19. November 2015

Interview: Nicht nur ein Handbuch, sondern ein Rundum-Sorglos-Hilfspaket

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Eine der größten Hürden, die angehende Puppenmacherinnen auf dem Weg zu ihrem Handmade Business nehmen müssen, ist das Thema Spielzeugsicherheit. Was es damit auf sich hat?

Spielzeug, das in der EU hergestellt und verkauft wird, muss bestimmten gesetzlichen Richtlinien und Normen entsprechen und das CE-Kennzeichen tragen. Dazu gehört, dass es aus geeignetem Material angefertigt wurde und bestimmten Sicherheitstests standhält.

Was zunächst verständlich und machbar klingt, stellt sich für Neulinge in der Praxis oft als riesengroße, kaum bewältigbare Aufgabe heraus, die manchmal sogar den Traum von der beruflichen Puppenmacherei zerplatzen lässt.

Ganz anders bei Maike von Feinslieb: Sie krempelte entschlossen die Ärmel hoch, setzte die Vorgaben Schritt für Schritt um und verfasste nebenbei ein Handbuch, das Puppen- und Stofftiermacherinnen ermutigen und diesen Weg so leicht wie möglich machen soll.

Maike und ich sind so etwas wie Schwestern im Geiste, denn uns verbinden nicht nur die Puppen, sondern wir haben auch denselben Studiengang an der Universität der Künste Berlin absolviert. Klar, dass wir über ihr neuestes Projekt ins Gespräch gekommen sind.

Liebe Maike, bitte stell dich und dein Label kurz vor.
Ich heiße Maike und bin eigentlich Autorin für audiovisuelle Medien, aktuell viel im Bereich „Transmedia Storytelling“, wo Geschichten über mehrere Medienkanäle hinweg erzählt werden. Diese Arbeit ist eine tolle Herausforderung für einen dauerschöpferischen Geist wie mich, aber auch sehr intellektuell und kraftraubend. Die Puppenmacherei ist daneben eine große Leidenschaft. Sie nährt eine tiefe Sehnsucht in mir und auch mein „inneres Kind“. Das Puppenmachen erfüllt mein Bedürfnis nach Schönheit und Ruhe, nach Gestaltung mit der Hand und mit den Sinnen. Jede Puppe gibt mir inneren Frieden und ein Stückchen Glück. Meine allererste Puppe habe ich mit 17 Jahren für eine liebe Freundin gemacht, ohne Vorgabe, ganz allein, aus einem alten Unterhemd von mir, gefüllt mit Watte und mit Kleidern aus Stoffresten. Vor ein paar Jahren bin ich dann in einem deiner Kurse wieder auf die Puppenmacherei gestoßen, als ich unter deiner Anleitung die erste große Puppe für meine ältere Tochter nähte. Und wir fanden heraus, dass wir zusammen studiert hatten! Durch den Kurs bei dir ist meine alte Liebe zur Handarbeit wieder erweckt worden, aber es hat noch eine zweite Schwangerschaft, noch ein weiteres Jahr und noch einen Puppennähkurs gedauert, bis ich wirklich „Feuer fing“, also zunächst Puppen für Freunde und Bekannte nähte, eigene Schnitte und Herstellungstechniken ausprobierte und mich langsam an das professionelle Puppenmachen herantastete. Meine Website ist erst seit ein paar Tagen online. Mein Plan ist es, nicht so viele Puppen zu machen, dafür aber ganz besondere. Außerdem möchte ich in der Zukunft einen Blog mit dem thematischen Fokus „Spielen/Kinderspiel“ schreiben.

