27. März 2017

Ein Teil, viele Namen

Immer wieder staune und schmunzele ich über die vielen verschiedenen Bezeichnungen, die ich mittlerweile für den Unterteil des Kopfes gehört habe, der später in der Puppe verschwindet. Da gibt es beschreibende, funktionale, poetische, nüchterne, lustige und regional geprägte Worte. Ich habe mich ein bisschen unter den Frauen in meinen Kursen und anderen Puppenmacherinnen umgehört und für euch gesammelt.

Kopfunterteil

Rumpf

Körper

Muff

Hals

Wulst

Bürzel

Schultern

Halsknödel

Rumpfstumpf

Kopfunterbau

Halsinnenteil

Knubbel

Brustkorb

Halsverlängerung

Zapfen

Wenn ihr weitere Bezeichnungen kennt, schreibt gern an hello@mariengold.net.


8. Juni 2016

Kompakt und flauschig: Tipps für feines Babypuppenhaar

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Für die Herstellung von Puppenhaar gibt es heute viele Möglichkeiten, mit denen ganz verschiedenen Looks kreiert werden können. In meinen Fundstücken verlinke ich regelmäßig Ideen und Tutorials dazu. Was meine eigenes Verfahren angeht, bleibe ich seit Jahren meinen Anfängen treu: Das Material meiner Wahl ist meist das Mohair-Garn von Wollknoll und ich arbeite mit der Häkeltechnik.

Für das weiche Babyhaar verwendet ich jedoch am liebsten das Puppenhaargarn von DollyMo (hier und hier erhältlich), denn es hat herrlich lange flauschige Fasern und kommt in den schönsten natürlichen Farben. Daraus häkele ich ein Perückenkäppchen, das später auf den Kopf genäht wird. Dabei arbeite ich mit einer speziellen Häkeltechnik, bei der die Außenseite der Perücke so flauschig wird, das sie wie natürlicher Babyflaum aussieht und es nicht nötig ist, noch extra Haarsträhnen einzuknüpfen. Ganz ausführlich wird diese Technik in meinem Baby Twink E-Book erklärt, mit dessen Hilfe schon ganz viele Menschen wunderhübsche Babyhaarschöpfe gezaubert haben.

Zu diesem Thema bekomme ich immer viele Fragen gestellt. Deshalb möchte ich heute ein paar Tipps und Tricks mit euch teilen:

Für die Herstellung von flauschigem Babyhaar benötigt ihr ein Puppenhaargarn mit einem hohen Mohair-Anteil von circa 80 Prozent. In der Regel bestehen solche Garne aus einem mehrfädigen, dicken Trägerfaden, um den ein dünner Faden mit mehr oder weniger Flausch gezwirnt ist. Je mehr Flausch, desto besser.

Auch mit der besten Anleitung erfordert das Häkeln mit der speziellen „Flausch-Technik“ gerade zu Beginn viel Geduld und Geschick. Bis so ein Käppchen gehäkelt ist, dauert es einige Stunden (bei mir ist es ungefähr eine Spielfilmlänge). Aber mit jedem Käppchen werdet ihr schneller und besser und die flauschigen Haarsträhnen länger.

Die Richtung, in der ihr das Käppchen häkelt (ob vom Scheitel zum Haaransatz oder anders herum), bestimmt auch die Richtung des Falls bzw. Abstehens der Mohairfasern. Probiert es aus.

Zum Annähen des Käppchens an den Kopf empfehle ich Knopflochgarn in der Farbe des Puppenhaares. Am besten näht ihr im Rückstich, wobei die sichtbaren Stiche an der Oberfläche kürzer sein sollten als die darunterliegenden, damit man das Nähgarn möglichst nicht sieht. Stecht dabei schön tief ein, um sicherzugehen, dass ihr das Käppchen auch wirklich am Kopf befestigt und nicht nur in die Perücke ein- und ausstecht.

Mit einer kräftigen Naturhaarbürste lässt sich das Mohiar noch weiter ausbürsten und das Haar wird noch flauschiger.

Wer mag, knüpft noch ein paar kurze Strähnen aus dem Puppenhaargarn ein. Das gibt einen schönen Zauselschopf.

Oder ihr greift zur Schere und kürzt die Spitzen ein wenig. Dadurch wirkt das Haar noch voller. Vor allem Puppenjungs steht so eine kompakte Kurzhaarfrisur ausgezeichnet.

Kleine Haarspangen, Klemmen und Zopfgummis sind auch eine gute Idee. Keine Sorge, sie halten gut in dem feinen Mohair.

Um lange schön zu bleiben, muss das flauschige Puppenhaar gut gepflegt werden. Es besteht ja hauptsächlich aus Wollfasern und die filzen natürlich bei der Wärme und Bewegung, denen die Puppen in ihrem herrlichen Puppenleben so ausgesetzt sind. Bürstet das Haar regelmäßig mit einer kräftigen Naturhaarbürste. So bleibt es lange fein und weich. Ab und zu kann das Haar auch im Zuge einer Puppenvollwäsche von Hand gereinigt werden. Und wenn es ganz und gar unansehnlich geworden ist, kann es einfach ersetzt werden. Dafür das Käppchen entfernen und einen neuen Haarschopf anfertigen.

Weiter Tipps und Tricks zur Puppengestaltung findet ihr hier.


17. Mai 2016

Zettelwirtschaft (und ein Give-Away für euch)

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Vor einigen Wochen war die letzte Seite meines Auftragsbuches erreicht. Für mich ein guter Anlass, mal wieder darüber nachzudenken, wie es mit den Puppenbestellungen weitergehen soll. In den letzten Jahren war die Gestaltung meiner Auftragsbücher ja immer auch Weichenstellung für die kommenden Monate und Einladung zur Verwirklichung meiner Vorstellungen und Wünsche.

In diesem Sinne reflektierte ich die aktuelle Auftragslage, Routine und Abläufe in meinem Atelier sowie meine Pläne für die Zukunft und hatte ganz plötzlich Lust, ein neues Format auszuprobieren.

Kein Buch, sondern ein Abreißblock sollte es werden. Und dieses Mal wollte ich ihn nicht selbst basteln, sondern von meiner Grafik-Designerin Clara gestalten und professionell drucken lassen. So ein entstand ein hübscher kleiner Auftragsblock, der mir jetzt beim Planen der neuen Puppen ganz viel Freude bereitet.

Diese Freude möchte gern mit euch teilen und habe mit Clara einen Puppenauftragszettel entworfen, den ihr hier herunterladen und ausdrucken könnt, so oft ihr möchtet, sei es für professionelle Bestellungen oder für Puppen, die ihr ganz privat für eure Lieben näht. Macht es euch schön dabei und genießt den Beginn eures neuen Herzensprojektes.

Mehr Downloads und Give-Aways findet ihr hier.


26. April 2016

Namen los!

Ganz oft werde ich gefragt, wie ich auf die Namen für meine Puppen komme. Die fliegen mir ehrlich gesagt einfach so zu. Zwar pflege ich seit Jahren eine Liste mit meinen liebsten Namen aller Zeiten, aber jede Woche, wenn es an die Benennung der Freitagspuppe geht, kommt ganz verlässlich ein neuer Name. Es ist ganz leicht.

Manchmal finde ich ihn in einem Buch, manchmal in einem Filmabspann. Manchmal denke mir selbst einen aus oder verändere bekannte Namen, indem ich Buchstaben hinzufüge oder weglasse, so dass sie ein bisschen anders klingen oder besonders aussehen.

Ich finde, ein Name muss aus dem Bauch kommen. Dabei hilft es mir manchmal, herumzuspinnen und beliebig Silben aneinanderzureihen, nicht nur im Kopf, sondern laut ausgesprochen. Das macht gute Laune und es kommen die besten Namen dabei heraus.

Inspiration hole ich mir gern aus dem Skandinavischen, dort gibt es schöne kurze Namen voller Leichtigkeit und Freude. Aktuell mag ich auch slawische Namen sehr, weil sie oft etwas Verzaubertes und Kraftvolles haben. Märchen sind ebenfalls gute Quellen. Oder Kinder, die haben immer tolle Ideen.

Überhaupt bin ich sehr dafür, die Kinder zu fragen, wie ihre Puppe heißen soll. Sie wissen meist genau, wen sie da vor sich haben, und kennen auch den richtigen Namen.

Wenn man wie ich Puppen professionell herstellt und verkauft, geht es aber nicht nur um Intuition. Ob ein Name passt oder nicht, entscheiden dann auch noch andere Faktoren.

Was mir bei den Namen für meine Puppen wichtig ist

Signatur. Die Namen sollen nicht nur zu den Puppen selbst, sondern auch zu der Marke Mariengold passen und in diesem Sinne eine Art Markenzeichen sein. Idealerweise sind sie ikonisch und haben einen hohen Wiedererkennungswert. Wichtige Stichworte sind Leichtigkeit und Frische, Humor und Verspieltheit, Lieblichkeit, aber auch Stärke und Selbstbewusstsein. Besonders spannend finde ich, Namen zu verwenden, die noch nicht besetzt sind, oder bekannte Namen in einen neuen Kontext zu bringen. Dazu gehört für mich auch, keine typischen Namen für Waldorfpuppen zu verwenden.

