30. November 2015

21 Dinge über Mariengold

Meine allererste Begegnung mit einer sogenannten Waldorfpuppe hatte ich vor ungefähr 10 Jahren auf einem Spielplatz im Prenzlauer Berg. An dem Tag regnete es und ich wollte mich gerade mit meiner Tochter auf den Heimweg machen, als ich auf dem nassen Asphalt eine Puppe liegen sah. Es war Liebe auf den ersten Blick. Noch nie hatte ich etwas so Anrührendes gesehen. Der Spielplatz war schon leer, also nahm ich die Puppe mit nach Hause und wünschte, ich würde es übers Herz bringen, sie einfach zu behalten, was ich natürlich nicht konnte. Deshalb brachte ich die Puppe am nächsten Tag zurück, setzte sie an einen trockenen und sicheren Platz und hoffte, sie würde dort von ihrem Kind wiedergefunden werden.

Mariengold gibt es seit 8 Jahren. Und noch immer ist es ganz große Puppennähliebe.

Wenn ich Blogartikel schreibe, beginne ich mit den Bildern. Erst die Bilder, dann der Text. Immer.

Meine rosa Stoffschere begleitet mich schon seit vielen Jahren. Sie ist total stumpf, weil ich sie noch nie habe schleifen lasssen. Aber ich weiß genau, wie ich sie halten muss, damit sie trotzdem halbwegs schneidet.

Jedes Jahr gebe ich ungefähr 70 Euro für Aushänge für meine Puppennähkurse in Berlin aus. Und das obwohl nur ganz wenige Teilnehmerinnen auf diesem Weg zu mir finden.

Seitdem meine Schreibtischplatte weiß ist, muss ich sie alle zwei Tage abwischen. Ich habe total unterschätzt, wie schnell man auf so hellem Grund Schmutz und Fussel sieht.

Meine meistverkaufte Puppennähanleitung? Ich dachte immer, das sei Mitzi. Seit ein paar Monaten werte ich die Verkäufe genau aus und weiß jetzt, dass es Baby Twink ist.

Wenn ich Haarstähnen in Perückenkäppchen knüpfte, arbeite ich immer kreisförmig vom Ansatz zum Scheitel, ähnlich wie Jahresringe bei Bäumen.

Manchmal ducke ich mich auf Veranstaltungen der Waldorfszene hier in Berlin weg, weil ich nicht von Kundinnen oder Kursteilnehmerinnen gesehen werden möchte.

Frühstück gibt’s bei mir immer um 9.30 Uhr. Dann esse ich Müsli mit Reismilch oder trinke einen Smoothie. Davor und danach gibt es literweise heißes Wasser und Ingwer-Zitronen-Tee.

Ich arbeite schon immer von zu Hause aus. Es gab Jahre, da hätte ich mir einen Arbeitsraum außerhalb leisten können. Zur Zeit möchte ich die Kosten dafür lieber nicht tragen. Aber wenn ich mir etwas wünschen könnte, dann wäre es ein sonniges Atelier in Friedenau oder Schöneberg mit einem Schaufenster und einem großen Holztisch für meine Kurse.

Oft werde ich nach dem Garn gefragt, mit dem ich Bommelmützen wie diese stricke. Das Garn ist leider nicht mehr erhältlich. Deshalb habe ich damals sämtliche Vorräte in Berlin aufgekauft.

Die Vorstellung, dass Menschen, die mich im echten Leben kennen, meinen Blog lesen könnten, ist mir schon immer wahnsinnig unangenehm.

Die schwierigste Entscheidung, die ich 2014 getroffen habe und die auch dieses Jahr sehr stark beeinflusst hat, war, nach dem Abschied von Karoline keine neue Mitarbeiterin einzustellen.

Diese Woche kommt die allerletzte Mütze aus der letzten großen Bestellung bei meiner Strickerin vor 1,5 Jahren zum Einsatz. Ich habe die Mützen damals nicht gezählt, weiß aber noch, dass sie mir unendlich viel vorkamen, und glaubte, niemals noch so viele Puppen zu nähen (oder nähen zu wollen).

