23. April 2018

Bücher: „Die Puppe Mirabell“ von Astrid Lindgren und Pija Lindenbaum

Astrid Lindgren war eine, die sich mit Kindern auskannte. Wie keine andere wusste sie, was ihre Herzen froh und was sie traurig macht, wovor sie Angst haben, was ihre Sorgen sind, was sie hoffen und sich erträumen. All das schrieb sie mit in ihre Geschichten hinein und deshalb sind ihre Bücher heute Klassiker und werden von kleinen und großen Menschen auf der ganzen Welt gelesen und wertgeschätzt. Aus einem dieser Bücher, „Mehr von uns Kindern aus Bullerbü“, stammt auch der Satz „Ich glaube, Menschen werden glücklicher, wenn sie Puppen und Märchenbücher bekommen“. Astrid Lindgren glaubte fest an die Kraft der Puppen und an die Kraft der Fantasie. Darum geht es auch in ihrer Geschichte „Die Puppe Mirabell“, die 1949 zum ersten Mal in ihrem Heimatland in Schweden erschien und drei Jahre später in Deutschland im Verlag Oetinger, der bis heute ihre Bücher herausgibt.

Darin geht es um Britta-Kajsa, die sich nichts sehnlicher wünscht als eine Puppe. Ihre Eltern verkaufen Gemüse und Blumen auf dem Markt, das Geld reicht geradeso zum Leben. So bleibt die Puppe ein ferner, aber liebevoll gehegter Traum. Eines Tages bekommt sie von einem wunderlichen kleinen Mann ein winziges gelbes Samenkorn geschenkt. Sie solle dieses Körnchen in ihrem Garten in die Erde stecken und jeden Tag ordentlich begießen, dann würde sie etwas Lustiges erleben, sagt der Mann. Das tut sie und ist jeden Tag neugierig, was dort wohl wachsen könnte. Britta-Kajsa rechnet mit einem Rosenstrauch oder so etwas ähnlichem, aber ist etwas ganz anderes. Zuerst zeigt sich in dem kleinen Beet nur ein winziges Stück von etwas Rotem. Mit jedem Tag wird größer und größer, bis es sich als Hut einer Puppe herausstellt. Das Mädchen gießt weiter und es zeigt sich bald ein Kopf und schließlich eine ganze, wunderschöne Puppe. Britta-Kajsa ist überglücklich, die Eltern sind über die Maße verwundert. Denn das ist es tatsächlich, ein Wunder, dass in einem Beet eine Puppe wächst:

„Und da – genau in diesem Augenblick -, da schlug sie die Augen auf und guckte mich an. Sie hatte blaue Augen, genau wie ich es mir gedacht hatte. Ich hatte noch sie so eine wunderbare Puppe gesehen und konnte es nicht lassen, ich musste sie ein wenig streicheln.“

Es stellt sich heraus, dass es sich nicht um eine gewöhnliche, sondern um eine ganz besondere Puppe handelt, denn sie kann sprechen. Ihr Name ist Mirabell. Der kleine Wirbelwind erobert Britta-Kajsas Herz im Sturm. Die Puppe bekommt ein richtiges Bett aus Holz von Papa, Laken und Decke von Mama und von Britta-Kajsa schöne Kleider und selbstgebackene Waffeln. Niemand außer ihr weiß, dass Mirabell sprechen, lachen und essen kann wie ein echter Mensch, schon gar nicht ihre Eltern. Das ist ihr Geheimnis, das sie nur mit denjenigen Kindern teilt, die ihre Geschichte hören und die ganz genau wissen, dass Wünsche wahr werden, wenn man nur fest genug an sie glaubt.

Bemerkenswert sind auch die Illustrationen von Pija Lindenbaum, einer der beliebtesten Bilderbuch-Künstlerinnen Schwedens. Ihre Bilder sind wunderbar schnörkellos und eigensinnig, mit satten Farben und einem verrückten Huhn, das auf jeder Seite dabei ist.

