17. November 2020

Brief an mich selbst

„Liebe Maria, dieses Jahr hatte es ganz schön in sich und du hast Arbeit und Alltag mit viel Fleiß, Flexibilität und deinem liebevollen Herzen gemeistert. Jetzt bist du müde und das ist ok so. Erlaube dir auch mal Zeit nur für dich selbst. Gönne dir Ruhe und lass die Zügel locker. Das ist ungewohnt für dich, ich weiß. Was nächstes Jahr kommt, ob deine Pläne aufgehen, deine Vorhaben Wirklichkeit werden – du kannst es nicht wissen und hast in dieser Ausnahmesituation nur wenig Einfluss darauf. Lass es los, damit es zu dir kommen kann. Hab Vertrauen. Deine Maria“

Was würdet ihr gerade an euch selbst schreiben? Oder an einen anderen Menschen, der euch am Herzen liegt?

Auf meiner Goldenen Postkarte mit dem wunderschönen Text von Veit Lindau ist Platz für ganz viel Liebe. Perfekt für den grauen November, gegen Weltschmerz und für ein bisschen mehr Vertrauen (auch wenn es schwerfällt in diesem Jahr).

Im 3er-Set für 5 Euro hier erhältlich.


6. Oktober 2020

25 Dinge über Mariengold

Das einzige Erbstück, das ich von meiner Oma, die viel zu früh verstorben ist, besitze, ist eine kleine Armbanduhr. Ich trage sie zu jedem meiner Kurse. (Sonst lebe ich ohne.)

Ich häkele immer die Schuhe vor der Mütze, immer.

In der Pflege meines Autos bin ich überhaupt nicht gut. Tatsächlich schaffe ich es nur einmal im Jahr in die Waschanlage, nämlich kurz vor der Landpartie, weil dann Laura mitfährt. Ich weiß zwar, dass ein verwildertes Auto sie überhaupt nicht stören würde, aber es ist mir trotzdem wichtig.

Die Abitur-Beilage unserer Tageszeitung kurz vor den Sommerferien wird immer heiß erwartet, weil darin tausende von Namen stehen. Besonders bei den Waldorfschulen werde ich für meine Puppen fündig.

Letztes Jahr hatte ich 20-jähriges Abi-Jubiläum. Dafür sollte jeder einen kleinen Steckbrief ausfüllen, auf dem natürlich auch nach dem Beruf gefragt wurde. Ich zögerte lange, ob überhaupt und was ich da hinschreiben sollte. Es beschäftige mich tagelang, mehr als es eigentlich sollte, was mir zeigte, dass da immer noch so etwas wie Scham für meinen ungewöhnlichen Werdegang ist, vor allem gegenüber Menschen, die mich schon in meiner Schulzeit kennen. Letztlich schrieb ich „Puppen und Erwachsenenbildung“.

Die Auslosung und Benachrichtigung der Tauschpartnerinnen für Puppen&Packen letztes Jahr dauerte eine Stunde und 42 Minuten. Copy & Paste war mein bester Freund.

Für die Landpartie zu packen dauert noch einmal 20 Minuten länger.

Wieder daheim auszupacken dauert genauso lange. Richtig anzukommen, ohne dass einem ständig die Puppen/macherinnen im Kopf herumtanzen jedoch: einen Tag.

Seit Anfang 2018 ist Mariengold bei Instagram. Eigentlich wollte ich mir nur den Namen sichern und drei Bilder als Platzhalter dalassen. Wie es stattdessen weiterging, seht ihr hier.

Von meinem vorletzten Sommerurlaub bin ich mit 17 Namen für Puppen nach Hause gekommen, siehe auch hier.

Vor einem Jahr sprach mich eine Schamanin auf der Straße an. Das war am selbem Tag, an dem mein erster Business Coaching Termin stattgefunden hatte. Was sie zur mir sagte, waren zwar Gemeinplätze, aber es passte perfekt zu dem, was ich vorher mit der Coach besprochen hatte.

Ich möchte nicht wissen – oder eigentlich doch -, wie oft ich in den letzten Jahren mein Maßband aufgerollt habe.