Storytelling. Neben dem äußeren Erscheinungsbild einer Puppe, ist ihr Name eine weitere Möglichkeit, ihre Geschichte zu erzählen. Dabei geht es um Assoziationen und Bilder im Kopf, die Vermittlung von Gefühlen und die Sichtbarmachung von Werten. Namen sind auch Energieträger. Sie können sanft, kraftvoll, frech, romantisch, wild, ätherisch, verspielt, witzig, außergewöhnlich usw. sein. Sie können von einer Geschichte oder einem Märchen inspiriert sein oder an einen geliebten Menschen erinnern. Im besten Fall passen Aussehen, Ausstrahlung und Name perfekt zusammen.

Spiel. An die Kinder denke ich natürlich auch. Für sie ist mir wichtig, dass die Namen kurz und einprägsam sind, eine liebevolle und fröhliche Ausstrahlung haben und Lust aufs Spielen machen.

Sympathie. Nicht zuletzt zählen auch persönliche Vorlieben mit. Ich mag Namen, die mit L oder M beginnen und/oder auf i enden. Interessant finde ich den Kontrast von weichen und harten Lauten und ich spiele gern mit geschlechtsneutralen Namen.

Tipps für euch

Wenn euch der Name gefällt, den eure Puppe mitbringt, behaltet ihn. Vielleicht habt ihr von Anfang an eine Verbindung gespürt und er hat sogar zu eurer Kaufentscheidung beigetragen. Dann stellt die Puppe euren Kindern ganz selbstverständlich mit ihrem Namen vor.

Wenn nicht, sucht einen neuen aus. Mir ist es überhaupt nicht wichtig, dass die Puppen den Namen behalten, den ich ihnen gegeben habe. Ganz im Gegenteil. Es macht viel Freude, gemeinsam mit den Kindern auf Namensfindung zu gehen. Außerdem stärkt es das Band zur Puppe und kann einen ganz bestimmten, erwünschten Spirit in die Familie bringen.

Offenheit und Geduld sind wichtig. Manchmal dauert es ein bisschen, bis sich der richtige Name offenbart. Wenn eure Kinder alt genug sind, lasst sie am besten selbst wählen. Dabei kommen meistens die schönsten, lustigsten, einzigartigsten und rührendsten Kreationen heraus. Bei ganz kleinen Kindern könnt ihr es erst einmal bei der Bezeichnung „Puppe“ oder Koseformen davon belassen und abwarten, was sich im Laufe der Zeit tut.

Zum Abschluss noch ein paar Favoriten für euch: Jina, Kit, Rumi, Golda, Betka, Fink, Finzi, Malphi, Nilla, Winka, Toska, Momo, Tomme und Winz.


29. Februar 2016

Zweites Leben für die Puppen

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Vor einigen Monaten erzählte mir eine liebe Stammkundin von Edda, der Puppe, die ich vor bald drei Jahren für ihre Tochter angefertigt hatte. Die Puppe wurde heiß geliebt und viel bespielt, zeigte aber leider starke Abnutzungserscheinungen. Der Stoff an Händen, Füßen und Gesicht war dünn und löchrig geworden. Da halfen auch keine Flickversuche mehr. Ich bat die Kundin, mir die Puppe nach Berlin zu schicken, damit ich mir selbst ein Bild machen und wenn möglich eine Reparatur vornehmen konnte.

Beim Wiedersehen mit Edda ging mir richtig das Herz auf! Ich war gerührt, weil der Puppe so sehr anzusehen war, dass sie unendlich geliebt und bespielt wurde. Trotz der Löcher sah sie gepflegt, gut umsorgt und wertgeschätzt aus. Ihre Kleider waren wunderschön und mir kamen fast die Tränen beim Anblick der kleinen Wollstrümpfchen, die die abgeriebenen Füße schützten.

Den Kummer meiner Kundin und ihrer Tochter konnte ich gut nachvollziehen und wollte gern die Verantwortung übernehmen und sehen, was sich machen ließe.

Eigentlich war es ganz einfach. Zuerst rettete ich das Puppenhaar, das noch völlig in Ordnung war, und löste vorsichtig das Perückenkäppchen vom Kopf. Dann entfernte ich den Kopf vom Körper und ersetzte ihn durch einen neuen. Stickte Augen und Mund in denselben Farben. Befestigte wieder den alten Haarschopf. Hauchte der Puppe mit etwas roter Farbe neues Leben ein. Und schon blinzelte Edda mich wieder fröhlich an.

Die Puppe machte sich gleich auf den Weg zurück zu seinem Kind. Und wie ich kurz darauf hörte, wurde sie freudig empfangen und glücklich in die Arme geschlossen. Alles gut gegangen.

Ein bisschen rätselhaft finde ich es aber noch immer, dass der Stoff an Eddas Körper schon nach relativ kurzer Spielzeit so verschlissen war. Hatte ich doch bereits Puppen von mir aus denselben Zutaten gesehen, die deutlich älter und zerliebt zwar, aber dennoch ziemlich gut in Schuss waren.

Und doch, es musste am Material liegen. An dem Stoff, auf den ich seit Jahren schwöre, den ich für einen der besten in Europa, vielleicht sogar auf der Welt halte, und den viele andere Puppenmacherinnen ebenfalls verwenden. Mangelnde Qualität? Ich weiß es nicht.

Puppen aus natürlichen Materialien verändern sich mit der Zeit. Sie werden weicher und ihr Stoff wird grau und schmutzig. Nach einer gründliche Wäsche sehen sie aber gleich viel besser aus (eine ausführliche Anleitung dazu findet ihr in meinen FAQ). Bei dieser Gelegenheit können die Puppen auch auf offene Stellen und Beschädigungen untersucht werden. Das meiste lässt sich leicht flicken und ausbessern.

Schmutz und kleinere Schäden tun der Liebe der Kinder zu ihren Puppen meist keinen Abbruch, ganz im Gegenteil: Ihre Herzen sind so groß und offen auch und vor allem für alles Unperfekte, Bedüftige, Schadhafte, Beschützenswerte, Verletzliche. Mein kleiner Lieblingstipp an dieser Stelle: Regelmäßig das Wangenrot auffrischen – das gibt den Puppen sofort neues Leben und erfreut die Kinder.

Wenn ihr auch eine reparaturbedürftige Puppe habt, ob von Mariengold oder nicht, schaue ich sie mir gern an und helfe, wenn ich kann. Einfach E-Mail an hello@mariengold.net schicken.


2. Dezember 2015

PuppenMITmacherei 2015: Finale

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Welcome to the very last meeting of the „Puppenmitmacherei“, a doll making initiative by Naturkinder and Mariengold! Today it is all about enjoying the bounty of our labor. Below I share a bit of my routine as a doll maker once the dolls are completed, answer some frequently asked questions and wave goodbye until next year. An online translator can be found here, more details about the initiative here. If you take part in the „Puppenmitmacherei“ and write about it on your blog, Instagram or Facebook, don’t forget to link your article at Naturkinder today. Caro and I thank you with all our hearts for joining this project and hope to see you at the next „Puppenmitmacherei“ maybe in 2016. And of course we also wish you much pleasure with your brand new dolls. May they become loving friends and trusty companions for you and your family!

Herzlich Willkommen beim sechsten und letzten Treffen der Puppenmitmacherei von Naturkinder und Mariengold! Seit Oktober sind die Puppen fertig genäht, im November haben wir sie eingekleidet und jetzt im Dezember ist endlich das große Finale. Heute teilen und genießen wir, was wir in den letzten Monaten geschafft haben!

Vorhang auf

Für mich als professionelle Puppenmacherin ist die Arbeit an einer Puppe mit dem allerletzten Nadelstich noch lange nicht beendet. Es folgt eine Reihe von Arbeitsschritten, bis sie schließlich von ihrem Kind in die Arme geschlossen werden kann.

Im Schnelldurchlauf bedeutet das, dass ich die Puppe noch einmal gründlich auf Verarbeitung und Sicherheit untersuche, sie fotografiere, die Bilder bearbeite, einen Angebotstext schreibe, die Puppe in meinen Webshops liste bzw. Kontakt zu meinen Auftraggeber/innen aufnehme, die Puppe schließlich verkaufe, die Rechnung schreibe, den Zahlungseingang prüfe, das Goldstück sorgfältig verpacke und schlussendlich verschicke.

