie können Partner im Rollenspiel, kleine Freunde und Vertraute und manchmal sogar lebenslange Begleiter sein, die Gefühle und ganz viel Liebe freizusetzen vermögen. In den Puppen sind also im wahrsten Sinne des Wortes Möglichkeiten für Spiel und Beziehung verpuppt wie in einem Kokon, aus dem durch die Zuwendung und Phantasie der Kinder Spielgefährten schlüpfen wie Schmetterlinge.

Wunderwesen Schmetterling

Schmetterlinge sind ganz bemerkenswerte kleine Wesen, denn sie durchlaufen im Laufe ihres Lebens eine vollständige Verwandlung: Aus dem winzig kleinen Schmetterlingsei schlüpft zunächst eine Raupe. Diese futtert sich dick und rund, bis sie voll entwickelt ist und genügend Nährstoffe für den nächsten Entwicklungsschritt gespeichert hat. Dann sucht sie sich einen ruhigen, geschützten Ort, um sich zu verpuppen. Von außen betrachtet geschieht in diesem Stadium nicht viel. Innen aber vollzieht sich eine wundersame Verwandlung. Dabei werden die ursprünglichen Organe der Raupe komplett abgebaut und dieses Material sowie die Speicherstoffe dazu benutzt, den gesamten Körper des fertigen Falters aufzubauen. Ist der Schmetterling voll entwickelt,  sprengt er den Kokon auf und streckt sich in seine neue Freiheit. Er sammelt neue Kraft, pumpt sich zu seiner letztendlichen Gestalt auf und hebt schließlich zu seinem ersten Flug ab.

Vor dem Hintergrund dieser erstaunlichen Metamorphose wird verständlich, dass der Schmetterling überall auf der Welt als Symbol für Veränderung gilt. Wann immer er uns im Traum, in der Meditation oder auf außergewöhnliche Weise in der materiellen Welt begegnet, kündigt er eine Verwandlung auf seelischer Ebene an.

Dann sind wir meist schon länger auf dem Weg, haben uns spirituell geöffnet und möchten uns bewusst weiterentwickeln. Der Schmetterling ist ein Zeichen dafür, dass sich nun etwas grundlegend ändern wird. Dann ist ein bestimmter Aspekt unserer Persönlichkeit so reif, dass wir ihn hinter uns lassen können. Er wird für immer umgewandelt und auf eine neue höhere Stufe gehoben. Perfektionismus wird dann zum Beispiel zu Gelassenheit, Selbstausbeutung zur Fähigkeit, gut für sich zu sorgen. Das Alte wird losgelassen und wir sind wieder einen Schritt weiter in unserer Entwicklung.

In der griechischen Mythologie ist der Schmetterling auch ein Bild für die Seele. In diesem Sinne durchlaufen wir in unserem Leben innerlich immer wieder die Stadien von der Raupe zur Puppe zum Falter und wieder von vorne, bis unsere Seele nach dem Tod aus dem Körper emporsteigt – gleich einem wunderschönen Falter.

Dieses Bild hat mir in meinem Leben schon oft Kraft und Halt gegeben, mich getröstet und zum Lächeln gebracht. Und es inspiriert von Beginn an meine Arbeit als Puppenmacherin. Heute weiß ich, dass meine Seele sich ganz bewusst die Puppen als Spielfeld ausgesucht hat. Um im Bild zu bleiben, dort stehen sie als Symbol für die Vielzahl an Möglichkeiten, das Leben zu gestalten, den unendlich großen Raum für Entwicklung, der uns umgibt und einlädt, und auch für das Überraschungsmoment, was sich wohl zeigt, wenn der Panzer geknackt ist und der Blick auf das Innere, auf das Herz frei wird.

1000 Schmetterlinge für euch

Ich finde, Schmetterlinge kann es gar nicht genug geben. Sie erinnern uns daran, unbeschwert und neugierig durch das Leben zu gehen, aber auch den Mut zu haben, uns immer weiterzuentwickeln.

