20. November 2018

Tipps, Tricks & Hacks #2: Helfer aus dem Badezimmer

Puppennähen macht viel Freude und tut der Seele gut. Damit ihr euch dabei auf das Wesentliche konzentrieren könnt, stelle ich euch in meiner neuen Reihe allerlei Hilfsmittel, Kniffe und Ideen vor, die euch die Handarbeit erleichtern und somit ermöglichen sollen, beim Werkeln ganz nah an eurem Herzen bleiben. Denn das ist das Schönste und Wichtigste beim Puppenmachen. Hier kommt die zweite Ausgabe mit Helfern aus dem Badezimmer.

1 Bei Wizpick habe ich mir die farbige Markierung der verschiedenen Filznadelstärken abgeschaut. Das geht ganz einfach mit Nagellack. Am besten welche auf Gel-Basis verwenden, die sind dickflüssiger und die Farben decken sehr gut.

2 Puppenwangen lassen sich auch mit Puderrouge färben. Amélie aus meinem letzen Kurs hat es vorgemacht und alle waren ganz begeistert von dem schönen, dezenten Rothauch und den natürlich frischen Bäckchen. Wie bei Wachskreide und Aquerellbuntstift hält auch diese Farbe nicht lange und muss regelmäßig erneuert werden.

3 Falls euch einmal das Abbindegarn ausgeht und ihr nicht so schnell an Nachschub kommt, könnt ihr auch Zahnseide verwenden. Die ist nämlich tiptop stabil und reißt auch bei starker Kraftaufwendung nicht. Zur Not kann man damit sogar nähen.

Mehr Tipps und Tricks findet ihr hier.

(Disclaimer: Aufgrund der derzeitigen Rechtslage, die schon das bloße Nennen von Marken und Verlinken von Produkten, Marken, Menschen, Orten usw. als Werbung einstuft, kennzeichne ich diesen Beitrag als einen mit WERBLICHEN INHALTEN. Dennoch gilt: Wenn ich hier etwas oder jemanden benenne und als gut befinde, geschieht das als persönliche Empfehlung und im Rahmen meiner redaktionellen Themenauswahl. Alle hier gesetzten Links sind ein kostenloser Service von mir – unbezahlt und unaufgefordert. Alle hier genannten Produkte sind selbst gekauft. Bezahlte Kooperationen, sollte es sie jemals auf meinem Blog geben, würden immer ganz eindeutig als solche gekennzeichnet werden.)


5. September 2018

Tipps, Tricks & Hacks #1: Gut sehen

Puppennähen macht viel Freude und tut der Seele gut. Damit ihr euch dabei auf das Wesentliche konzentrieren könnt, stelle ich euch in meiner neuen Reihe allerlei Hilfsmittel, Kniffe und Ideen vor, die euch die Handarbeit erleichtern und somit ermöglichen sollen, beim Werkeln ganz nah an eurem Herzen bleiben. Denn das ist das Schönste und Wichtigste beim Puppenmachen. Los geht’s mit der ersten Ausgabe zum Thema gut Sehen.

1 Auch wenn man sonst vielleicht gut ohne durchs Leben kommt, kann eine Brille beim Puppenmachen sehr, sehr gute Dienste leisten, nämlich immer dann, wenn es auf absolute Genauigkeit ankommt wie beim Sticken der Augen. Lesebrillen mit niedrigen Dioptrienwerten von +1,0 bis +3,0 sind in Fachgeschäften für Augenoptik, Drogeriemärken und Apotheken erhältlich. Es gibt sie übrigens auch in schön, z. B. in Berlin im Kunstgewerbehaus Zehlendorf oder bei Gudrun Sjöden. In meinen Kursen habe ich immer eine Auswahl dabei und die Brillen werden viel und gern genutzt.

2 Manchmal ist das Licht von außen oder aus einer künstlichen Quelle nicht ausreichend, um klar sehen und entspannt arbeiten zu können. Dann ist eine Tageslicht-Tischleuchte mit einer sehr hohen Beleuchtungsstärke hilfreich. So eine Lampe simuliert natürliches Tageslicht, unterstützt die Augen und das Sehen und wirkt sich besonders in der dunklen Jahreszeit auch wohltuend und anregend auf das Gemüt aus. Wir hatten dieses Jahr eine solche Lampe bei der Landpartie dabei und sie hellte das ohnehin schon starke Mai-Tageslicht noch einmal wunderbar auf. Mit dem Suchbegriff „Tageslichtleuchte“ findet ihr im stationären und Online-Elektronik-Fachhandel zahlreiche Modelle.

3 Brille plus Licht ist gleich Lupenlampe. Lupenlampen sind beleuchtete Lupen, die vergrößern und aufhellen zugleich, perfekt also für Augen von Puppenmacherinnen, die nimmermüde werden, und eine tolle Geschenkidee für Puppennähverliebte. Ebenfalls getestet und für gut befunden bei der Landpartie. Euer Stichwort für die Suche ist „Lupenleuchte“.