Zum Fotografieren verwende ich meine Sony Alpha 300, eine digitale Spiegelreflexkamera, für die ich zwei Objektive habe, eins mit einer Festbrennweite von 50 mm sowie ein Zoomobjektiv mit einer Brennweite von 18 bis 70 mm. Meistens fotografiere ich am Vormittag und das bei fast jedem Wetter. Auf das perfekte Licht warte ich nicht, das kostet zu viel Zeit und Nerven. Für die Bildsprache von Mariengold sind mir Lebendigkeit und ein gewisser Twist viel wichtiger. (Zu diesem Thema gibt es übrigens bei Junikate einen tollen Artikel.)

Nach dem Fotografieren bearbeite ich die Bilder auf meinem Laptop. In der Regel beschneide ich sie, helle sie ein bisschen auf, erhöhe den Kontrast, mache sie etwas wärmer und bringe sie in das richtige Format für die nächsten Schritte.

Weiter geht’s mit der Erstellung des Verkaufsangebots in meinen Webshops bei Dawanda und Etsy. Für die Texte verwende ich Bausteine, die ich mir in den letzten Jahren erarbeitet habe. Das spart viel Zeit. Beim Schreiben fasse ich mich kurz, formuliere klar und verständlich und überprüfe vor jeder Veröffentlichung Rechtschreibung und Grammatik. Gleiches gilt für E-Mails an Kund/innen, die direkt eine Puppe bei mir in Autrag gegeben haben. Auch wenn wir uns meist duzen und der Ton freundschaftlich und locker ist, achte ich auf Professionalität und Verbindlichkeit.

Wenn die Puppe verkauft ist, schreibe ich die Rechnung und bereite den Versand vor. Noch einen dicker Knutscher auf die kleine Wange und dann wickle ich die Puppe in weißes Packpapier, verschnüre das Ganze mit Satin und lege eine Mariengold Karte und manchmal einen persönlichen Gruß dazu. Nach Zahlungseingang verschicke ich das Paket via DHL oder Hermes. Für den Fall der Fälle ist mir eine Trackingnummer wichtig, bei Versand ins Ausland schließe ich in der Regel noch eine extra Versicherung ab.

Wenn ich später höre, dass die Puppe gut angekommen ist, manchmal sogar gleich von ihrem Kind in die Arme geschlossen wurde, freue ich mich natürlich. Aber im Grunde ist mein Auftrag mit dem Versand beendet. Und dann kommt die nächste Puppe und immer so weiter.

Mit jeder Puppe wiederholen sich viele Arbeitsschritte. Manchmal probiere ich etwas Neues, manchmal kehre auch zu Altbewährtem zurück. Ich kenne meine Arbeit in- und auswendig, könnte wahrscheinlich im Schlaf eine Puppe nähen und mit geschlossenen Augen Gesichter sticken. Meine Puppen ähneln sich wie Geschwister, ab und zu tanzt eine aus der Reihe. Ich habe sie alle von Herzen gern. Jede ist einzigartig und für einen bestimmten Menschen gemacht, ob ich ihn vorher kenne oder nicht. Wenn Puppe und Kind zusammenfinden, kann ein großes Glück beginnen. Und genauso soll es auch bei euch sein!

Caro und ich freuen uns jetzt riesig auf eure Puppen und eine ausgiebige Blogtour. Denkt also daran, eure Beiträge wie immer bei Naturkinder zu verlinken.

Fragen an Mariengold

Auch heute beantworte ich wieder ein paar Fragen, die zum Abschluss der Puppenmitmacherei passen.

Schade, dass das Wangenrot aus Bienenwachskreide so schnell verfliegt. Gibt es da vielleicht etwas, das länger hält?
Die Wachsmaler von Stockmar werden wohl am häufigsten zum Färben der Wangen und anderer Teile an den Puppen verwendet. Die Farbe ist leider nicht permanent und muss regelmäßig aufgefrischt werden. Länger haltbare Alternativen sind Aquarellbuntstifte und Acrylfarbe. Hier findet ihr mehr dazu.

Kann man die Puppen auch waschen?
Ja, und zwar in einem Bad aus lauwarmem Wasser mit milder Seife oder einem Wollwaschmittel. Anschließend gut mit klarem Wasser ausspülen und das Wasser ausdrücken. Die Puppen in ein Handtuch wickeln, das Wasser nochmals ausdrücken und an einem warmen Ort trocknen lassen. Grundsätzlich können die Puppen auch im Wollwaschgang bei niedriger Temperatur und geringer Schleuderzahl in der Waschmaschine gewaschen werden. Dazu die Puppen in einen Kissenbezug oder Waschsack stecken, um Fusselbildung zu vermeiden. Meiner Erfahrung nach werden die Puppen aber sauberer, wenn sie von Hand gewaschen werden. Nach der Wäsche das Wangenrot auffrischen und die Puppen sehen wieder ganz lebendig aus.

Ich suche schon lange einen stabilen Ständer zum Fotografieren meiner Puppen. Hast du eine Empfehlung?
Nein. Aber die Frage gebe ich gern weiter, denn mir geht es genauso. Wenn ihr einen guten Tipp habt, schreibt an hello@mariengold.net und ich teile ihn gern hier.

In meiner Puppe steckt viel Herzblut. Was kann ich tun, damit mein Kind die Puppe genauso mag wie ich?
Ganz einfach: Zeigt euren Kindern, wie sehr ihr die Puppe lieb habt, indem ihr liebevoll mit ihr umgeht, sie zärtlich im Arm haltet, füttert und tröstet usw. Gerade wenn eure Kinder noch sehr klein sind, werden sie es euch sicher gleich tun (Stichwort Nachahmung im ersten Lebensjahrsiebt). Das heißt, wenn ihr die Puppe wertschätzt, werden eure Kinder es auch tun. Was nicht bedeuten muss, dass sie dann ausgiebig mit ihr spielen. Was immer geschieht, macht euch möglichst frei von Erwartungen an eure Kinder und nehmt es nicht persönlich, wenn sie sich anders verhalten, als ihr es euch wünscht. Manchmal stellt sich auch heraus, dass die Puppe, die ihr mit euren eigenen Händen gemacht habt, gar nicht für euer Kind, sondern für euch selbst bestimmt ist. Auch gut, oder?

Herzlichen Dank

Zum Ende unserer Aktion möchten Caro und ich uns ganz, ganz herzlich für eure Teilnahme bedanken – ob ihr mitgemacht, mitgebloggt oder einfach im Stillen mitgefiebert und euch Monat für Monat auf die Beiträge gefreut habt.

Es war uns eine Riesenfreude, die Puppenmitmacherei für euch zu veranstalten, eure Puppen wachsen zu sehen, uns mit euch auszutauschen, euch anzufeuern und zu ermutigen und dabei selbst am Ball zu bleiben.

Viele Frauen trauten sich zum allerersten Mal an die Puppenmacherei heran. Andere, mit mehr Erfahrung, wagten etwas Neues, Verrücktes, Herzgewünschtes. Die ganze Zeit lag dieser Anfangszauber in der Luft. Eure Freude zu spüren, hat auch mir wahnsinnig viel Freude gemacht. Durch das regelmäßige Bloggen habe ich eine andere Perspektive auf meine Arbeit bekommen und konnte euch einen kleinen Blick hinter die Kulissen von Mariengold geben, was, wie meine Umfrage ergeben hat, ein großer Wunsch von euch ist. Vielen Dank für viele, viele Glücksmomente und vielleicht auf ein Neues in 2016!

Mehr zu Puppenmitmacherei findet ihr hier.


4. November 2015

PuppenMITmacherei 2015: Anfertigung der Kleidung (und ein DIY)

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Welcome back to the fifth and next to last meeting of the „Puppenmitmacherei“, a doll making initiative by Naturkinder and Mariengold! The dolls are now completed and ready to be dressed. Time to play with fabrics and yarns! Below I share tips and tricks, answer some frequently asked questions and make a forecast on our last date in December. An online translator can be found here, more details about the initiative here. If you take part in the „Puppenmitmacherei“ and write about it on your blog, Instagram or Facebook, don’t forget to link your article at Naturkinder. Caro and I wish you great joy in making your doll outfits today.

Herzlich Willkommen beim fünften und vorletzten Treffen der Puppenmitmacherei von Naturkinder und Mariengold! Bei unserem letzten Online-Date haben wir letzte Hand an die Puppen gelegt und sie fix und fertig vollendet. Sie blicken nun mit wachen Augen in die Welt und haben sicher schon wilde Küsse, Liebesbekundungen und vielleicht auch einen Namen bekommen.

Was jetzt noch fehlt, ist die Kleidung. Neben der Gestaltung der letzten Details an der Puppe selbst, ist auch das Einkleidung ein Lieblingspart bei der Puppenherstellung. Zeit also zum Spielen mit Stoffen und Garnen! Let’s go.

Kleidung für Puppen

Die Herstellung von Puppenkleidung macht riesigen Spaß. Man kann dabei so richtig eintauchen in Farben, Muster und Materialien und seiner Kreativität freien Lauf lassen.