Deshalb falte ich sie gern aus Papier und schicke sie in die Welt hinaus (z. B. hierhin). Ihr kennt sicher die alte japanische Legende, nach der die Götter demjenigen einen Wunsch erfüllen, der 1000 Kraniche faltet? Mit Schmetterlingen geht das bestimmt auch.

Faltet mit! Für euer Schmetterlingsglück schenke ich euch eine Anleitung, die kein Geheimnis und keine große Kunst ist, aber mit viel Liebe und guten Gedanken für euch von Mariengold gestaltet wurde. Hier könnt ihr die Vorlage herunterladen, ausdrucken und loslegen.

Noch eine kleine Anmerkung zum Material: Für diese Faltkunst verwendet ihr am besten spezielles Origami-Papier, das besonders reißfest und flexibel ist. In Berlin bekommt man besonders hübsches bei ting oder Modulor. Gut geeignet ist auch Papier von Magazinen und Zeitschriften, das dann noch quadratisch zugeschnitten werden muss. Am schönsten wirken die Schmetterlinge übrigens, wenn sie in bunten Schwärmen und vielen verschiedenen Größen an Wänden oder Fenstern flattern dürfen.

Viel Freude beim Falten und einen Sommer voller Leichtigkeit und Furchtlosigkeit für euch!

Weitere Downloads und Give-Aways findet ihr hier in dem neu eingerichteten Bereich in der Seitenleiste.


26. April 2016

Namen los!

Ganz oft werde ich gefragt, wie ich auf die Namen für meine Puppen komme. Die fliegen mir ehrlich gesagt einfach so zu. Zwar pflege ich seit Jahren eine Liste mit meinen liebsten Namen aller Zeiten, aber jede Woche, wenn es an die Benennung der Freitagspuppe geht, kommt ganz verlässlich ein neuer Name. Es ist ganz leicht.

Manchmal finde ich ihn in einem Buch, manchmal in einem Filmabspann. Manchmal denke mir selbst einen aus oder verändere bekannte Namen, indem ich Buchstaben hinzufüge oder weglasse, so dass sie ein bisschen anders klingen oder besonders aussehen.

Ich finde, ein Name muss aus dem Bauch kommen. Dabei hilft es mir manchmal, herumzuspinnen und beliebig Silben aneinanderzureihen, nicht nur im Kopf, sondern laut ausgesprochen. Das macht gute Laune und es kommen die besten Namen dabei heraus.

Inspiration hole ich mir gern aus dem Skandinavischen, dort gibt es schöne kurze Namen voller Leichtigkeit und Freude. Aktuell mag ich auch slawische Namen sehr, weil sie oft etwas Verzaubertes und Kraftvolles haben. Märchen sind ebenfalls gute Quellen. Oder Kinder, die haben immer tolle Ideen.

Überhaupt bin ich sehr dafür, die Kinder zu fragen, wie ihre Puppe heißen soll. Sie wissen meist genau, wen sie da vor sich haben, und kennen auch den richtigen Namen.

Wenn man wie ich Puppen professionell herstellt und verkauft, geht es aber nicht nur um Intuition. Ob ein Name passt oder nicht, entscheiden dann auch noch andere Faktoren.

Was mir bei den Namen für meine Puppen wichtig ist

Signatur. Die Namen sollen nicht nur zu den Puppen selbst, sondern auch zu der Marke Mariengold passen und in diesem Sinne eine Art Markenzeichen sein. Idealerweise sind sie ikonisch und haben einen hohen Wiedererkennungswert. Wichtige Stichworte sind Leichtigkeit und Frische, Humor und Verspieltheit, Lieblichkeit, aber auch Stärke und Selbstbewusstsein. Besonders spannend finde ich, Namen zu verwenden, die noch nicht besetzt sind, oder bekannte Namen in einen neuen Kontext zu bringen. Dazu gehört für mich auch, keine typischen Namen für Waldorfpuppen zu verwenden.

