26. April 2016

Namen los!

Ganz oft werde ich gefragt, wie ich auf die Namen für meine Puppen komme. Die fliegen mir ehrlich gesagt einfach so zu. Zwar pflege ich seit Jahren eine Liste mit meinen liebsten Namen aller Zeiten, aber jede Woche, wenn es an die Benennung der Freitagspuppe geht, kommt ganz verlässlich ein neuer Name. Es ist ganz leicht.

Manchmal finde ich ihn in einem Buch, manchmal in einem Filmabspann. Manchmal denke mir selbst einen aus oder verändere bekannte Namen, indem ich Buchstaben hinzufüge oder weglasse, so dass sie ein bisschen anders klingen oder besonders aussehen.

Ich finde, ein Name muss aus dem Bauch kommen. Dabei hilft es mir manchmal, herumzuspinnen und beliebig Silben aneinanderzureihen, nicht nur im Kopf, sondern laut ausgesprochen. Das macht gute Laune und es kommen die besten Namen dabei heraus.

Inspiration hole ich mir gern aus dem Skandinavischen, dort gibt es schöne kurze Namen voller Leichtigkeit und Freude. Aktuell mag ich auch slawische Namen sehr, weil sie oft etwas Verzaubertes und Kraftvolles haben. Märchen sind ebenfalls gute Quellen. Oder Kinder, die haben immer tolle Ideen.

Überhaupt bin ich sehr dafür, die Kinder zu fragen, wie ihre Puppe heißen soll. Sie wissen meist genau, wen sie da vor sich haben, und kennen auch den richtigen Namen.

Wenn man wie ich Puppen professionell herstellt und verkauft, geht es aber nicht nur um Intuition. Ob ein Name passt oder nicht, entscheiden dann auch noch andere Faktoren.

Was mir bei den Namen für meine Puppen wichtig ist

Signatur. Die Namen sollen nicht nur zu den Puppen selbst, sondern auch zu der Marke Mariengold passen und in diesem Sinne eine Art Markenzeichen sein. Idealerweise sind sie ikonisch und haben einen hohen Wiedererkennungswert. Wichtige Stichworte sind Leichtigkeit und Frische, Humor und Verspieltheit, Lieblichkeit, aber auch Stärke und Selbstbewusstsein. Besonders spannend finde ich, Namen zu verwenden, die noch nicht besetzt sind, oder bekannte Namen in einen neuen Kontext zu bringen. Dazu gehört für mich auch, keine typischen Namen für Waldorfpuppen zu verwenden.

Storytelling. Neben dem äußeren Erscheinungsbild einer Puppe, ist ihr Name eine weitere Möglichkeit, ihre Geschichte zu erzählen. Dabei geht es um Assoziationen und Bilder im Kopf, die Vermittlung von Gefühlen und die Sichtbarmachung von Werten. Namen sind auch Energieträger. Sie können sanft, kraftvoll, frech, romantisch, wild, ätherisch, verspielt, witzig, außergewöhnlich usw. sein. Sie können von einer Geschichte oder einem Märchen inspiriert sein oder an einen geliebten Menschen erinnern. Im besten Fall passen Aussehen, Ausstrahlung und Name perfekt zusammen.

Spiel. An die Kinder denke ich natürlich auch. Für sie ist mir wichtig, dass die Namen kurz und einprägsam sind, eine liebevolle und fröhliche Ausstrahlung haben und Lust aufs Spielen machen.

Sympathie. Nicht zuletzt zählen auch persönliche Vorlieben mit. Ich mag Namen, die mit L oder M beginnen und/oder auf i enden. Interessant finde ich den Kontrast von weichen und harten Lauten und ich spiele gern mit geschlechtsneutralen Namen.

Tipps für euch

Wenn euch der Name gefällt, den eure Puppe mitbringt, behaltet ihn. Vielleicht habt ihr von Anfang an eine Verbindung gespürt und er hat sogar zu eurer Kaufentscheidung beigetragen. Dann stellt die Puppe euren Kindern ganz selbstverständlich mit ihrem Namen vor.

Wenn nicht, sucht einen neuen aus. Mir ist es überhaupt nicht wichtig, dass die Puppen den Namen behalten, den ich ihnen gegeben habe. Ganz im Gegenteil. Es macht viel Freude, gemeinsam mit den Kindern auf Namensfindung zu gehen. Außerdem stärkt es das Band zur Puppe und kann einen ganz bestimmten, erwünschten Spirit in die Familie bringen.

