17. Juli 2017

Eine Blumenwiese aus Händen

Es ist mittlerweile eine lieb gewonnene Tradition, das erste Halbjahr mit den Puppen mit einem Sommertreffen von 8Hände abzurunden. 8Hände, das ist unser Berliner Puppenmacherinnenkollektiv und wir, das sind Anita von Lilla Kirrivi, Julia von Von Kowalke, Laura von 1000 Rehe und ich. Seit 2013 treffen wir uns regelmäßig zum Austausch und Werkeln in Berlin und der Oberlausitz und erforschen, erleben und gestalten unsere ganz persönliche Welt der Puppenmacherei.

Als ich vor einigen Wochen im Radio eine Rezension zu dem Buch „Kunst und Rivalität“ von Sebastian Schmee gehört habe, in dem es um vier enge Künstlerfreundschaften geht, musste ich auflauschen. Das Thema sprach mich an, also machte ich lauter, und schon nach wenigen Sätzen wanderten meine Gedanken zu 8Hände und der Frage, wie das eigentlich bei uns ist. Klar, wir sind Freundinnen (kannten uns teilweise schon vor den Puppen) und Kolleginnen. Aber auch Konkurrentinnen, Rivalinnen?

Wir sind es natürlicherweise, denn wir stellen alle Stoffpuppen her, haben ähnliche Zielgruppen im Kopf und bewegen uns auf demselben Markt. Dabei nicht von einer klassischen Wettbewerbssituation zu sprechen, wäre nur die halbe Wahrheit. Aber ich bin zutiefst davon überzeugt, dass das Konzept des Vergleichens, Wetteiferns und Kämpfens nicht dient, wenn wir liebevolle Beziehungen führen und ein selbstbestimmtes Leben leben möchten. Vielmehr glaube ich an die Idee des Netzwerks, in dem alle Menschen mit ihren Stärken und Fähigkeiten gleichberechtigt sind, in dem jeder etwas einbringt und jeder etwas nimmt und so ein lebendiger, reichhaltiger Austausch entsteht. In so einem Netzwerk gibt es keine Hierarchie, sondern jeder befindet sich auf seinem ganz eigenen Weg und bringt seine einzigartige Begabung in die Welt. Auf diese Weise tragen alle zur Schönheit und zum Reichtum des Ganzen bei, so wie jede einzelne Blume und jeder einzelne Grashalm auf einer blühenden Sommerwiese.

Aber es gibt sie bei mir, diese Momente mit 8Hände, nicht oft, aber manchmal schon, wenn es im Herzen zwickt und Neid aufkommt. Beschämend und doof ist das natürlich, zumal vor den Freundinnen, und doch ist da etwas, das beharrlich auf sich aufmerksam macht und gesehen werden möchte, eine Chance, wenn man so will. Denn meiner Erfahrung nach ist Neid ein deutlicher Ausdruck dafür, dass wir bestimmte Dinge in unserem Leben weiterentwickeln möchten. So unangenehm dieses Gefühl ist, es ist auch wertvoll, denn es zeigt uns den Weg, den wir gehen wollen. Meist sind das unbewusste Anteile unseres Selbst, die tief in uns verborgen liegen und darauf warten, entdeckt und gelebt zu werden. Diese Sehnsucht macht sich manchmal in Form von Neid bemerkbar. Dann spüren wir, dass uns etwas Wichtiges und Bedeutsames in unserem Leben fehlt. Aus dieser Perspektive betrachtet, kann Neid auch etwas Positives sein, nämlich ein Wegweiser, der uns zeigt, wo wir unser Potenzial noch nicht voll entfaltet haben und wo die nächsten Schritte unserer Entwicklung liegen. Denn – ganz wichtig – wir können nur neiden, was wir selbst für möglich halten zu haben, zu können oder zu sein. Dieses in der Regel unerwünschte Gefühl kann also auch als Einladung genommen werden, genau hinzuschauen, was das Herz zum Zwicken bringt, und diese Qualität im eigenen Leben zu verwirklichen.

Dass ich diese Gedanken mit unserem letzten Treffen verbinde, ist natürlich kein Zufall. Anita war wieder in der Stadt und wir haben endlich geschafft, was wir uns seit über einem Jahr vorgenommen hatten, nämlich Julia in ihrem Atelier in Karlshorst zu besuchen, für mich war es bereits das zweite Mal. Julia hat sich da einen herrlichen Ort für ihre Puppenmacherei geschaffen mit einem großen Tisch zum Werkeln und für Kurse, zwei Schaufenstern, die sie wunderschön dekoriert, einer kleinen Teeküche und einer ruhigen Ecke zum Rattern mit der Nähmaschine. Kurz: Raum, wie ich ihn mir selbst seit Jahren erträume. Ich freue mich wirklich von ganzem Herzen für Julia, natürlich auch über die Aussicht, jetzt öfter dort mit ihr zu sein, die Hände tanzen zu lassen, Tee zu trinken und zu plaudern. Aber es rührt mich noch auf eine andere Weise an, die viel tiefer geht und Licht auf einen Wunsch wirft, den ich lange im Dunkeln gehalten habe. Meinem Wunsch nach einem Arbeitsplatz außerhalb meiner Wohnung, nach Größe und Weite, nach ganz viel Raum für Ideen, Kreativität und Miteinander, auch nach Sichtbar-Sein in der Welt. Da geht es also lang, das ist meine große Sehnsucht und gleichzeitig meine große Angst. Diesen Wunsch einmal klar und liebevoll wahrzunehmen und auch anzunehmen, tut gut, dafür bin ich dankbar und das macht aus dem zwickenden Herzen wieder ein offenes Herz, das mit seiner unendlichen wundervollen wilden Weisheit verlässlich führt, wenn man es nur lässt.