Storytelling. Neben dem äußeren Erscheinungsbild einer Puppe, ist ihr Name eine weitere Möglichkeit, ihre Geschichte zu erzählen. Dabei geht es um Assoziationen und Bilder im Kopf, die Vermittlung von Gefühlen und die Sichtbarmachung von Werten. Namen sind auch Energieträger. Sie können sanft, kraftvoll, frech, romantisch, wild, ätherisch, verspielt, witzig, außergewöhnlich usw. sein. Sie können von einer Geschichte oder einem Märchen inspiriert sein oder an einen geliebten Menschen erinnern. Im besten Fall passen Aussehen, Ausstrahlung und Name perfekt zusammen.

Spiel. An die Kinder denke ich natürlich auch. Für sie ist mir wichtig, dass die Namen kurz und einprägsam sind, eine liebevolle und fröhliche Ausstrahlung haben und Lust aufs Spielen machen.

Sympathie. Nicht zuletzt zählen auch persönliche Vorlieben mit. Ich mag Namen, die mit L oder M beginnen und/oder auf i enden. Interessant finde ich den Kontrast von weichen und harten Lauten und ich spiele gern mit geschlechtsneutralen Namen.

Tipps für euch

Wenn euch der Name gefällt, den eure Puppe mitbringt, behaltet ihn. Vielleicht habt ihr von Anfang an eine Verbindung gespürt und er hat sogar zu eurer Kaufentscheidung beigetragen. Dann stellt die Puppe euren Kindern ganz selbstverständlich mit ihrem Namen vor.

Wenn nicht, sucht einen neuen aus. Mir ist es überhaupt nicht wichtig, dass die Puppen den Namen behalten, den ich ihnen gegeben habe. Ganz im Gegenteil. Es macht viel Freude, gemeinsam mit den Kindern auf Namensfindung zu gehen. Außerdem stärkt es das Band zur Puppe und kann einen ganz bestimmten, erwünschten Spirit in die Familie bringen.

Offenheit und Geduld sind wichtig. Manchmal dauert es ein bisschen, bis sich der richtige Name offenbart. Wenn eure Kinder alt genug sind, lasst sie am besten selbst wählen. Dabei kommen meistens die schönsten, lustigsten, einzigartigsten und rührendsten Kreationen heraus. Bei ganz kleinen Kindern könnt ihr es erst einmal bei der Bezeichnung „Puppe“ oder Koseformen davon belassen und abwarten, was sich im Laufe der Zeit tut.

Zum Abschluss noch ein paar Favoriten für euch: Jina, Kit, Rumi, Golda, Betka, Fink, Finzi, Malphi, Nilla, Winka, Toska, Momo, Tomme und Winz.


21. April 2016

Was gerade so los ist #7

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Das neue Jahr ist bereits gute vier Monate alt, aber so richtig angekommen in 2016 fühle ich mich noch immer nicht. Das merke ich auch daran, dass ich – völlig untypisch für mich – meine Projektplanung für dieses Jahr erst im März abgeschlossen und die wichtigsten Vorhaben gerade erst begonnen habe. Zwischendurch dachte ich sogar, dass es vielleicht auch mal spannend wäre, ganz ohne Kompass unterwegs zu sein. (Lieber nicht.)

Aber jetzt ist der April da mit seinem Frühlingsfrohsinn, auf den jedes Jahr Verlass ist, und ich spüre neue Energie, Aufbruchslust und Tatendrang in Herz und Händen. Wenn ich zurückschaue auf die vergangenen Wochen und Monate, sehe ich, dass da auch schon eine ganze Menge Kraft und Inspiration da war, auch wenn ich oft das Gegenteil dachte. Ich habe Einiges angepackt und eine gute Grundlage geschaffen für das, was in diesem Jahr noch kommen mag.