Nächstes Jahr gebe ich zum ersten Mal einen Puppennähkurs für Kinder. Und habe riesiges Muffensausen.

Seit Jahren sammle ich schöne Namen auf einer Liste. Gebraucht habe ich sie aber noch nie, weil mir die Namen für meine Puppen immer einfach so zur rechten Zeit zufliegen.

Es passiert immer wieder, dass Menschen aus meinen alten Leben als Schülerin und Studentin zu Mariengold finden. Einmal hat eine Kommilitonin, die ich 2004 zuletzt gesehen habe, eine Puppe in meinem Dawanda-Shop gekauft. Vor einem Jahr hat eine Frau an einem Kurs teilgenommen, die an derselben Schule war wie ich. Und letzte Woche hat eine Mitschülerin aus meinem Abi-Jahrgang eine Puppennähanleitung und Bastelmaterial gekauft und mir erzählt, dass sie seit zwei Jahren regelmäßig meinen Blog liest.

Das wichtigste, das ich 2005 in Bezug auf Mariengold gelernt habe, ist Demut. Ich durfte üben, auszuhalten, nicht zu wissen, was die Lösung ist, und mich stattdessen für eine tiefere Weisheit zu öffnen, dir mir zeigt, wie es weitergehen könnte.

Zur Zeit sind meine Lieblingsfarben für Puppenhaar Rotbraun, Strohblond und Hellbraun.

Das aktuelle Porträtbild hier auf meiner Internetseite hat mein Mann gemacht, vor einem Bauwagen in der milden Oktobersonne. Es steckt so viel Liebe in seinem Blick auf mich. Deshalb mag ich das Bild sehr.

Noch mehr Dinge über Mariengold und weitere Einblicke findet ihr hier.


25. November 2015

Bücher: „Tilda’s Toy Box“ von Tone Finnanger

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Wer gern näht und es Skandinavisch mag, kommt an Tilda nicht vorbei. Tilda, das ist die Kreativ-Welt von Tone Finnanger. Unter diesem Label gestaltet die junge Designerin aus Norwegen Produkte in ihrem ganz eigenen, unverwechselbaren, verspielten und zugleich schlichten Stil, entwirft passende Stoffe und schreibt Bücher mit Anleitungen zum Selbermachen. Ihre Kreationen werden auf der ganzen Welt wertgeschätzt, ihre Bücher millionenfach verkauft. Ganz bekannt sind „Tildas Haus“, „Tildas Sommergarten“ und „Tildas Winterwunderwelt“.

Dieses Jahr hat Tone Finnanger ein neues Buch herausgebracht, „Tilda’s Toy Box“, das wie gemacht ist für Puppennähverliebte. Echte Fans bemerken jetzt sicherlich, dass ich gar nicht so vertraut bin mit dieser Welt, denn tatsächlich spielen Puppen ja schon immer eine wichtige Rolle bei Tilda, aber sie sind eher zur Dekoration gedacht. Das neue Werk der beliebten Designerin dagegen widmet sich ausschließlich der Herstellung von Puppen zum Spielen für Kinder.

Mein allererstes Tilda-Buch und ich bin begeistert! Bücher über Puppenmacherei gelangen auf verschiedenen Weg zu Mariengold. In der Regel bekomme ich Rezensionsexemplare von den Verlagen zugeschickt, stelle sie auf meinem Blog vor und verlose sie anschließend. Dieses Mal war es anders. Als ich die Vorschau im Internet entdeckte, wusste ich gleich, dass ich das Buch gern in meinem Regal haben möchte. Wochenlang freute ich auf die Erscheinung und fragte mich, wie Tone Finnanger das Thema wohl umsetzt.

Anfang November war es soweit. Schon beim ersten Durchblättern machte mein Herz einen großen Hüpfer. Denn ich freue mich immer riesig, wenn ich ein gut gemachtes Buch über Puppenmacherei in den Händen halte.

Im neuesten Tilda-Titel geht es um die Ausstattung und Dekoration des Kinderzimmers mit Quilts, Stofftieren, Kissen und anderen hübschen, kleinen Dingen. Der Hauptrolle spielt aber eine Puppe. Und was für eine!

