13. Juni 2018

Heile, heile Näschen

Seit ich letztes Jahr zwei Artikel über Puppenreparaturen veröffentlicht habe, bekomme ich immer wieder Post wie diese von Natalie:

„Liebe Maria, ich verfolge begeistert und interessiert deinen Blog. Jetzt habe ich eine Frage an dich als Puppenprofi. Bei unserer Waldorfpuppe ist der Trikotstoff am Näschen offen und ich habe nun Garn besorgt, um es zu reparieren. Gibt es eine besondere Technik, die ich anwenden muss? Vielleicht ist das auch eine Idee für einen Beitrag auf deinem Blog. Einschicken darf ich die Puppe leider nicht. Sie wird abgöttisch geliebt und darf keinen einzigen Tag fehlen. Also muss ich mich selber ans Werk machen. Im Anhang befindet sich ein Foto mit der derzeitigen Situation.“

Wie schön und wunderbar zerliebt diese Puppe, Yuki ihr Name, aussah! Und dennoch, ein Loch in der Nase ist immer doof. Ungewöhnlich oder gar ein Zeichen von schlechtem Umgang ist es übrigens nicht, wenn der Stoff an dieser Stelle kaputt geht. Die Nase steht ja etwas erhöht vom Rest des Kopfes ab, weshalb sie beim Spielen und Liebhaben ganz besonders beansprucht wird und schmutzig, dünn und eben auch löchrig werden kann.

Was also tun? Am besten wäre es natürlich, den Kopf noch einmal komplett neu mit Stoff zu beziehen. Der Nachteil ist, dass a) das Prozedere ziemlich aufwendig ist und b) dann auch das ganze Gesicht neu gestaltet werden muss, was den gewohnten und geliebten Ausdruck immer auch ein bisschen verändert.

Viel leichter ist es, das Loch einfach zu stopfen. So eine Reparatur sieht man zwar von außen, aber was soll’s, nobody is perfect und Kinder lieben ihre Puppen auch und gerade, wenn sie nicht mehr ganz so frisch sind. Ich rate also immer zum beherzten Stopfen und zwar am besten eigenhändig.

Und so geht’s

Ihr braucht eine spitze Sticknadel und Nähgarn in der Farbe des Trikotstoffes oder etwas heller oder dunkler wie bei Käthe, meinem Modell, die mir meine Leserin und Kundin Bianca dankenswerterweise für diese Geschichte zur Verfügung gestellt hat. Etwas dicker und reißfest sollte es sein, etwa wie das Knopflochgarn oder Extra Stark von Gütermann.

Einen circa 40 cm langen Faden zuschneiden und einen Knoten in das Ende machen. Den Faden auf die Nadel nehmen und an der offenen Stelle an der Nase befestigen.

Mit waagerechten Stichen das Loch zunähen. Die Stiche sollten etwas breiter sein als das Loch selbst und falls es Laufmaschen gibt, auch diese mit einfassen. Mehrere Lagen übereinander sticken, erst grob und dann immer feiner, um eine schöne Kontur auszuarbeiten. Auf diese Weise wird Stich für Stich das Loch geschlossen und gleichzeitig eine neue Nase geformt, die natürlich etwas größer und länger ist als vorher, dafür aber auch ein bisschen nach Wunsch modelliert werden kann, z. B. mit einem schmalen Nasenrücken oder als freches Stupsnäschen. Hilfreich beim Sticken sind hilfreich sind Zange und Fingerhut, da es am Ende etwas mühsam werden kann, durch den Stoff zu kommen. Zum Schluss den Faden gut sichern.

Noch etwas Rot auf die Wangen, die Haare frisch aufgebürstet und ab ging es für Käthe mit einem dicken Kuss zurück in die heimatlichen Kinderarme.

Für Yuki ist die Nasenreparatur übrigens auch gut ausgegangen, wie dieses Bild aus meiner Reihe „Mit Mariengold gemacht“ zeigt. Natalie hat ihrer dreijährigen Tochter gesagt, Yuki wäre beim Puppendoktor, und das Loch still und heimlich selbst gestopft. Nach dem Flicken trug die Puppe für für einen Tag ein Plaster, damit die Kleine sich innerlich auf das neue Gesicht einstellen konnte. Die Stickfäden sind für sie jetzt die Narbe und ihre Yuki hat sie genauso lieb wie vorher.

Weitere Reparaturen findet ihr hier.

 


14. September 2017

Frischer Wind für Susi

Anfang Mai erhielt ich ein verzweifeltes E-Mail mit dem Betreff „Puppen-Sorgen“. Darin erzählte mir eine Kundin, ihr kleiner Sohn hätte ihre erste eigene Puppe geerbt und ganz innig in sein Herz geschlossen. Leider aber wäre Susi, so der Name der Puppe, mittlerweile ganz zerliebt und abgekuschelt und statt eines Gesichtes hätte sie ein großes Loch. Die Puppenärztin, die sie aufgesucht hatte, hätte ihr nicht helfen können und jetzt wolle sie selbst versuchen, die Puppe wieder in Ordnung zu bringen. Ob ich ihr mit einem Stück Stoff weiterhelfen könne?

Ich konnte sogar noch mehr für sie tun und habe die komplette Reparatur übernommen. Es war zwar aufwendiger als gedacht, aber es hat sich gelohnt. Die Puppe hat ein zweites Leben bekommen und meine Kundin und ihr Sohn waren überglücklich. Obendrein hat die Oma, also die Mama der Kundin, für ihr zweites Enkelkind, das im Herbst geboren wird, eine weitere Puppe nach dem Vorbild von Susi bei mir in Auftrag gegeben. Klingt nach großer Puppenliebe und viel Spielfreude.