Dafür muss man gar nicht besonders gut nähen, stricken oder häkeln können. Für den Anfang reichen ganz einfache Projekte wie eine weite Hose mit Gummizug, ein Shirt aus dem alten Lieblingsbody, von dem ihr euch nicht trennen könnt, ein simpler Rock oder ein improvisiertes Kleid aus einem Knallerstoff. Schaut mal, wie die Kleidung eurer Kinder genäht ist. Traut euch, die Schnittmuster direkt von Hand auf den Stoff zu zeichnen. Vertraut euch. Perfektion ist jetzt nicht gefragt.

Wenn ihr nicht nähen, aber dafür stricken könnt, auch gut. Dann hüllt ihr eure Puppe von oben bis unten in Maschen. Und wenn euch das alles so gar nicht liegt, findet sich in der Familie vielleicht eine Oma, die leidenschaftlich gern mit ihren Händen arbeitet und Lust hat, eine ganze Puppengarderobe anzufertigen. Oder ihr schaut euch auf Flohmärkten und in Spielzeugläden um.

Sicher werdet ihr bald feststellen, dass Puppenkleidung sich sehr gut eignet, um alle möglichen Handarbeitstechniken zu lernen. Die Projekte sind relativ klein und gehen schnell von der Hand, sie verzeihen Fehler und Unregelmäßigkeiten und finden meist begeisterte und dankbare kleine Abnehmer, egal ob das Ergebnis in euren Augen besonders schön ist.

Natürlich könnt ihr auch mit Vorlagen von erfahrenen Puppenmacherinnen arbeiten. Die Mariengold E-Books zur Herstellung von Puppenkleidung findet ihr hier. Sie beinhalten zahlreiche Projekte zum Nähen, Stricken und Häkeln, Schritt-für-Schritt-Erklärungen mit vielen Bildern und ausführlichen Beschreibungen sowie Schnittmuster für zwei Puppengrößen. Damit könnt ihr gleich loslegen und gelangt – so das Feedback meiner Kundinnen – ganz leicht zu schönen Ergebnissen.

Puppenkleidung könnt ihr aus allen möglichen Stoffen und Garnen herstellen. Für Kinder am besten geeignet sind natürliche Fasern wie Baumwolle, Leinen, Schurwolle usw. Ihr könnt auch die abgelegte Kleidung eurer Kinder verwenden und Lieblingsstücken ein zweites Leben schenken. Weiches Material lässt sich gut an- und ausziehen, schmeichelt der Kinderhaut und fällt schön an den Puppen. Einfache und weite Schnitte, elastisches Gummiband und leicht gängige Verschlüsse kommen kleinen Händen entgegen. Harmonische Farben tun Augen und Seele gut.

Kleidung hält Puppen nicht nur warm und schön, sondern sie ist auch eine wunderbare Möglichkeit, ihre Persönlichkeit herauszuarbeiten, die individuellen Vorstellungen eurer Kinder umzusetzen oder gleich mit ihnen gemeinsam zu werkeln. Kinder gehen da mit ganz viel Freude, Kreativität und Improvisationtalent heran und zaubern aus dem, was gerade da ist, das, was sie sich wünschen. So wird aus dem cremefarbenen Seidentuch ein Hochzeitskleid, aus dem Lieblingshaargummi mit den Kirschen ein fescher Gürtel und aus dem Blümchentaschentuch der lang ersehnte Minirock.

Ihr spürt es bestimmt jetzt schon: Eine selbst gemachte Puppe ist ein echtes Herzensding, vielleicht das schönste Geschenk, das ihr euren Kindern machen könnt. Ein Kleiderschatz, der mit der Zeit durch viele emsige und kreative Hände wächst, hält dieses Geschenk jahrelang lebendig.

DIY für kuschelige Wärme

Für die kalte Jahreszeit habe ich noch ein einfaches Projekt zum Selbermachen für eure Puppen, nämlich gestricktes Tuch aus Mohairgarn à la Tibi, das um die Schultern, als Schal oder Kopftuch getragen werden kann.

Ihr braucht

1 Knäuel Mohairgarn (z. B. Soft Kid von GGH)

Rundstricknadeln der Stärke 3 bis 4

Schere und Vernähnadel

Und so geht’s

5 Maschen anschlagen und eine Reihe rechts stricken. Das gesamte Tuch wird kraus rechts, also nur mit rechten Maschen gestrickt. In der nächsten und allen folgenden Reihen jeweils nach der ersten und vor der letzten Masche eine Masche rechts verschränkt zunehmen. Weiterstricken, bis das Tuch die gewünschte Länge erreicht hat. Für eine Puppe von 30 cm ist eine Länge von circa 35 cm empfehlenswert, für eine größere Puppe von 40 cm sind es circa 45 cm. Nach der letzten Reihe die Maschen abketten, den Faden abschneiden und durch die letzte Masche ziehen. Fäden vernähen.

Und jetzt wünsche ich euch viel Spaß und gutes Gelingen bei der Puppenkleiderschneiderei! Und denkt daran, eure Beiträge heute bei Naturkinder zu verlinken.

Fragen an Mariengold

Wie immer beantworte ich noch ein paar Fragen zum Thema.

Kann ich mit deinen Anleitungen auch Kleidung für Puppen machen, die nicht nach Mariengold Designs hergestellt wurden?
Na klar! Die Entwürfe passen auch anderen Puppen mit ähnlichen Maßen und können leicht für andere Puppengrößen angepasst werden, indem die Schnitte für die genähte Kleidung mit Hilfe eines Kopierers vergrößert oder verkleinert werden bzw. die Maße für die Strickkleidung umgerechnet werden.

Welche Läden in Berlin kannst du für Stoffe und Garne empfehlen?
Berlin ist eine große Stadt und es gibt viele tolle Läden für kreative Menschen. Ich kenne bei weitem nicht alle, werde aber oft in diesen fündig:

Wollen Berlin in der Gärtnerstraße 32
Siebenblau in der Pappelallee 86
Loops in der Wörther Sraße 19
Frieda Hain in der Gärtnerstraße 10
Frau Tulpe in der Veteranenstraße 19
Fadeninsel in der Oranienstraße 23

Mit welcher Nähmaschine arbeitest du?
Ich nähe mit einer Brother Inno-vis 10 Anniversary. Ich habe auch eine Overlock-Nähmaschine, eine Bernina 700D. Mit der geht alles ein bisschen schneller und einfacher, denn sie näht und versäubert in einem Schritt. Aber so eine Maschine braucht ihr nicht unebdingt für die Puppenkleiderschneiderei. Eine einfache Haushaltsnähmaschine ist völlig ausreichend. Ich habe auch schon von Frauen gehört, die Puppenkleidung komplett von Hand nähen. Apropos Versäubern, als professionelle Puppenmacherin mache ich das natürlich. Wenn ihr für eure Kinder näht und der Stoff nicht allzu sehr ausfranst, könnt ihr diesen Arbeitsschritt einfach weglassen.

Maschenproben sind mir ein Graus. Müssen die unbedingt sein?
Wenn ihr mit einer Anleitung arbeitet, sind Maschenproben hilfreich, um auf die nötigen Maße und letztlich zu einem Kleidungsstück zu kommen, das eurer Puppe wirklich passt. Gerade wenn ihr noch lernt, tut ihr euch mit diesem Arbeitsschritt einen Riesengefallen. Ihr könnt aber auch einfach drauf losnadeln. Je erfahrener ihr im Stricken seid, desto freier könnt ihr arbeiten.

Wie es weitergeht

Der nächste Termin für die Puppenmitmacherei ist Mittwoch, der 2. Dezember. Dann findet das Finale statt und die Puppen haben ihren großen Auftritt! Caro und ich freuen uns riesig und können es kaum erwarten die ganze Puppenschar unserer Aktion in ihrer vollen Pracht zu sehen.

Weitere Fragen zu allen Themen der Puppenmitmacherei an hello@mariengold.net.

Mehr zu Puppenmitmacherei findet ihr hier.


7. Oktober 2015

PuppenMITmacherei 2015: Gestaltung von Gesicht, Haaren und Details

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Welcome back to the fourth meeting of the „Puppenmitmacherei“, a doll making initiative by Naturkinder and Mariengold! Today we complete our dolls and create the hair and the face and add some cute, little details. Below I share tips and tricks, answer some frequently asked questions and make a forecast on our next date in November. An online translator can be found here, more details about the initiative here. If you take part in the „Puppenmitmacherei“ and write about it on your blog, Instagram or Facebook, don’t forget to link your article at Naturkinder today. More power to you! Caro and I wish you great joy with your finishing touches.

Halbzeit bei der Puppenmitmacherei von Naturkinder und Mariengold! Drei von sechs Treffen liegen bereits hinter uns, die Puppen sind jetzt fertig genäht und warten auf ihren Lebenshauch.

