26. Mai 2021

Puppenmachen mit Mariengold – jetzt auch vegan

Bei der Auswahl der neuen Produkte, die ich letzte Woche einführte, habe ich mich nicht nur auf meine eigenen Ideen verlassen, sondern vor allem meinen Kundinnen und Kunden zugehört: „Kann man die Puppen eigentlich waschen?“ – Aha, eine Seife könnte interessant sein. „Die Postkarte würde sich auch als Poster gut machen.“ – Ja, stimmt. „Könnte ich so einen Beutel auch für meine Freundin bekommen?“ – Der ist eigentlich nur für meine Kurse, aber warum eigentlich nicht?

So kam es auch zu dem veganen Puppenbastelmaterial, das tatsächlich längst überfällig war. Denn in den letzten zwei, drei Jahren nahm ich einen deutlichen Anstieg der Nachfrage wahr, sowohl bei den Puppen, als auch für Alternativen zum Selbermachen und in meinen Kursen. Und als dann im Januar wieder einmal eine Bestellung für eine vegane Puppe reinkam, nahm ich die Herausforderung an und begann zu recherchieren und auszuprobieren, was kein leichtes Unterfangen war, da die Geschäfte zu diesem Zeitpunkt noch coronabedingt geschlossen waren. Also lief die Suche hauptsächlich online und ich öffnete zahlreiche Pakete, befühlte, testete, verglich, verwarf und bestaunte, bis ich endlich meine Favoriten gefunden hatte.

Wichtig war mir, dass die vegane Alternative nicht teurer wird als das konventionelle Material und dass sie auf meine Puppennäh-eBooks abgestimmt ist und die Puppen damit genauso schön und stabil werden.

Was heißt eigentlich vegan und was ist drin in der Materialpackung?

In Bezug auf das Puppenmachen heißt veganes Material, dass es frei von Erzeugnissen tierischen Ursprungs ist. Demzufolge hat eine vegane Puppe keine Füllung aus Schurwolle, kein Haar aus Mohairgarn, keine roten Wangen aus Bienenwachskreide und was sonst noch tierischer Herkunft sein könnte. (Das betrifft natürlich auch die Kleidung, aber das nur am Rande.)

Für eine vegane Materialpackung für die Modelle von Mariengold musste ich mich also auf die Suche nach Alternativen für die Füllung, die Haare und das Wangenrot machen. Und ich bin fündig geworden.

Als Füllmaterial habe ich mich für Bastelwatte aus Polyester entschieden. Die ist waschbar bei 60 Grad, staubfrei, geruchsfrei und hygienisch. Außerdem hat sie extra viel Spannkraft, kommt als Vlies und eignet sich daher nicht nur zum Stopfen, sondern auch zum Rollen, z. B. für den Kopf. Für den einen oder die andere mag Polyester vielleicht erst einmal nicht so angenehm klingen, aber im Vergleich mit pflanzlichen Fasern wie Maiswatte oder Kapok hat es für mich am besten abgeschnitten, denn es lässt sich sehr gut verarbeiten und ist kostengünstiger.

Die Haare haben mich am meisten beschäftigt. Hier war schnell klar, dass ich wahrscheinlich keinen Ersatz mit einem ähnlich natürlichen Look & Feel wie Mohair finden würde. Baumwolle kommt da eigentlich nicht ran und doch wurde es mangels Alternativen genau das. Aber Baumwolle hat auch ihre Qualitäten oder wie meine erste Kundin für dieses Produkt so schön sagte: „Nicht weil es vegan ist, sondern weil mir die roten Haare so gut gefallen.“ Apropos Rot, die nächste Herausforderung war, ein Garn zu finden, das eher matt ist und in Farben erhältlich ist, die sich für Haare eignen, und dann eine Auswahl zu treffen, die mit den Farben des erprobten Mohairgarns mithalten kann. Um es kurz zu machen: Es ist mir gelungen, aber bis dahin gingen noch einmal viele Pakete hin und her.

Am einfachsten war es, das Wangenrot aus Bienenwachskreide zu ersetzen. Da ziehe ich nämlich selbst Aquarellbuntstifte mit ihrer zarten Leuchtkraft vor. Die Farbe des Stifts, den ich für die vegane Materialpackung verwende, ist lange haltbar und wasserfest und zaubert ein sanftes, frisches Rot.

Ansonsten beinhaltet das vegane Puppenbastelmaterial genau das, was auch in meinen nicht-veganen Materialpackungen enthalten ist und was sich über viele Jahre bewährt hat: Mullschlauch für den Kopf, Schweizer Puppentrikot in zwei verschiedenen Qualität für den Kopf und den Körper, Abbindegarn zum Modellieren des Kopfes, Nähgarn für das Nähen von Hand sowie Stickgarn für die Augen und den Mund.

Es ist also alles dabei, das ihr zur Herstellung einer bis zu 45 cm großen veganen Puppe benötigt. Und die Materialpackung ist perfekt für alle Modelle von Mariengold geeignet.

Tipps und Tricks zur Herstellung eurer veganen Puppe

Da das Material ausgiebig von mir getestet wurde, hier noch ein paar Hinweise:

-Bastelwatte aus Polyester ist leichter als Schurwolle. Das bedeutet, man braucht weniger Material und die Puppe wiegt auch etwas weniger, als wenn sie mit Wolle gefüllt wäre.

-Trotz ihrer Leichtigkeit und Bauschigkeit lässt sich die Watte erstaunlich fest verarbeiten, auch beim Aufrollen für den Kopf.

-Das Baumwollgarn für die Haare ist glatter und schwerer als das gewohnte Mohairgarn. Dadurch sind auch andere Frisuren möglich, z. B. ein Bob mit Pony, was mit dem leichten Mohairgarn nicht so gut geht. Und auch wenn das Material nicht so „echt“ aussieht wie Mohair, finde ich persönlich, dass das Haar sehr schön wird, weil es natürlicher fällt und der Kopf insgesamt nicht so groß wird.

-Achtet beim Häkeln des Haarkäppchens auf ein dichtes Maschenbild, damit möglichst keine Löcher entstehen, durch die später die Kopfhaut scheinen kann. Am besten eine kleinere Häkelnadelstärke als normal verwenden.

-Da das Baumwollgarn nicht so flauschig ist wie Mohair, braucht es mehr Haarsträhnen, um eine gewisse Fülle zu erreichen. Dafür die einzelnen Strähnen enger knüpfen.

-Die Knüpfknoten fest anziehen, damit sie möglichst klein werden und nicht vom Kopf abstehen.

-Auf die Richtung des Knotens achten. Das Baumwollgarn ist ja etwas schwerer, deshalb kann es einen Unterschied machen, in welche Richtung ihr knotet, etwa damit das Haar in die Stirn fällt. Probiert es aus.

-Die Farbpigmente des Aquarellbuntstifts sind nicht so stark wie bei der Bienenwachskreide. Deshalb braucht es beim Auftragen etwas mehr Druck und Farbe. Dafür bekommt ihr einen sanften Hauch Rot, der schön natürlich wirkt und länger hält.

Das vegante Pupenbastelmaterial ist für 50 Euro hier in meinem Shop oder direkt per Mail an hello@mariengold.net erhältlich. Für extra langes und dichtes Haar gibt auch die Option für zwei Knäuel Baumwollgarn, dann kostet es 5 Euro mehr.

Ich wünsche euch ganz viel Freude damit und würde mich sehr über Feedback und Bilder eurer veganen Puppen freuen!

in: Tipps und Tricks