18. April 2016

Kids Kurs #3: Rote Wangen überall (und ein Rezept für meinen Lieblingskuchen)

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Von Januar bis März habe ich an einer Berliner Schule zusammen mit acht Mädchen und Jungen einer 6. Klasse eine Puppennäh-AG veranstaltet. An sechs Freitagnachmittagen drehte sich alles um die Herstellung der Puppen, an zwei weiteren Terminen nähten wir die Kleidung. Kurz vor den Osterferien war es geschafft, die Kinder hielten ihre fertigen Puppen in den Händen und strahlten mit ihren rotgewangten Goldstücken vor Glück um die Wette.

Der Weg dahin war eine ganz schön anstrengende Riesenfreude. Woche für Woche lachte mein Herz auf dem Weg zur Schule und war ich danach so erfüllt und gleichzeitig erledigt, dass ich mehr oder weniger den Rest des Tages wohlig auf dem Sofa verbrachte, mit meiner Tochter (die auch bei dem Kurs dabei war), selbstgemachtem Soulfood und einem Film oder Büchern. Schöner konnte das Wochenende nicht beginnen.

Über die spezielle Puppe, die ich mit den Kindern nähte, habe ich bereits hier geschrieben. Schlicht und einfach war sie, aber nackt sollte sie nicht bleiben, so von Anfang an der Wunsch der Kinder. Eigentlich hatte ich gar nicht vor, auch die Puppenkleidung mit ihnen anzufertigen, denn dafür fehlte mir die Erfahrung in Kursen, noch dazu mit Kindern. Aber irgendwann hatten sie mich so mit ihrer Vorfreude (wie sie nur Kinder haben) angesteckt, dass ich hin und her überlegte, wie es gehen könnte – mit supersimplen Schnittmustern, ohne Nähmaschine, aber dafür mit besonders tollen Stoffen.

Chaotisch war es trotzdem: Die vielen Stoffe lösten Begeisterung, aber auch Unruhe aus. An das Kopieren der Schnittmuster hatte ich gedacht, aber nicht an ausreichend Stifte zum Aufzeichnen. Teile wurden falschherum zugeschnitten. Das Nähen von Hand fanden die meisten Kinder mühsam. Auch weil das Garn ziemlich dünn war und doppelt genommen ständig Schlaufen bildete. Und Quatschen fanden die Kids sowieso viel toller als Säume zu nähen. Alles dauerte viel länger als gedacht. Nichtsdestotrotz war es ein großer Spaß und je weiter wir voranschritten, desto aufgeregter wurden die Kinder und konnten es kaum erwarten, die Kleider anzuziehen und endlich ihre Puppen in Vollendung zu sehen. Das waren richtig, richtig schöne Momente.

Dann kamen die Osterferien, in denen die letzten Fäden vernäht und teilweise weitere Kleider nach eigenen Entwürfen angefertigt wurden, die Puppen stolz den Eltern gezeigt und von Herzen bestaunt, lieb gehabt und geküsst wurden.

Anfang April trafen wir uns ein allerletztes Mal, um richtig Abschluss zu feiern. Es gab eine aufregende Fotosession, in der noch einmal jedes Kind mit seiner Puppe gewürdigt wurde. Wir schwelgten ein bisschen in Erinnerungen, futterten meinen liebsten Zitronenkuchen und lauschten „Vasalisa“, dem alten russischen Märchen von der Puppe in der Schürzentasche, das ich vor ein paar Jahren als Hörgeschichte für meinen Blog aufgenommen habe (mittlerweile hier zu finden).

Zum Abschied nahm ich noch einmal alle Puppen in die Arme und hätte am liebsten dasselbe mit den Kindern getan, so sehr waren sie mir in den letzten Wochen ans Herz gewachsen (aber das verkniff ich mir). An diesem Nachmittag war ich unendlich dankbar für diese wunderbare, bereichernde und beglückende Erfahrung.

Ein paar Beobachtungen und Bemerkenswertigkeiten:

Vier einfache Schnittmuster hatte ich vorbereitet – Hemd, Hose, Rock und Kleid. Manchen Kindern war das zu schlicht, sie hatten eigene Vorstellungen. Ganz kreativ und ohne groß darüber nachzudenken, wandelten sie meine Vorlagen ab, interpretierten sie neu oder machten etwas ganz Eigenes. Das beeindruckte mich unheimlich.