Eure Lieblingspuppe in 2019 war Rio. Meine auch.

Den Veranstaltungsort für unsere Landpartie lernte ich Anfang der 2010er Jahre zuerst als Teilnehmerin eines Yoga-Retreats kennen. Damals war ich zwar schon Puppenmacherin, ahnte aber noch nicht, dass ich irgendwann einmal selbst mehrtägige Workshops veranstalten würde.

In meinen Kursen biete ich mittlerweise zehn verschiedene Farben für den Mund an. Ich selbst verwende seit Jahren nur eine einzige, nämlich ein helles, warmes Altrosa, das finde ich immer passt.

Es ist auch die Farbe, die am häufigsten von meiner Kundinnen und Kunden und in den Kursen bestellt wird.

Rekord! Im November 2019 verkaufte ich 60 Materialpackungen, so viele wie vorher in keinem Monat. Nur mal zur Vorstellung, das waren ca. 21 kg Stopfwolle.

Meine allererste Bestellung bei meinem Hauptlieferanten Wollknoll gab ich am 14. Januar 2008 auf. Inhaltlich unterschied sie sich nicht allzu sehr von heute, nur die Mengen sind jetzt beträchtlich höher.

Im April 2020, der Hochzeit des Lockdown, verkaufte ich 52 Würfel Rosen-Handbutter, so viele wie in der ganzen Zeit seit der Einführung des neuen Produktes ein Jahr zuvor nicht.

Für den Launch meiner Scrunchies im Juni nähte ich nicht weniger als 120 Stück.

Und habe bis heute erst drei Paar verkauft. (Das war mal ein richtiger Flopp.)

Die beste Zeit zum Schreiben ist für mich am späten Nachmittag und die meisten meiner Texte entstehen nach 17 Uhr.

Ich liebe Farben und finde auch gern selbst passende Bezeichnungen. Besonders mag ich meine Eigenkreation Zimtrosa für ein Altrosa, das in Richtung Braun geht.

An meinem Hochzeitstag vor zwei Wochen verkaufte ich vier Puppen, drei davon nach Übersee.

Die Bilder von mir auf dieser Website sind von 2012, also acht Jahre alt, genauso alt ist auch die aktuelle Version meiner Website. Zum zehnjährigen Jubiläum soll es einen Relaunch geben. Mir graut ehrlich gesagt jetzt schon davor.

Und gleichzeitig freue ich mich riesig, weil ich weiß: Es wird wieder ein Neubeginn.

Mehr Dinge über Mariengold findet ihr hier: 2019, 2018, 2017, 2015 und 2013.


29. September 2020

Gesucht: Eure Geschichten zu Corona & Puppen (Einsendeschluss 31. Oktober)

Anfang April teilte ich in einem Beitrag mit dem Titel „Puppen/machen in Zeiten der Krise“ erste Eindrücke und Erfahrungen aus der Coronazeit. Anfang April, das war auch erst der Anfang der Krise. Seitdem ist ein gutes halbes Jahr vergangen und der Ausnahmezustand ist in eine Art Normalzustand übergegangen. Für mich und meine Arbeit ist glücklicherweise wieder fast alles, wie es vorher war. Mein Shop und die Puppenbestellungen laufen gut, ich gebe wieder regelmäßig Kurse, die finanzielle Schieflage gerät langsam aber sicher wieder ins Lot und ich wage sogar Pläne für das neue Jahr.

Und doch ist alles anders. Denn die letzten Monate haben mich verändert und Spuren hinterlassen. Manche Dinge sehe ich klarer als je zuvor, und ich weiß (auch wenn es abgedroschen klingen mag) einmal mehr, was wirklich wichtig ist. Das sind aber auch viele Zweifel, Sorgen und Fragezeichen – und die Sehnsucht nach einer warmen und stärkenden Hühnersuppe für die Seele. Vielleicht geht es euch auch so?

Das beste Heilmittel für die Seele sind Geschichten. Geschichten, die das Herz erwärmen, uns trösten, umarmen, ermutigen und erheben, die uns mit anderen Menschen verbinden und uns weniger allein fühlen lassen. Als Puppenmacherin komme ich immer wieder in den Genuss solcher wunderbaren Geschichten und tatsächlich sind vor allem sie es, die mich in schwierigen Zeiten an die Sinnhaftigkeit meiner Arbeit glauben lassen.