Anfragen für Reparatur, Aufarbeitung und Veränderung von Puppen an hello@mariengold.net.


21. Juni 2017

Haare für die Silke-Puppe

Wenn ich die Puppen der Traditionsmarke SILKE der Kösener Spielzeug Manufaktur nur ein bisschen früher entdeckt hätte, ich wäre wahrscheinlich keine Puppenmacherin geworden. Dann hätte ich Anfang der 2000er als junge Mama meiner Tochter genau so eine Puppe gekauft. Stattdessen, und das war sehr gut so, nähte ich sie selber, weil ich in den Geschäften nicht fündig wurde. Aber das war nur die halbe Wahrheit, wie sich später herausstellen sollte. Denn es gab sie, die schönen Puppen, nur wenige Hundert Meter von meinem damaligen Zuhause entfernt, in einem kleinen, feinen Laden am Kollwitzplatz hier in Berlin, dem Dudu, in dem ich mir damals mit meinem schmalen Budget nichts leisten konnte. Aber gucken. Und so verliebte ich mich in diese Puppen. Zu dem Zeitpunkt hatte meine Tochter längst ihre Tilda aus meinen Händen und ich war im Fieber und stellte selbst Puppen für den Verkauf her.

Seitdem sind mir die SILKE-Puppen immer wieder über den Weg gelaufen, meist paarweise, denn mehr hatten die Geschäfte in der Regel nicht vorrätig. Ich hatte sie aus der Ferne lieb, ihre schlichte Erscheinung, den sanften Gesichtsausdruck, ihre Zartheit, aber auch die Ruhe und Gelassenheit, die sie ausstrahlten.

Sie erinnerten mich auch an die Puppen von Käthe Kruse. Und tatsächlich stellte sich heraus, dass die Kösener Spielzeug Manufaktur 1911/12 von der weltberühmten Puppenmacherin gegündet worden war, bevor sie 1949 Bad Kösen verließ, um mit ihren Kindern in Donauwörth eine neue Firma aufzubauen.

All das ging mir durch den Kopf, als ich im April eine Puppe zugeschickt bekam mit der Bitte, ihr Haare zum Frisieren zu machen. Es gab zwar vorher einen E-Mail-Austausch und auch Bilder, aber erst als die Puppe leibhaftig in meinem Atelier eintraf, begriff ich, was ich da in den Händen hielt. Eine SILKE-Puppe, was für ein Glück. Und ich durfte ihr etwas von Mariengold hinzufügen, Doppelglück! Zuerst hatte ich Zweifel, ob das passen würde mit dem Goldschopf, ob es der Puppe nicht etwas von ihrer besonderen Erscheinung nehmen würde. Aber das Wallehaar war genau richtig, denn es hat das Mädchen, das auf seine Puppe wartete, sehr glücklich gemacht.

Anfragen für Reparatur, Aufarbeitung und Veränderung von Puppen an hello@mariengold.net.


27. März 2017

Ein Teil, viele Namen

Immer wieder staune und schmunzele ich über die vielen verschiedenen Bezeichnungen, die ich mittlerweile für den Unterteil des Kopfes gehört habe, der später in der Puppe verschwindet. Da gibt es beschreibende, funktionale, poetische, nüchterne, lustige und regional geprägte Worte. Ich habe mich ein bisschen unter den Frauen in meinen Kursen und anderen Puppenmacherinnen umgehört und für euch gesammelt.

Kopfunterteil

Rumpf

Körper

Muff

Hals

Wulst

Bürzel

Schultern

Halsknödel

Rumpfstumpf

Kopfunterbau

Halsinnenteil

Knubbel

Brustkorb

Halsverlängerung

Zapfen

Wenn ihr weitere Bezeichnungen kennt, schreibt gern an hello@mariengold.net.


8. Juni 2016

Kompakt und flauschig: Tipps für feines Babypuppenhaar

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Für die Herstellung von Puppenhaar gibt es heute viele Möglichkeiten, mit denen ganz verschiedenen Looks kreiert werden können. In meinen Fundstücken verlinke ich regelmäßig Ideen und Tutorials dazu. Was meine eigenes Verfahren angeht, bleibe ich seit Jahren meinen Anfängen treu: Das Material meiner Wahl ist meist das Mohair-Garn von Wollknoll und ich arbeite mit der Häkeltechnik.

Für das weiche Babyhaar verwendet ich jedoch am liebsten das Puppenhaargarn von DollyMo (hier und hier erhältlich), denn es hat herrlich lange flauschige Fasern und kommt in den schönsten natürlichen Farben. Daraus häkele ich ein Perückenkäppchen, das später auf den Kopf genäht wird. Dabei arbeite ich mit einer speziellen Häkeltechnik, bei der die Außenseite der Perücke so flauschig wird, das sie wie natürlicher Babyflaum aussieht und es nicht nötig ist, noch extra Haarsträhnen einzuknüpfen. Ganz ausführlich wird diese Technik in meinem Baby Twink E-Book erklärt, mit dessen Hilfe schon ganz viele Menschen wunderhübsche Babyhaarschöpfe gezaubert haben.

