29. Mai 2024

Nase flicken mit Nasenflicken

Die größte Schwachstelle an Stoffpuppen ist häufig die Nase. Zumindest ist mir noch kein heißgeliebtes Exemplar untergekommen, dessen Nase nicht wenigstens grau-verschmutzt, fadenscheinig oder gar löchrig war. Das ist normal, ein Zeichen von Liebe, und liegt in der Natur des Materials.

So eine kaputte Nase muss nicht unbedingt repariert werden und macht in der Regel noch viele Jahre mit, ohne dass der Stoff lange Laufmaschen zieht. Aber es gibt natürlich Möglichkeiten. Eine – das klassische Stopfen – findet ihr in einem meiner meistgeklickten Beiträge „Heile, heile Näschen“.

Eine weitere Möglichkeit ist das Aufnähen eines Flickens, der die offene Stelle abdeckt. Auf diese Methode hat mich Julia von Julisachen aufmerksam gemacht (die auch toll Puppen repariert) und hier teile ich sie mit euch. Für Anfängerinnen ist sie sicher nichts, geübte Hände können damit aber zu einem guten, lange haltbaren Ergebnis kommen.

Und so geht’s

Ihr braucht Trikotstoff in der Hautfarbe eurer Puppe (am besten das Originalmaterial), eine feine Nähnadel und passendes Nähgarn, z. B. Extra Stark von Gütermann.

Den Durchmesser der Nase ermitteln, ca. 10 mm zugeben und ein entsprechend großes kreisrundes Stück Stoff zuschneiden. Mit einer Stecknadel auf der Nase fixieren und darauf achten, dass die Stoffrippen in die gleiche Richtung laufen wie beim Rest des Gesichtes.

Einen circa 25 cm langen Faden zuschneiden und einen Knoten in das Ende machen. Den Faden auf die Nadel nehmen und an der offenen Stelle an der Nase befestigen.

Den Flicken rundherum im Matratzenstich festnähen. Dabei den Stoff Stück für Stück nach innen schlagen und mit kleinen, feinen Stichen fixieren. Je nach gewünschter Größe könntet ihr vor Beenden der Naht die Nase auch noch vorsichtig mit etwas Wolle füllen. Zum Schluss den Faden sichern und verstechen und das Wangenrot auffrischen.

Noch ein Hinweis: Der Flicken wird auf dem graugeliebten Stoff wahrscheinlich erst einmal etwas heller erscheinen, mit der Zeit aber nachdunkeln und sich dem Teint anpassen.

Vielen Dank an die Familie von Puppe Käthe, die mein Modell für dieses DIY sein durfte!

Alle Details zu meinem Reparaturangebot findet ihr hier, weitere Beiträge zum Thema hier.


8. April 2024

Aus meiner Puppenreparaturwerkstatt: Puppi

Der Riss, der durch die Puppe Puppi ging, war durch einem Streit unter Geschwistern entstanden. Hinterher tat es den Kindern natürlich leid, einmal mehr weil es sich bei Puppi um ein geliebtes Erbstück handelte, das vor über 40 Jahren von einer Freundin der Familie gemacht worden war. Zum Glück gibt es Puppendoktorinnen.

Weil der Riss so groß und der Stoff ohnehin schon recht dünn war, einigten wir uns darauf, dass Puppi einen neuen Körper bekommen sollte. Dafür trennte ich zunächst Kopf und Körper voneinander. Am Kopf band ich den Hals noch einmal fest ab, entfernte Knötchen und Fusseln aus dem Haar und dann bekam der Kopf eine ordentliche Wäsche, bei der ich das Gesicht sanft mit einer Bürste reinigte und viel Schmutz herausbekam. Das Trocknen dauerte ein, zwei Tage. Währenddessen stellte ich auf der Basis meines Mitzi-Schnittmusters einen neuen Körper her, berücksichtigte dabei so gut es ging Form und Maße des alten. Schließlich nähte ich Kopf und Körper wieder zusammen und fertig war die neue Puppi. Wangenrouge war ausdrücklich nicht gewünscht, auch ok. Kurze Zeit später erreichte mich diese Nachricht: „Puppi ist angekommen und M. war sehr, sehr glücklich, sie wieder in die Arme schließen zu können.“

Wenn ihr eine Puppe habt, die eine Reparatur, Erneuerung oder ein Glow-Up braucht, schickt mir eine Mail an hello@mariengold.net, am besten gleich mit aussagekräftigen Bildern, damit ich mir schon einmal einen Eindruck verschaffen und euch ein maßgeschneidertes Angebot machen kann. Langes Leben für die Puppen liegt mir am Herzen, deshalb helfe ich von Herzen gern weiter.