Bei den Stoffen kamen besonders gut Streifen und kleine Muster mit wenig Farbe an. Blümchen waren nicht so angesagt.

Einmal bekamen wir Besuch von der Handarbeitslehrerin. Es stellte ich heraus, dass die Kinder echt gute Tricks und Kniffe draufhaben, wenn sie nur jemand (die Handarbeitslehrerin) daran erinnerte, was sie bereits gelernt hatten. So konnte ich mir z. B. bei ihnen abgucken, wie man einen anständigen Knoten ins Fadenende macht.

Manchmal besuchten uns auch andere Kinder aus der Klasse. Mein Eindruck war, dass sie neugierig auf die AG waren und den Freundinnen und Freunden nur allzu gern bei der Puppenmacherei zur Hand gingen.

Überhaupt staunte ich immer wieder, wie gern die Kinder Handarbeiten machten. Nie hörte ich ein abwertendes Wort oder lustloses Stöhnen.

Obwohl ich den Kinder zu Beginn des Kurses mehrmals anbot, mich zu duzen, blieb A. als Einzige bis zum Ende beim „Sie“. Was irgendwann nur noch ein klitzekleines bisschen komisch für mich klang.

Als Bonus hatte ich zum letzten Termin für die besonders Schnellen ein Schnittmuster für supereinfache Ringelstrümpfe mitgebracht. Die Strümpfe waren der Hit und wurden sofort zum Lieblingsprojekt. Manche Puppen bekamen gleich mehrere Paare in verschiedenen Farben.

E. hatte die größte Freude an der Puppenkleiderschneiderei. Trotz Gipsarm vom Reitunfall brachte sie nach den Osterferien eine hübsche kleine Garderobe inklusive Regenmantel für ihre Puppe mit. Andere Kinder hatten vor den Ferien zwar meine Stoffvorräte geplündert – aber nichts damit angestellt. (Wie gut ich das von mir selbst kenne.)

Die Kinder waren untereinander immer freundlich, aufmerksam und hilfsbereit, egal was sich in der Pause vorher abgespielt hatte. Und das waren teilweise echte Dramen.

Die Puppen der Jungen bekamen zuerst ihre Namen, Karsten und Paolo. Eine andere Puppe heißt Lexi und eine Harry Potter.

Manche Kinder sind totale Abchecker. Sie registrierten jede kleine Veränderung an mir: die kurzen Haare Ende Januar, den großen Kummer, nachdem mir etwas richtig Doofes passiert war, und die neuen weinroten Nike Airs zum Frühlingsbeginn.

Wiederum nahm ich bei den Kindern auch ganz viel wahr: Stimmungen von Rosarot bis Tiefschwarz, Tuscheleien und Neckereien, Experimente mit Klamotten und Schminke, Tränen auf dem Mädchenklo, Eis zum Nachtisch in der Mittagspause, kleine Flirts und große Aufregung.

Was mich besonders freut, ist, dass die meisten Kinder weitere Puppen nähen möchten. (Harry Potter braucht schließlich noch eine Hermine.)

So einen Kurs möchte ich unbedingt noch einmal geben!

Frühlingsfrischer Zitronenkuchen

250 g sehr weiche Butter
200 g Rohrohrzucker
4 Eier
Geriebene Schale und Saft von 2 Zitronen
250 g Weizenmehl Typ 1050
1 gehäufter TL Backpulver
1 Prise Salz
1 TL Vanille
100 g Puderzucker

Butter, Zucker und Eier mit dem Schneebesen gut verrühren. Zitronenschale, Mehl, Backpulver, Salz und Vanille dazugeben und von Hand oder mit dem Mixer mischen, so dass ein glatter, fluffiger Teig entsteht. In eine gefettete Kuchenform füllen und bei 180 Grad Celsius circa 60 Minuten backen und abkühlen lassen.

Für den Guss Puderzucker und Zitronensaft verrühren. Den Kuchen rundherum mit einer Gabel einstechen und mehrmals mit dem Guss tränken, bis nichts mehr davon übrig ist. Das macht ihn so richtig schön schmackofatzig. Ihr wisst sicher, was ich meine. Enjoy!