Offenheit und Geduld sind wichtig. Manchmal dauert es ein bisschen, bis sich der richtige Name offenbart. Wenn eure Kinder alt genug sind, lasst sie am besten selbst wählen. Dabei kommen meistens die schönsten, lustigsten, einzigartigsten und rührendsten Kreationen heraus. Bei ganz kleinen Kindern könnt ihr es erst einmal bei der Bezeichnung „Puppe“ oder Koseformen davon belassen und abwarten, was sich im Laufe der Zeit tut.


21. April 2016

Was gerade so los ist #7

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Das neue Jahr ist bereits gute vier Monate alt, aber so richtig angekommen in 2016 fühle ich mich noch immer nicht. Das merke ich auch daran, dass ich – völlig untypisch für mich – meine Projektplanung für dieses Jahr erst im März abgeschlossen und die wichtigsten Vorhaben gerade erst begonnen habe. Zwischendurch dachte ich sogar, dass es vielleicht auch mal spannend wäre, ganz ohne Kompass unterwegs zu sein. (Lieber nicht.)

Aber jetzt ist der April da mit seinem Frühlingsfrohsinn, auf den jedes Jahr Verlass ist, und ich spüre neue Energie, Aufbruchslust und Tatendrang in Herz und Händen. Wenn ich zurückschaue auf die vergangenen Wochen und Monate, sehe ich, dass da auch schon eine ganze Menge Kraft und Inspiration da war, auch wenn ich oft das Gegenteil dachte. Ich habe Einiges angepackt und eine gute Grundlage geschaffen für das, was in diesem Jahr noch kommen mag.

Im Januar habe ich wieder einmal alle Mariengold E-Books zur Herstellung von Puppen und Puppenkleidung überarbeitet. Nach zwei Revisionsrunden in den letzten beiden Jahren waren die Anleitungen bereits auf einem guten Stand, so dass nur Kleinigkeiten geändert werden mussten. Die größte Neuerung ist wahrscheinlich, dass die Puppe Pip, inspiriert von meinem Kids Kurs, eine schönere Form bekommen hat. Das soll es jetzt aber erst einmal mit Überarbeitungen gewesen sein. Die E-Books sind gut, wie sie sind, sogar sehr gut. Das Feedback ist durchgehend positiv, die Puppen, die meine Kundinnen und Kunden mit den Anleitungen nähen, wunderschön. Jetzt ist es Zeit für etwas Neues (an dem ich bereits arbeite, aber dessen Veröffentlichung noch in den Sternen steht).

Mein erstes großes Projekt in diesem Jahr war die Puppennäh-AG, die ich mit acht Mädchen und Jungen einer 6. Klasse an einer Berliner Schule veranstaltet habe. Davon habe ich hier, hier und hier ausführlich erzählt. In dieser Zeit habe ich mich oft gefragt, was wohl für eine Lehrerin aus mir geworden wäre, wenn ich im Sommer 2007 die Ausbildung am Seminar für Waldorfpädagogik Berlin wirklich begonnen hätte. Aber das habe ich nicht, denn eines Morgens – ich hatte den Vertrag bereits unterschrieben -, wachte ich mit der unerschütterlichen Gewissheit auf, dass das einfach nicht mein Weg ist, und blies alles wieder ab. Stattdessen kamen die Puppen in mein Leben. Ein Jahr später mit meinen ersten Kursen auch das Unterrichten. Und jetzt die Kinder. So hat sich ein Kreis geschlossen. Mir hat die AG so viel Freude gemacht, dass ich sie nächstes Schuljahr für die neue 6. Klasse wieder anbieten möchte.

Zwischen den Jahren hat mein Atelier einen frischen Anstrich bekommen. Nach sieben Jahren in zartgelber Lasur sollten die Wände wieder weiß werden. Bei dieser Gelegenheit habe ich auch gründlich aufgeräumt, aussortiert, Platz geschaffen und neue Pläne für den Raum geschmiedet. Wie sich herausstellte, sollten diese jedoch für die folgenden drei Monate wieder in der Schublade verschwinden. Irgendetwas blockierte mich. Das hatte wohl etwas mit einer gewissen Verzagtheit bezüglich meiner beruflichen Orientierung zu tun. Der kreative Geist von mir strebt nach Ausdehnung, Erweiterung und beherztem Anpacken all der geplanten und erträumten Projekte für Mariengold, auch nach einem Atelier außerhalb meiner Wohnung, nach neuem Raum für neue Möglichkeiten. Mein Verstand dagegen sagt, dass dieses kleine Arbeitszimmer hier gerade sehr vernünftig ist: Es kostet nichts extra, lässt mich alle meine Lebensbereiche fließend verbinden und birgt keine finanziellen Risiken, falls es mal schlechter laufen sollte. Diese Sicherheit tut mir gerade sehr gut. Denn nach den verrückten Jahren 2011 bis 2014 befindet sich Mariengold immer noch im Übergang. Aber auch in dieser Phase möchte ich es mir schön machen. Und die Veränderung, die sich innerlich vollzieht, darf sich langsam auch im Außen zeigen. Deshalb habe ich letzte Woche endlich neue Möbel bestellt und freue mich jetzt riesig auf mein verwandeltes Atelier zu Hause.