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26. Februar 2024

Aus meiner Puppenreparaturwerkstatt: Mia-Maria

Luises Puppe Mia-Maria ist ein gut erhaltenes Erbstück der Familie, das der Zahn der Zeit lediglich am linken Auge angeknabbert hatte. Der Rest war intakt und die Reparatur erschien auf den ersten Blick easy: Kopf lösen, neu mit Stoff beziehen und ein neues Gesicht gestalten. Aber natürlich weiß ich nie, wie eine Puppe gebaut ist und ob das alles so möglich ist, wie ich es mir vorstelle. Aber der Reihe nach.

Bei Mia-Maria entfernte ich zuerst das Haarkäppchen, um es später wiederzuverwenden. Für den Fall, dass der Kopf sich nicht vom Körper trennen ließe, entfernte ich zunächst vorsichtig den alten Stoffbezug und schnitt ihn am Hals ab. Und siehe da, beim Öffnen der Schulternaht zeigte sich, dass Kopf und Rumpf ein Teil und die Arme zudem fest mit dem Rumpf verbunden waren. Das machte die Sache weitaus komplizierter, denn ich musste den Kopf lassen, wo er war, und ihn dort neu mit Stoff beziehen. Dafür war es wichtig, den neuen Stoffbezug auf den Millimeter genau zuzuschneiden und supersauber am Kopf anzubringen, damit vor allem der Übergang zum Rumpf glatt aussieht. Wie genau ich das gemacht habe, würden den Rahmen hier sprengen … Als das geschafft war, konnte ich die Augen und den Mund neu sticken (statt sie wie ursprünglich zu malen) und das aufgebürstete Haarkäppchen wieder anbringen. Dazu eine feine Spange mit Pünktchen und Mia-Maria war bereit für die Rückreise zu Luise.

Diese Reparatur ist ein gutes Beispiel dafür, wie schwierig es ist, im Voraus einzuschätzen, wie aufwendig ein Vorhaben ist und wie hoch entsprechend die Kosten sein werden. Bei Reparaturen rechne ich einen festen Stundensatz ab und hier habe ich weit länger gewerkelt, als ich es der Kundin in Rechnung gestellt habe, auch um den Preis im Rahmen zu halten. Das war ok für mich, denn Reparaturen machen mir Freude und ich lerne viel dabei.

Wenn ihr eine Puppe habt, die eine Reparatur, Erneuerung oder ein Glow-Up braucht, schickt mir eine Mail an hello@mariengold.net, am besten gleich mit aussagekräftigen Bildern, damit ich mir schon einmal einen Eindruck verschaffen und euch ein maßgeschneidertes Angebot machen kann. Langes Leben für die Puppen liegt mir am Herzen, deshalb helfe ich von Herzen gern weiter.

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23. Januar 2024

Aus meiner Puppenreparaturwerkstatt: Ronja

Die Puppe Ronja ist ein 30 Jahre altes Erbstück, gemacht von einer Mutter für ihren Sohn, der die Puppe jetzt an sein eigenes Kind weitergeben wollte. Die Mutter bzw. Großmutter war schon länger verstorben und hatte ihre Enkeltochter nicht mehr kennengelernt. Damit die Enkeltochter etwas von der Oma bekommt, sollte die Puppe in ihre Hände übergehen. Aber bevor Ronjas zweites Leben mit dem zweijährigen Kind beginnen konnte, brauchte die Puppe eine Überarbeitung und Auffrischung, denn sie hatte ein paar Schwachstellen und vor allem sollte das Haar anders werden.

Dafür entfernte ich zuerst den alten aufgestickten Haarschopf mit Schere und Pinzette (was immer länger dauert, als man denkt). Dann flickte ich die offenen Stellen am Körper und bezog die Hände neu mit Stoff, denn der alte war dünn geworden und hatte schon Laufmaschen. Außerdem band ich den Hals noch einmal ab, damit er fester wurde und der Kopf mehr Kontur erhielt. Dann durfte die Familie eine neue Haarfarbe auswählen. Blond sollte es werden, nur welches genau? Auf dem Bild sieht man gut, wie unterschiedlich die drei verschiedenen Farbtöne wirken. Es wurde dann Strohblond, dazu gab es ein neues Kleiderset in Gelb und Grün und fertig war die neue Ronja.

Ich dachte bei der Aktion auch an die Frau, die die Puppe ursprünglich einmal gemacht hatte, und fragte mich, wie sie das Umstyling wohl finden würde. Dabei konnte ich nicht anders, als mir vorzustellen, wie sie mir von oben zulächelte und sich freute und dankbar war, dass sie und ihre Enkeltochter über die aufgearbeitete Puppe eine Verbindung haben würden.

Wenn ihr eine Puppe habt, die eine Reparatur, Erneuerung oder ein Glow-Up braucht, schickt mir eine Mail an hello@mariengold.net, am besten gleich mit aussagekräftigen Bildern, damit ich mir schon einmal einen Eindruck verschaffen und euch ein maßgeschneidertes Angebot machen kann. Langes Leben für die Puppen liegt mir am Herzen, deshalb helfe ich von Herzen gern weiter.