In diesen Geschichten geht es um Puppen und Puppenmachen, um heilsame Erfahrungen mit Handarbeit, um Neuanfänge und Ausprobieren, Hingabe und Selbstermächtigung, um besondere Begegnungen mit Kindern oder dem eigenen inneren Kind, um Geschenke, die man anderen oder sich selbst macht und wie unfassbar viel Freude es bringt, etwas Schönes herzustellen und mit anderen zu teilen.

Erzählt mir eure Geschichten und ich erzähle sie weiter und weiter und weiter. Wie das gehen soll? Das weiß ich noch nicht genau, aber ich würde gern Ende des Jahres in welcher Form auch immer eine kleine (oder auch große) Geschichtensammlung mit euch teilen. Das Jahresende wird zwar sicher nicht das Ende dieser Krise sein, aber wir dürfen dann bewusst einen Punkt setzen, Rückschau halten, wertschätzen, loslassen und uns auf das Neue freuen, was immer es bringen mag.

Was habt ihr in der Coronazeit mit Puppen und Puppenmachen erlebt? Welche Beobachtungen habt ihr an euren Kindern mit ihren Puppen gemacht? Was hat euch das Werkeln mit den Händen speziell in dieser Zeit bedeutet? Welche Gedanken gingen euch beim Puppenmachen durch den Kopf? Welche guten Wünsche habt ihr den kleinen Seelen eingenäht? Welche Wünsche habe ihr euch vielleicht selbst erfüllt?

Eure Geschichten dürfen kurz oder lang sein, wortgeschliffen oder frei von der Leber weg erzählt, lustige Anekdoten, kleine Gedanken, Erinnerungen, Nachdenkliches oder auch nur ein Dank, gern auch mit Bild, alles ist möglich und erwünscht. Traut euch, lasst euch nicht von Zweifeln zurückhalten, was ihr zu erzählen habt, sei nicht interessant oder eure Schreibe nicht gut genug. Hier geht es nicht um Perfektion, sondern nur um euch, um uns und das, was uns verbindet, nämlich die Liebe zum Puppenmachen. Den Rest (Korrekturen, Lektorat, letzter Schliff) erledige ich.

Wenn ihr dabei sein wollt, schickt eure Geschichte an hello@mariengold.net und lasst mich auch gleich wissen, ob ich sie mit eurem Vornamen veröffentlichen darf oder ihr lieber anonym bleiben wollt. Einsendeschluss ist der 31. Oktober.

Ich bin so gespannt, was daraus entstehen wird und freue mich riesig auf eure Rückmeldungen!


30. Juni 2020

Notiz zur Mehrwertsteuersenkung

Ab morgen gilt in Deutschland bis Ende des Jahres ein verringerter Mehrwertsteuersatz von 16 statt 19 Prozent. Nach reiflicher Überlegung möchte euch, liebe Kundinnen und Kunden, darüber informieren, dass ich mich dagegen entschieden habe, meine Preise entsprechend zu senken.

Die letzten Wochen und Monate waren für Mariengold eine große finanzielle Herausforderung, deren Ausgang noch immer offen ist. Deshalb habe ich beschlossen, dass das kleine Plus, das diese Maßnahme mir mit jedem Verkauf bescheren wird, in die Kompensation der Einbußen des letzten Quartals fließen soll.

Natürlich ist mir bewusst, dass auch auf der anderen Seite viele Menschen in Schieflage geraten sind. Deshalb biete ich meine Puppen bereits seit April und noch bis zu meiner Sommerpause Mitte Juli zu einem geringeren Preis als sonst an. Außerdem findet ab morgen wieder die allsommerliche Rabattaktion für meine eBooks statt. Darüber hinaus besteht immer – in diesen Zeiten erst recht – die Möglichkeit, mich auf Sonderkonditionen wie Ratenzahlung oder Preisminderung anzusprechen.