Veränderungen gibt es auch auf meiner Internetseite. Ich habe gründlich aufgeräumt, Texte aktualisiert und alle Artikel bis Ende 2012 gelöscht. Zwei, drei Buchvorstellungen werden in den nächsten Wochen in leicht überarbeiteter Form wieder veröffentlicht, der Rest ist für immer weg. Ich mag es, dass mein Blog so lebendig ist und immer wieder verändert und an meine Ideen und Vorhaben angepasst werden kann. Bloggen ist für mich reines Vergnügen, aber kein Privatvergnügen. Mein Blog ist ein wichtiger Teil meiner Arbeit. Er dient dem Marketing meiner Produkte, der Gestaltung und Entwicklung der Marke Mariengold und ist das wichtigste Kommunikationsmittel mit meinen Kundinnen und Kunden. Und doch ist er immer noch klein und fein, persönlich und herzlich und vor allem unabhängig. Ich blogge so oft oder selten, so professionell oder aus dem Bauch heraus, wie ich mag, und schreibe nur über Themen, die mich wirklich interessieren. Manchmal denke ich über Möglichkeiten nach, mit meinem Blog Geld zu verdienen. Aber ich komme jedes Mal zu dem Entschluss, dass es mir so, wie es jetzt ist, doch am besten gefällt. Ich möchte auch kein Instagram oder Facebook oder Snapchat für Mariengold. Heute wirkt es ja fast ein wenig anachronistisch, wenn jemand ausschließlich bloggt. Aber genau diese Exklusivität mag ich mittlerweile sehr. Und ich schätze auch die Zeit und Energie, die mir durch diesen Fokus für andere Dinge bleiben.

Woran ich gerade Freude habe in meinem Atelier

Eine Flasche Seifenblasen.

Dass die Sonne mittags so hoch steht, dass sie auf meinen Arbeitstisch scheint.

Eine Postkarte in Schwarz-Weiß mit Pipi Langstrumpf drauf, um die ich wochenlang herumgeschlichen bin, bis ich sie mir endlich von meinem allerletzten Euro im Portmonee gekauft habe.

Mittagsschlaf. Seid ihr auch manchmal so frühjahrsmüde?

Eine Collage mit Fotos von den Kindern aus meinem Kids Kurs. Sie erinnert mich an den Sinn meiner Arbeit, mit meinen Puppen und der Puppenmacherei den Menschen Freude zu bringen.

Internetfreie Zeit. Mein Internet ist seit einiger Zeit jeden Tag von 15 bis 19.30 Uhr und am Wochenende sogar ganz ausgeschaltet. Unglaublich, wie positiv sich das auswirkt.

Ein Puppenbild von Sandra von Junikate, mit der ich mich Anfang des Monats auf einen Kaffee im Silo getroffen habe. Später kam noch ihr Mann dazu, der sie so wunderbar rat- und tatkräftig bei ihrem Business unterstützt. Genau wie mein Partner, wofür ich immer wieder von Herzen dankbar bin.

Eine herrlich duftende, leichte Handcreme von Aveda.

Stoffspielereien. Seit einiger Zeit probiere ich neue Techniken aus und färbe, bedrucke und bemale. Es gibt so viele Möglichkeiten, Stoffe zu verändern und sie sich ganz zu eigen zu machen.

Geputzte Fenster.

Neue Nähnadeln. Endlich habe ich welche in der perfekten Stärke gefunden.

Das Brainstorming für mein neues E-Book. Ich bin gerade in der Phase, in der mir jeden Tag neue Ideen kommen, ich sie sammle und strukturiere und langsam mit dem Rohentwurf beginne. Aufregend.

Getrocknete Maulbeeren als Snack für Zwischendurch mit Obst und Nüssen oder in roher Schokolade.

Und dazu Milchkaffee aus Lupinen.

Dass auf meiner Aufgabenliste aktuell nie mehr als sechs Punkte stehen. So viel kann ich gut an einem Tag schaffen.

Das neue Album von Mine. So genial wie Mine Musik macht, möchte ich irgendwann einmal Puppen nähen.