Wir hatten einen tollen Vormittag zusammen, haben wir immer geredet und geschmaust, ein bisschen gewerkelt und viel gelacht, Puppen gestreichelt und Entwürfe bestaunt, uns ausgetauscht und Pläne geschmiedet. So eine Gemeinschaft über die Jahre zu pflegen, ein Herzensding zu teilen und einander über einen längeren Zeitraum zu begleiten und zu erleben, ist etwas ganz Besonderes. Jedes Mal, wenn wir zusammensitzen, läuft mir das Herz vor Freude über und ich bin unheimlich glücklich über die Kontinuität unserer Verabredungen, auch wenn es manchmal gar nicht so leicht ist, die Gruppe zusammenzuhalten. Das Beste an einem Netzwerk ist, dass es sich unendlich ausdehnen kann und es immer besser wird, je mehr Menschen dabei sind. Und auch wenn wir bei unseren Treffen immer nur vier Frauen sind, spüre ich jedes Mal, dass wir in Wirklichkeit nicht nur acht Hände sind, sondern viel, viel mehr, mindestens doppelt so viele, wie es Puppennähverliebte auf dieser Welt gibt.

Mehr von 8Hände findet ihr hier.

© Bilder 1000 Rehe und Lilla Kirrivi


23. Januar 2017

Sechs Hände und vier Pfötchen

Anfang Januar war Anita wieder in der Stadt. Zeit für 8Hände, sich endlich einmal wiederzusehen und das neue Puppenjahr gemeinsam einzuläuten. Julia konnte leider nicht dabei sein, dafür hat uns der Nachbarshund Gesellschaft geleistet und den Wohlfühlfaktor noch einmal mindestens verdreifacht.

8Hände, das ist unser Puppenkünstlerinnenkollektiv, bestehend aus Laura von 1000 Rehe, Anita von Lilla Kirrivi, Julia von Von Kowalke und mir, Maria von Mariengold. Seit 2013 treffen wir uns regelmäßig in Berlin und einem kleinen Dorf in der Oberlausitz, Anitas neuem Zuhause, um gemeinsam zu werkeln und unsere ganz persönliche Welt der Puppenmacherei miteinander zu erforschen, zu erleben und zu gestalten. Bisherige Sternstunden waren eine Reise zum Puppen-Festival in Neustadt/Coburg, ein Tag mit Kartoffeldruck in Julias Garten  und natürlich unser Wochenende unter Puppenmacherinnen im letzten Sommer. Unvergessen sind aber auch die vielen Frühstücke, bei denen wir einfach nur geschlemmt, gelacht und geplaudert haben, das Werkeln nebenbei lief oder wir auch mal gar nicht dazugekommen sind, weil wir immer weiter geredet haben.

So war es dieses Mal nicht. Stopfen und Buchhaltung standen auf dem Programm (nach einem ausgiebigen Frühstück natürlich). Das Thema Stopfen ist ja ein Dauerbrenner. Möglichst fest soll es sein und ohne Dellen. Drei Puppenmacherinnen haben dafür drei verschiedene Techniken. Eine neue haben wir gemeinsam ausprobiert, die Rolling Wool Technique, die Fig & Me hier vorführt. Mit der klassischen Musik in dem Video und dem schnarchenden Hund unter dem Tisch wurde es auf einmal ganz gemütlich und so stopften wir vor uns hin, teilten unsere Gedanken zum Thema, schweiften natürlich auch immer wieder ab und gingen dann langsam über zu den harten Fakten, zu Zahlen und Rechnungen, Einnahmen und Gewinn, Steuern und Rücklagen und so weiter. Auch das gehört zur Puppenmacherei und kann einem schon einmal Fragezeichen und Sorgenfalten ins Gesicht zeichnen. Umso besser, wenn Wissen und Erfahrungen geteilt werden können. Dann wird es leichter und man kann sich bald wieder mit Herz und Hand dem Eigentlichen zuwenden.

Ich habe es hier schon oft geschrieben und werde nicht müde, es immer wieder zu tun: So eine Gruppe von Gleichgesinnten ist goldwert. Es macht unheimlich viel Freude, eine Leidenschaft zu teilen und ein Stück des Weges gemeinsam zu gehen, mit allen Höhen und Tiefen, Veränderungen und Herausforderungen, die das Leben so mit sich bringt. Bei uns sind es jetzt gute vier Jahre, die wir zusammen sind. Es waren im wahrsten Sinne des Wortes gute Jahre, Jahre voller Puppen/macherei, Goldkonfetti und einem Wir, das stark macht und glücklich, weniger allein und immer wieder Vorfreude weckt, die anderen zu entdecken, jedes Mal neu und anders, und das Ich im Wir zu spüren.

Die Bilder in s/w sind übrigens von Anita. Mehr davon findet ihr hier, mehr von 8Hände hier.