Mehr über das Puppennähen mit Kindern findet ihr hier, mehr Rezepte hier.


11. April 2016

Interview: „Aber Geduld und gute Nerven habe ich zum Glück!“

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Iris von Rosenrot und ich schicken schon seit einigen Jahren E-Mails zwischen Freiburg und Berlin hin und her. Wir sind ungefähr zur gleichen Zeit mit unserer Puppenmacherei ins Internet gegangen, haben uns gegenseitig Mut gemacht und unterstützt und über die Jahre begleitet, was die andere macht. Mit einem Körbchen voller Erdbeerkinder zur alljährliche Kofferte hat Iris Anfang März den 10. Geburtstag ihres Labels gefeiert. Mariengold gratuliert ganz herzlich!

Iris ist aber nicht nur bekannt für ihre wunderschönen Jahreszeitentischfiguren, Wichtelkinder, Blumenkinder und andere Püppchen, sondern sie gibt in ihrer Rosenrotwerkstatt auch Puppennähkurse für Kinder, zu denen die Familien auch schon mal aus ganz Deutschland anreisen. Klar, dass auch sie Teil meiner Interviewreihe zum Puppennähen mit Kindern sein sollte!

Liebe Iris, bitte stell dich und deine Arbeit als Puppenmacherin kurz vor.
Seit über zehn Jahren arbeite ich als Puppenmacherin und das Label Rosenrot ist mir zur Herzenssache geworden. Bevorzugt nähe ich kleine Puppenkinder und Blumenkinder für den Jahreszeitentisch. Ich entwerfe auch Anleitungen zum Selbermachen und gebe seit sieben Jahren Nähkurse für kleine und große Schneiderleins.

Wie bist du auf die Idee gekommen, Puppennähkurse für Kinder zu veranstalten?
Ehrlich gesagt, weiß ich das gar nicht mehr so genau. Ich weiß nur noch, dass ich mit einer kleinen Dreiermädchennähbande aus der hiesigen Waldorfschule begonnen habe, Kurse zu geben, und es mir so viel Spaß gemacht hat, dass ich dabei geblieben bin. Zuerst kamen die Kurskinder vor allem aus Freiburg und dem Umland. Als ich dann bekannter wurde, kamen auch Familien von weiter weg, die ihren Urlaub in der Nähe verbrachten, und diesen mit einem Kurs in der Rosenrotwerkstatt verbanden. Ich habe das große Glück, in einer Umgebung zu leben, wo andere gerne Urlaub machen. Kindern Handarbeit mit natürlichen Materialien zu vermitteln, war und ist mir ein großes Anliegen. Kinder sind nach einem Puppennähkurs so glücklich und beseelt, wie es eben nur Kinder sein können. Sie halten das eigen hergestellte Püppchen so stolz und glücklich in ihren Händen. Das wiederum erfüllt mich mit Glück und Zufriedenheit. Es ist so herzerfrischend und erfüllend, mit Kindern in gemütlicher Atmosphäre zu nähen.

Bitte erzähle ein bisschen von deinen Kinderkursen.
Die Puppennähkurse sind für Kinder von 8 Jahren an gedacht. Bei einem Mutter-Kind-Kurs darf ein Kind auch mal 6 Jahre alt sein. Das hängt dann jedoch auch sehr von der feinmotorischen Begabung und der Ausdauer des Kindes ab. Ich hatte schon Zwerge mit 7 Jahren hier in der Werkstatt, die konnten geschickter ein Fädchen einfädeln als ein 12 jähriges Schneidermädchen. Die Kurse finden in einem kleinen, gemütlichen Rahmen statt. Das ist mir sehr wichtig. Meist habe ich nur vier bis fünf Kinder je Kurs. Das ist vielleicht nicht so lukrativ, aber dafür entspannt. Die Kinder kommen meist aus Freiburg oder der weiteren Umgebung zu mir, deshalb bereite ich die Kurse so vor, dass sie ein fertiges Puppenkind mit nach Hause nehmen können. Zwischendurch gibt es eine kleine Pause, bei schönem Wetter im Garten unterm Apfelbaum. Dann wird fleißig weitergenäht, denn der Zeitplan ist doch recht straff. Man denkt gar nicht, wieviele Fädchen man einfädeln muss und wieviele kleine Stichlein notwendig sind, bis so ein kleines Puppenkind fertig ist. Die Kinder arbeiten sich von den einfachen Formen der Wichtelwaldkinder, Weidenkätzchen, Kokosbabys, Blaubeerbübchen und anderen kleinen Blumenkinderbabys zu den aufwändigeren Projekten wie Meerjungfrau und frechen Mädchen oder Jungs vor. Da gibt es ein Mädchen, Linda, die ist inzwischen 16 Jahre alt und kommt schon so lange und regelmäßig zum Kurs, dass sie schon über 30 Püppchen genäht hat. Und sie will bald wieder kommen!