Zu diesem Thema bekomme ich immer viele Fragen gestellt. Deshalb möchte ich heute ein paar Tipps und Tricks mit euch teilen:

Für die Herstellung von flauschigem Babyhaar benötigt ihr ein Puppenhaargarn mit einem hohen Mohair-Anteil von circa 80 Prozent. In der Regel bestehen solche Garne aus einem mehrfädigen, dicken Trägerfaden, um den ein dünner Faden mit mehr oder weniger Flausch gezwirnt ist. Je mehr Flausch, desto besser.

Auch mit der besten Anleitung erfordert das Häkeln mit der speziellen „Flausch-Technik“ gerade zu Beginn viel Geduld und Geschick. Bis so ein Käppchen gehäkelt ist, dauert es einige Stunden (bei mir ist es ungefähr eine Spielfilmlänge). Aber mit jedem Käppchen werdet ihr schneller und besser und die flauschigen Haarsträhnen länger.

Die Richtung, in der ihr das Käppchen häkelt (ob vom Scheitel zum Haaransatz oder anders herum), bestimmt auch die Richtung des Falls bzw. Abstehens der Mohairfasern. Probiert es aus.

Zum Annähen des Käppchens an den Kopf empfehle ich Knopflochgarn in der Farbe des Puppenhaares. Am besten näht ihr im Rückstich, wobei die sichtbaren Stiche an der Oberfläche kürzer sein sollten als die darunterliegenden, damit man das Nähgarn möglichst nicht sieht. Stecht dabei schön tief ein, um sicherzugehen, dass ihr das Käppchen auch wirklich am Kopf befestigt und nicht nur in die Perücke ein- und ausstecht.

Mit einer kräftigen Naturhaarbürste lässt sich das Mohiar noch weiter ausbürsten und das Haar wird noch flauschiger.

Wer mag, knüpft noch ein paar kurze Strähnen aus dem Puppenhaargarn ein. Das gibt einen schönen Zauselschopf.

Oder ihr greift zur Schere und kürzt die Spitzen ein wenig. Dadurch wirkt das Haar noch voller. Vor allem Puppenjungs steht so eine kompakte Kurzhaarfrisur ausgezeichnet.

Kleine Haarspangen, Klemmen und Zopfgummis sind auch eine gute Idee. Keine Sorge, sie halten gut in dem feinen Mohair.

Um lange schön zu bleiben, muss das flauschige Puppenhaar gut gepflegt werden. Es besteht ja hauptsächlich aus Wollfasern und die filzen natürlich bei der Wärme und Bewegung, denen die Puppen in ihrem herrlichen Puppenleben so ausgesetzt sind. Bürstet das Haar regelmäßig mit einer kräftigen Naturhaarbürste. So bleibt es lange fein und weich. Ab und zu kann das Haar auch im Zuge einer Puppenvollwäsche von Hand gereinigt werden. Und wenn es ganz und gar unansehnlich geworden ist, kann es einfach ersetzt werden. Dafür das Käppchen entfernen und einen neuen Haarschopf anfertigen.

Weiter Tipps und Tricks zur Puppengestaltung findet ihr hier.


17. Mai 2016

Zettelwirtschaft (und ein Give-Away für euch)

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Vor einigen Wochen war die letzte Seite meines Auftragsbuches erreicht. Für mich ein guter Anlass, mal wieder darüber nachzudenken, wie es mit den Puppenbestellungen weitergehen soll. In den letzten Jahren war die Gestaltung meiner Auftragsbücher ja immer auch Weichenstellung für die kommenden Monate und Einladung zur Verwirklichung meiner Vorstellungen und Wünsche.

In diesem Sinne reflektierte ich die aktuelle Auftragslage, Routine und Abläufe in meinem Atelier sowie meine Pläne für die Zukunft und hatte ganz plötzlich Lust, ein neues Format auszuprobieren.

Kein Buch, sondern ein Abreißblock sollte es werden. Und dieses Mal wollte ich ihn nicht selbst basteln, sondern von meiner Grafik-Designerin Clara gestalten und professionell drucken lassen. So ein entstand ein hübscher kleiner Auftragsblock, der mir jetzt beim Planen der neuen Puppen ganz viel Freude bereitet.

Diese Freude möchte gern mit euch teilen und habe mit Clara einen Puppenauftragszettel entworfen, den ihr hier herunterladen und ausdrucken könnt, so oft ihr möchtet, sei es für professionelle Bestellungen oder für Puppen, die ihr ganz privat für eure Lieben näht. Macht es euch schön dabei und genießt den Beginn eures neuen Herzensprojektes.

Mehr Downloads und Give-Aways findet ihr hier.


26. April 2016

Namen los!

Ganz oft werde ich gefragt, wie ich auf die Namen für meine Puppen komme. Die fliegen mir ehrlich gesagt einfach so zu. Zwar pflege ich seit Jahren eine Liste mit meinen liebsten Namen aller Zeiten, aber jede Woche, wenn es an die Benennung der Freitagspuppe geht, kommt ganz verlässlich ein neuer Name. Es ist ganz leicht.

Manchmal finde ich ihn in einem Buch, manchmal in einem Filmabspann. Manchmal denke mir selbst einen aus oder verändere bekannte Namen, indem ich Buchstaben hinzufüge oder weglasse, so dass sie ein bisschen anders klingen oder besonders aussehen.

Ich finde, ein Name muss aus dem Bauch kommen. Dabei hilft es mir manchmal, herumzuspinnen und beliebig Silben aneinanderzureihen, nicht nur im Kopf, sondern laut ausgesprochen. Das macht gute Laune und es kommen die besten Namen dabei heraus.

