29. Februar 2016

Zweites Leben für die Puppen

SONY DSC

SONY DSC

SONY DSC

SONY DSC

SONY DSC

SONY DSC

SONY DSC

SONY DSC

Vor einigen Monaten erzählte mir eine liebe Stammkundin von Edda, der Puppe, die ich vor bald drei Jahren für ihre Tochter angefertigt hatte. Die Puppe wurde heiß geliebt und viel bespielt, zeigte aber leider starke Abnutzungserscheinungen. Der Stoff an Händen, Füßen und Gesicht war dünn und löchrig geworden. Da halfen auch keine Flickversuche mehr. Ich bat die Kundin, mir die Puppe nach Berlin zu schicken, damit ich mir selbst ein Bild machen und wenn möglich eine Reparatur vornehmen konnte.

Beim Wiedersehen mit Edda ging mir richtig das Herz auf! Ich war gerührt, weil der Puppe so sehr anzusehen war, dass sie unendlich geliebt und bespielt wurde. Trotz der Löcher sah sie gepflegt, gut umsorgt und wertgeschätzt aus. Ihre Kleider waren wunderschön und mir kamen fast die Tränen beim Anblick der kleinen Wollstrümpfchen, die die abgeriebenen Füße schützten.

Den Kummer meiner Kundin und ihrer Tochter konnte ich gut nachvollziehen und wollte gern die Verantwortung übernehmen und sehen, was sich machen ließe.

Eigentlich war es ganz einfach. Zuerst rettete ich das Puppenhaar, das noch völlig in Ordnung war, und löste vorsichtig das Perückenkäppchen vom Kopf. Dann entfernte ich den Kopf vom Körper und ersetzte ihn durch einen neuen. Stickte Augen und Mund in denselben Farben. Befestigte wieder den alten Haarschopf. Hauchte der Puppe mit etwas roter Farbe neues Leben ein. Und schon blinzelte Edda mich wieder fröhlich an.

Die Puppe machte sich gleich auf den Weg zurück zu seinem Kind. Und wie ich kurz darauf hörte, wurde sie freudig empfangen und glücklich in die Arme geschlossen. Alles gut gegangen.

Ein bisschen rätselhaft finde ich es aber noch immer, dass der Stoff an Eddas Körper schon nach relativ kurzer Spielzeit so verschlissen war. Hatte ich doch bereits Puppen von mir aus denselben Zutaten gesehen, die deutlich älter und zerliebt zwar, aber dennoch ziemlich gut in Schuss waren.

Und doch, es musste am Material liegen. An dem Stoff, auf den ich seit Jahren schwöre, den ich für einen der besten in Europa, vielleicht sogar auf der Welt halte, und den viele andere Puppenmacherinnen ebenfalls verwenden. Mangelnde Qualität? Ich weiß es nicht.

Puppen aus natürlichen Materialien verändern sich mit der Zeit. Sie werden weicher und ihr Stoff wird grau und schmutzig. Nach einer gründliche Wäsche sehen sie aber gleich viel besser aus (eine ausführliche Anleitung dazu findet ihr in meinen FAQ). Bei dieser Gelegenheit können die Puppen auch auf offene Stellen und Beschädigungen untersucht werden. Das meiste lässt sich leicht flicken und ausbessern.

Schmutz und kleinere Schäden tun der Liebe der Kinder zu ihren Puppen meist keinen Abbruch, ganz im Gegenteil: Ihre Herzen sind so groß und offen auch und vor allem für alles Unperfekte, Bedüftige, Schadhafte, Beschützenswerte, Verletzliche. Mein kleiner Lieblingstipp an dieser Stelle: Regelmäßig das Wangenrot auffrischen – das gibt den Puppen sofort neues Leben und erfreut die Kinder.

Wenn ihr auch eine reparaturbedürftige Puppe habt, ob von Mariengold oder nicht, schaue ich sie mir gern an und helfe, wenn ich kann. Einfach E-Mail an hello@mariengold.net schicken.

in: Reparaturen, Tipps und Tricks zur Puppengestaltung