Eine Konzertkarte von Anna Ternheim, die ich vor zwei Wochen im Heimathafen Neukölln live gesehen habe (unser erster Konzertbesuch zu dritt). Ganz große Liebe seit 10 Jahren.

Die alten Sachen von Herbert Grönemeyer. Land unter. Rauf und runter.

Ein neues Blogazine, das ich gern lese.

Ein Satz, den ich neulich gefunden habe: Man muss mit allem rechnen, auch mit dem Schönen.

Oder dieser, der sich seit Jahren an meiner Pinnwand hält: Go gently through your life.

Und immer wieder Blumen. Jetzt gerade am liebsten Ranunkeln in Pink, Orange, Rosa und Creme.


18. April 2016

Kids Kurs #3: Rote Wangen überall (und ein Rezept für meinen Lieblingskuchen)

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Von Januar bis März habe ich an einer Berliner Schule zusammen mit acht Mädchen und Jungen einer 6. Klasse eine Puppennäh-AG veranstaltet. An sechs Freitagnachmittagen drehte sich alles um die Herstellung der Puppen, an zwei weiteren Terminen nähten wir die Kleidung. Kurz vor den Osterferien war es geschafft, die Kinder hielten ihre fertigen Puppen in den Händen und strahlten mit ihren rotgewangten Goldstücken vor Glück um die Wette.

Der Weg dahin war eine ganz schön anstrengende Riesenfreude. Woche für Woche lachte mein Herz auf dem Weg zur Schule und war ich danach so erfüllt und gleichzeitig erledigt, dass ich mehr oder weniger den Rest des Tages wohlig auf dem Sofa verbrachte, mit meiner Tochter (die auch bei dem Kurs dabei war), selbstgemachtem Soulfood und einem Film oder Büchern. Schöner konnte das Wochenende nicht beginnen.

Über die spezielle Puppe, die ich mit den Kindern nähte, habe ich bereits hier geschrieben. Schlicht und einfach war sie, aber nackt sollte sie nicht bleiben, so von Anfang an der Wunsch der Kinder. Eigentlich hatte ich gar nicht vor, auch die Puppenkleidung mit ihnen anzufertigen, denn dafür fehlte mir die Erfahrung in Kursen, noch dazu mit Kindern. Aber irgendwann hatten sie mich so mit ihrer Vorfreude (wie sie nur Kinder haben) angesteckt, dass ich hin und her überlegte, wie es gehen könnte – mit supersimplen Schnittmustern, ohne Nähmaschine, aber dafür mit besonders tollen Stoffen.

Chaotisch war es trotzdem: Die vielen Stoffe lösten Begeisterung, aber auch Unruhe aus. An das Kopieren der Schnittmuster hatte ich gedacht, aber nicht an ausreichend Stifte zum Aufzeichnen. Teile wurden falschherum zugeschnitten. Das Nähen von Hand fanden die meisten Kinder mühsam. Auch weil das Garn ziemlich dünn war und doppelt genommen ständig Schlaufen bildete. Und Quatschen fanden die Kids sowieso viel toller als Säume zu nähen. Alles dauerte viel länger als gedacht. Nichtsdestotrotz war es ein großer Spaß und je weiter wir voranschritten, desto aufgeregter wurden die Kinder und konnten es kaum erwarten, die Kleider anzuziehen und endlich ihre Puppen in Vollendung zu sehen. Das waren richtig, richtig schöne Momente.

Dann kamen die Osterferien, in denen die letzten Fäden vernäht und teilweise weitere Kleider nach eigenen Entwürfen angefertigt wurden, die Puppen stolz den Eltern gezeigt und von Herzen bestaunt, lieb gehabt und geküsst wurden.

Anfang April trafen wir uns ein allerletztes Mal, um richtig Abschluss zu feiern. Es gab eine aufregende Fotosession, in der noch einmal jedes Kind mit seiner Puppe gewürdigt wurde. Wir schwelgten ein bisschen in Erinnerungen, futterten meinen liebsten Zitronenkuchen und lauschten „Vasalisa“, dem alten russischen Märchen von der Puppe in der Schürzentasche, das ich vor ein paar Jahren als Hörgeschichte für meinen Blog aufgenommen habe (mittlerweile hier zu finden).

Zum Abschied nahm ich noch einmal alle Puppen in die Arme und hätte am liebsten dasselbe mit den Kindern getan, so sehr waren sie mir in den letzten Wochen ans Herz gewachsen (aber das verkniff ich mir). An diesem Nachmittag war ich unendlich dankbar für diese wunderbare, bereichernde und beglückende Erfahrung.