Wie immer verlose ein Exemplar, dieses Mal keines, das mir der Verlag zur Verfügung gestellt hat, sondern eines, das ich extra für euch besorgt habe. Wenn ihr gewinnen möchtet, schreibt bis Mittwoch Nacht an hello@mariengold.net. Viel Glück!

Astrid Lindgren und Pija Lindenbaum: Die Puppe Mirabell, Oetinger, ISBN: 3789168386, 12,99 Euro.

(Die Gewinnerin des Buches ist Ann-Kathrin.)


24. Januar 2018

Bücher: „Jahreszeitentische“ von Cristina Cevales-Labonde

Ich habe ein Herz für das ganz kleine Format. Deshalb mag ich die Arbeiten von Cristina Cevales-Lobonde auch sehr gern. „Biegepüppchen selbst gemacht“ und „Zuhause bei den Puppen“ gehören zu meinen liebsten Büchern, wenn es ums Puppenmachen geht. Jetzt hat die Autorin ein neues Werk herausgebracht, 319 Seiten stark und prall gefüllt mit Ideen und Inspiration zum Jahreszeitentisch, ein Meisterstück und wahrer Schatz für Menschen, die die Natur lieben und einen besonderen Ort zum Erleben des Jahreslaufs erschaffen möchten.

Vor über zehn Jahren, bevor ich mich voll und ganz auf das Puppenmachen konzentriert und mein Label Mariengold gegründet habe, veranstaltete ich in unserem damaligen Waldorfkindergarten gelegentlich Bastelabende, an denen wir schöne, kleine Dinge für den Jahreszeitentisch anfertigten. Am liebsten waren mir die Wurzelkinder, ich erinnere mich aber auch an Osterhäschen, Pfingsttauben und Blumenkränze. Diese Abende und natürlich die Gestaltung unseres Jahreszeitentisches zu Hause waren stets eine große Freude, so dass immer auch die Idee für einen zwölfmonatigen Bastelkurs entlang des Jahreskreises mitschwang. Aber ich stand schon in den Startlöchern für meine Selbständigkeit, weshalb es nie dazu kam. Umso mehr hüpfte mein Herz vor Freude, als ich vor ein paar Wochen das lange erwartete neue Buch von Cristina Cevales-Labonde vom Verlag Freies Geistesleben erhielt. Das war genau das Buch, das wir Bastelkreisfrauen uns damals gewünscht hatten – und ganz sicher wird es heute und auch in Zukunft von natur- und mit der Waldorfpädagogik verbundenen Familien sehr geschätzt werden.

Jahreszeitentische, so auch der Titel des Buches, sind ein beliebtes Mittel, mit Kindern den Jahreslauf zu erleben. In der Familie, im Kindergarten und in der Schule können sie hier ganz in die verschiedenen Stimmungen der Monate und der Jahresfeste eintauchen; was sie draußen in der Natur wahrnehmen, wird auf dem Jahreszeitentisch noch einmal liebevoll und künstlerisch nachgestaltet.

Cristina Ceveles-Labonde, geboren in Italien, aufgewachsen in Venedig und seit vielen Jahren als Kindergärtnerin in einem Waldorfkindergarten in Süddeutschland tätig, zeigt hierfür die ganze Vielfalt der kreativen Möglichkeiten auf und bietet eine Fülle von Anregungen zum Erleben des Jahreslaufs: die Vorbereitung des Tisches; die Hintergrundgestaltung; die Erzeugung von Stimmungen durch Farbe, Textur und Form; die Herstellung von Blumenkindern, die an monatstypischen Pflanzen angelehnt sind; Figuren, die die jeweilige Festeszeit repräsentieren; geeignete Naturmaterialien wie passende Edelsteine und Mineralien. Kinder lieben diesen Ort, an dem sie Jahreszeitenfiguren, Blumenkinder, Naturschätze und viele mehr bestaunen können.

