13. September 2021

Vier Tage Puppennähglück im Ländle (Wollknoll 2021)

Hinter mir liegt die wahrscheinlich beste Arbeitswoche des Jahres und ich bin noch immer ganz berührt und erfüllt von den Puppennähtagen in Oberrot bei Schwäbisch Hall. Dort hat mein Hauptlieferant Wollknoll seinen Sitz mit Laden, Lager und einem umfangreichen Kursangebot rund ums Filzen und kreative Gestalten.

Vor zwei Jahren war ich schon einmal da und durfte zum ersten Mal diese ganz besondere handarbeitsverliebte Landluft schnuppern und wusste gleich, dass ich wiederkommen wollte. Nachdem 2020 ein Großteil der Veranstaltungen coronabedingt abgesagt werden musste, probierte ich dieses Jahr etwas Neues aus und gab gleich zwei Kurse nacheinander. Und das bedeutete tatsächlich auch Puppennähglück hoch zwei!

Im Vorgespräch mit dem Veranstaltungsort hatte ich mich ehrlich gesagt gegen die neun weit auseinander stehenden Einzeltische, die aufgrund der Abstandsregel nötig waren, gesträubt. War ich es doch gewohnt und mochte es vor allem sehr, gemeinsam an einem großen Tisch zu werkeln. Diese Sitzordnung erwies sich jedoch als wahrer Segen und erlaubte es den Frauen, konzentriert zu arbeiten, ganz bei sich zu bleiben und trotzdem mit den anderen verbunden zu sein. Überhaupt hatte ich mir im Vorfeld viele Gedanken darüber gemacht, wie sich unter den gegebenen Umständen ein möglichst angenehmes Miteinander gestalten ließe. Gerade in diesen Zeiten ist es mir besonders wichtig, Momente zu ermöglichen, in denen die Frauen einmal alles vergessen und sich nur auf  das kreative Schaffen mit den Puppen konzentrieren können.

Dass dies gelang, merkte ich daran, dass es immer wieder so still und andächtig in unserem Raum war, dass man eine Stecknadel hätte fallen hören können. Ich sah es in Augen, die zu leuchten begannen, Wangen, die sich rot färbten, Körper, die sich entspannten. Hier und da ein Kichern, wenn der Mund gestickt war, wohliges Seufzen, wenn ein besonders kniffeliger Arbeitsschritt geschafft oder ein Knoten im Hirn gelöst war. Zum Ende hin verliebte Blicke und kindliche Aufregung, als die Puppen vollends zum Leben erwachten.

„Eine rothaarige Puppe, das habe ich jetzt gebraucht“, sagte Gabi beim Abschluss des ersten Kurses. Und ich wusste genau, was sie meinte. Wir alle – ja, auch ich – waren hier, weil wir eine Auszeit vom Alltag brauchten und ein Ziehen im Herzen hatten, ein Sehnen nach heilsamer Handarbeit, Natur und Ruhe, einer Gemeinschaft Gleichgesinnter, Begegnung und Wirkmacht im kreativen Sein. Vieles davon war in den letzten Monaten zu kurz gekommen. Hier beim Puppenmachen konnten wir aufatmen, uns mit allen Sinnen und als Schöpferinnen erleben.

Was mir in diesen Runden immer wieder Hoffnung macht: Menschen berühren einander, sie können gar nicht anders. Sie schauen einander in die Augen und in die Herzen. Sie drücken zur Stärkung fest den Arm der anderen, legen zum Trost eine Hand auf, schauen sich über die Schulter. Sie reichen, was benötigt wird, und helfen, wo sie können. Sie kommen sich näher, wenn sie vertraut werden. Wenden sich einander zu, wenn sie sich etwas erzählen. Stecken die Köpfe zusammen, wenn sie gemeinsame Sache machen. Freuen sich füreinander, lachen miteinander. Und sie umarmen sich zum Abschied. Das beobachte ich in fast jedem Kurs und spüre: Das Leben lässt sich eben nicht aufhalten.

Ich freue mich sehr darauf, nächstes Jahr wieder nach Oberrot zu kommen, vielleicht die eine oder andere wiederzusehen und neue Bekanntschaften zu machen.

Alle Details zu meinen Kursen findet ihr hier, Anmeldung an hello@mariengold.net.

Ich freue mich auf euch und die Puppen!


