22. Mai 2017

Gute Frage: Werden heute noch Puppen im Spielzeugladen gekauft?

Es gibt so viele spannende Fragen rund um Puppen/macherei. Meine neue Blogreihe soll (zumindest ein paar) Antworten geben. Dieses Mal mit Agnes Klinger, Mitarbeiterin bei Kunst und Spiel, einem traditionsreichen Ladengeschäft für Spielwaren, Kinderbekleidung, Bastel- und Geschenkartikel sowie Bücher und Postkarten in München-Schwabing. Dort werden natürlich auch Puppen angeboten. Aber werden sie auch gekauft?

„Derzeit befinde ich mich in meinem 20. Berufsjahr bei Kunst und Spiel und es bereitet mir immer noch Freude und Spaß, hier arbeiten zu dürfen. Besonders jetzt im digitalen Zeitalter werden bei uns hochwertige Waldorfpuppen gekauft, zum Beispiel als besonderes Geschenk. Diese Puppen zeichnen sich vor allem durch ihren individuellen Ausdruck und Stil aus. Insgesamt haben wir vier Puppenmacherinnen, die ihre Puppen bei uns verkaufen. Die Puppen werden mit viel Liebe und Ausdauer kreiert, so dass jede einzelne zum herzlichen Unikat wird. Es kommt schon vor, dass einer Großmutter das Herz aufgeht, wenn Sie ihrer Enkelin eine Puppe schenkt, die sich das Kind selbst ausgesucht hat. Zum einen wecken handgemachte Puppen Erinnerungen an die eigene Kindheit, zum anderen begleitet so eine Puppe die Kinder sehr lange und wird Teil ihres Alltags.

Übrigens gibt es in unserem Hause auch die Möglichkeit, unter fachgerechter Anleitung in einem zweitägigen Kurs selbst eine Waldorfpuppe herzustellen. So machen wir den Stoff und die Fertigung handfest in Ruhe erlebbar –  und das in dieser oft schnelllebigen und hektischen Zeit.“

Vielen Dank, Frau Klinger, für Ihre Antwort und hoffentlich auf bald einmal bei Kunst und Spiel.

Weitere Gute Fragen findet ihr hier. Wenn ihr eine Frage für diese Reihe habt, schreibt gern an hello@mariengold.net.


6. März 2017

Gute Frage: Frau Fritz, wieviel Schaf steckt in einem Kilo Stopfwolle?

Es gibt so viele spannende Fragen rund um Puppen/macherei. Meine neue Blogreihe soll (zumindest ein paar) Antworten geben. Dieses Mal mit Sonja Fritz, Inhaberin und Geschäftsführerin von Wollknoll, meinem Lieblingsversandhandel für Materialien zum Filzen, Spinnen, Färben, Basteln und zur Puppenherstellung, natürlich auch Stopfwolle, um die es in dieser allerersten Guten Frage geht.

„Ein Süddeutsches Merinoschaf, da kommt die Stopfwolle her, hat ca. 2,5 bis 3 Kilo Rohwolle, die sogenannte Wolle im Schweiß, das heißt mit Fett und Verunreinigungen. In einem ersten Arbeitsschritt werden diese fast vollständig herausgewaschen. Anschließend wird die Wolle kardiert. Dabei werden die Fasern in eine Richtung gelegt und auch letzte Schmutzpartikelchen entfernt. Nach dem Waschen und Kardieren ist noch ungefähr die Hälfte der Rohwolle übrig. Da unsere Wolle nicht mit chemischen Mitteln gewaschen wird, kann es sein, dass noch vereinzelt Spelzen enthalten sind. Das hängt auch von der Qualität der Wolle und vom Wetter ab. In einem sehr trockenen Sommer haben die Schafe oft mehr Spelzen, weil die natürliche Dusche fehlt.

Die Wolle, die beim Kardieren herausfällt, geben wir kostenfrei an eine Firma weiter, die graue Putzlappen für Autowerkstätten herstellt. So werden diese sehr kurzen Fasern vor dem Müll gerettet.

Die Schafe stehen bei uns in Süddeutschland, es sind eher kleinere Herden. Art- und tiergerechte Haltung ist uns sehr wichtig. Wir haben selbst auch Landwirtschaft und eine Herde von ca. 100 Mutterschafen, deren Wolle wir ungewaschen als Locken verkaufen.

Die Rohwolle lassen wir in Wollwäschereien in Österreich und Belgien säubern. Zurück in Neuhausen wird die getrocknete Flocke im sogenannten „Wolf“ bearbeitet. Das ist eine Maschine, die die Fasern auflockert. Anschließend geht es für die Wolle in unsere Kardiermaschinen, die sind sehr groß und sehr alt, 60 und 90 Jahre. Dort werden die Fasern in eine Richtung gekämmt und zu Vliesen von 1 Kilo gebunden. Zum besseren Halt wickeln unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter noch Papier um die Vliese und so wird die Stopfwolle schließlich verkauft. Selbstverständlich entspricht sie dem Öko-Tex-Standard 100.

Es steckt also fast ein Dreiviertel Schaf in einen Kilo Stopfwolle und sehr viele Arbeitsschritte. Artgerechte Tierhaltung, umweltfreundliche Wollwäsche und nachhaltige Produktion sind uns sehr wichtig.“

Vielen Dank, Frau Fritz, für Ihre Antwort und Ihre tolle Arbeit bei Wollknoll.

Weitere Gute Fragen findet ihr (später) hier. Wenn ihr eine Frage für diese Reihe habt, schreibt gern an hello@mariengold.net.