Was gefällt dir am besten an der Arbeit mit Kindern? Und was ist die größte Herausforderung?
Mit Kindern zu arbeiten und zu nähen ist so lebendig, lustig und bereichernd. Kinder gehen so offen und locker ans Nähen und freuen sich über jeden Entstehungsschritt ihres kleinen Puppenkindes. Sie können so konzentriert und ernsthaft bei der Sache sein. Es ist eine Freude zu beobachten, wie vertieft die Kinder bei manchen Arbeitsschritten sind. Natürlich gibt es auch Herausforderungen: Wenn alle Schneiderleins gleichzeitig nach mir rufen, alle gleichzeitig ein Problem haben, die Fädchen einfach nicht ins Nadelöhr wollen oder die Knötchen nicht Knötchen sein wollen, dann bräuchte ich manchmal mindestens vier Hände. Die habe ich nun nicht, aber Geduld und gute Nerven habe ich zum Glück!

Vielen Dank, liebe Iris, für deine Antworten. Ich wünsche dir weiterhin viel Freude in der Rosenrotwerkstatt!

Mehr zum Thema Puppennähen mit Kindern findet ihr hier.

(Disclaimer: Aufgrund der derzeitigen Rechtslage, die schon das bloße Nennen von Marken und Verlinken von Produkten, Marken, Menschen, Orten usw. als Werbung einstuft, kennzeichne ich diesen Beitrag als einen mit WERBLICHEN INHALTEN. Dennoch gilt: Wenn ich hier etwas oder jemanden benenne und als gut befinde, geschieht das als persönliche Empfehlung und im Rahmen meiner redaktionellen Themenauswahl. Alle hier gesetzten Links sind ein kostenloser Service von mir – unbezahlt und unaufgefordert. Alle hier genannten Produkte sind selbst gekauft. Bezahlte Kooperationen, sollte es sie jemals auf meinem Blog geben, würden immer ganz eindeutig als solche gekennzeichnet werden.)


9. März 2016

Interview: „Plötzlich ist alles möglich.“

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In der Puppennäh-AG, die ich seit Beginn des Jahres mit acht Kindern einer Berliner Schule veranstalte, sammle ich viele neue Beobachtungen und Erkenntnisse, Herzmomente und Freudebegegnungen. Was nicht heißt, dass ich mich danach nicht manchmal auch fix und fertig mit einer heißen Schokolade auf dem Sofa ins Wochenende hineinträume. Da tut es gut, mich ab und zu mit Menschen auszutauschen, die ebenfalls mit Kindern arbeiten.

Evelyn ist auch eine Puppenmacherin. Seit wir uns vor gut anderthalb Jahren persönlich kennengelernt haben, schreiben wir uns regelmäßig E-Mails und teilen unsere Gedanken zur Puppenmacherei. Evi gibt schon lange Handarbeitskurse für Kinder und bringt ganz viel Erfahrung mit. Also auf zum Interview unter Berliner Kolleginnen!