11. Juli 2016

Romantische Zuversicht (ein Wochenende unter Puppenmacherinnen)

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Was haben wir uns gefreut auf unser lang geplantes Wochenende auf dem Land, auf ganz viel Zeit miteinander und für das Handwerk unserer Herzen, die Puppenmacherei. Anfang Juli besuchten Julia von von Kowalke, Laura von 1000 Rehe und ich die Vierte in unserem Bunde, Anita von Lilla Kirrivi, in ihrem neuen Zuhause. Zusammen sind wir 8Hände, ein Puppenmacherinnenkollektiv aus Berlin, das sich seit 2013 regelmäßig zum Austausch und Werkeln trifft.

Seit Anitas Umzug vor einem Jahr war es ruhig geworden um unsere Gruppe. Auf einmal fehlten zwei Hände. Gleichzeitig entstand eine neue Idee für unser Miteinander, eine jährliche, kreative Auszeit auf dem Land, in der wir uns nur den Puppen widmen würden – was für herrliche Aussichten!

Herzklopfen auf dem Weg in die Oberlausitz. Einmal sprach Laura hinterm Steuer von „romantischer Zuversicht“, in welchem Kontext, weiß ich nicht mehr, aber ich liebe ihre Wortkreationen und nahm diese als Überschrift mit in unser Wochenende.

Wir hatten eine wunderbare Zeit miteinander: Wiedersehensfreude im Garten mit frischen Blumen und zweierlei Kuchen, großes Hallo unter den mitgereisten Puppen, ein Haus voller Geschichte und Geschichten in einem Ort, an dem die Zeit stillzustehen scheint, Schatzsuche auf dem Dachboden, ein tschetschenischer Abend mit fantastischen Manti und Frauen aus der Gegend und von viel weiter her, Ferienlagerstimmung zur Nacht, Schlafen in Lieblingsbettwäsche aus altem Leinen, Kirschenernte, eine kleine Herde Schafe hinterm Haus, Anitas Gastfreundschaft und immer wieder köstliche Speisen und Labsal für Bauch und Seele, Abendbrot bei Kerzenschein, Weißweingespräche, Kätzchen-Talk und Vorfreude mit Linda, Flohmarktbesuch in Oppach, vertraute Landschaften (meine alte Heimat), Kopflüften bei Nieselregen, mitternächtliches Mitfiebern beim Elfmeterschießen und natürlich großes Puppennähglück und viel Plaudern und Lachen, leuchtenden Augen und frohen Herzen.

Bald sind es 10 Jahre für mich mit den Puppen und Mariengold. Laura kenne sogar noch länger, Julia und Anita auch schon einige Jahre. Uns hat immer mehr als die Puppen verbunden, aber es sind vor allem sie, die 8Hände zusammenhalten. Sie sind für uns der schönste Grund, uns zu begleiten, auszutauschen und miteinander zu sein.

In den letzten Jahren haben wir vier verschiedenste Erfahrungen gesammelt, gute, aufregende, doofe, traurige, erstaunliche, ermutigende, beglückende, bedrückende. Wenn ich an 8Hände denke, rührt es mich jedes Mal sehr, mitzuerleben, wie jede ihr Bestes gibt, sich mit ihrem Wirken als Puppenmacherin im Leben einzurichten. Jede von uns geht ihren ganz eigenen Weg. Spannend und schön, das mitzuverfolgen und selbst ein kleiner Teil davon sein zu dürfen. Dafür bin ich sehr dankbar. Zuweilen machen wir uns den Rücken krumm für Familie, Alltag und Arbeit und stöhnen und motzen in der Rush-Hour des Lebens unter den Anforderungen und Ansprüchen, die wir selbst an uns richten. Wunsch und Wirklichkeit liegen manchmal weit auseinander, manchmal auch nicht. Ein paar Illusionen über das Leben als Puppenmacherinnen haben wir alle bereits losgelassen. Unsanfte Landungen auf dem Hosenboden und Tränen gab es auch schon (zumindest bei mir). Grübeln über die Zukunft, finanzielle Unsicherheit, ein bisschen Bammel vor dem Alter sowieso. Und doch sind wir von ganzem Herzen dabei. Weil wir Puppen lieben und mit Puppenmacherei leben möchten. Trotz allem. Das war für mich an unserem Wochenende die romantische Zuversicht, mit der Laura die gemeinsame Zeit eröffnete. Und diesen Gedanken nehme ich mit.

Zusammen geht vieles leichter. Freude wird vervielfacht, Sorgen werden geteilt. So einfach ist das. 8Hände möchte ich nicht missen. Sommerliche Stippvisiten auf dem Land mit Puppen/macherei von jetzt an auch nicht mehr.

Mehr von 8Hände findet ihr hier.


17. Februar 2016

Wochenmitte unter Stuckgold und Kronleuchtern

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Seit Anitas Umzug aufs Land sind unsere 8Hände-Treffen leider ein seltenes Vergnügen geworden. Dafür klappt es jetzt umso spontaner, wenn sie zu Besuch in der Stadt ist. Dann lassen auch die übrigen Berlinerinnen Nadel und Faden, Clownsnase und Ukulele, Malerhut und Farbrolle fallen, um sich auf ein Frühstück unter Freundinnen und Puppenmacherinnen zu treffen.

Dieses Mal ging es ins P103 Mischkonzern in der Potsdamer Straße in Schöneberg, keine Ecke, die für ihre Schönheit bekannt ist. Dafür hat uns das Café mit seinen imposanten Decken und Gemälden, den riesigen Vitrinen und antiken Möbeln und einem alten Flügel mitten im Raum umso besser gefallen. Ich bin jedes Mal von dem kunstvollen Ambiente beeindruckt und nehme mir vor, mal am Abend zu kommen, denn dann soll die Küche ausgezeichnet sein. Dazu gibt es regelmäßig kulturelle Veranstaltungen.