In der aktuellen Ausgabe von a tempo, dem Lebensmagazin der Verlage Freies Geistesleben und Urachhaus, erzählt Cristina Cevales-Labonde von den vier Säulen ihres Lebens. Eine davon ist die Natur: „Die Natur ist für mich eine sanfte, aber beständige Säule. Sie trägt mich wie eine erfüllte Liebe ohne Worte. Das tiefe Gefühl von Geborgenheit, die Klänge und Nuancen durch die Jahreszeiten hindurch wirken wie eine stille Übereinstimmung zwischen ihr und mir. Den Austausch und den Umgang mit der Natur empfinde ich daher als etwas sehr Kostbares, und ich fühle mich in ihr von unsichtbaren Kräften geborgen und nie einsam. Auch in meiner Arbeit mit Kindern bestätigt sich dies. Ich erlebe dabei oft die heilende Wirkung von Naturerlebnissen und merke, wie wichtig es ist, auf Kleinigkeiten zu achten und das Schöne und das Gemüthafte zu pflegen.“

Von diesem Geist ist auch dieses Buch getragen, das wie seine Vorgänger  liebevoll und wunderschön gestaltet ist, wie immer mit ausführlichen Anleitungen, gehaltvollen Texten, einem klaren und frischen Layout sowie zahlreichen Fotos und Illustrationen. Das Beste aber sind natürlich die Projekte und Bastelideen, übersichtlich nach Jahreszeiten und Monaten sortiert. Da finden sich liebgewonnene Klassiker wie Wurzelkinder, Feen und Elfen, Hottinger-Zwerge und Blumenkinder, aber auch neue Ideen wie ein Osterbaum, Singvögel, ein Heuwagen, ein Drache, Gemüsekinder, ein Einhorn und vieles mehr.

Auch wenn es bei uns zu Hause schon länger keinen Jahreszeitentisch mehr gibt, so bleibt die Herzensverbindung zu diesem besonderen Ort in unserem Familienleben, der unsere Wahrnehmung verfeinert und einen liebevollen Blick auf die Natur und das Leben inspiriert hat. Dieses Buch wird für mich immer daran erinnern.

Cristina Cevales-Labonde: Jahreszeitentische, Verlag Freies Geistesleben, ISBN: 3772528295, 29 Euro.


20. Dezember 2017

Monikas Puppen (Have yourself a merry little Christmas)

Puppen und Weihnachten gehören schon immer zusammen. Dieses Fest der Liebe ist wie gemacht für besondere Geschenke, die zeigen, was uns wirklich wichtig ist. Solche Geschenke müssen überhaupt nicht groß oder viele an der Zahl sein. Vielmehr geht es darum, präsent zu sein und von Herzen zu geben. Eine selbstgemachte oder sorgsam ausgewählte und gekaufte Puppe steht für viele Schenkende genau dafür, was sie den Kindern am meisten wünschen: Liebe und Verbundenheit unter den Menschen. Denn Weihnachten, das heißt auch, zu spüren, dass in der allerdunkelsten Zeit immer irgendwann die Hoffnung und das Licht geboren wird.

Davon erzählt auch das kleine Tagebüchlein „Monikas Puppen“, das mir Claudia, Monikas Tochter und eine liebe Leserin, zur Verfügung gestellt hat. Darin erzählt Monika, 14 Jahre alt, auf eindrückliche und bewegende Weise von Weihnachten im Krieg und wie es ihr gelang, in dieser harten Zeit ihren kleinen Geschwistern eine Freude zu machen.

Mit den folgenden beiden Auszügen aus dem Buch möchte ich mich auch von Herzen für ein wunderbares Blog-Jahr voller Puppennähliebe bedanken, ganz besonders bei Claudia, die mir erlaubt hat, Monikas Geschichte hier zu teilen. Das ist mein, das ist unser Weihnachtsgeschenk für euch. Genießt das Lesen und freut euch an dem Frieden, in dem wir leben dürfen.