Liebe Evi, bitte stell dich und deine Arbeit als Puppenmacherin kurz vor.
Ich bin Evelyn und Mutter einer Tochter. Unter meinem Label daskleinekra biete ich liebenswerte, handgemachte Puppenkinder, Anleitungen und Kleidungsstücke für Puppen und Kinder an. Außerdem gebe ich in Berlin verschiedene Handarbeitskurse für kleine und große Menschen sowie Puppengeburtskurse. Am Puppenhandwerk schätze ich, dass es den Reichtum verschiedener Handarbeitstraditionen in sich vereint. Auf meinem Blog veröffentliche ich auch Texte über meine Puppen und stelle passend zu diesen z. B. wissenschaftliche Märcheninterpretationen vor. Schon als Kind habe ich selbst Puppen genäht und mich kreativ frei ausprobieren dürfen. Eine Ausbildung zur Damenschneiderin in einem richtig klassischen Atelier an der Bergstraße folgte. Anschließend habe ich in Berlin studiert, allerdings in eine ganz andere Richtung. In meiner Familie ist es seit jeher Tradition, sich mit Selbstgemachtem zu den Festtagen zu überraschen und so stand für mich fest, als meine Tochter im passenden Alter war: Puppe und Herd mache ich selbst! Die alte Liebe zur Puppenmacherei wiederentdeckt, folgten noch weitere Puppen, bis ich mich 2013 entschloss, diese auch gewerblich herzustellen.

Wie bist du auf die Idee gekommen, Handarbeitskurse für Kinder zu veranstalten?
Im Grunde kamen die Handarbeitskurse zu mir. In der kleinen Grundschule meiner Tochter, in der AGs auch von Eltern geleitet werden, bat mich die Lernbegleiterin eines Tages, den Kindern zu zeigen, wie man einen Knopf annäht, mit dem Hinweis, wir seien dann bestimmt eine Stunde beschäftigt. Von da an wollte ich nicht mehr auf die Arbeit mit Kindern verzichten und gab an dieser Schule mehrere Jahre Handarbeitskurse für jeweils zehn Kinder zwischen 5 und 8 Jahren.

Bitte erzähle ein bisschen von deinen Kinderkursen.
Meine Kurse gebe ich mittlerweile in der gemütlichen Werkstatt von Frau Wolle, in der auch meine Puppennähkurse stattfinden. Die wöchentlichen Handarbeitskurse biete ich für Kinder zwischen 5 und 10 Jahren an, ebenso Nähmaschinenkurse für Kinder ab 9 Jahren in kleinen fortlaufenden Gruppen mit bis zu acht Kindern. Die Eltern sind dabei nicht anwesend und wurden bisher auch nicht vermisst. Eine Kursstunde dauert 90 Minuten, dadurch bleibt genügend Zeit zum Ankommen und für eine vielgeliebte Teepause mit Keksen zwischendurch. Den Kindern tut die Pause gut und sie hält die Aufmerksamkeit wach. Das spüren die Kinder mitunter selbst und auch dafür ist Raum: Die Jüngeren malen nach einer Pause manchmal einfach nur noch ein Bild, andere gehen nach der Kekspause mit neuer Frische ans Werk. Aufeinander aufbauend  vermittle ich an kleinen, anfangs sehr einfachen Projekten klassische Techniken: Wie kann ich Filzfasern zupfen, wie eine Kugel filzen, wie diese Kugel besticken. Mehrere Projekte mit einem Werkstoff schaffen einen Überblick. Die Wahl der Projekte findet gemeinsam mit den Kindern statt, das Interesse der Kinder ist unglaublich breit gefächert. Plötzlich ist alles möglich. Ein tolles Gefühl und zwar für jedes einzelne Kind! Bevor wir beginnen, erläutere ich kurz, was wir wie herstellen und womit gearbeitet wird und binde die Kinder durch kleine Fragen ein. Die jeweiligen Arbeitsschritte führe zunächst ich aus und die Kinder lernen durch Nachahmung. Ihrem individuellen Gestaltungswillen möchte ich möglichst freien Lauf lassen. An diesem Punkt unterstütze ich die Kinder durch kleine Hilfen und Ermutigung. Ich ermuntere die Kinder auch, sich gegenseitig zu helfen. Das geht manchmal auch gar nicht anders, da ich sowieso ständig in Bewegung bin. So lernen sie ganz nebenbei, die eigene Arbeit und die der anderen zu achten. Je nach Gruppe ist es möglich, an Projekten zu arbeiten, die sich über mehrere Termine erstrecken. In den altersheterogenen Gruppen versuche ich, komplexeres Vorgehen einzubauen, um den Aufwand der Arbeit an die Kinder anzupassen.