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17. Januar 2024

Wieder ein glückliches Flickwochenende auf dem Land (und ein Puppenreparierliebe-Update)

Letztes Jahr hat es uns so gut gefallen, dass meine Freundin Julia und ich gerade wieder zu Gast im wunderschönen Landhaus MariaMaria in der Priegnitz in Brandenburg waren, wo es eine neue Ausgabe des Workshops „Wear it + Repair it“ mit der Textilkünstlerin Doris Runge gab. Wieder zwei Tage nähen, stopfen, flicken, stricken und neu machen, dazu köstliche Speisen, Spaziergänge, Austausch, gute Laune und sich vom bollernden Ofen durchwärmen lassen. Es war wieder die perfekte kleine Kreativ-Auszeit mitten im Winter und ich freue mich jetzt schon auf nächstes Mal.

Im Gepäck hatte ich erneut meinen weißen Lieblingspullover, den ich letztes Mal schon fleißig geflickt und bestickt hatte und der in der Zwischenzeit unter dem Namen Konfettipullover noch mehr zum Lieblingspullover geworden war. Er sollte weitere Konfetti bekommen. Außerdem reparierte ich einen feinen Baumwollschal mit goldenem Nähgarn und dachte dabei an Kintsugi, die traditionelle japanische Reparaturmethode für Keramik, bei der Bruchstücke mit Goldlack wieder zusammengefügt werden, so dass die Bruchlinien deutlich sichtbar bleiben und zu etwas Kostbarem und Schönem werden.

Die Narbe als Erfahrung, die Gold wert sein kann, hat mich auch das ganze letzte Jahr mit Mariengold beschäftigt. Das Flickwochenende mit Doris war damals Auftakt für einen neuen Schwerpunkt meiner Arbeit als Puppenmacherin. Seitdem habe ich viele, viele Puppen repariert, aufgearbeitet, erneuert und verschönert, ein professionelles Angebot für meine Kundin*innen aufgesetzt und mit meiner Freundin Laura einen ersten Puppen Repair Circle veranstaltet. Dabei habe ich unfassbar viel gelernt, nicht nur über Puppen und Puppenmachen, sondern vor allem über das Menschsein.

Denn jede Puppe, die zerliebt und zerlumpt zu mir kommt, hat eine Geschichte. Manchmal erfahre ich diese im Vorfeld, manchmal erspüre ich sie mit Herz und Händen, ohne dass ich Genaueres weiß. Neben viel Können und Handwerk ist es auch eine energetische Arbeit. Es kam vor, dass es nur den liebevollen Blick einer außenstehende Person (die ich war) brauchte, um eine Puppe wieder ins Leben und in die Familie zu bringen. Ein anderes Mal reichten eine neue Haarfarbe, ein mutiger Schnitt und der Austausch eines völlig desolaten Körperteils oder auch nur ein herzförmiger Flicken auf der Brust. Die längste Reparatur dauerte einen ganzen Tag und fühlte sich an wie eine OP am offenen Herzen, von der ich am nächsten Tag sogar Muskelkater hatte.

Die Puppen erzählen mir ihre Geschichten, ich bringe meine ganz eigene Geschichte mit (die mich nicht zuletzt zu dieser Arbeit gebracht hat) und in der Begegnung in der Reparatur können sich diese Geschichten wandeln. Narben mögen zurückbleiben, aber sie zeugen von Heilung, Wertschätzung und Liebe – und das ist pures Gold.

All das ging mir beim Workshop in der Priegnitz durch den Kopf. Ich gestand mir zwar im Stillen ein, dass das Flicken von Kleidung zwar sinnvoll und nachhaltig, aber nicht so sehr meins ist, spürte dafür aber umso mehr die Verbindung zu meinem eigentlichen Handwerk und freute mich auf ein weiteres Jahr mit meinem Herzensthema und alles, was ich lernen und erfahren würde über Puppen und Menschen.

Ihr dürft also sehr gern weiterhin Reparaturanfragen stellen und mir, falls ihr lieber selbst Hand anlegen wollt, Bilder von euren kleinen Patient*innen schicken, damit ich aus der Ferne helfen kann. Ich werde weiter dokumentieren und teilen, was ich in meiner Reparaturwerkstatt mache, und sicher auch das ein oder andere DIY veröffentlichen.

Und 2024 soll es auch wieder einen Puppen Repair Circle geben, allerdings steht noch kein Termin fest, auch weil ich noch nach einem Ort und Rahmen suche, der mir erlaubt, es möglichst kostengünstig anzubieten. Wenn ihr mir hier oder bei Instagram folgt, könnt ihr es nicht verpassen.

Mein Reparaturangebot findet ihr hier, Einblicke in meine Puppenreparaturwerkstatt mit vielen Vorher-Nachher-Bildern hier, mein Kursangebot mit den aktuellen Terminen hier und unsere Podcast-Folge „Neues Leben für die Puppen: Über Reparaturen, Glow-Ups und Abschiede“ hier.