Etwas Ähnliches haben wir nach ausgiebigem Schmaus und Plausch später auch mit unseren Puppen abgehalten. Ich würde ja unsere Runde nur allzu gern einmal von außen betrachten. Wer sind diese vier Frauen? Was fotografieren sie die ganze Zeit? Und was hat es mit den Puppen auf sich?

Das große Puppen-Hallo ist jedes Mal das Highlight unserer Treffen. Meist kennen wir die Puppen der anderen nur aus dem Internet und stellen immer wieder begeistert fest, dass diese in natura noch viel schöner sind und sich ganz wunderbar anfühlen. Und es ist auch viel besser, sich bei Kaffee und Croissants auszutauschen als nur per E-Mail und am Telefon. Gemeinsam lachen, Erfahrungen teilen, Rat holen, auch mal meckern und maulen, trösten, Pläne schmieden – ich genieße jede Minute.

Wir freuen uns riesig auf den Sommer, wenn wir Anita in ihrem neuen Nest besuchen, gemeinsam werkeln und endlich mal ganz viel Zeit miteinander haben werden. Und wir zählen die Tage bis zu unserem nächsten Treffen, dann in Julias nigelnagelneuem Atelier in Karlshorst (Stichwort Malerhut und Farbrolle)!

P103 Mischkonzern, Potsdamer Straße 103, 10785 Berlin.

Mehr von 8Hände findet ihr hier.


5. Oktober 2015

Frühstück in Schwarz-Weiß

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So spontan wie dieses Mal haben wir noch nie ein Treffen zustande gebracht. Aber es war auch ein ganz besonderer Montag. Denn Anita war in Berlin.

Im Sommer hat sie sich einen Traum erfüllt und ist mit ihrer Familie auf einen alten Bauernhof aufs Land gezogen. 8Hände sind jetzt also nicht mehr nur in der Großstadt zu Hause, sondern haben auch einen Rückzugsort in der Natur. Natürlich malen wir uns schon jetzt ein gemeinsames Wochenende dort in den schönsten Farben aus! Aber bis es soweit ist, vergehen noch Herbst, Winter und Frühling und so lange treffen wir uns weiterhin in Berlin.

Dieses Mal waren wir in einem kleinen, feinen Café in Mitte, ganz in der Nähe des Fernsehturms, das Julia und ich zwei Wochen vorher entdeckt und für gut befunden hatten. Dort gibt es das beste Birchermüsli der Stadt und herrlichen Kaffee, von dem man gern noch eine weitere Tasse bestellt. Weil die Sonne es an diesem Montagmorgen so gut mit uns meinte (viel zu gut für unsere Wollpullover), war unser zweiter Gang aber eine erfrischende Rhabarberschorle.

Dazu gab es eine Puppenschau von Von Kowalke und Mariengold, wie immer der schönste Teil unserer Zusammenkünfte. Laura ist zur Zeit mehr als Friedel denn als Puppenmacherin unterwegs und Anita kommt erst einmal in aller Ruhe im neuen Nest an, so dass es von 1000 Rehe und Lilla Kirrivi gerade nichts Neues gibt. Macht aber nichts. Denn wir haben uns so oder so immer viel zu erzählen. Von Puppen und Kursen, Kundschaft und Kindern, Plänen und Wartezeiten, Momenten der Freude und Phasen des Zweifelns.

Wir vier zusammen, das ist ein großes Glück. Bevor wir 8Hände vor einem Jahr offiziell gründeten, hatte ich bereits ein ausführliches Konzept für ein solches Puppenkünstlerinnenkollektiv in der Schublade. Damals sprachen wir viel über die Ziele und Möglichkeiten unseres Vorhabens. Vier Frauen, viele verschiedene Ansichten, Wünsche und Hoffnungen. Und das Leben, in dem es immer wieder anders kommt als geplant.

Obwohl ich damals wahrscheinlich am beharrlichsten dran blieb an unserer Idee (und ich hatte wirklich große Pläne!), bin ich heute froh, dass wir nichts überstürzt und uns viel Zeit genommen haben, um als Gruppe zusammenzuwachsen und zu werden, was wirklich zu uns passt.

Heute sind 8Hände für mich vor allem inspirierend und eine riesengroße Freude. Es ist unser geschützter Raum, in dem wir ganz für uns und die Puppenmacherei sein, offen sprechen und uns gegenseitig in unseren kreativen Bemühungen unterstützen und ermutigen können. Wir frühstücken und lachen, reden und werkeln miteinander. That’s it. Nicht mehr und nicht weniger. Wohin die Reise mit den Puppen geht, was die Zukunft bringt – wir können es nicht sagen, aber wir haben uns und wir teilen einen Schatz. Und der ist so viel größer als meine Schublade. Danke euch dafür, ihr wunderbaren Frauen, Freundinnen und Puppenmacherinnen!

Die Schwarz-Weiß-Fotos sind übrigens von Anita. Sie selbst ist unheimlich scheu und kaum vor die Linse zu bekommen, aber sie macht sehr, sehr schöne Bilder. Mit Lilla Kirrivi ist sie jetzt auch bei Instagram. Unbedingt vorbeischauen!

Café Oliv, Münzstraße 8, 10178 Berlin

Mehr über 8Hände findet ihr hier.