Bollerig rund ist sie, charmant gekleidet, schlicht und einfach herzig, typisch Tilda und doch irgendwie anders. Ich bin überrascht und angetan, wie gut es der Designerin gelungen ist, ihren einzigartigen Stil mit einem frischen Puppen-Look zu verbinden.

Das Design ist ziemlich simpel, aber mit einem hohen Wiedererkennungswert. Die Herstellungstechnik ist nichts Neues und doch gibt es mindestens ein überraschendes Detail, das ich so vorher noch nie gesehen habe (ich verrate nichts). Ach, ich bin jedes Mal erfreut, berührt, inspiriert, ermutigt, wenn ich etwas Schönes, Neuartiges in der Puppenmacherei sehe. Auch weil ich weiß, was für eine Herausforderung es manchmal ist, sich gestalterisch immer weiterzuentwickeln und dabei im Kern stets gleich zu bleiben.

Aber nicht nur die Puppe, auch die anderen Kreationen in dem Werk sind supersüß. Das Buch ist wunderschön und hochwertig gestaltet, die Bilder sind liebevoll komponiert, die Anleitungen und Illustrationen leicht verständlich und auch für Anfänger/innen ermutigend. „Tilda’s Toy Box“ ist die Fortsetzung einer erfolgreichen Geschichte über skandinavisches Design, eingebettet in Stoffe und Muster des Nordens, erzählt von einer talentierten Kreativen und ihrem smarten Team. Klar wird das wieder ein Bestseller – und ein hübscher, kleiner Schatz in meinem Bücherregal!

Diese Rezension bezieht sich auf die englische Ausgabe. Auf Deutsch erscheint das Buch unter dem Titel „Tildas Kinderwelt“ am 1. März 2016 bei Droemer Knaur und kann bereits vorbestellt werden.

Tone Finnanger: Tilda’s Toy Box, David & Charles Publishers, ISBN: 1446306151, ca. 20,00 Euro.

(Disclaimer: Aufgrund der derzeitigen Rechtslage, die schon das bloße Nennen von Marken und Verlinken von Produkten, Marken, Menschen, Orten usw. als Werbung einstuft, kennzeichne ich diesen Beitrag als einen mit WERBLICHEN INHALTEN. Dennoch gilt: Wenn ich hier etwas oder jemanden benenne und als gut befinde, geschieht das als persönliche Empfehlung und im Rahmen meiner redaktionellen Themenauswahl. Alle hier gesetzten Links sind ein kostenloser Service von mir – unbezahlt und unaufgefordert. Alle hier genannten Produkte sind selbst gekauft. Bezahlte Kooperationen, sollte es sie jemals auf meinem Blog geben, würden immer ganz eindeutig als solche gekennzeichnet werden.)


23. November 2015

Was gerade so lost ist #6

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Mondfinsternis

Anfang November habe ich mir endlich Zeit genommen, meine Umfrage zu Mariengold ausführlich auszuwerten. Ihr glaubt gar nicht, wie viel Zeit von der ersten Idee bis zum Design des Fragebogens und schließlich zur Veröffentlichung vergangen ist! Jetzt bin ich unglaublich froh, dass ich diesen Schritt gewagt habe. Deshalb noch einmal ein riesiges Dankeschön an alle, die mitgemacht haben!

Die Ergebnisse sind von großem Wert für mich und zeigen auf, wie es in den nächsten Monaten hier und mit Mariengold im Allgemeinen weitergehen könnte. Es ist spannend wahrzunehmen, dass wir diesen Weg auch ein Stück gemeinsam gehen und dabei immer wieder neue Themen in den Vordergrund rücken. Was meinen Blog angeht, sind eure Favoriten momentan Inspiration und praktische Anregungen zur Puppengestaltung, persönliche Geschichten aus meiner Werkstatt und meinem Leben sowie Puppen und Puppenmacherei im Kontext von Heilung und Entwicklung. Das kann ich mir für 2016 auch gut vorstellen.