Ich hoffe auf euer Verständnis und dass auch in Zeiten der Krise weiterhin Puppen gekauft und selbst genäht werden. Denn Puppen und Puppenmachen tun der Seele gut, auch und gerade jetzt.

Herzlichen Dank für eure Unterstützung und eure Solidarität bis hierher und weiter, das weiß ich sehr zu schätzen!

 


6. Mai 2020

Nicht echt, aber lebendig

Vor einiger Zeit erhielt ich Post von einer lieben Leserin, Christa, die mir einen Zeitungsartikel mit dem Titel „Mutterliebe“ schickte, der Aufmacher darunter lautete : „Noelle Georges hat drei Babys, die sie herzt, wickelt, badet und spazieren fährt. Das Ungewöhnliche: Sie sind nicht echt.“

Dazu schrieb Christa: „Als ich diesen Artikel in der Stuttgarter Zeitung las, musste ich an dich denken. (…) Mich selbst hat die Geschichte etwas befremdet, aber ich weiß, dass du einen besseren, offeneren Zugang dazu hast.“

Das habe ich wohl und das liegt wohl in meiner Natur, die immer versucht zu verstehen und zu erspüren, was andere Menschen bewegt, wie sie ticken und warum sie tun, was sie tun. Neue Perspektiven einzunehmen und Menschen in ihrem Sein zu entdecken, finde ich unheimlich bereichernd. Mich interessiert, was sie einzigartig und verschieden macht, mehr aber noch, was uns verbindet, gerade wenn ein Verhalten anders als die Norm, ja gar fremd erscheint, wie vielleicht das von Noelle Georges aus dem Artikel: „Arya-Khaleesi ist ein Frühchen. Ihre Mama trägt sie ins Bad, legt sie sanft ins Waschbecken mit dem lauwarmen Wasser. Benetzt die Haare mit einem Schwämmchen, schäumt den Bauch ein, tupft sorgsam den Nabel. Abspülen, abtrocknen, etwas Puder. Dann die Windel dran, Strampler anziehen. Mit dem Bürstchen leicht über den Kopf kämmen, etwas Spray auf die Haare, damit sie nichts verfilzen. Und zurück ins Bettle.“

Weiter erfährt man, dass es sich bei Arya-Khaleesi um eine lebensechte Puppe handelt, bei ihrer Fürsorge um ein Hobby – wie sie selbst sagt – der 19-jährigen Noelle, dem sie sich schon als kleines Mädchen hingebungsvoll widmete und das sie bis heute beibehalten hat, und dass sie irgendwann echte Kinder haben möchte, am liebsten Zwillinge.

Der Artikel beobachtet und beschreibt, er fragt nicht nach Gründen, sucht nicht nach dem Abgrund, er bewertet nicht, wertet nicht ab. Das gefällt mir. Denn ob Menschen sich aus purer Freude am Spiel Puppen wie echten Menschen zuwenden oder weil sie einsam sind, keine eigenen Kinder haben können oder es ihnen schwerfällt, Kontakt zu anderen Menschen aufzubauen, wer sind wir, dass wir uns erlauben, darüber zu urteilen und uns abschätzig zu äußern?

Dass der Umgang mit Puppen heilsam ist, auch und gerade für Erwachsene, ist umfassend wissenschaftlich untersucht und belegt. (Wenn euch das Thema interessiert, empfehle ich euch dieses Buch.) Ich erkenne darin vor allem eine Strategie der Selbstfürsorge und einen Ausdruck des Bedürfnisses, Liebe zu schenken. Das finde ich spannend und berührend, weil es zutiefst menschlich ist. Puppen sind Beziehung. Sie treten mit dem Teil von uns in Beziehung, der sich nach Lebendigkeit und Werden sehnt, der danach strebt, in sich selbst hineinzuwachsen, in unser vollentfaltetes Sein.

Puppen mögen nicht echt sein, die Gefühle, die sie wachzurufen, die Verbindung, die sie herzustellen vermögen, sind es. Es ist eine Verbundenheit mit uns selbst und mit dem Menschsein in jedem Menschen. Nur das zählt. Dafür öffne ich immer wieder mein Herz.

(Wenn euch das Thema interessiert, schaut auch mal hier rein.)