Im Januar habe ich wieder einmal alle Mariengold E-Books zur Herstellung von Puppen und Puppenkleidung überarbeitet. Nach zwei Revisionsrunden in den letzten beiden Jahren waren die Anleitungen bereits auf einem guten Stand, so dass nur Kleinigkeiten geändert werden mussten. Die größte Neuerung ist wahrscheinlich, dass die Puppe Pip, inspiriert von meinem Kids Kurs, eine schönere Form bekommen hat. Das soll es jetzt aber erst einmal mit Überarbeitungen gewesen sein. Die E-Books sind gut, wie sie sind, sogar sehr gut. Das Feedback ist durchgehend positiv, die Puppen, die meine Kundinnen und Kunden mit den Anleitungen nähen, wunderschön. Jetzt ist es Zeit für etwas Neues (an dem ich bereits arbeite, aber dessen Veröffentlichung noch in den Sternen steht).

Mein erstes großes Projekt in diesem Jahr war die Puppennäh-AG, die ich mit acht Mädchen und Jungen einer 6. Klasse an einer Berliner Schule veranstaltet habe. Davon habe ich hier, hier und hier ausführlich erzählt. In dieser Zeit habe ich mich oft gefragt, was wohl für eine Lehrerin aus mir geworden wäre, wenn ich im Sommer 2007 die Ausbildung am Seminar für Waldorfpädagogik Berlin wirklich begonnen hätte. Aber das habe ich nicht, denn eines Morgens – ich hatte den Vertrag bereits unterschrieben -, wachte ich mit der unerschütterlichen Gewissheit auf, dass das einfach nicht mein Weg ist, und blies alles wieder ab. Stattdessen kamen die Puppen in mein Leben. Ein Jahr später mit meinen ersten Kursen auch das Unterrichten. Und jetzt die Kinder. So hat sich ein Kreis geschlossen. Mir hat die AG so viel Freude gemacht, dass ich sie nächstes Schuljahr für die neue 6. Klasse wieder anbieten möchte.

Zwischen den Jahren hat mein Atelier einen frischen Anstrich bekommen. Nach sieben Jahren in zartgelber Lasur sollten die Wände wieder weiß werden. Bei dieser Gelegenheit habe ich auch gründlich aufgeräumt, aussortiert, Platz geschaffen und neue Pläne für den Raum geschmiedet. Wie sich herausstellte, sollten diese jedoch für die folgenden drei Monate wieder in der Schublade verschwinden. Irgendetwas blockierte mich. Das hatte wohl etwas mit einer gewissen Verzagtheit bezüglich meiner beruflichen Orientierung zu tun. Der kreative Geist von mir strebt nach Ausdehnung, Erweiterung und beherztem Anpacken all der geplanten und erträumten Projekte für Mariengold, auch nach einem Atelier außerhalb meiner Wohnung, nach neuem Raum für neue Möglichkeiten. Mein Verstand dagegen sagt, dass dieses kleine Arbeitszimmer hier gerade sehr vernünftig ist: Es kostet nichts extra, lässt mich alle meine Lebensbereiche fließend verbinden und birgt keine finanziellen Risiken, falls es mal schlechter laufen sollte. Diese Sicherheit tut mir gerade sehr gut. Denn nach den verrückten Jahren 2011 bis 2014 befindet sich Mariengold immer noch im Übergang. Aber auch in dieser Phase möchte ich es mir schön machen. Und die Veränderung, die sich innerlich vollzieht, darf sich langsam auch im Außen zeigen. Deshalb habe ich letzte Woche endlich neue Möbel bestellt und freue mich jetzt riesig auf mein verwandeltes Atelier zu Hause.