Inspiration hole ich mir gern aus dem Skandinavischen, dort gibt es schöne kurze Namen voller Leichtigkeit und Freude. Aktuell mag ich auch slawische Namen sehr, weil sie oft etwas Verzaubertes und Kraftvolles haben. Märchen sind ebenfalls gute Quellen. Oder Kinder, die haben immer tolle Ideen.

Überhaupt bin ich sehr dafür, die Kinder zu fragen, wie ihre Puppe heißen soll. Sie wissen meist genau, wen sie da vor sich haben, und kennen auch den richtigen Namen.

Wenn man wie ich Puppen professionell herstellt und verkauft, geht es aber nicht nur um Intuition. Ob ein Name passt oder nicht, entscheiden dann auch noch andere Faktoren.

Was mir bei den Namen für meine Puppen wichtig ist

Signatur. Die Namen sollen nicht nur zu den Puppen selbst, sondern auch zu der Marke Mariengold passen und in diesem Sinne eine Art Markenzeichen sein. Idealerweise sind sie ikonisch und haben einen hohen Wiedererkennungswert. Wichtige Stichworte sind Leichtigkeit und Frische, Humor und Verspieltheit, Lieblichkeit, aber auch Stärke und Selbstbewusstsein. Besonders spannend finde ich, Namen zu verwenden, die noch nicht besetzt sind, oder bekannte Namen in einen neuen Kontext zu bringen. Dazu gehört für mich auch, keine typischen Namen für Waldorfpuppen zu verwenden.

Storytelling. Neben dem äußeren Erscheinungsbild einer Puppe, ist ihr Name eine weitere Möglichkeit, ihre Geschichte zu erzählen. Dabei geht es um Assoziationen und Bilder im Kopf, die Vermittlung von Gefühlen und die Sichtbarmachung von Werten. Namen sind auch Energieträger. Sie können sanft, kraftvoll, frech, romantisch, wild, ätherisch, verspielt, witzig, außergewöhnlich usw. sein. Sie können von einer Geschichte oder einem Märchen inspiriert sein oder an einen geliebten Menschen erinnern. Im besten Fall passen Aussehen, Ausstrahlung und Name perfekt zusammen.

Spiel. An die Kinder denke ich natürlich auch. Für sie ist mir wichtig, dass die Namen kurz und einprägsam sind, eine liebevolle und fröhliche Ausstrahlung haben und Lust aufs Spielen machen.

Sympathie. Nicht zuletzt zählen auch persönliche Vorlieben mit. Ich mag Namen, die mit L oder M beginnen und/oder auf i enden. Interessant finde ich den Kontrast von weichen und harten Lauten und ich spiele gern mit geschlechtsneutralen Namen.

Tipps für euch

Wenn euch der Name gefällt, den eure Puppe mitbringt, behaltet ihn. Vielleicht habt ihr von Anfang an eine Verbindung gespürt und er hat sogar zu eurer Kaufentscheidung beigetragen. Dann stellt die Puppe euren Kindern ganz selbstverständlich mit ihrem Namen vor.

Wenn nicht, sucht einen neuen aus. Mir ist es überhaupt nicht wichtig, dass die Puppen den Namen behalten, den ich ihnen gegeben habe. Ganz im Gegenteil. Es macht viel Freude, gemeinsam mit den Kindern auf Namensfindung zu gehen. Außerdem stärkt es das Band zur Puppe und kann einen ganz bestimmten, erwünschten Spirit in die Familie bringen.

Offenheit und Geduld sind wichtig. Manchmal dauert es ein bisschen, bis sich der richtige Name offenbart. Wenn eure Kinder alt genug sind, lasst sie am besten selbst wählen. Dabei kommen meistens die schönsten, lustigsten, einzigartigsten und rührendsten Kreationen heraus. Bei ganz kleinen Kindern könnt ihr es erst einmal bei der Bezeichnung „Puppe“ oder Koseformen davon belassen und abwarten, was sich im Laufe der Zeit tut.

Zum Abschluss noch ein paar Favoriten für euch: Jina, Kit, Rumi, Golda, Betka, Fink, Finzi, Malphi, Nilla, Winka, Toska, Momo, Tomme und Winz.


29. Februar 2016

Zweites Leben für die Puppen

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Vor einigen Monaten erzählte mir eine liebe Stammkundin von Edda, der Puppe, die ich vor bald drei Jahren für ihre Tochter angefertigt hatte. Die Puppe wurde heiß geliebt und viel bespielt, zeigte aber leider starke Abnutzungserscheinungen. Der Stoff an Händen, Füßen und Gesicht war dünn und löchrig geworden. Da halfen auch keine Flickversuche mehr. Ich bat die Kundin, mir die Puppe nach Berlin zu schicken, damit ich mir selbst ein Bild machen und wenn möglich eine Reparatur vornehmen konnte.

Beim Wiedersehen mit Edda ging mir richtig das Herz auf! Ich war gerührt, weil der Puppe so sehr anzusehen war, dass sie unendlich geliebt und bespielt wurde. Trotz der Löcher sah sie gepflegt, gut umsorgt und wertgeschätzt aus. Ihre Kleider waren wunderschön und mir kamen fast die Tränen beim Anblick der kleinen Wollstrümpfchen, die die abgeriebenen Füße schützten.