14. Juli 2015

Frühstücksglück auf vier Pfoten

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Wenn ich erschöpft bin – und das bin ich wirklich jetzt so kurz vor meiner langen Auszeit im August -, träume ich gern meinen liebsten Tagtraum. Dann bin ich eine Katze und tue den lieben langen Tag nichts als schlafen, schnurren und genießen. Einziges Ziel: absolute Tiefenentspannung. Bei der Beschwörung dieses jahrelang trainierten Bildes finde ich immer irgendwo tief in mir drin ein sonniges Plätzchen, an dem ich herrlich durchatmen und neue Kraft tanken kann. In dieser wohligen Katzenstimmung fuhr ich letzten Mittwoch raus an den Weißen See zu Anita, wo sich 8Hände zum letzten Mal vor der Sommerpause zum Frühstück trafen.

Genau genomen waren wir dieses Mal nur sechs Hände, denn Julia war leider kurzfristig verhindert. Dafür leistete uns in Anitas verwunschenem Garten ein Kätzchen Gesellschaft (so stark war mein Bild!) und strich uns vergnügt um die Beine, während wir Kaffee, frisches Obst aus eigener Ernte und das köstliche, selbstgebackene Fladenbrot unserer Gastgeberin genossen.

Laura war an diesem Morgen gerade erst aus dem Nachtzug gestiegen. Sie hatte direkt im Anschluss an unseren FKK bei 40° einen Puppennähkurs in der Schweiz gegeben. Aber von Müdigkeit keine Spur: glücklich und frisch sah sie aus und war unendlich dankbar für die heiß ersehnte, wohlige Abkühlung in Berlin.

Da saßen wir zu dritt, ließen uns das Frühstück schmecken und die Gedanken schweifen und fanden uns irgendwann in einem sehr, sehr interessanten Gespräch über unsere Arbeit wieder. Klar, wir sprechen ganz viel über die Puppenmacherei, deshalb treffen wir uns ja so gern. Aber dieses Mal war es noch mal anders.

Vielleicht war es der üppige Garten, der uns in ein sattes Grün hüllte, oder der weite blaue Himmel über uns oder der lange Sommer vor uns: es entfaltete sich ein wunderbarer Austausch über unsere grundlegenden Anliegen mit der Puppenmacherei, in dem sich unsere ganze Vielfalt, aber auch unsere mittlerweile tiefe Verbundenheit spiegelte. Ich erfuhr einiges Neues über meine puppenmachenden Freundinnen und war unendlich dankbar für die offenen Worte und den Perspektivenwechsel, den dieses Gespräch ermöglichte. Was für eine Bereicherung!

Das ermutigte mich auch, Laura und Anita den halbfertigen Prototypen der neu geplanten Mariengold Puppe zu zeigen und ihnen ein bisschen von meinen Ideen zu erzählen. Es war das allererste Mal, dass ich mit diesem jungen Konzept nach außen ging. Eine heikle Sache, wo ich doch noch mitten im Prozess bin.

Seit Monate brüte ich schon vor mich hin, mal mehr und mal weniger, aber eigentlich komme ich gerade nicht wirklich weiter. Da tat es unheimlich gut, mal mit jemandem über mein Projekt zu sprechen. Herrlich! In der Unterhaltung mit den beiden habe ich sogar ein neues Wort gefunden, das mein Vorhaben ganz vortrefflich beschreibt. Und für die verbleibenden drei Wochen bis zu meiner Sommerauszeit habe ich jetzt ganz fest Zeit für die nächsten Schritte eingeplant inklusive weiteren Austausch mit 8Hände. Zusammen geht es leichter. Vielen Dank, ihr Lieben!

(Damit keine falsche Vorstellung entsteht: Es wird nicht Knall auf Fall eine neue Mariengold Puppe geben. Dieser Weg ist ein ganz sanfter. Und ich weiß momentan überhaupt nicht, wohin er mich führen wird. Aber das fühlt sich ganz gut an.)

In Katzenstimmung geht es jetzt in den Endspurt vor dem wohlverdienten Urlaub. Bis dahin freue ich mich auf einen Tag mit Julia in Karlshorst (morgen!), drei Wochen völlig freie Puppengestaltung ohne Aufträge (und auch ohne Kind zu Hause), Blaumachen an meinem Geburtstag, das nächste Online-Date der PuppenMITmacherei, Streifzüge zu Siebenblau und Frau Tulpe, einen Videokurs zum Thema Moodboard von Eclectic Trends und alles, was der Sommer in Berlin für Mariengold und mich bereithält. Miau!

Mehr über 8Hände findet ihr hier.


8. Juni 2015

Sommererwachen mit Verwertungsgedanken

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Letzte Woche saßen 8Hände zum allerersten Mal gemeinsam auf einer Wiese. Und zwar auf der am legendären Spielplatz am Teuteburger Platz im Prenzlauer Berg, wo wir vier vorher auch noch nie ohne unsere Kinder waren (vier von sieben werden dieses Jahr schon elf!). Ein Picknick war es nicht, sondern eher ein spontanes Sonnenbad nach dem Frühstücksgenuss im Lass uns Freunde bleiben, einem angenehm unaufgeregtem Café im Kiez, perfekt für eine kurze Stippvisite am Morgen.

Unser Tag begann ganz wunderbar mit einem Wiedersehen in Sommerkleidern, Sonne satt und ausgiebigem Puppen-Hallo bei Croissants und frisch gepresstem Orangensaft. Schöner kann ich mir den Freitag nach einer langen Woche, in der ich kaum zum Durchatmen gekommen bin, nicht vorstellen!