Veränderungen gibt es auch auf meiner Internetseite. Ich habe gründlich aufgeräumt, Texte aktualisiert und alle Artikel bis Ende 2012 gelöscht. Zwei, drei Buchvorstellungen werden in den nächsten Wochen in leicht überarbeiteter Form wieder veröffentlicht, der Rest ist für immer weg. Ich mag es, dass mein Blog so lebendig ist und immer wieder verändert und an meine Ideen und Vorhaben angepasst werden kann. Bloggen ist für mich reines Vergnügen, aber kein Privatvergnügen. Mein Blog ist ein wichtiger Teil meiner Arbeit. Er dient dem Marketing meiner Produkte, der Gestaltung und Entwicklung der Marke Mariengold und ist das wichtigste Kommunikationsmittel mit meinen Kundinnen und Kunden. Und doch ist er immer noch klein und fein, persönlich und herzlich und vor allem unabhängig. Ich blogge so oft oder selten, so professionell oder aus dem Bauch heraus, wie ich mag, und schreibe nur über Themen, die mich wirklich interessieren. Manchmal denke ich über Möglichkeiten nach, mit meinem Blog Geld zu verdienen. Aber ich komme jedes Mal zu dem Entschluss, dass es mir so, wie es jetzt ist, doch am besten gefällt. Ich möchte auch kein Instagram oder Facebook oder Snapchat für Mariengold. Heute wirkt es ja fast ein wenig anachronistisch, wenn jemand ausschließlich bloggt. Aber genau diese Exklusivität mag ich mittlerweile sehr. Und ich schätze auch die Zeit und Energie, die mir durch diesen Fokus für andere Dinge bleiben.

Woran ich gerade Freude habe in meinem Atelier

Eine Flasche Seifenblasen.

Dass die Sonne mittags so hoch steht, dass sie auf meinen Arbeitstisch scheint.

Eine Postkarte in Schwarz-Weiß mit Pipi Langstrumpf drauf, um die ich wochenlang herumgeschlichen bin, bis ich sie mir endlich von meinem allerletzten Euro im Portmonee gekauft habe.

Mittagsschlaf. Seid ihr auch manchmal so frühjahrsmüde?

Eine Collage mit Fotos von den Kindern aus meinem Kids Kurs. Sie erinnert mich an den Sinn meiner Arbeit, mit meinen Puppen und der Puppenmacherei den Menschen Freude zu bringen.

Internetfreie Zeit. Mein Internet ist seit einiger Zeit jeden Tag von 15 bis 19.30 Uhr und am Wochenende sogar ganz ausgeschaltet. Unglaublich, wie positiv sich das auswirkt.

Ein Puppenbild von Sandra von Junikate, mit der ich mich Anfang des Monats auf einen Kaffee im Silo getroffen habe. Später kam noch ihr Mann dazu, der sie so wunderbar rat- und tatkräftig bei ihrem Business unterstützt. Genau wie mein Partner, wofür ich immer wieder von Herzen dankbar bin.

Eine herrlich duftende, leichte Handcreme von Aveda.

Stoffspielereien. Seit einiger Zeit probiere ich neue Techniken aus und färbe, bedrucke und bemale. Es gibt so viele Möglichkeiten, Stoffe zu verändern und sie sich ganz zu eigen zu machen.

Geputzte Fenster.

Neue Nähnadeln. Endlich habe ich welche in der perfekten Stärke gefunden.

Das Brainstorming für mein neues E-Book. Ich bin gerade in der Phase, in der mir jeden Tag neue Ideen kommen, ich sie sammle und strukturiere und langsam mit dem Rohentwurf beginne. Aufregend.

Getrocknete Maulbeeren als Snack für Zwischendurch mit Obst und Nüssen oder in roher Schokolade.

Und dazu Milchkaffee aus Lupinen.

Dass auf meiner Aufgabenliste aktuell nie mehr als sechs Punkte stehen. So viel kann ich gut an einem Tag schaffen.

Das neue Album von Mine. So genial wie Mine Musik macht, möchte ich irgendwann einmal Puppen nähen.

Eine Konzertkarte von Anna Ternheim, die ich vor zwei Wochen im Heimathafen Neukölln live gesehen habe (unser erster Konzertbesuch zu dritt). Ganz große Liebe seit 10 Jahren.

Die alten Sachen von Herbert Grönemeyer. Land unter. Rauf und runter.

Ein neues Blogazine, das ich gern lese.

Ein Satz, den ich neulich gefunden habe: Man muss mit allem rechnen, auch mit dem Schönen.

Oder dieser, der sich seit Jahren an meiner Pinnwand hält: Go gently through your life.

Und immer wieder Blumen. Jetzt gerade am liebsten Ranunkeln in Pink, Orange, Rosa und Creme.