Kriegsweihnachten 1944

In keinem Geschäft ist ein Geschenk, nicht ein einziges Stück Spielzeug aufzutreiben. Was aber ist ein Weihnachten ohne „Schenken und beschenkt werden“? Wir Erwachsene können uns ja mit dieser Notlage abfinden, aber die Kleinsten, die vielleicht noch nie ein eigenes Püppchen, ein eigenes Pferdchen besessen haben und sich das ganze Jahr auf das Weihnachtsfest gefreut haben, sollen diese nun enttäuscht werden? Ich habe noch vier jüngere Geschwister, drei Mädel, ein Junge. Und auch bei uns war acht Tage vor Weihnachten noch kein einziges Geschenk vorhanden. Die Mutti krank, der Vati beruflich zu sehr in Anspruch genommen, sich um etwas zu kümmern. Hätten wir doch wenigstens für unser Nesthäkchen eine kleine Puppe. „Mach selbst eine“, damit gab mir Vati eine Anregung, aber nichts weiter.

Diese kleinen Karlinchen mit den gestickten Gesichtern finde ich abscheulich. Nach vielem Probieren entstand schließlich ein Püppchen ohne Stickerei und ohne Naht im Gesicht mit lustigen großen Kugelaugen. Obwohl die Anfertigung nicht allzu leicht war und auch viel Zeit erforderte, machte es mir doch sehr viel Freude. Ich fertigte 1944 für meine Geschwister vier Puppen an. Weihnachten 1945 hätte ich hundert und noch mehr arbeiten können, aber es fehlte am Material und vor allem an der Zeit. In achtwöchiger, ununterbrochener Tag- und Nachtarbeit entstanden ungefähr 60 bis 70 Puppen. Ich habe dann noch ein junges Mädel eingestellt, auch unser Lehrmädel macht oft mit Überstunden bis Mitternacht und noch länger, sonst hätte ich es nicht geschafft. Für meine Geschwister entstanden die Weihnachtspuppen noch in der Christnacht.

Während der Feiertage habe ich nur geschlafen und – gegessen.

Puppe Peterle

Diese Puppe ist für größere Kinder gedacht. Sie ist etwa 32 cm hoch.

1. Für den Kopf forme ich zuerst aus zwei bis drei großen Zeitungsbogen eine Kugel, diese überziehe ich mit dünnem Stoff (alte seidene Strümpfe, Wäschestoff oder ähnliches).

2. Nun nähe ich Wattebäuschen als Kinn und Bäckchen an, einen Wattestreifen für die Stirn. Für das Näschen überziehe ich eine Perle oder einen kleinen Knopf mit Watte und nähe auch diesen an.

3. Über das ganze ziehe ich nun nochmals eine dünne Watteschicht, damit die Konturen nicht zu scharf heraustreten. Zuletzt überziehe ich das Köpfchen mit fleischfarbigem Charmeuse.

4. Für die Augen habe ich mir kleine weiße Knöpfchen mit braunem Rand besorgt, die ich mit Fahrradlack bemalte. Später erhielt ich diese Art Knöpfe nicht mehr und musste mir mit glattweißen Knöpfen helfen. Wangen, Mund und Augenbrauen habe ich mit Temperafarben aufgemalt.

5. Für die Haare habe ich mir Flachs besorgt. Davon lassen sich gut Zöpfe flechten.

6. Am Körper führe ich zuerst die Abnäher aus, dann nähe ich die beiden Teile zusammen. Zum Stopfen verwenden ich Kapok. Zum Schluss muss ich den oberen Halsrand einhalten. Arme und Beine werden ebenfalls gefüllt und ausmodelliert, damit die Formen gut herauskommen.

7. Die Beine werden kurz über den Abnähern, die Arme direkt am Abnäher mit festem Garn in etwas schräger Lage fest angenäht, damit sie beweglich werden. Zum Schluss den Kopf, in vorderer Mitte beginnend, zweimal ringsum fest annähen.