Mehr Tipps und Tricks findet ihr hier.

(Disclaimer: Aufgrund der derzeitigen Rechtslage, die schon das bloße Nennen von Marken und Verlinken von Produkten, Marken, Menschen, Orten usw. als Werbung einstuft, kennzeichne ich diesen Beitrag als einen mit WERBLICHEN INHALTEN. Dennoch gilt: Wenn ich hier etwas oder jemanden benenne und als gut befinde, geschieht das als persönliche Empfehlung und im Rahmen meiner redaktionellen Themenauswahl. Alle hier gesetzten Links sind ein kostenloser Service von mir – unbezahlt und unaufgefordert. Alle hier genannten Produkte sind selbst gekauft. Bezahlte Kooperationen, sollte es sie jemals auf meinem Blog geben, würden immer ganz eindeutig als solche gekennzeichnet werden.)


13. Juni 2018

Heile, heile Näschen

Seit ich letztes Jahr zwei Artikel über Puppenreparaturen veröffentlicht habe, bekomme ich immer wieder Post wie diese von Natalie:

„Liebe Maria, ich verfolge begeistert und interessiert deinen Blog. Jetzt habe ich eine Frage an dich als Puppenprofi. Bei unserer Waldorfpuppe ist der Trikotstoff am Näschen offen und ich habe nun Garn besorgt, um es zu reparieren. Gibt es eine besondere Technik, die ich anwenden muss? Vielleicht ist das auch eine Idee für einen Beitrag auf deinem Blog. Einschicken darf ich die Puppe leider nicht. Sie wird abgöttisch geliebt und darf keinen einzigen Tag fehlen. Also muss ich mich selber ans Werk machen. Im Anhang befindet sich ein Foto mit der derzeitigen Situation.“

Wie schön und wunderbar zerliebt diese Puppe, Yuki ihr Name, aussah! Und dennoch, ein Loch in der Nase ist immer doof. Ungewöhnlich oder gar ein Zeichen von schlechtem Umgang ist es übrigens nicht, wenn der Stoff an dieser Stelle kaputt geht. Die Nase steht ja etwas erhöht vom Rest des Kopfes ab, weshalb sie beim Spielen und Liebhaben ganz besonders beansprucht wird und schmutzig, dünn und eben auch löchrig werden kann.

Was also tun? Am besten wäre es natürlich, den Kopf noch einmal komplett neu mit Stoff zu beziehen. Der Nachteil ist, dass a) das Prozedere ziemlich aufwendig ist und b) dann auch das ganze Gesicht neu gestaltet werden muss, was den gewohnten und geliebten Ausdruck immer auch ein bisschen verändert.

Viel leichter ist es, das Loch einfach zu stopfen. So eine Reparatur sieht man zwar von außen, aber was soll’s, nobody is perfect und Kinder lieben ihre Puppen auch und gerade, wenn sie nicht mehr ganz so frisch sind. Ich rate also immer zum beherzten Stopfen und zwar am besten eigenhändig.

Und so geht’s

Ihr braucht eine spitze Sticknadel und Nähgarn in der Farbe des Trikotstoffes oder etwas heller oder dunkler wie bei Käthe, meinem Modell, die mir meine Leserin und Kundin Bianca dankenswerterweise für diese Geschichte zur Verfügung gestellt hat. Etwas dicker und reißfest sollte es sein, etwa wie das Knopflochgarn oder Extra Stark von Gütermann.

Einen circa 40 cm langen Faden zuschneiden und einen Knoten in das Ende machen. Den Faden auf die Nadel nehmen und an der offenen Stelle an der Nase befestigen.

Mit waagerechten Stichen das Loch zunähen. Die Stiche sollten etwas breiter sein als das Loch selbst und falls es Laufmaschen gibt, auch diese mit einfassen. Mehrere Lagen übereinander sticken, erst grob und dann immer feiner, um eine schöne Kontur auszuarbeiten. Auf diese Weise wird Stich für Stich das Loch geschlossen und gleichzeitig eine neue Nase geformt, die natürlich etwas größer und länger ist als vorher, dafür aber auch ein bisschen nach Wunsch modelliert werden kann, z. B. mit einem schmalen Nasenrücken oder als freches Stupsnäschen. Hilfreich beim Sticken sind hilfreich sind Zange und Fingerhut, da es am Ende etwas mühsam werden kann, durch den Stoff zu kommen. Zum Schluss den Faden gut sichern.

Noch etwas Rot auf die Wangen, die Haare frisch aufgebürstet und ab ging es für Käthe mit einem dicken Kuss zurück in die heimatlichen Kinderarme.