Charlie Bo war natürlich auch mit von der Partie. Dieses Mal als Booklets, die Laura und ich stolz und glücklich Anita und Julia überreichten, die monatelang mit uns mitgefiebert und unser Filzkopfpuppenprojekt unermüdlich angefeuert haben. „Wie schön, dass wir 8Hände sind.“, schrieb ich Anita in ihr Heft. Dieser Satz kam von Herzen. Denn tatsächlich ist unser kleines Puppenkünstlerinnenkollektiv mittlerweile ein ganz großartiger Motivator, Kraftgeber und Freudenquell für unsere Puppenmacherei.

Es sind ja schon einige Jahren, die wir gemeinsam unterwegs sind. Laura und ich kennen uns seit zehn Jahren. Mit Julia bin ich bald ebenso lange befreundet. Und auch Anitas Puppen sind mir seit langer Zeit vertraut. Herrlich, zu erleben, wie jede ihr Label entwickelt. Spannend, zu verfolgen, wie Neues entsteht, wie die Puppen sich verändern und in ihrer Essenz doch gleich und unverwechselbar bleiben. Tröstlich zu wissen, dass es den anderen auch mal so oder so ergeht. Und immer wieder eine Riesenfreude, die Goldstücke der Freundinnen in den Händen zu halten! Lachen, staunen, plaudern, beraten, Puppen herzen, ermutigen, Ideen teilen, Pläne schmieden (auch wenn die meisten derzeit geduldig auf Papier ruhen).

Irgendwann kam unser Gespräch auf das, was beim Puppenmachen so übrig bleibt: Stoffverschnitte, Garnreste, Fadenstücke, Wollstroh. Wohin damit? Uns blutet jedes Mal das Herz, wenn diese Überbleibsel im Müll landen. Mir schwebt schon lange ein Projekt für ihre Verwertung vor: ein Pouf, genäht aus Leder oder einem anderen festen Stoff und mit einer Öffnung versehen, in die jeden Tag die Reste aus meinem Puppenstudio wandern. Wie lange es wohl dauert, bis so ein Bodenkissen prall gefüllt ist?

Was macht ihr denn mit euren überschüssigen Materialien? Ich habe Lust auf einen Artikel mit Ideen zur Verwertung von Puppenbastelresten hier auf meinem Blog und freue mich, wenn ihr mir von euren Projekten schreibt, wie immer an hello@mariengold.net. Vielleicht bekommen wir zusammen eine schöne, lange Liste zusammen, die Spaß macht und hilft, Abfall zu vermeiden.

Lass uns Freunde bleiben, Choriner Straße 12, 10119 Berlin

Mehr über 8Hände findet ihr hier.


27. April 2015

Frühlingsfrühstück mit viel Scharf

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Der Winter in Berlin kann ganz schön hart sein. Aber dafür ist der Frühling wahrscheinlich auch nirgends so herzlich willkommen und großartig wie in dieser Stadt. Und das lässt sich wunderbar mit den befreundeten Puppenmacherinnen feiern.

Letzten Donnerstag waren wir von 8Hände wieder um Lauras großen Tisch versammelt. Los ging’s mit einem Frühstück, für das jede etwas Feines mitgebracht hatte. Bei mir sind das meistens Splitterbrötchen aus der legendären Bäckerei Hacker in der Stargarder Straße 69, nur ein paar Häuser von Laura entfernt.

Wer wie ich ein Kind der DDR ist, hat bestimmt noch diesen typischen Geruch in der Nase. Den mag ich total gerne und fühle mich bei Hacki immer wohlig an das Schlange Stehen nach Sonntagsschrippen und Urlaubskuchen in den 80er Jahren erinnert. Die Bäckereien aus Lauras Kindheit in Westdeutschland riechen bestimmt ganz anders. Aber dennoch haben wir beide eine leidenschaftliche Schwäche für diesen Laden und mit keiner anderen macht es so viel Freude, die klebrigen, weichen Splitterbrötchen in Hagebuttenmarmelade zu tunken und glücklich dahinzuschmelzen.

Weitere Stars auf unserem Frühstückstisch waren ein Obstsalat und ein grüner Smoothie, die Laura mit Papayakernen gewürzt hatte. Dadurch waren sie ordentlich scharf und haben uns hellwach gemacht. Ach, die gemeinsamen Mahlzeiten sind immer herrlich! Zu viert sehen wir uns leider viel zu selten, so dass es jedes Mal eine Menge zu erzählen gibt, das Frühstück sich lange hinzieht und die Puppenmacherei erst mal warten muss.

Anita und Julia waren natürlich ganz neugierig auf die Filzkopfpuppe, an der Laura und ich in den letzten Monaten so intensiv für unser E-Book gearbeitet haben. Ich glaube, wir waren beide ein bisschen aufgeregt, als wir sie mit vorsichtig hervorholten und zum allerersten Mal jemandem zeigten. Unser Goldstück kam bei den beiden sehr gut an und wurde mit vielen Ohs und Ahs gefeiert.