Den Kummer meiner Kundin und ihrer Tochter konnte ich gut nachvollziehen und wollte gern die Verantwortung übernehmen und sehen, was sich machen ließe.

Eigentlich war es ganz einfach. Zuerst rettete ich das Puppenhaar, das noch völlig in Ordnung war, und löste vorsichtig das Perückenkäppchen vom Kopf. Dann entfernte ich den Kopf vom Körper und ersetzte ihn durch einen neuen. Stickte Augen und Mund in denselben Farben. Befestigte wieder den alten Haarschopf. Hauchte der Puppe mit etwas roter Farbe neues Leben ein. Und schon blinzelte Edda mich wieder fröhlich an.

Die Puppe machte sich gleich auf den Weg zurück zu seinem Kind. Und wie ich kurz darauf hörte, wurde sie freudig empfangen und glücklich in die Arme geschlossen. Alles gut gegangen.

Ein bisschen rätselhaft finde ich es aber noch immer, dass der Stoff an Eddas Körper schon nach relativ kurzer Spielzeit so verschlissen war. Hatte ich doch bereits Puppen von mir aus denselben Zutaten gesehen, die deutlich älter und zerliebt zwar, aber dennoch ziemlich gut in Schuss waren.

Und doch, es musste am Material liegen. An dem Stoff, auf den ich seit Jahren schwöre, den ich für einen der besten in Europa, vielleicht sogar auf der Welt halte, und den viele andere Puppenmacherinnen ebenfalls verwenden. Mangelnde Qualität? Ich weiß es nicht.

Puppen aus natürlichen Materialien verändern sich mit der Zeit. Sie werden weicher und ihr Stoff wird grau und schmutzig. Nach einer gründliche Wäsche sehen sie aber gleich viel besser aus (eine ausführliche Anleitung dazu findet ihr in meinen FAQ). Bei dieser Gelegenheit können die Puppen auch auf offene Stellen und Beschädigungen untersucht werden. Das meiste lässt sich leicht flicken und ausbessern.

Schmutz und kleinere Schäden tun der Liebe der Kinder zu ihren Puppen meist keinen Abbruch, ganz im Gegenteil: Ihre Herzen sind so groß und offen auch und vor allem für alles Unperfekte, Bedüftige, Schadhafte, Beschützenswerte, Verletzliche. Mein kleiner Lieblingstipp an dieser Stelle: Regelmäßig das Wangenrot auffrischen – das gibt den Puppen sofort neues Leben und erfreut die Kinder.

Wenn ihr auch eine reparaturbedürftige Puppe habt, ob von Mariengold oder nicht, schaue ich sie mir gern an und helfe, wenn ich kann. Einfach E-Mail an hello@mariengold.net schicken.


2. Dezember 2015

PuppenMITmacherei 2015: Finale

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Welcome to the very last meeting of the „Puppenmitmacherei“, a doll making initiative by Naturkinder and Mariengold! Today it is all about enjoying the bounty of our labor. Below I share a bit of my routine as a doll maker once the dolls are completed, answer some frequently asked questions and wave goodbye until next year. An online translator can be found here, more details about the initiative here. If you take part in the „Puppenmitmacherei“ and write about it on your blog, Instagram or Facebook, don’t forget to link your article at Naturkinder today. Caro and I thank you with all our hearts for joining this project and hope to see you at the next „Puppenmitmacherei“ maybe in 2016. And of course we also wish you much pleasure with your brand new dolls. May they become loving friends and trusty companions for you and your family!

Herzlich Willkommen beim sechsten und letzten Treffen der Puppenmitmacherei von Naturkinder und Mariengold! Seit Oktober sind die Puppen fertig genäht, im November haben wir sie eingekleidet und jetzt im Dezember ist endlich das große Finale. Heute teilen und genießen wir, was wir in den letzten Monaten geschafft haben!

Vorhang auf

Für mich als professionelle Puppenmacherin ist die Arbeit an einer Puppe mit dem allerletzten Nadelstich noch lange nicht beendet. Es folgt eine Reihe von Arbeitsschritten, bis sie schließlich von ihrem Kind in die Arme geschlossen werden kann.

Im Schnelldurchlauf bedeutet das, dass ich die Puppe noch einmal gründlich auf Verarbeitung und Sicherheit untersuche, sie fotografiere, die Bilder bearbeite, einen Angebotstext schreibe, die Puppe in meinen Webshops liste bzw. Kontakt zu meinen Auftraggeber/innen aufnehme, die Puppe schließlich verkaufe, die Rechnung schreibe, den Zahlungseingang prüfe, das Goldstück sorgfältig verpacke und schlussendlich verschicke.

Zum Fotografieren verwende ich meine Sony Alpha 300, eine digitale Spiegelreflexkamera, für die ich zwei Objektive habe, eins mit einer Festbrennweite von 50 mm sowie ein Zoomobjektiv mit einer Brennweite von 18 bis 70 mm. Meistens fotografiere ich am Vormittag und das bei fast jedem Wetter. Auf das perfekte Licht warte ich nicht, das kostet zu viel Zeit und Nerven. Für die Bildsprache von Mariengold sind mir Lebendigkeit und ein gewisser Twist viel wichtiger. (Zu diesem Thema gibt es übrigens bei Junikate einen tollen Artikel.)

Nach dem Fotografieren bearbeite ich die Bilder auf meinem Laptop. In der Regel beschneide ich sie, helle sie ein bisschen auf, erhöhe den Kontrast, mache sie etwas wärmer und bringe sie in das richtige Format für die nächsten Schritte.