Wie bist du auf die Idee für dein CE-Handbuch gekommen?
Da ich meine Puppen auch verkaufen möchte, habe ich bei Recherchen im Internet rasch festgestellt, dass es viele rechtliche Auflagen gibt – auch wenn man nur wenige Puppen im Monat oder Jahr verkauft. Dazu gehört eben die CE-Kennzeichnung. Wer Puppen in der EU verkauft, und sei es „nur“ über die eigene Website oder einen Dawanda-Shop, ist verpflichtet, sie mit dem CE-Kennzeichen zu labeln. Das darf man aber nur, wenn man bestimmte Sicherheitstests erfolgreich am Spielzeug durchgeführt hat und viele andere Auflagen erfüllt sowie dies auf ordnungsgemäße Weise dokumentiert. Ich bin dann Mitglied im Verein „Wir machen Spielzeug e.V.“ geworden. Mit den Informationen des Vereins ist die CE-Kennzeichnung zwar machbar, aber es erfordert zeitaufwändige Recherchen, Lektüre von mehreren hundertseitigen EU-Dokumenten in schwer verständlicher Amtssprache, Aussortieren von vielen irrelevanten Informationen, da die Spielzeugrichtlinie ja für alles in der EU verkaufte Spielzeug gilt, ganz viel Schreiberei, Anlegen von Dokumenten und vor allem eine riesengroße Disziplin, dranzubleiben. Die ganze Zeit habe ich mir so etwas wie mein CE-Handbuch gewünscht – also habe ich es selbst geschrieben.

Wie unterstützt dein Handbuch Puppenmacherinnen auf ihrem Weg zum CE-Kennzeichen?
Mein CE-Handbuch nimmt dir ganz viel Arbeit ab und unterstützt dich bestmöglich mit Anleitungen, Dokumentvorlagen und Material-Zertifikaten. Eigentlich ist es nicht nur ein Handbuch, sondern ein Rundum-Sorglos-Hilfspaket, das Folgendes beinhaltet:
1. Als Erstes eine clever aufgebaute Schritt-für Schritt-Anleitung, die sicher durch den ganzen Prozess führt – vom Anlegen von Ordnern über das Nähen von Testpuppen bis hin zur Gestaltung und Bestellung des CE-Etiketts. Viele der ersten Schritte bestehen einfach nur aus Lesen, damit du verstehst, was du da eigentlich machst. Bei verschiedenen Entscheidungsmöglichkeiten, helfe ich weiter. Ich gebe Tipps, wie du deine Puppe oder dein Stofftier sicher herstellst, wir bestellen gemeinsam alles erforderliche Material vom Druckerpapier bis zum Stabfeuerzeug, machen Fotos deiner Modellpuppe, ich erzähle dir, wie ich meine Sicherheitstests durchgeführt habe, wir widmen uns dem Thema „Material-Zertifikate“ und so weiter. Du kannst dich einfach Schritt für Schritt durch mein Handbuch arbeiten und dann sicher sein, alles ordentlich gemacht zu haben.
2. Dazu kommt eine Dokumentvorlage mit Beispieltexten und Ausfüllhinweisen. Zu den größten Aufgaben gehört ja die „Technische Dokumentation“ mit vielen Dokumenten, Listen und rechtlichen Formularen, die eine ganz bestimmte Form haben müssen. Mit meinem CE-Paket erhältst du eine komplette Vorlage mit Beispieltexten für die gesamte Technische Dokumentation. In Schritt 19 der Anleitung fügst du in diese Dokumentvorlage deine eigenen Angaben und Texte ein bzw. überarbeitest meine Beispieltexte so, dass es für dich passt. Dann brauchst du das Ganze nur noch auszudrucken und fertig.
3. Und für Puppenmacherinnen: Die wichtigsten Material-Zertifikate für Stoffpuppen nach Waldorfart sind auch dabei, außerdem die erforderlichen Grafiken für das CE-Etikett inklusive Waschsymbolen und anderes mehr, das deine Unterlagen vollständig macht.
Kurz: Mit dem Paket schaffst du die CE-Kennzeichnung in der kürzestmöglichen Zeit und sparst Nerven, Recherchearbeit und Unsicherheiten.