Was nun folgt, ist der schönste Teil, denn mit den nächsten Arbeitsschritten erwachen die Puppen zu individuellen, kleinen Wesen mit einer ganz eigenen Persönlichkeit. Neugierig, wer da unter euren Händen entstehen möchte? Na dann los, wir haben viel vor!

Gesicht

Beginnen wir mit dem Gesicht. Dafür – und für die nächsten Arbeitsschritte bis zur Vollendung der Puppen – benötigen wir im Großen und Ganzen:

Garn zum Sticken von Augen und Mund
Schere
Stecknadeln
Nähnadeln in verschiedenen Stärken und Längen (auch Puppennadeln)
Ein Knäuel Puppenhaargarn
Starkes Nähgarn in der Farbe des Puppenhaargarns
Häkelnadel
Ein Stück festen Karton für den Zuschnitt der Haarsträhnen
Starkes Nähgarn in der Farbe des Puppentrikots
Roter Wachsmalstift

Bevor ich Augen und Mund sticke, markiere ich sie mit Stecknadeln. Verwendet am besten zwei gleichfarbige Nadeln für die Augen, möglichst in der gewünschten Farbe, und eine rote Nadel für den Mund. Dann bekommt ihr einen guten Eindruck von eurem Puppengesicht. Bevor ihr mit dem Sticken beginnt, probiert ein bisschen aus. Was ändert sich, wenn ihr die Augen weiter auseinandersetzt oder den Mund ein Stück näher an die Nase rückt? Schon wenige Millimeter machen einen Unterschied.

Zum Sticken der Gesichtsmerkmale verwende ich das Knopflochgarn von Gütermann (z. B. hier erhältlich). Was ich an dem Garn so mag? Es ist schön fest verzwirnt und gleitet gut durch den Stoff, ohne lästige Schlaufen zu bilden. Und es kommt in vielen verschiedenen Farben. Ihr könnt natürlich auch mit Sticktwist arbeiten. Dann empfehle ich euch, das Garn nicht als gesamten Strang, sondern nur zweifädig zu verwenden.

Jetzt kommen auch endlich die Puppennadeln zu Einsatz. Puppennadeln sind extralange Nähnadeln. Von der Firma Prym sind sie im Set mit Längen von 7 cm, 9 cm und 13 cm erhältlich (z. B. hier).

In meinen Puppennähkursen mache ich immer wieder die Erfahrung, dass die Frauen großen Respekt vor dem Sticken der Augen haben und sich nicht so recht an diesen Schritt herantrauen. Wenn es euch auch so geht, habe ich ein paar Tipps für euch:

Bevor ihr loslegt, nehmt ein kleines Stück Puppentrikot zur Hand und stickt ein paar Augen zur Probe. So bekommt ihr ein Gefühl für den Vorgang und könnt besser einschätzen, was auf euch zukommt. Als Lichtblick – das Sticken auf dem losen Stoff ist viel umständlicher als später auf dem Puppenkopf.

Rund, viereckig, oval, sternförmig, groß, klein, für die Gestalt der Augen gibt es viele Möglichkeiten. Probiert aus, was ihr schön findet und was euch leicht von der Hand geht. Wählt im Zweifel die einfachere Form. Das spart Nerven und Zeit und ist in der Regel gut genug. Setzt euch nicht mit zu viel Perfektionismus unter Druck. Denn der hindert euch nur an der Vollendung eurer Puppe.

Wenn euch das freihändige Sticken nicht so recht gelingen mag, zeichnet die Form der Augen mit einem weichen Bleistift vor und malt diese einfach mit dem Stickgarn aus. Dabei müsst ihr die aufgezeichneten Konturen mit einsticken, denn diese können später nicht wegradiert werden.

Führt den Stickfaden straff, damit er keine Schlaufen bildet, an denen die Kinder sich später zu schaffen machen können. Zieht ihn aber auch nicht zu fest an, sonst wird der Puppentrikot zusammengezogen und Augen und Mund werden zu schmal.

Wenn ihr die Augen geschafft habt – und das werdet ihr ganz sicher -, gelingt euch der Mund mit Leichtigkeit! Lächeln oder nicht? Das liegt ganz bei euch. Wenn ihr eher einen neutralen Gesichtsausdruck haben wollt, stickt einen dezenten, kleinen Mund. Ein Lächeln bekommt ihr, wenn ihr ein V stickt oder die gewünschte Form mit mehreren kleinen Stichen auf die Puppe bringt.

Und nicht verzagen, wenn der Mund nicht ganz gerade wird. Ein bisschen schräg wirkt er schön frech. Überhaupt gilt für das gesamte Gesicht: Eine gewisse Asymmetrie lässt die Puppen lebendig erscheinen.

Haare

Für das Puppenhaar verwende ich das Mohair-Garn für Puppenhaar von Wollknoll, manchmal auch das von DollyMo (hier und hier erhältlich). Grundsätzlich eignen sich alle häkelbaren Garne, von denen ich persönlich natürliche Fasern wie Schafwolle, Alpaka oder Angora am schönsten finde.

Zur Herstellung von Puppenhaar gibt es verschiedene Möglichkeiten. Ich mache es schon immer so: Aus dem Puppenhaargarn häkele ich ein Käppchen als Perückenbasis, in das nach dem Befestigen am Kopf Haarsträhnen in beliebiger Länge geknüpft werden.

Für den Zuschnitt der Haarsträhnen könnt ihr aus festem Karton eine Schablone herstellen, die ca. 10 cm breit und so lang ist, wie das Haar werden soll. Das Puppenhaargarn mehrfach um die Schablone wickeln und an einer Seite aufschneiden. So bekommt ihr schnell und einfach viele gleichlange Haarsträhnen und das Knüpfen kann beginnen.

Für den Anfang bestückt den Kopf nicht zu dicht mit Haarsträhnen (Abstand circa 1,5 cm). Das Mohairgarn hat viel Volumen und wird schnell sehr voll. Wählt Haarlänge und Frisur passend zum Alter und der Fingerfertigkeit des Kindes. Je jünger das Kind, desto pflegeleichter sollte das Puppenhaar sein. Dann sind ein kurzer Strubbelkopf oder zwei feste, geflochtene Seitenzöpfe empfehlenswert. Ältere Kinder freuen sich über lange, volle Mähnen zum Frisieren. Dann können es ruhig 100 Haarsträhnen sein.

Alternativen zu dieser Häkel-Knüpf-Technik ist Puppenhaar, das z. B. aus Teddyplüsch oder Tibetlammfell genäht oder aus Tressen von Tierlocken hergestellt wird. Ich selbst habe damit keine Erfahrung, im Internet findet ihr aber zahlreiche Tutorials.

Details

Zum Schluss können die Puppen noch mit süßen, kleinen Details verschönert werden. Ein paar Finessen am Körper gliedern die Puppe und machen großen und kleinen Kindern Freude. Aber sie können natürlich auch weggelassen werden.

Möglich ist alles. Da hat sich in den letzten Jahren sehr viel getan. Puppen haben heute Nasen, Ohren, Bauchnabel, Pos, Augenbrauen, Sommersprossen, Grübchen an Knien und Ellbogen usw. Ob eure Puppe diese Merkmale bekommen soll, entscheidet ihr selbst. Folgt eurem Gefühl und macht kein Dogma daraus.

Zu meiner Mitzi passen ein Bauchnabel gut und rote Apfelbäckchen.

Ein Bauchnabel geht so: Mit einer Stecknadel markieren, mit starkem Nähgarn in der Farbe des Puppentrikots und kleinen Vorstichen einreihen, fest abbinden und Fäden vernähen.

Für das Wangenrot empfehle ich die Wachsmalkreide aus reinem Bienenwachs von Stockmar in der Farbe Karminrot mit der Nummer 01. Zum Färben die Wachskreide auf ein Stück Stoff oder ein Papiertaschentuch reiben und sanft kreisend auf die Wangen auftragen. Die Farbe ist nicht permanent und muss regelmäßig aufgefrischt werden. Alternativen sind Aquarellbuntstifte, Make-Up und Acrylfarbe. Mehr dazu hier.

Und jetzt wünsche ich euch viel Spaß bei den letzten Gestaltungsschritten an eurer Puppe! Und denkt daran, eure Beiträge heute bei Naturkinder zu verlinken.

Fragen an Mariengold

Wie immer beantworte ich noch ein paar Fragen zum Thema.

Wie kann ich mehrfarbige Augen sticken?
Damit habe ich überhaupt keine Erfahrung. Vielleicht geht es gut, wenn ihr zwei, drei Farben als ein Stickfaden zusammen nehmt und mehrfädig stickt. Das gibt bestimmt eine schöne Melierung, vorausgesetzt die Farben sind Ton in Ton. (Wenn ich mich recht erinnere, gibt es solche mehrfarbigen Garne sogar zu kaufen.) Oder ihr stickt mehrere Farben nacheinander und malt die Augen quasi mit Stickgarn auf. Dann könntet ihr auch kleine Lichtpunkte setzen, was den Blick der Puppen wach und lebendig macht. So oder so empfehle ich euch, das Ganze vorher auf einem Stück Trikotstoff auszuprobieren.