Was gefällt dir am besten an der Arbeit mit Kindern? Und was ist die größte Herausforderung?
In jeder Stunde wird gelacht! Kinder sind direkt, unverfälscht. Gemeinsam wird geschaffen und unverhohlener Stolz gezeigt. Diese Arbeitsatmosphäre ist wirklich etwas ganz Besonderes. Die spontane und freie Herangehensweise von Kindern an das Element mag ich auch sehr, sie motiviert ungemein. Gleichzeitig eine Herausforderung: Kinder haben eine Idee im Kopf und wollen es genauso haben, jetzt und sofort. Sich mit Zeit und allen Sinnen auf das sorgfältig ausgesuchte Material einzulassen, aber auch die eigene Fortschritte zu sehen, ist eine Übungssache. Die Kinder bekommen ein Gefühl für den jeweiligen Werkstoff, üben ihre Handgeschicklichkeit und Geduld. Dieses Wissen lassen sie nicht wieder los. Wie durch Zauberhand entsteht unter den Händen der Kinder ihr eigenes Ding. Dabei sein zu dürfen, ist ein Geschenk. Die meisten Kinder in meinem jetzigen Handarbeitskurs gehen auf staatliche Schulen und haben dort keinen Handarbeitsunterricht. Manche Kinder sagen mir, dass sie sich die ganze Woche auf die Zeit in der Werkstatt gefreut haben. Das sind Sätze, die beflügeln! Es gibt Kinder, die unglaublich sorgfältig jeden Arbeitsschritt absolvieren, und es gibt die schnell arbeitenden Kinder, die einfach fertigstellen wollen. Zwischen diesen beiden Arbeitsweisen zu vermitteln, jeden sein eigenes Tempo finden zu lassen und die eigene Arbeit wertzuschätzen, ist mitunter nicht leicht. Wenn die Kinder zu mir in die Werkstatt kommen, liegt meist schon ein langer Schultag hinter ihnen. Manchmal ist es eine große Herausforderung, allen Geschichten und Ideen ein Ohr zu schenken.

Was würdest du Menschen empfehlen, die Kreativ-Kurse mit Kindern veranstalten möchten? Hast du ein paar Tipps?

Wichtige Sicherheitsregeln regelmäßig kurz am Anfang der jeweiligen Stunde besprechen und von den Kindern wiederholen lassen, bis sie verinnerlicht sind. Gute natürliche Materialien halte ich für wichtig. Ist der Rohstoff hochwertig, begegnet man ihm und seinem eigenen Werk mit Respekt. Feines Material schafft wertvolle haptische Erfahrungen und Lust auf Verarbeitung. Man sollte für sich klären, wie frei die Kinder ein Projekt umsetzten können oder ob alle das Gleiche machen. Niemals darf die Arbeit der Kinder gewertet werden. Begeisterung zu zeigen und besondere Geduld, Anstrengung etc. anzuerkennen, sind ebenso wichtig. Für jüngere Kinder sind kleine Geschichten hilfreich, die als Einleitung oder während des ruhigen Arbeitens erzählt werden können. Kurze einfache Sätze. Häufige Wiederholungen.

Merci, liebe Evi, für deine Antworten und weiterhin viel Freude mit den Kindern in deinen Kursen!

Mehr zum Thema Puppennähen mit Kindern findet ihr hier.

(Disclaimer: Aufgrund der derzeitigen Rechtslage, die schon das bloße Nennen von Marken und Verlinken von Produkten, Marken, Menschen, Orten usw. als Werbung einstuft, kennzeichne ich diesen Beitrag als einen mit WERBLICHEN INHALTEN. Dennoch gilt: Wenn ich hier etwas oder jemanden benenne und als gut befinde, geschieht das als persönliche Empfehlung und im Rahmen meiner redaktionellen Themenauswahl. Alle hier gesetzten Links sind ein kostenloser Service von mir – unbezahlt und unaufgefordert. Alle hier genannten Produkte sind selbst gekauft. Bezahlte Kooperationen, sollte es sie jemals auf meinem Blog geben, würden immer ganz eindeutig als solche gekennzeichnet werden.)