Was sind deiner Meinung nach die größten Stolpersteine in diesem Prozess und wie hilft dein Handbuch, sie aus dem Weg zu räumen?
Ich glaube, das Schwierigste ist das Durchhalten. Ich habe von einigen Puppenmacherinnen gehört, dass sie angefangen, aber wieder aufgegeben haben, weil sie sich von der Komplexität der Aufgabe erschlagen fühlten und nicht wussten, was sie zuerst machen sollten. Ja, diese Arbeit kann einen leicht überfordern. Ein Beispiel: Man hat sich irgendwann überwunden, das auf den Internetseiten der EU verfügbare „Technical Guidance Document“ zu lesen, in dem steht, welche Unterlagen für die Technische Dokumentation erforderlich sind und worauf man dabei zu achten hat. Erst ist man erleichtert und denkt „Hui, das geht ja, da steht, was ich machen muss!“ Aber dann kommt man zu der Stelle, wo es um das so genannte „Konformitätsbewertungsverfahren“ geht (ja, echt kafkaesk!), ein Dokument, das man sorgsam nach bestimmten Vorgaben erstellen muss. Und dort liest man dann einen Absatz wie diesen: „Gemäß Modul A wendet der Hersteller die im Amtsblatt angegebenen harmonisierten Normen, die alle einschlägigen Sicherheitsanforderungen abdecken, an. Diese Normen entsprechen den Normen, die in der Konformitätserklärung in Abschnitt 5.1.6 ‚Angabe der einschlägigen harmonisierten Normen, die zugrunde gelegt wurden, oder Angabe der Spezifikationen, für die die Konformität erklärt wird‘ genannt werden.“ – Da schnallt man doch ab! Ich habe mich aber durchgebissen, bei Experten nachgefragt, was ich nicht verstanden habe, und erkläre alles in einfachen Worten. Meine Anleitung ist so aufgebaut, dass du gut durch den Prozess kommst und motiviert bleibst. Mein Ziel ist es, dir die CE-Kennzeichnung so leicht wie möglich zu machen – und dir zwischendurch immer wieder aufmunternd auf die Schulter zu klopfen.

Die CE-Kennzeichnung ist für angehende Puppenmacherinnen eine große Herausforderung. Hast du ein paar Mutmachworte?
Ja, diese: Du schaffst das auch! Mit meinem Hilfspaket erledigst du die CE-Kennzeichnung in kurzer Zeit und bist motiviert, bis zum Ende durchzuhalten. Und: Man muss dafür keine ganze Puppe verbrennen, sondern wir nähen einen Dummy ohne Persönlichkeit. Ich verspreche dir: Wenn du damit durch bist, ist es ein großartiges Gefühl! Nicht nur, weil du etwas geschafft hast, das dir vielleicht wie ein unüberwindbarer Berg erschien, sondern auch, weil du rechtlich auf der sicheren Seite bist.

Was wünschst du dir für die Zukunft? Hast du Pläne für dein CE-Handbuch?
Ich plane eine Übersetzung und Übertragung ins Englische. Aber das ist eine große Herausforderung, weil ich dafür einiges recherchieren muss. Ich habe schon Anfragen aus anderen Ländern für das CE-Handbuch erhalten und möchte im Rahmen eines internationalen Puppenmacherinnen-Treffens nächstes Jahr einen kleinen Workshop zum Thema CE-Kennzeichnung geben. Das Ganze betrifft ja nicht nur uns in Deutschland! Für die Zukunft wünsche ich mir, dass mehr Hersteller/innen von Stoffen, Garnen und Puppenbastelmaterial ihre Produkte nach den geltenden Normen zertifizieren lassen. Denn nur solche Materialien dürfen wir professionellen Puppenmacherinnen verwenden – und das stellt oft ein Hindernis für die eigenen ästhetischen Vorstellungen dar. Außerdem wünsche ich mir, dass alle, die mit dem Thema Spielzeugsicherheit zu tun haben, an einem Strang ziehen.

Vielen Dank, liebe Maike, für das Interview und ganz viel Erfolg für dein CE-Handbuch!

„Schritt-für-Schritt-Anleitung zur CE-Zertifizierung für Puppen und Stofftiere“ von Maike Cölle, www.feinslieb.net, Details hier, erhältlich für 80 Euro direkt bei Maike per E-Mail an maike@feinslieb.net.

in: Bücher