Weiter geht’s mit der Erstellung des Verkaufsangebots in meinen Webshops bei Dawanda und Etsy. Für die Texte verwende ich Bausteine, die ich mir in den letzten Jahren erarbeitet habe. Das spart viel Zeit. Beim Schreiben fasse ich mich kurz, formuliere klar und verständlich und überprüfe vor jeder Veröffentlichung Rechtschreibung und Grammatik. Gleiches gilt für E-Mails an Kund/innen, die direkt eine Puppe bei mir in Autrag gegeben haben. Auch wenn wir uns meist duzen und der Ton freundschaftlich und locker ist, achte ich auf Professionalität und Verbindlichkeit.

Wenn die Puppe verkauft ist, schreibe ich die Rechnung und bereite den Versand vor. Noch einen dicker Knutscher auf die kleine Wange und dann wickle ich die Puppe in weißes Packpapier, verschnüre das Ganze mit Satin und lege eine Mariengold Karte und manchmal einen persönlichen Gruß dazu. Nach Zahlungseingang verschicke ich das Paket via DHL oder Hermes. Für den Fall der Fälle ist mir eine Trackingnummer wichtig, bei Versand ins Ausland schließe ich in der Regel noch eine extra Versicherung ab.

Wenn ich später höre, dass die Puppe gut angekommen ist, manchmal sogar gleich von ihrem Kind in die Arme geschlossen wurde, freue ich mich natürlich. Aber im Grunde ist mein Auftrag mit dem Versand beendet. Und dann kommt die nächste Puppe und immer so weiter.

Mit jeder Puppe wiederholen sich viele Arbeitsschritte. Manchmal probiere ich etwas Neues, manchmal kehre auch zu Altbewährtem zurück. Ich kenne meine Arbeit in- und auswendig, könnte wahrscheinlich im Schlaf eine Puppe nähen und mit geschlossenen Augen Gesichter sticken. Meine Puppen ähneln sich wie Geschwister, ab und zu tanzt eine aus der Reihe. Ich habe sie alle von Herzen gern. Jede ist einzigartig und für einen bestimmten Menschen gemacht, ob ich ihn vorher kenne oder nicht. Wenn Puppe und Kind zusammenfinden, kann ein großes Glück beginnen. Und genauso soll es auch bei euch sein!

Caro und ich freuen uns jetzt riesig auf eure Puppen und eine ausgiebige Blogtour. Denkt also daran, eure Beiträge wie immer bei Naturkinder zu verlinken.

Fragen an Mariengold

Auch heute beantworte ich wieder ein paar Fragen, die zum Abschluss der Puppenmitmacherei passen.

Schade, dass das Wangenrot aus Bienenwachskreide so schnell verfliegt. Gibt es da vielleicht etwas, das länger hält?
Die Wachsmaler von Stockmar werden wohl am häufigsten zum Färben der Wangen und anderer Teile an den Puppen verwendet. Die Farbe ist leider nicht permanent und muss regelmäßig aufgefrischt werden. Länger haltbare Alternativen sind Aquarellbuntstifte und Acrylfarbe. Hier findet ihr mehr dazu.

Kann man die Puppen auch waschen?
Ja, und zwar in einem Bad aus lauwarmem Wasser mit milder Seife oder einem Wollwaschmittel. Anschließend gut mit klarem Wasser ausspülen und das Wasser ausdrücken. Die Puppen in ein Handtuch wickeln, das Wasser nochmals ausdrücken und an einem warmen Ort trocknen lassen. Grundsätzlich können die Puppen auch im Wollwaschgang bei niedriger Temperatur und geringer Schleuderzahl in der Waschmaschine gewaschen werden. Dazu die Puppen in einen Kissenbezug oder Waschsack stecken, um Fusselbildung zu vermeiden. Meiner Erfahrung nach werden die Puppen aber sauberer, wenn sie von Hand gewaschen werden. Nach der Wäsche das Wangenrot auffrischen und die Puppen sehen wieder ganz lebendig aus.

Ich suche schon lange einen stabilen Ständer zum Fotografieren meiner Puppen. Hast du eine Empfehlung?
Nein. Aber die Frage gebe ich gern weiter, denn mir geht es genauso. Wenn ihr einen guten Tipp habt, schreibt an hello@mariengold.net und ich teile ihn gern hier.

In meiner Puppe steckt viel Herzblut. Was kann ich tun, damit mein Kind die Puppe genauso mag wie ich?
Ganz einfach: Zeigt euren Kindern, wie sehr ihr die Puppe lieb habt, indem ihr liebevoll mit ihr umgeht, sie zärtlich im Arm haltet, füttert und tröstet usw. Gerade wenn eure Kinder noch sehr klein sind, werden sie es euch sicher gleich tun (Stichwort Nachahmung im ersten Lebensjahrsiebt). Das heißt, wenn ihr die Puppe wertschätzt, werden eure Kinder es auch tun. Was nicht bedeuten muss, dass sie dann ausgiebig mit ihr spielen. Was immer geschieht, macht euch möglichst frei von Erwartungen an eure Kinder und nehmt es nicht persönlich, wenn sie sich anders verhalten, als ihr es euch wünscht. Manchmal stellt sich auch heraus, dass die Puppe, die ihr mit euren eigenen Händen gemacht habt, gar nicht für euer Kind, sondern für euch selbst bestimmt ist. Auch gut, oder?