Ich traue mir das Sticken der Augen überhaupt nicht zu. Gibt es dazu Alternativen? 
Ja, die gibt es. Ihr könnt es euch ganz leicht machen, indem ihr die Gesichtsmerksamle mit Aquarellbuntstiften aufmalt. Dann wirken sie ganz zart und durchscheinend, was ich gerade für kleine Kinder sehr, sehr schön finde. Die Buntstifte vorher auf einem Stück Puppentrikot testen, um zu sehen, wie die Farben auf dem Stoff herauskommen und mit welchem Druck gemalt werden muss. Mit abgerundeter Miene arbeiten. Buntstiftfarbe verblasst mit der Zeit und muss regelmäßig erneuert werden. Wenn ihr euch traut, könnt ihr die Augen und den Mund auch mit Acrylfarbe aufmalen, dann ist die Farbe permanent.

Wie kann ich meiner Puppe Sommersprossen machen? 
Das könnt ihr hier nachlesen. Die Sommersprossenstifte sind jetzt auch in meinen Shops bei Dawanda und Etsy erhältlich.

Was ist, wenn mein Kind irgendwann eine andere Puppenhaarfarbe wünscht?
Ganz einfach. Wenn ihr das Puppenhaar mit der Häkel-Knüpf-Technik angefertigt habt, könnt ihr die Perücke entfernen und durch eine neue in der Wunschfarbe ersetzen. Wenn das Haar länger werden soll, könnt ihr die Perücke ebenfalls austauschen oder nur die Haarsträhnen entfernen („entknüpfen“ geht nicht so gut, aber die Knüpfknoten können mit einer kleine Schere aufgeschnitten werden) und eine neue Frisur anfertigen.

Wie es weitergeht

Der nächste Termin für die Puppenmitmacherei ist Mittwoch, der 4. November. Dann eröffnen wir die Puppenkleiderschneiderei. Wer dafür noch Anleitungen und Schnittmuster braucht, wird hier fündig.

Weitere Fragen zu allen Themen der Puppenmitmacherei an hello@mariengold.net.

Mehr zu Puppenmitmacherei findet ihr hier.


2. September 2015

PuppenMITmacherei 2015: Herstellung von Kopf und Körper

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Welcome back to the third meeting of the „Puppenmitmacherei“, a doll making initiative by Naturkinder and Mariengold! Hopefully your summer is recreative and inspiring and you are ready for the next action. Today we have a great deal to do: at first we make the doll head. When this obstacle is overcome, we stuff the arms and legs and sew the doll together. Below I share tips and tricks, answer some frequently asked questions and make a forecast on our next date in October. An online translator can be found here, more details about the initiative here. If you take part in the „Puppenmitmacherei“ and write about it on your blog, Instagram or Facebook, don’t forget to link your article at Naturkinder today. Cheer up! Caro and I wish you great joy in making your doll today.

Willkommen zurück bei der Puppenmitmacherei von Naturkinder und Mariengold! Ich hoffe, ihr habt einen schönen Sommer und seid gestärkt und inspiriert und bereit für die nächsten Arbeitsschritte an eurer Puppe.

Bei unserem zweiten Treffen Anfang August haben wir unser Puppenstudio eingerichtet, Anleitung und Schnittmuster, Material und Arbeitsutensilien bereitgelegt und die Puppenteile mit der Nähmaschine genäht.

Heute gibt es richtig viel zu tun: wir nehmen die erste große Hürde und stellen den Puppenkopf her. Wenn das geschafft ist, stopfen wir die Arme, Beine und den Rumpf und nähen die Puppe zusammen. Seid ihr bereit? Kann’s losgehen?

Herstellung des Kopfes

Beginnen wir mit dem Kopf. Im Großen und Ganzen brauchen wir dafür folgende Materialien und Arbeitsutensilien:

Schurwolle am Vlies
Mullschlauch
Abbindegarn
Maßband
Häkelnadel Stärke 3 bis 4
Filznadel
Stecknadeln
Nähnadel
Schere
Den bereits genähten Kopfbezug

Mullschlauch kommt in verschiedenen Qualitäten. Wenn ihr wie ich mit eher dünnem Material arbeitet, nehmt ihn doppelt für mehr Stabilität. Mullschlauch gibt es z. B. bei Wollknoll. Die größte Auswahl und den besten Preis bekommt ihr in der Apotheke.

Zum Modellieren der Kopfform braucht ihr ein extrastarkes, reißfestes Garn. Ich nehme dafür das synthetische Abbindegarn von Wollknoll. Mit starkem Zwirn, sehr dünner Paketschnur oder gewachster Zahnseide geht es aber auch gut. Passt auf eure Hände auf! Das dünne Garn schnürt die Haut ein. Falls nötig, schaffen dünne Lederhandschuhe hier Abhilfe.

Zum Rollen des Kopfes und Stopfen der Arme, Beine und des Rumpfes empfehle ich euch Schafschurwolle am Vlies (z.B. hier erhältlich). Ich liebe dieses Material! Schurwolle ist natürlich, duftet herrlich, lässt sich filzen, ist schmutzabweisend und selbstreinigend und kann Wärme speichern. Besser geht’s nicht!

Zum Beziehen des Kopfes nehme ich den Schweizer Trikotstoff von Wollknoll in der leichten, gut dehnbaren Qualität mit einem glatten Maschenbild auf beiden Seiten. Dieser Stoff schmiegt sich gut an den Kopf und bringt die abgebundenen Formen wunderbar zur Geltung. Durch seine Weichheit ist er nicht ganz so robust wie die feste, weniger gut dehnbare Qualität für den den Rest des Körpers. Dieser kleine Unterschied macht sich im Puppenspielalltag aber kaum bemerkbar.

Eine wichtige Frage ist, wie fest die Kopfkugel, die Ausgangsform des Hauptes, eigentlich sein soll. Ist sie zu weich, wird auch der Kopf zu weich. Dann verliert er später schnell seine Form, wird z. B. platt, wenn das Kind häufig darauf liegt. Ist die Kugel wiederum zu hart, kann sie nicht gut modelliert werden und der Kopf bekommt nicht seine typische Form mit der Vertiefung auf Höhe der Augen, den runden Wangen und dem ausgeprägten Hinterkopf. Ein hilfreiches Bild ist das der reifen Pflaume, d. h. die Kopfkugel soll fest im Kern sein, beim Andrücken aber ein wenig nachgeben.

Keine Sorge, falls es euch nicht gelingt, die Kopfkugel richtig rund zu rollen! Mit der Filznadel könnt ihr anschließend eine schöne Form ausarbeiten und Unebenheiten glätten. Dafür mit der Filznadel an den nötigen Stellen mehrmals einstechen und die Kugel gleichmäßig formen. Auch hier gilt wieder: achtet auf eure Hände, denn Filznadeln sind sehr, sehr spitz und haben mehrere Widerhaken am Schaft!

Ein großes Problem von Stoffpuppen ist häufig, dass der Kopf mit der Zeit immer lockerer auf dem Körper sitzt und im schlimmsten Fall irgendwann nach vorne hängt. Ein trauriger Anblick! Was tun? Entscheidend ist, wieviel Wolle sich an der Verbindung zwischen Kopf und Körper befindet. Je mehr Wolle es dort gibt, desto fester und stabiler sitzt der Kopf später auf dem Körper. Macht den Hals – auch wenn er bei traditionellen Waldorfpuppen nicht sichtbar ist – also nicht zu dünn, sondern sorgt an dieser Stelle für ordentlich Substanz und Festigkeit.

Wenn die Kopfkugel gerollt, in Wolle gehüllt und mit Mullschlauch bezogen ist, geht es ans Modellieren. Das Wichtigste hierbei ist das Abbinden der sogenannten Augenlinie, die den Kopf horizontal in zwei Hälften teilt. Dadurch entsteht eine Vertiefung im Gesicht, auf der später die Augen sitzen. Nehmt das Garn für diesen Arbeitsschritt ruhig doppelt, denn es wird viel Zug auf diesen Faden gebracht, damit die Furche schön tief wird. Die Höhe der Augenlinie bestimmt ihr selbst. Sie kann auf der Mitte der Kopfkugel sitzen oder etwas darunter oder darüber. Je tiefer die Augenlinie sitzt, desto höher ist die Stirn und desto jünger wirkt die Pupppe (Stichwort „Kindchenschema“). Wenn ihr unsicher seid, markiert nach dem Abbinden die Augen und den Mund mit Stecknadeln und schaut, wie euch das Gesicht gefällt. Wenn ihr etwas ändern möchtet, löst die Augenlinie wieder und positioniert sie neu.