Das Nadelfilzen selbst war auch ein Thema. Während Julias und mein Herz eher für die ganz einfach gestalteten Puppen schlägt, haben Laura und Anita diese Technik mittlerweile zu einem festen Bestandteil ihrer Puppenmacherei gemacht. Dafür brauchen sie natürlich auch gutes Werkzeug. Anita erzählte uns begeistert von spitzenmäßigen, unkaputtbaren Filznadeln, mit denen sie gerade experimentiert (vielleicht gibt es dazu bald einen Artikel auf ihrem Blog). Laura und ich haben gleich die Ohren gespitzt, denn für unsere Filzkopfkurse Juli und September sind wir noch auf der Suche nach echten Powernadeln für die Teilnehmerinnnen. Wir haben auch über die Geschichte des Nadelfilzens, speziell der gefilzten Puppenköpfe, gesprochen und von Anita erfahren, dass es die Filznadel erst seit den 80er Jahren gibt. Weiß jemand mehr darüber?

Wir haben dann noch ein Stündchen zusammen gewerkelt, Julia beim Knacken einer besonders harten Puppenkopfnuss geholfen und über die Zukunft von 8Hände gesprochen.

Gerade machen wir keine großen Pläne, weil wir unser Puppenmacherinnenleben so unkompliziert und leicht wie möglich halten wollen. Im Moment tut es uns einfach nur gut, uns regelmäßig gemütlich zu treffen, ein üppiges Frühstück zu genießen, uns auszutauschen, zu ermutigen und gegenseitig zu unterstützen, miteinander zu lachen und uns beim Abschied schon wie verrückt auf das nächste Mal zu freuen.

Bäckerei & Konditorei Hacker, Stargarder Straße 69, 10437 Berlin

Mehr über 8Hände findet ihr hier.

 


16. Februar 2015

Puppenquatsch mit Kuschelkissen

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Wirklich drei Monate?, zählten wir gleich nach der freudigen Begrüßung mit unseren Fingern nach. Ja, drei Monate war es schon her, dass wir bei Laura Torte gegessen und auf die Gründung von 8Hände angestoßen hatten. Wir, das sind Anita von Lilla Kirrivi, Julia von vonKowalke, Laura von 1000Rehe und ich, vier Puppenmacherinnen aus Berlin, die sich seit zwei Jahren regelmäßig zum Austausch und Werkeln treffen und 2014 ein Puppenkünstlerinnenkollektiv gegründet haben, um gemeinsam die Welt der Puppenmacherei zu erforschen, zu erleben und zu gestalten.

Die Resonanz auf 8Hände ist riesig und wir freuen uns wahnsinnig über eure Aufmerksamkeit und euer Mitfiebern. In kleinen Schritten (und leider viel zu seltenen Treffen) geht es Stück für Stück voran. Wir arbeiten an einem Manifest, scribbeln Ideen und Projekte, träumen, spinnen und lachen. Über allem schwebt immer auch die Frage, was wirklich machbar und vor allem schaffbar ist. Denn bei aller Leidenschaft für die Puppenmacherei und der unbändigen Freude am Miteinander, die unsere Gruppe in Schwung halten: Die Zeit für 8Hände müssen wir uns alle immer irgendwie in unserem mit Beruf, Familie und anderen Dingen vollgepackten Alltag freischaufeln.

Umso kostbar sind dann die gemeinsamen Stunden, die wir dieses Mal im Liv verbracht haben, einem Feinkostcafé im Prenzlauer Berg mit allerlei gesunden Leckereien und einem Interior mit farbenprächtiger Kissenlandschaft, in das wir uns sofort verliebten. Nach Kaffee, Birchermüsli und Käsebrot folgte wie immer der schönste Augenblick und die Puppen wurden herausgeholt.

Was für eine Freude, wer einen da plötzlich anschaut! Wie viel Liebe aus diesen Wesen strahlt. Wie sorgfältig sie verarbeitet sind. Und wie fest gestopft. Wie anrührend der Blick ist. Wie charmant das Lächeln. Wie allerliebst die Hose. Und wie groß der Stolz auf die Freundinnen ist, deren Puppen immer schöner und schöner werden. Da sind mir fast die Tränen gekommen vor Glück. Aber auch ein bischen, weil ich so traurig war, dass ich selbst mal wieder keine Puppe dabei hatte (alle schon verpackt und auf dem Weg zu ihren Kindern).

Dafür raschelte in meiner Mappe eine Menge Papier und als die Puppenschau vorbei war, berichtete ich von meiner Marktanalyse zum Thema DIY-Angebote für Puppengestaltung, bei der ich mir im Januar angeschaut hatte, welche Produkte rund um die Herstellung von Stoffpuppen und Puppenkleidung es gerade auf dem deutschen Markt gibt. Weiter ging es mit der neuen Regelung der Umsatzsteuer für den Verkauf digitaler Produkt innerhalb der EU und Möglichkeiten der Haftpflichtversicherung für Puppenmacherinnen. Stille. Nachdenkliche Blicke. Fragezeichen auf der Stirn. Gut, wenn man bei solchen Themen mit der Lieblingspuppe Händchen halten kann und weiß, dass man auf die Unterstützung der anderen zählen kann. Manchmal sind es gerade diese eher trockenen und schwierigen Themen, die unseren Austausch so wertvoll machen. Denn zu viert geht vieles leichter.

Und egal wie der Tag auch begonnen hatte (hektisch und mit einer viel zu langen Fahrt mit der BVG)  und wie der Rest der Woche so war (irre anstrengend und mit niemals enden wollendem Papierkram), nach unseren Treffen schwebe ich immer glücklich zurück nach Hause: Puppenfroh, wohlig satt im Bauch und im Herzen und voller Vorfreude auf das nächste Mal. Dann wieder zum gemeinsamen Werkeln an Lauras großem Tisch unter dem Motto „Puppennäh-Sprechstunde“.