Herzlichen Dank

Zum Ende unserer Aktion möchten Caro und ich uns ganz, ganz herzlich für eure Teilnahme bedanken – ob ihr mitgemacht, mitgebloggt oder einfach im Stillen mitgefiebert und euch Monat für Monat auf die Beiträge gefreut habt.

Es war uns eine Riesenfreude, die Puppenmitmacherei für euch zu veranstalten, eure Puppen wachsen zu sehen, uns mit euch auszutauschen, euch anzufeuern und zu ermutigen und dabei selbst am Ball zu bleiben.

Viele Frauen trauten sich zum allerersten Mal an die Puppenmacherei heran. Andere, mit mehr Erfahrung, wagten etwas Neues, Verrücktes, Herzgewünschtes. Die ganze Zeit lag dieser Anfangszauber in der Luft. Eure Freude zu spüren, hat auch mir wahnsinnig viel Freude gemacht. Durch das regelmäßige Bloggen habe ich eine andere Perspektive auf meine Arbeit bekommen und konnte euch einen kleinen Blick hinter die Kulissen von Mariengold geben, was, wie meine Umfrage ergeben hat, ein großer Wunsch von euch ist. Vielen Dank für viele, viele Glücksmomente und vielleicht auf ein Neues in 2016!

Mehr zu Puppenmitmacherei findet ihr hier.


4. November 2015

PuppenMITmacherei 2015: Anfertigung der Kleidung (und ein DIY)

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Welcome back to the fifth and next to last meeting of the „Puppenmitmacherei“, a doll making initiative by Naturkinder and Mariengold! The dolls are now completed and ready to be dressed. Time to play with fabrics and yarns! Below I share tips and tricks, answer some frequently asked questions and make a forecast on our last date in December. An online translator can be found here, more details about the initiative here. If you take part in the „Puppenmitmacherei“ and write about it on your blog, Instagram or Facebook, don’t forget to link your article at Naturkinder. Caro and I wish you great joy in making your doll outfits today.

Herzlich Willkommen beim fünften und vorletzten Treffen der Puppenmitmacherei von Naturkinder und Mariengold! Bei unserem letzten Online-Date haben wir letzte Hand an die Puppen gelegt und sie fix und fertig vollendet. Sie blicken nun mit wachen Augen in die Welt und haben sicher schon wilde Küsse, Liebesbekundungen und vielleicht auch einen Namen bekommen.

Was jetzt noch fehlt, ist die Kleidung. Neben der Gestaltung der letzten Details an der Puppe selbst, ist auch das Einkleidung ein Lieblingspart bei der Puppenherstellung. Zeit also zum Spielen mit Stoffen und Garnen! Let’s go.

Kleidung für Puppen

Die Herstellung von Puppenkleidung macht riesigen Spaß. Man kann dabei so richtig eintauchen in Farben, Muster und Materialien und seiner Kreativität freien Lauf lassen.

Dafür muss man gar nicht besonders gut nähen, stricken oder häkeln können. Für den Anfang reichen ganz einfache Projekte wie eine weite Hose mit Gummizug, ein Shirt aus dem alten Lieblingsbody, von dem ihr euch nicht trennen könnt, ein simpler Rock oder ein improvisiertes Kleid aus einem Knallerstoff. Schaut mal, wie die Kleidung eurer Kinder genäht ist. Traut euch, die Schnittmuster direkt von Hand auf den Stoff zu zeichnen. Vertraut euch. Perfektion ist jetzt nicht gefragt.

Wenn ihr nicht nähen, aber dafür stricken könnt, auch gut. Dann hüllt ihr eure Puppe von oben bis unten in Maschen. Und wenn euch das alles so gar nicht liegt, findet sich in der Familie vielleicht eine Oma, die leidenschaftlich gern mit ihren Händen arbeitet und Lust hat, eine ganze Puppengarderobe anzufertigen. Oder ihr schaut euch auf Flohmärkten und in Spielzeugläden um.

Sicher werdet ihr bald feststellen, dass Puppenkleidung sich sehr gut eignet, um alle möglichen Handarbeitstechniken zu lernen. Die Projekte sind relativ klein und gehen schnell von der Hand, sie verzeihen Fehler und Unregelmäßigkeiten und finden meist begeisterte und dankbare kleine Abnehmer, egal ob das Ergebnis in euren Augen besonders schön ist.

Natürlich könnt ihr auch mit Vorlagen von erfahrenen Puppenmacherinnen arbeiten. Die Mariengold E-Books zur Herstellung von Puppenkleidung findet ihr hier. Sie beinhalten zahlreiche Projekte zum Nähen, Stricken und Häkeln, Schritt-für-Schritt-Erklärungen mit vielen Bildern und ausführlichen Beschreibungen sowie Schnittmuster für zwei Puppengrößen. Damit könnt ihr gleich loslegen und gelangt – so das Feedback meiner Kundinnen – ganz leicht zu schönen Ergebnissen.

Puppenkleidung könnt ihr aus allen möglichen Stoffen und Garnen herstellen. Für Kinder am besten geeignet sind natürliche Fasern wie Baumwolle, Leinen, Schurwolle usw. Ihr könnt auch die abgelegte Kleidung eurer Kinder verwenden und Lieblingsstücken ein zweites Leben schenken. Weiches Material lässt sich gut an- und ausziehen, schmeichelt der Kinderhaut und fällt schön an den Puppen. Einfache und weite Schnitte, elastisches Gummiband und leicht gängige Verschlüsse kommen kleinen Händen entgegen. Harmonische Farben tun Augen und Seele gut.