Für Yuki ist die Nasenreparatur übrigens auch gut ausgegangen, wie dieses Bild aus meiner Reihe „Mit Mariengold gemacht“ zeigt. Natalie hat ihrer dreijährigen Tochter gesagt, Yuki wäre beim Puppendoktor, und das Loch still und heimlich selbst gestopft. Nach dem Flicken trug die Puppe für für einen Tag ein Plaster, damit die Kleine sich innerlich auf das neue Gesicht einstellen konnte. Die Stickfäden sind für sie jetzt die Narbe und ihre Yuki hat sie genauso lieb wie vorher.

Weitere Reparaturen findet ihr hier.

 


14. September 2017

Frischer Wind für Susi

Anfang Mai erhielt ich ein verzweifeltes E-Mail mit dem Betreff „Puppen-Sorgen“. Darin erzählte mir eine Kundin, ihr kleiner Sohn hätte ihre erste eigene Puppe geerbt und ganz innig in sein Herz geschlossen. Leider aber wäre Susi, so der Name der Puppe, mittlerweile ganz zerliebt und abgekuschelt und statt eines Gesichtes hätte sie ein großes Loch. Die Puppenärztin, die sie aufgesucht hatte, hätte ihr nicht helfen können und jetzt wolle sie selbst versuchen, die Puppe wieder in Ordnung zu bringen. Ob ich ihr mit einem Stück Stoff weiterhelfen könne?

Ich konnte sogar noch mehr für sie tun und habe die komplette Reparatur übernommen. Es war zwar aufwendiger als gedacht, aber es hat sich gelohnt. Die Puppe hat ein zweites Leben bekommen und meine Kundin und ihr Sohn waren überglücklich. Obendrein hat die Oma, also die Mama der Kundin, für ihr zweites Enkelkind, das im Herbst geboren wird, eine weitere Puppe nach dem Vorbild von Susi bei mir in Auftrag gegeben. Klingt nach großer Puppenliebe und viel Spielfreude.

Anfragen für Reparatur, Aufarbeitung und Veränderung von Puppen an hello@mariengold.net.


21. Juni 2017

Haare für die Silke-Puppe

Wenn ich die Puppen der Traditionsmarke SILKE der Kösener Spielzeug Manufaktur nur ein bisschen früher entdeckt hätte, ich wäre wahrscheinlich keine Puppenmacherin geworden. Dann hätte ich Anfang der 2000er als junge Mama meiner Tochter genau so eine Puppe gekauft. Stattdessen, und das war sehr gut so, nähte ich sie selber, weil ich in den Geschäften nicht fündig wurde. Aber das war nur die halbe Wahrheit, wie sich später herausstellen sollte. Denn es gab sie, die schönen Puppen, nur wenige Hundert Meter von meinem damaligen Zuhause entfernt, in einem kleinen, feinen Laden am Kollwitzplatz hier in Berlin, dem Dudu, in dem ich mir damals mit meinem schmalen Budget nichts leisten konnte. Aber gucken. Und so verliebte ich mich in diese Puppen. Zu dem Zeitpunkt hatte meine Tochter längst ihre Tilda aus meinen Händen und ich war im Fieber und stellte selbst Puppen für den Verkauf her.

Seitdem sind mir die SILKE-Puppen immer wieder über den Weg gelaufen, meist paarweise, denn mehr hatten die Geschäfte in der Regel nicht vorrätig. Ich hatte sie aus der Ferne lieb, ihre schlichte Erscheinung, den sanften Gesichtsausdruck, ihre Zartheit, aber auch die Ruhe und Gelassenheit, die sie ausstrahlten.

Sie erinnerten mich auch an die Puppen von Käthe Kruse. Und tatsächlich stellte sich heraus, dass die Kösener Spielzeug Manufaktur 1911/12 von der weltberühmten Puppenmacherin gegündet worden war, bevor sie 1949 Bad Kösen verließ, um mit ihren Kindern in Donauwörth eine neue Firma aufzubauen.

All das ging mir durch den Kopf, als ich im April eine Puppe zugeschickt bekam mit der Bitte, ihr Haare zum Frisieren zu machen. Es gab zwar vorher einen E-Mail-Austausch und auch Bilder, aber erst als die Puppe leibhaftig in meinem Atelier eintraf, begriff ich, was ich da in den Händen hielt. Eine SILKE-Puppe, was für ein Glück. Und ich durfte ihr etwas von Mariengold hinzufügen, Doppelglück! Zuerst hatte ich Zweifel, ob das passen würde mit dem Goldschopf, ob es der Puppe nicht etwas von ihrer besonderen Erscheinung nehmen würde. Aber das Wallehaar war genau richtig, denn es hat das Mädchen, das auf seine Puppe wartete, sehr glücklich gemacht.

Anfragen für Reparatur, Aufarbeitung und Veränderung von Puppen an hello@mariengold.net.