Nase oder nicht? Meine Puppen hatten in den ersten Jahren von Mariengold keine Nasen und jetzt möchte ich nicht mehr auf sie verzichten. Es gibt gute Argumente sowohl für als auch gegen Nasen. Dagegen spricht, dass erhöhte Körperteile schneller schmutzig und im schlimmsten Fall sogar löchrig werden. In der Waldorfpädagogik gibt es auch die Ansicht, dass Kinder keine Nasen an den Puppen brauchen, weil sie sich diese ja einfach vorstellen können. Wiederum bereiten Nasen Kindern eine Riesenfreude, denn man kann sie streicheln, putzen, küssen und das eigene Näschen daran reiben! Aus gestalterischer Sicht spricht für Nasen, dass sie das Gesicht strukturieren und ihm einen individuellen Touch geben. Die Nasen der Puppen meiner Freundin Julia von Von Kowalke z. B. sitzen sehr tief, was mittlerweile ein wichtiges Wiedererkennungsmerkmal ihre Goldstücke ist. Folgt in dieser Frage eurem Herzen und macht kein Dogma daraus!

Wenn der Kopf fertig modelliert ist, wird er mit Stoff bezogen. Über die Vorzüge von Puppentrikot in der leichten, gut dehnbaren Qualität habe ich oben schon geschrieben. Mir ist gerade noch ein weiterer Vorteil eingefallen: durch seine gute Dehnbarkeit macht dieser Stoff weniger bis überhaupt keine Falten am Hals. Dafür beim Anzeichnen des Kopfbezugs auf dem Stoff die Öffnung für den Hals möglichst schmal machen und das Ganze dann mit viel Geschick und Fingerkraft über den Kopf ziehen und sauber abbinden.

Stopfen der Teile und Zusammennähen der Puppe

Aus meinen Kursen weiß ich, was für eine große Herausforderung die Anfertigung des Kopfes ist und wie riesig die Erleichterung ist, wenn das geschafft ist, vor allem wenn man vorher noch nie eine Puppe genäht hat. Deshalb gönnt euch jetzt erst einmal eine schöne Pause, erholt und stärkt euch, bevor es mit dem Körper weitergeht.

Für die nächsten Arbeitsschritte brauchen wir:

Die genähten Puppenteile
Stopfwolle
Holzlöffel und Essstäbchen
Stecknadeln
Nähnadel
Nähgarn
Schere

Zum Stopfen der Puppenteile benutze ich Kochlöffel aus Melamin oder Holz. Zum Ausarbeiten feiner Formen wie die Daumen sind stabile Essstäbchen hilfreich.

Also Stoff für die Arme, Beine und den Rumpf verwende ich den Schweizer Trikotstoff von Wollknoll in der schweren, weniger gut dehnbaren Qualität mit einem glatten Maschenbild auf der rechten und einem krausen Maschenbild auf der linken Seite. Dieser Stoff ist sehr kräftig, widerstandsfähig, schmutzabweisend und gewährleistet eine lange Erhaltung der Puppe.

Stopft eure Puppe möglichst fest. Denn je fester eine Puppe gestopft ist, desto länger bleibt sie in Form. Meine Tipps: nicht zu kleine Wollstücken verwenden. Die Wolle mit der einen Hand und dem Kochlöffel kräftig in die Teile hineinschieben und mit der anderen Hand den Stoff straffziehen. Die Wolle nicht nur an einer Stelle, sondern feste von allen Seiten aus in die Teile hineindrücken. Und keine Angst, der Stoff ist robust und hält ordentlich was aus. Die Nylbondnähte sind absolut stabil. Ihr könnt also richtig Gas geben!

Festigkeit ist aber auch kein Muss. Manchmal will es einfach nicht gelingen oder ist gar nicht gewünscht. Ich mag z. B. auch sehr die eher locker gestopften Puppen meiner Freundin Laura von 1000 Rehe. Weichheit ist ja auch eine ganz bestimmte Qualität, die zu manch einem Kind vielleicht besser passt als das Harte, Feste.

Wenn die Teile gestopft sind, geht es an das Zusammennähen der Puppe. Ich empfehle euch dafür das Extra Stark No. 40 oder das Knopflochgarn von Gütermann (z. B. hier erhältlich), beides reißfeste Garne aus Polyester für stark beanspruchte Nähte. Mit Nylbond geht es auch, wobei mir dieses Garn für diesen Zweck zu glatt und rutschig ist. Falls ihr nur mit natürlichen Materialien arbeiten möchtet, tut es natürlich auch ein Baumwollgarn.

Euer Stich für die Handnähte: der Matratzenstich, auch Blindstich, Leiterstich oder Zaubernaht genannt. Zaubernaht tritt es sehr gut, denn dieser Stich macht ganz saubere Nähte, bei denen der Faden nicht sichtbar ist. Der Matratzenstich wird daher für alle Nähte außen an der Puppe verwendet. Tutorials dazu findet ihr in Handarbeitsbüchern oder im Internet.

Ich wünsche euch guten Mut, geschickte Hände und einen langem Atem bei der Herstellung von Kopf und Körper eurer Puppe! Und denkt daran, eure Beiträge heute bei Naturkinder zu verlinken. Dort verlost Caro auch das wunderbare Buch „Lulu & Pip“, das ich Ende Juli hier auf meinem Blog ausführlich besprochen habe. Alle Teilnehmerinnen unseres dritten Online-Dates zur Puppenmitmacherein sind herzlich dazu eingeladen!

Fragen an Mariengold

Nach diesem langen Text sind hoffentlich nicht mehr allzu viele Fragen offen. Hier beantworte ich jetzt noch drei spezielle Anliegen zum Thema Kopf und Körper, die besonders häufig vorkommen.

Meine Puppe soll einen Hals bekommen. Wie mache ich das am besten?
Dafür gibt es viele verschiedene Möglichkeiten. Eine sehr einfache ist, den Unterteil des klassischen Puppenkopfes, den Karin Neuschütz in ihrem Buch „Die Waldorfpuppe“ als Halswulst bezeichnet, nicht vollständig in den Rumpf einzunähen, sondern einen Teil davon als Hals herausschauen zu lassen. Diese Technik erklären Laura und ich ausführlich in unserem Charlie Bo E-Book.

Wie erreiche ich gut bewegliche Arme und Beine für meine Puppe?
So eine Schlenkerpuppe bekommt ihr, wenn ihr die Arme und Beine nicht vollständig stopft, sondern genug Luft (ich sage mal 3 cm) für das Einnähen der Glieder in den Rumpf lasst. Je weniger Wolle sich an den Gelenken befindet, desto beweglicher sind die Arme und die Beine. Die Puppe mag dann an diesen Stellen vielleicht nicht besonders schön aussehen, weil sie an den Gelenken ziemlich dünn ist, aber dafür schlenkern die Arme und Beine ganz toll und diese Körperteile sind ja meistens auch bekleidet.

Mein Kind hat eine Allergie gegen Schafwolle./Ich möchte eine vegane Puppe herstellen. Welches Material kannst du empfehlen?
In der Regel sind beim Puppenmachen die einzigen Materialien, die Schafwolle enthalten bzw. tierischen Ursprungs sind, die Füllwolle und das Puppenhaargarn. Beides kann ersetzt werden. Für die Herstellung des Kopfes und zum Stopfen der Puppe könnt ihr auf Baumwolle, Kapok oder andere pflanzliche oder snythetische Fasern ausweichen. Allerdings kommen diese Materialien nicht im Vlies, sondern eher in Flocken, so dass sie nur bedingt zum Rollen der Kopfkugel geeignet sind. Dann müsst ihr mit anderen Techniken experimentieren. Als Alternative für Puppenhaar aus tierischen Fasern wie Schurwolle und Mohair fällt mir nur Baumwollgarn und synthetisches Garn ein. Am besten sucht ihr im Internet nach veganen Puppenmacherinnen und holt euch Rat. Mir fehlt da einfach die Erfahrung. In meinen acht Jahren als Puppengestalterin habe ich nur ein einziges Mal eine Bestellung für eine vegane Puppe erhalten. (Nach wie vor sehe ich ganz viel Potenzial in dem Thema und einen Zukunftsmarkt für die Puppenmacherei – nicht für mich, aber vielleicht für Frauen, die gerade mit dieser Arbeit beginnen und ihre Nische suchen. Aber das ist ein anderes Thema.)

Wie es weitergeht

Der nächste Termin für die Puppenmitmacherei ist Mittwoch, der 7. Oktober. Wenn der Termin heute die Pflicht ist, kommt im Oktober die Kür! Denn dann gestalten wir Gesicht, Haare und Details wie Bauchnabel, Popo, Ohren und worauf immer ihr Lust habt. Mit diesen Merkmalen werden wir die Persönlichkeit unserer Puppen wunderbar herausarbeiten. Das wird toll!

Weitere Fragen zu allen Themen der Puppenmitmacherei an hello@mariengold.net.

