20. Dezember 2017

Monikas Puppen (Have yourself a merry little Christmas)

Puppen und Weihnachten gehören schon immer zusammen. Dieses Fest der Liebe ist wie gemacht für besondere Geschenke, die zeigen, was uns wirklich wichtig ist. Solche Geschenke müssen überhaupt nicht groß oder viele an der Zahl sein. Vielmehr geht es darum, präsent zu sein und von Herzen zu geben. Eine selbstgemachte oder sorgsam ausgewählte und gekaufte Puppe steht für viele Schenkende genau dafür, was sie den Kindern am meisten wünschen: Liebe und Verbundenheit unter den Menschen. Denn Weihnachten, das heißt auch, zu spüren, dass in der allerdunkelsten Zeit immer irgendwann die Hoffnung und das Licht geboren wird.

Davon erzählt auch das kleine Tagebüchlein „Monikas Puppen“, das mir Claudia, Monikas Tochter und eine liebe Leserin, zur Verfügung gestellt hat. Darin erzählt Monika, 14 Jahre alt, auf eindrückliche und bewegende Weise von Weihnachten im Krieg und wie es ihr gelang, in dieser harten Zeit ihren kleinen Geschwistern eine Freude zu machen.

Mit den folgenden beiden Auszügen aus dem Buch möchte ich mich auch von Herzen für ein wunderbares Blog-Jahr voller Puppennähliebe bedanken, ganz besonders bei Claudia, die mir erlaubt hat, Monikas Geschichte hier zu teilen. Das ist mein, das ist unser Weihnachtsgeschenk für euch. Genießt das Lesen und freut euch an dem Frieden, in dem wir leben dürfen.

Kriegsweihnachten 1944

In keinem Geschäft ist ein Geschenk, nicht ein einziges Stück Spielzeug aufzutreiben. Was aber ist ein Weihnachten ohne „Schenken und beschenkt werden“? Wir Erwachsene können uns ja mit dieser Notlage abfinden, aber die Kleinsten, die vielleicht noch nie ein eigenes Püppchen, ein eigenes Pferdchen besessen haben und sich das ganze Jahr auf das Weihnachtsfest gefreut haben, sollen diese nun enttäuscht werden? Ich habe noch vier jüngere Geschwister, drei Mädel, ein Junge. Und auch bei uns war acht Tage vor Weihnachten noch kein einziges Geschenk vorhanden. Die Mutti krank, der Vati beruflich zu sehr in Anspruch genommen, sich um etwas zu kümmern. Hätten wir doch wenigstens für unser Nesthäkchen eine kleine Puppe. „Mach selbst eine“, damit gab mir Vati eine Anregung, aber nichts weiter.

Diese kleinen Karlinchen mit den gestickten Gesichtern finde ich abscheulich. Nach vielem Probieren entstand schließlich ein Püppchen ohne Stickerei und ohne Naht im Gesicht mit lustigen großen Kugelaugen. Obwohl die Anfertigung nicht allzu leicht war und auch viel Zeit erforderte, machte es mir doch sehr viel Freude. Ich fertigte 1944 für meine Geschwister vier Puppen an. Weihnachten 1945 hätte ich hundert und noch mehr arbeiten können, aber es fehlte am Material und vor allem an der Zeit. In achtwöchiger, ununterbrochener Tag- und Nachtarbeit entstanden ungefähr 60 bis 70 Puppen. Ich habe dann noch ein junges Mädel eingestellt, auch unser Lehrmädel macht oft mit Überstunden bis Mitternacht und noch länger, sonst hätte ich es nicht geschafft. Für meine Geschwister entstanden die Weihnachtspuppen noch in der Christnacht.

Während der Feiertage habe ich nur geschlafen und – gegessen.

Puppe Peterle

Diese Puppe ist für größere Kinder gedacht. Sie ist etwa 32 cm hoch.

1. Für den Kopf forme ich zuerst aus zwei bis drei großen Zeitungsbogen eine Kugel, diese überziehe ich mit dünnem Stoff (alte seidene Strümpfe, Wäschestoff oder ähnliches).

2. Nun nähe ich Wattebäuschen als Kinn und Bäckchen an, einen Wattestreifen für die Stirn. Für das Näschen überziehe ich eine Perle oder einen kleinen Knopf mit Watte und nähe auch diesen an.

3. Über das ganze ziehe ich nun nochmals eine dünne Watteschicht, damit die Konturen nicht zu scharf heraustreten. Zuletzt überziehe ich das Köpfchen mit fleischfarbigem Charmeuse.

4. Für die Augen habe ich mir kleine weiße Knöpfchen mit braunem Rand besorgt, die ich mit Fahrradlack bemalte. Später erhielt ich diese Art Knöpfe nicht mehr und musste mir mit glattweißen Knöpfen helfen. Wangen, Mund und Augenbrauen habe ich mit Temperafarben aufgemalt.

5. Für die Haare habe ich mir Flachs besorgt. Davon lassen sich gut Zöpfe flechten.

6. Am Körper führe ich zuerst die Abnäher aus, dann nähe ich die beiden Teile zusammen. Zum Stopfen verwenden ich Kapok. Zum Schluss muss ich den oberen Halsrand einhalten. Arme und Beine werden ebenfalls gefüllt und ausmodelliert, damit die Formen gut herauskommen.

7. Die Beine werden kurz über den Abnähern, die Arme direkt am Abnäher mit festem Garn in etwas schräger Lage fest angenäht, damit sie beweglich werden. Zum Schluss den Kopf, in vorderer Mitte beginnend, zweimal ringsum fest annähen.

in: Bücher, Leute