Ein paar Beobachtungen und Bemerkenswertigkeiten:

Vier einfache Schnittmuster hatte ich vorbereitet – Hemd, Hose, Rock und Kleid. Manchen Kindern war das zu schlicht, sie hatten eigene Vorstellungen. Ganz kreativ und ohne groß darüber nachzudenken, wandelten sie meine Vorlagen ab, interpretierten sie neu oder machten etwas ganz Eigenes. Das beeindruckte mich unheimlich.

Bei den Stoffen kamen besonders gut Streifen und kleine Muster mit wenig Farbe an. Blümchen waren nicht so angesagt.

Einmal bekamen wir Besuch von der Handarbeitslehrerin. Es stellte ich heraus, dass die Kinder echt gute Tricks und Kniffe draufhaben, wenn sie nur jemand (die Handarbeitslehrerin) daran erinnerte, was sie bereits gelernt hatten. So konnte ich mir z. B. bei ihnen abgucken, wie man einen anständigen Knoten ins Fadenende macht.

Manchmal besuchten uns auch andere Kinder aus der Klasse. Mein Eindruck war, dass sie neugierig auf die AG waren und den Freundinnen und Freunden nur allzu gern bei der Puppenmacherei zur Hand gingen.

Überhaupt staunte ich immer wieder, wie gern die Kinder Handarbeiten machten. Nie hörte ich ein abwertendes Wort oder lustloses Stöhnen.

Obwohl ich den Kinder zu Beginn des Kurses mehrmals anbot, mich zu duzen, blieb A. als Einzige bis zum Ende beim „Sie“. Was irgendwann nur noch ein klitzekleines bisschen komisch für mich klang.

Als Bonus hatte ich zum letzten Termin für die besonders Schnellen ein Schnittmuster für supereinfache Ringelstrümpfe mitgebracht. Die Strümpfe waren der Hit und wurden sofort zum Lieblingsprojekt. Manche Puppen bekamen gleich mehrere Paare in verschiedenen Farben.

E. hatte die größte Freude an der Puppenkleiderschneiderei. Trotz Gipsarm vom Reitunfall brachte sie nach den Osterferien eine hübsche kleine Garderobe inklusive Regenmantel für ihre Puppe mit. Andere Kinder hatten vor den Ferien zwar meine Stoffvorräte geplündert – aber nichts damit angestellt. (Wie gut ich das von mir selbst kenne.)

Die Kinder waren untereinander immer freundlich, aufmerksam und hilfsbereit, egal was sich in der Pause vorher abgespielt hatte. Und das waren teilweise echte Dramen.

Die Puppen der Jungen bekamen zuerst ihre Namen, Karsten und Paolo. Eine andere Puppe heißt Lexi und eine Harry Potter.

Manche Kinder sind totale Abchecker. Sie registrierten jede kleine Veränderung an mir: die kurzen Haare Ende Januar, den großen Kummer, nachdem mir etwas richtig Doofes passiert war, und die neuen weinroten Nike Airs zum Frühlingsbeginn.

Wiederum nahm ich bei den Kindern auch ganz viel wahr: Stimmungen von Rosarot bis Tiefschwarz, Tuscheleien und Neckereien, Experimente mit Klamotten und Schminke, Tränen auf dem Mädchenklo, Eis zum Nachtisch in der Mittagspause, kleine Flirts und große Aufregung.

Was mich besonders freut, ist, dass die meisten Kinder weitere Puppen nähen möchten. (Harry Potter braucht schließlich noch eine Hermine.)

So einen Kurs möchte ich unbedingt noch einmal geben!

Frühlingsfrischer Zitronenkuchen

250 g sehr weiche Butter
200 g Rohrohrzucker
4 Eier
Geriebene Schale und Saft von 2 Zitronen
250 g Weizenmehl Typ 1050
1 gehäufter TL Backpulver
1 Prise Salz
1 TL Vanille
100 g Puderzucker

Butter, Zucker und Eier mit dem Schneebesen gut verrühren. Zitronenschale, Mehl, Backpulver, Salz und Vanille dazugeben und von Hand oder mit dem Mixer mischen, so dass ein glatter, fluffiger Teig entsteht. In eine gefettete Kuchenform füllen und bei 180 Grad Celsius circa 60 Minuten backen und abkühlen lassen.

Für den Guss Puderzucker und Zitronensaft verrühren. Den Kuchen rundherum mit einer Gabel einstechen und mehrmals mit dem Guss tränken, bis nichts mehr davon übrig ist. Das macht ihn so richtig schön schmackofatzig. Ihr wisst sicher, was ich meine. Enjoy!

Mehr über das Puppennähen mit Kindern findet ihr hier, mehr Rezepte hier.