Über den Fragebogen hinaus habe ich auch viele herzliche E-Mails von Freund/innen und Wegbegleiter/innen von Mariengold bekommen, die mich sehr gefreut, zum Nachdenken angeregt und sogar ein bisschen zum Weinen gebracht haben. Auch dafür möchte ich Danke sagen! Eine Leserin, Birgit, hat mich besonders berührt. Sie schrieb:

„Bleiben Sie bitte so authentisch, naturverbunden und voller Empathie. Veränderungen und Weiterentwicklungen sind gut und wichtig, manchmal ergeht es einem aber auch wie Tiger und Bär in der Geschichte von Janosch, die feststellten, dass sie bereits alles hatten, um glücklich zu sein.“

Birgits Worte beschreiben sehr gut die Entwicklung, die ich in den letzten Wochen in mir wahrgenommen habe. Ich habe hier ja oft von Achterbahnfahrten geschrieben, von einer inneren Unruhe und der Suche nach – was auch immer. Die vergangenen 18 Monate waren eine wahnsinnig intensive Zeit und eine riesengroße Herausforderung. Ich habe Entscheidungen getroffen und Wege eingeschlagen, von denen ich nicht wusste, wohin sie führen würden. Manche waren richtig und gut, andere nicht. Mariengold wurde ein Mal kräftig durchgeschüttelt, stand im Sommer kurz vor dem Aus und wurde doch die ganze Zeit liebevoll von mir gehalten. Hier und da klang das sicher in meinen Texten durch.

Und jetzt? Langsam kehrt Ruhe ein. Ich habe viel über mich und meine Arbeit gelernt, wurde von lieben Menschen unterstützt, habe mir stets das Herz von meinen Puppen wärmen lassen und einfach immer weitergemacht. Meine Perspektive auf die Achterbahnfahrt, auf dieses Auf und Ab, hat sich geändert. So ist das Leben, mein Leben. Zum ersten Mal seit langer Zeit spüre ich: Ich habe alles, um glücklich zu sein.

Was mich gerade noch glücklich macht

Die PuppenMITmacherei mit Caro von Naturkinder und vielen Frauen, die teilweise zum allerersten Mal eine Puppe nähen. Das erinnert mich an meine eigenen Anfänge und den Zauber des Beginns von Mariengold.

Meine Tochter, die jetzt regelmäßig kleine Aufgaben in meiner Werkstatt übernimmt, so dass mir ein bisschen mehr Zeit für anderes bleibt.

Das Filzkopfpuppenprojekt mit Laura von 1000 Rehe. Im nächsten Jahr geht es weiter mit unseren Kursen. Und ein neues aufregendes Projekt kündigt sich auch schon.

Die Freiheit, zu bloggen, wie ich es möchte. Es geht gerade in Richtung ein bis zwei Artikel pro Woche plus die Puppe am Freitag.

Meine Kurse. Mehr Puppennähglück geht nicht!

Schlicht und einfach. So sind meine Puppen. Dafür liebe ich sie von Herzen. Und so sollen sie bleiben.

8Hände. Zwar geht es gerade sehr ruhig in unserer Gruppe zu, aber es tut gut zu wissen, dass wir uns haben.

Meine Heimatstadt Berlin. Die Stadt ändert sich mit jedem Tag und steckt voller Möglichkeiten. Es ist immer wieder eine Freude, um die nächste Ecke zu biegen.

Die Zusammarbeit mit meiner Grafik-Designerin Clara. Es braucht nicht viele Worte, uns über die Gestaltung des Mariengold Designs zu verständigen.

Gute Aussichten. Am Ende meiner Schulzeit wollte ich eigentlich Kunsttherapeutin werden. Es kam anders und ich bin schließlich bei den Puppen gelandet, was gar nicht so weit davon entfernt ist, wie ich immer wieder feststelle. In diesem Jahr hat sich deutlich der Wunsch gezeigt, dass ich weiter lernen und wachsen möchte. Es ist nie zu spät.

Erste Pläne für 2016. Einen neuen Kalender habe ich schon und sammle jetzt Vorfreudetermine für das neue Jahr.