Mehr zu Puppenmitmacherei findet ihr hier.


29. Juli 2015

PuppenMITmacherei 2015: Vorbereitungen

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A warm welcome to the second meeting of the „Puppenmitmacherei“, a doll making initiative by Naturkinder and Mariengold! Today it is all about the preparations for our project: we gather materials and tools, set up the sewing machine and sew the doll parts. Below I share tips and tricks, answer some frequently asked questions and make a forecast on our next date in September. An online translator can be found here, more details about the initiative here. If you take part in the „Puppenmitmacherei“ and write about it on your blog, Instagram or Facebook, don’t forget to link your article at Naturkinder on August 5th (due to my upcoming summer break I am one week ahead). Wishing you great joy in starting your doll making adventure!

Herzlich Willkommen beim zweiten Online-Date der Puppenmitmacherei von Naturkinder und Mariengold! Eigentlich treffen wir uns ja immer am ersten Mittwoch des Monats. Aufgrund meiner bevorstehenden Sommerpause bin ich dieses Mal aber eine Woche früher dran und stimme euch schon ein bisschen ein.

Bei unserem ersten Treffen Anfang Juli haben wir Ideen und Inspirationen für unser Puppennähprojekt gesammelt und uns einen Überblick verschafft, was wir für die Umsetzung unserer Pläne brauchen.

Einrichtung des Puppenstudios

Heute geht es um die praktischen Vorbereitungen. Ihr wisst jetzt, was für eine Puppe ihr nähen möchtet. Anleitung und Schnittmuster, Material und Arbeitsutensilien liegen bereit.

Lasst uns noch mal alles gemeinsam durchgehen. Im Großen und Ganzen benötigt ihr zum Puppennähen:

Material
Puppentrikot
Puppenhaargarn
Schurwolle am Vlies
Garn zum Sticken von Augen und Mund
Mullschlauch
Nähmaschinengarn
Extrastarkes, reißfestes Garn zum Abbinden
Starkes Nähgarn für die Handnähte
Roter Wachsmalstift

Arbeitsutensilien
Nähmaschine
Löslicher Textilstift
Stoffschere
Kochlöffel und Essstäbchen
Nähnadeln in verschiedenen Stärken und Längen
Puppennadeln
Stecknadeln
Maßband
Fingerhut
Filznadel
Häkelnadel Stärke 3 bis 4

Was braucht ihr noch, um es euch schön in eurem Puppenstudio zu machen: Blumen, Schokolade, Musik oder Hörbücher, vielleicht auch ein Foto von dem Menschen, für den ihr eure Puppe näht? Richtet euch einen Werkplatz ein, an dem ihr euch so richtig wohlfühlt.

Und los geht’s

Ist eure Nähmaschine fit? Denn heute geht es direkt los und wir nähen die einzelnen Puppenteile. Dafür gebe ich euch noch ein paar Tipps und Tricks aus meiner Werkstatt mit auf den Weg.

Noch einmal zur Erinnerung: bei der Puppenmitmacherei nähe ich eine Mitzi, mein allererstes und allerliebstes Mariengold Modell, dessen Herstellungsanleitung auch bei meinen Kund/innen am am beliebtesten ist. Wenn ihr euch anschließen möchtet, findet ihr hier die Anleitung und das passende Material.

Meine Hinweise zur Puppenherstellung halte ich aber natürlich so allgemein wie möglich.

Als Puppenhaut schwöre ich auf den Trikotstoff Schweizer Qualität von Wollknoll, der in zwei Stärken erhältlich ist. Für den Kopf verwende ich die leichte, gut dehnbare Qualität mit einem glatten Maschenbild auf beiden Seiten. Dieser Stoff schmiegt sich gut an den Kopf und bringt die abgebundenen Formen wunderbar zur Geltung. Für den restlichen Körper verwende ich die schwere, weniger gut dehnbare Qualität mit einem glatten Maschenbild auf der rechten und einem krausen Maschenbild auf der linken Seite. Dieser Stoff ist sehr robust und gewährleistet eine lange Erhaltung der Puppe.

Um mit dem Schnittmuster einer bestimmten Anleitung ein optimales Ergebnis zu erzielen, empfehle ich euch die Verwendung des empfohlenen Puppentrikots. Mit anderen Stoffen entstehen manchmal ganz andere (komische) Körperformen.

Wenn eure Schnittmuster lange halten sollen, übertragt sie auf stabilen Karton und beschriftet sie ordentlich.

Zum Nähen der Puppenteile an der Nähmaschine verwende ich Nylbond von Coats (z. B. hier erhältlich), ein sehr starkes Garn aus Nylon, das sowohl reißfest als auch dehnbar ist. Mit Nylbond ist eine einfache Naht im Steppstich völlig ausreichend. Bei Verwendung von normalem Nähmaschinengarn aus Polyester oder Baumwolle sind doppelte Nähte im leichten Zickzackstich ratsam.

Die Puppenteile können mit einer ganz einfachen Haushaltsnähmaschine ohne viel Schnickschnack genäht werden. Ein Profimodell tut es natürlich auch.

Wenn ihr den Puppentrikot näht, verwendet eine Nähmaschinennadel mit Kugelspitze für Jersey (z.B. hier erhätlich). So eine Nadel schützt den elastischen Stoff vor Beschädigung.

Zum Aufzeichnen der Puppenteile auf den Stoff verwende ich den selbstlöschenden Trickmarker von Prym (z. B. hier erhältlich). Zur Not geht auch ein Bleistift (aber nur, wenn euer Stoff nicht zu hell ist). Mit Schneiderkreide komme ich nicht so gut zurecht.

Puppentrikot wird in der Regel am Schlauch geliefert, d. h. der Stoff liegt doppelt mit der linken Seite außen. Bevor ihr die Puppenteile aufzeichnet, überprüft noch einmal, ob die Rippen auf der Innenseite auf beiden Lagen wirklich senkrecht laufen. Manchmal verzieht sich der Stoff etwas und die Rippen laufen schräg. Das wirkt sich später auf die Form der Puppe aus. Legt dann die Stofflagen noch einmal sauber aufeinander und fixiert sie vor dem Aufzeichnen und Nähen mit Stecknadeln.

Ich wünsche euch viel Spaß beim Einrichten eures Puppenstudios und Nähen der Puppenteile! Und denkt daran, eure Beiträge zu unserem zweiten Treffen nächste Woche Mittwoch am 5. August bei Naturkinder zu verlinken.

Fragen an Mariengold

Natürlich beantworte ich auch wieder eure Fragen. Heute habe ich vier Stück ausgesucht, die zum Thema passen.

Ich möchte mit deinen E-Books eine Puppe nähen. Kann ich dafür auch anderes Material nehmen als in den Empfehlungen angegeben?
Ja, das geht. Probiert es einfach aus. Kritisch wird es vielleicht mit den Schnittmustern. Die müssen angepasst werden, wenn sich euer Stoff anders verhält als der empfohlene.

Was für eine Nähmaschine hast du?
Ich nähe mit einer Brother Inno-vis 10 Anniversary. Für die Puppenkleidung habe ich noch eine Overlock-Nähmaschine, eine Bernina 700D. Wenn ihr viel und vor allem beruflich näht, rate ich ich euch (aus Erfahrung) zu einer zweiten Nähmaschine, mit der ihr arbeiten könnt, wenn die andere mal ausfällt. Außerdem empfehle ich euch eine regelmäßige, professionelle Wartung eurer Maschine.

Ich traue mir das mit der Nähmaschine nicht zu. Was kann ich tun?
Das kenne ich. Als ich mit der Puppenmacherei begann, hatte ich noch gar keine Nähmaschine. Deshalb habe ich meine Puppenteile anfangs von einer Änderungsschneiderei nähen lassen. Es war eine schöne Erfahrung, so viel Unterstützung zu finden, und die Schneiderin hatte auch ihren Spaß. Noch Jahre später, als ich längst selbst eine Nähmaschine hatte, war ich regelmäßig dort und habe meine Puppen gezeigt. Wenn ihr also nicht selbst an der Maschine nähen könnt, bittet nähbegabte Menschen um Hilfe, seien es Profis oder Freunde, die fit an der Nähmaschine sind. Sie helfen gern.

Können die Puppenteile auch von Hand genäht werden?
Bestimmt. Ich habe aber keine Erfahrung damit und kann mir vorstellen, dass es mit der Maschine viel schneller geht und die Nähte gleichmäßiger und stabiler werden.

Wie es weitergeht

Der nächste Termin für die Puppenmitmacherei ist Mittwoch, der 2. September. Dann haben wir viel vor! Wir nehmen die erste große Hürde und fertigen den Puppenkopf an. Wenn das geschafft ist, stopfen wir die Arme und Beine und nähen die Puppe zusammen.

Weitere Fragen zu allen Themen der Puppenmitmacherei an hello@mariengold.net.

Mehr zu Puppenmitmacherei findet ihr hier.