LIV Feinkost & Wein, Choriner Straße 19, 10435 Berlin

Mehr über 8Hände findet ihr hier.


24. November 2014

Acht Hände fliegen hoch in die Luft

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Mitten im grauen November hatten wir vier Berliner Puppenmacherinnen von 1000 Rehe, Von Kowalke, Lilla Kirrivi und Mariengold letzten Donnerstag einen wundervollen Glitzertag mit Torte, Prosecco und Gesangseinlage. Jede von uns hatte einen Jubelgrund zum Glücklichsein, privat oder beruflich. Aber der schönste Anlass für einen Trinkspruch mit Granatapfelkernprickeln war die feierliche Gründung unseres Puppenkünstlerinnenkollektivs.

Was vor bald zwei Jahren mit der Idee begann, uns regelmäßig zum Werkeln und beruflichen Austausch zu treffen, wuchs mit der Zeit zu einer tollen Gruppe von befreundeten Puppenmacherinnen – oder treffender – puppenmachenden Freundinnen zusammen. Im Mai auf unserer Reise zum Puppenfestival, in diese ganz andere, eher befremdliche Welt der Puppen, sprachen wir zum ersten Mal zaghaft über unseren Wunsch nach einem inspirierenden Umfeld, nach einer wohlwollenden, kreativen Gemeinschaft, in der wir uns mit unserer Kunst richtig gut aufgehoben fühlen und entfalten könnten. Schon in Neustadt war uns klar, dass wir das, was wir suchten, selbst erschaffen müssten. Aber auch, dass wir schon auf einem richtig guten Weg waren. Denn schließlich waren wir bereits ein kleines Kollektiv.

Was uns verbindet: Wir lieben Puppen und Puppenmacherei. Wir lieben es, mit unseren Händen zu arbeiten. Wir schätzen schöne, handgemachte Dinge aus natürlichen Materalien. Wir bemühen uns um möglichst nachhaltiges Leben und Arbeiten. Wir leben ganz oder teilweise von unserer Arbeit als Puppenmacherinnen. Wir mögen uns und sind gern zusammen. Wir schätzen den gegenseitigen Austausch über unsere Arbeit und werkeln gern gemeinsam. Und wir haben Lust auf mehr, viel mehr.

Im Sommer dann gute Aussichten, erste Ideen für Projekte und natürlich Namensvorschläge. Das war die Geburt unserer Gruppe und mit leuchtenden Augen und einem superguten Gefühl ging es in den Herbst, den wir mit konzeptioneller Arbeit an unserem Manifest verbrachten und immer noch damit beschäftigt sind. Welche Ziele verbinden wir mit unserer Gruppe? Was wollen wir in der Welt bewirken? Wie erreichen wir das? Wie wollen wir unsere Gruppe nach außen präsentieren? Welche Ideen haben wir für erste Projekte?

Gut‘ Ding will Weile haben. Und so geht es munter weiter mit unseren Ideen und unserer Planung. Jetzt war es aber an der Zeit für den nächsten Meilenstein, einen kleinen Schritt weiter in die Öffentlichkeit. Und so haben wir am Donnerstag mit dem zarten Pling von Lauras Kristallgläsern unsere Gruppe feierlich auf den Namen 8Hände getauft, mit dem wir uns von jetzt an als Puppenkünstlerinnenkollektiv in der Welt zeigen.

8Hände, das sind wir vier Puppenmacherinnen aus Berlin, das ist unser Projekt, mit dem wir gemeinsam die Welt der Puppenmacherei erforschen, erleben und gestalten wollen. 8Hände ist natürlich auch für euch. Denn irgendwann soll es neben dem Mitfiebern hier auch Veranstaltungen und Aktionen in Berlin und im Internet geben – Geduld nur, Geduld. Wir sind sehr glücklich!

Lauras Festtagstorte

Grundlage für den Teig ist Julias berühmter Spanischer Mandelkuchen:

2 Tassen fein gemahlene Mandeln
3 Esslöffel Butter
2/3 Tasse Zucker
6 Eier
Geriebene Schale von 1 Bio-Zitrone
1/4 Teelöfel Zimt

Die Butter mit dem Zucker und dem Zimt mischen und mit den Eigelben aufschlagen. Mandeln und Zitronenabrieb unterrühren. Die Eiweiße steif schlagen und locker unterheben. Den Teig in eine runde Kuchenform gießen und 30 Minuten bei 200 Grad backen. Den Kuchen abkühlen lassen und längs in drei Teile schneiden. (Ist mir ein Riesenrätsel, wie Laura das so toll hinbekommen hat!)

Nach dem Rezept für die Füllung gefragt, zuckte Laura nur mit den Schultern. Sie habe einfach Mascarpone, Quark, Sahne, Vanille und Zucker zusammengerührt, bis eine perfekte Creme entstanden ist.

In Schichten geht es weiter – Boden, Füllung, Boden, Füllung, Boden, Decke. Darauf Granatapfelkerne rieseln. Die geben der Torte einen herrlich frischen Geschmack.

Lasst es prickeln und guten Appetit!

Für 8Hände habe ich eine neue Kategorie auf der rechten Seite eingerichtet, in der ihr alle Artikel zu unserer Gruppe findet. Mehr Rezepte gibt es hier.