Kleidung hält Puppen nicht nur warm und schön, sondern sie ist auch eine wunderbare Möglichkeit, ihre Persönlichkeit herauszuarbeiten, die individuellen Vorstellungen eurer Kinder umzusetzen oder gleich mit ihnen gemeinsam zu werkeln. Kinder gehen da mit ganz viel Freude, Kreativität und Improvisationtalent heran und zaubern aus dem, was gerade da ist, das, was sie sich wünschen. So wird aus dem cremefarbenen Seidentuch ein Hochzeitskleid, aus dem Lieblingshaargummi mit den Kirschen ein fescher Gürtel und aus dem Blümchentaschentuch der lang ersehnte Minirock.

Ihr spürt es bestimmt jetzt schon: Eine selbst gemachte Puppe ist ein echtes Herzensding, vielleicht das schönste Geschenk, das ihr euren Kindern machen könnt. Ein Kleiderschatz, der mit der Zeit durch viele emsige und kreative Hände wächst, hält dieses Geschenk jahrelang lebendig.

DIY für kuschelige Wärme

Für die kalte Jahreszeit habe ich noch ein einfaches Projekt zum Selbermachen für eure Puppen, nämlich gestricktes Tuch aus Mohairgarn à la Tibi, das um die Schultern, als Schal oder Kopftuch getragen werden kann.

Ihr braucht

1 Knäuel Mohairgarn (z. B. Soft Kid von GGH)

Rundstricknadeln der Stärke 3 bis 4

Schere und Vernähnadel

Und so geht’s

5 Maschen anschlagen und eine Reihe rechts stricken. Das gesamte Tuch wird kraus rechts, also nur mit rechten Maschen gestrickt. In der nächsten und allen folgenden Reihen jeweils nach der ersten und vor der letzten Masche eine Masche rechts verschränkt zunehmen. Weiterstricken, bis das Tuch die gewünschte Länge erreicht hat. Für eine Puppe von 30 cm ist eine Länge von circa 35 cm empfehlenswert, für eine größere Puppe von 40 cm sind es circa 45 cm. Nach der letzten Reihe die Maschen abketten, den Faden abschneiden und durch die letzte Masche ziehen. Fäden vernähen.

Und jetzt wünsche ich euch viel Spaß und gutes Gelingen bei der Puppenkleiderschneiderei! Und denkt daran, eure Beiträge heute bei Naturkinder zu verlinken.

Fragen an Mariengold

Wie immer beantworte ich noch ein paar Fragen zum Thema.

Kann ich mit deinen Anleitungen auch Kleidung für Puppen machen, die nicht nach Mariengold Designs hergestellt wurden?
Na klar! Die Entwürfe passen auch anderen Puppen mit ähnlichen Maßen und können leicht für andere Puppengrößen angepasst werden, indem die Schnitte für die genähte Kleidung mit Hilfe eines Kopierers vergrößert oder verkleinert werden bzw. die Maße für die Strickkleidung umgerechnet werden.

Welche Läden in Berlin kannst du für Stoffe und Garne empfehlen?
Berlin ist eine große Stadt und es gibt viele tolle Läden für kreative Menschen. Ich kenne bei weitem nicht alle, werde aber oft in diesen fündig:

Wollen Berlin in der Gärtnerstraße 32
Siebenblau in der Pappelallee 86
Loops in der Wörther Sraße 19
Frieda Hain in der Gärtnerstraße 10
Frau Tulpe in der Veteranenstraße 19
Fadeninsel in der Oranienstraße 23

Mit welcher Nähmaschine arbeitest du?
Ich nähe mit einer Brother Inno-vis 10 Anniversary. Ich habe auch eine Overlock-Nähmaschine, eine Bernina 700D. Mit der geht alles ein bisschen schneller und einfacher, denn sie näht und versäubert in einem Schritt. Aber so eine Maschine braucht ihr nicht unebdingt für die Puppenkleiderschneiderei. Eine einfache Haushaltsnähmaschine ist völlig ausreichend. Ich habe auch schon von Frauen gehört, die Puppenkleidung komplett von Hand nähen. Apropos Versäubern, als professionelle Puppenmacherin mache ich das natürlich. Wenn ihr für eure Kinder näht und der Stoff nicht allzu sehr ausfranst, könnt ihr diesen Arbeitsschritt einfach weglassen.

Maschenproben sind mir ein Graus. Müssen die unbedingt sein?
Wenn ihr mit einer Anleitung arbeitet, sind Maschenproben hilfreich, um auf die nötigen Maße und letztlich zu einem Kleidungsstück zu kommen, das eurer Puppe wirklich passt. Gerade wenn ihr noch lernt, tut ihr euch mit diesem Arbeitsschritt einen Riesengefallen. Ihr könnt aber auch einfach drauf losnadeln. Je erfahrener ihr im Stricken seid, desto freier könnt ihr arbeiten.

Wie es weitergeht

Der nächste Termin für die Puppenmitmacherei ist Mittwoch, der 2. Dezember. Dann findet das Finale statt und die Puppen haben ihren großen Auftritt! Caro und ich freuen uns riesig und können es kaum erwarten die ganze Puppenschar unserer Aktion in ihrer vollen Pracht zu sehen.

Weitere Fragen zu allen Themen der Puppenmitmacherei an hello@mariengold.net.

Mehr zu Puppenmitmacherei findet ihr hier.