8. Dezember 2020

Goodbye Honigpumpe (Hello Popcorner)

Vergangenes Wochenende fand mein letzter Puppennähkurs für dieses Jahr statt. Um ihn hatte ich am meisten gebangt und gehofft, dass er auch unter den derzeitigen Umständen stattfinden könnte, denn es war gleichzeitig mein letzter Kurs im Familienzentrum Honigpumpe im Waldorfkindergarten Prenzlauer Berg. Hier hatte vor zwölf Jahren alles begonnen, nur wenige Monate nachdem das neugebaute Haus in der Choriner Straße in Betrieb genommen worden war. Damals besuchte meine Tochter diesen Kindergarten, was mir als frischgebackene Puppenmacherin viele Möglichkeiten für meine berufliche Selbständigkeit eröffnete.

So konnte ich Kontakte in die Berliner Waldorf-Community knüpfen, meine ersten Puppen verkaufen, erhielt viel Zuspruch, Unterstützung und wertvolles Feedback sowie frühzeitig das Angebot, im angegliederten Familienzentrum Kurse durchzuführen. Bis dahin hatte ich nicht mehr als zwei Handvoll Puppen genäht, aber eine liebe Freundin (Hallo Uli, falls du hier noch mitliest!) glaubte ganz fest an mich und sah, was ich noch nicht sehen konnte, und organisierte meine erste Veranstaltung quasi im Alleingang, wofür ich bis heute dankbar bin, denn ich weiß nicht, ob ich es mir sonst zugetraut hätte.

Von da an wuchs ich als Mensch und Puppenmacherin, entwickelten sich meine Puppen stetig weiter und wandelten sich Konzept und Stil meiner Kurse. Was jedoch immer blieb, war das Haus, der Waldorfkindergarten Prenzlauer Berg, der mir ein wunderschönes, liebevoll gestaltetes und lebens- und menschenfreundliches Zuhause für meine Kurse bot, in dem ich mich immer wohl und sicher fühlte. Warum dann der Abschied?

Der Hauptgrund ist, dass ich schon lange nicht mehr in der Nachbarschaft, sondern bereits seit einigen Jahren in Zehlendorf lebe, was am anderen Ende von Berlin ist. Diese Distanz erfordert pro Kurswochenende sechs Stunden Fahrtzeit und das einmal im Monat, mit U- und S-Bahn und einem großen roten Koffer quer durch die Stadt gurken – das wollte ich irgendwann nicht mehr. Außerdem wünschte ich mir eine Veränderung. Meine Tochter war schon lange kein Kindergartenkind mehr und auch ich entwuchs mehr und mehr dem alten Kindergarten, so sehr ich ihn mochte, und sehnte mich nach einem neuen Umfeld, einer neuen Gemeinschaft, neuen Möglichkeiten.

Und so spielte mir das Leben Anfang diesen Jahres ganz unverhofft den Projektraum Popcorner in Friedenau zu. Ich konnte mein Glück kaum fassen: Ein ehemaliges Ladengeschäft, Berliner Altbau, wunderschön gelegen, mit einer freundlichen und gut gemischten Nachbarschaft. Ein großer, heller Raum mit hohen Schaufenstern, Parkett und einer lichten, leichten und kreativen Atmosphäre. Drei Betreiberinnen, die diesen Raum mit viel Herzblut, Engagement und Lebendigkeit gestalten und ein ansprechendes, vielseitiges Angebot für Klein und Groß aufbauen. Ein Samstags-Wochenmarkt und ein Café mit Lieblings-Potenzial in Laufweite. Und das Ganze nur 20 Minuten mit dem Auto von meinem Zuhause entfernt. Jackpot!

Bei aller Freude über diesen wahnsinnig tollen neuen Raum, verabschiede ich mich aber auch mit einem weinenden Auge vom Kindergarten, denn es sind viele Erinnerungen und Begegnungen, Kleinigkeiten und große Gefühle damit verbunden, die mein Leben geprägt und reicher gemacht haben.

Der Morgenkaffee bei Impala am Senefelder Platz, dem Coffeeshop mit den freundlichsten Baristi der Stadt.

Das Geräusch meines Rollkoffers auf dem Asphalt der Schwedter Straße.

Der große Kirschbaum im Garten des Kindergartens und wie er sich mit den Jahreszeiten veränderte (Lieblingszeit Hochblüte im April).

Das Magazin a tempo, das lange zum Mitnehmen im Foyer auslag und das ich gern auf der Heimfahrt las (bis mir die Augen zufielen).

Die Hintergrundrauschen der Eltern, die an den Wochenenden Putzdienst hatten. Ich mochte es, wenn etwas los war in dem großen Haus.

Der Kochkurs der Ayurveda-Ausbildung des Gesundheitszentrums Sonne und Mond, der ein, zwei Mal im Jahr zeitgleich stattfand und stets die köstlichsten Düfte zu uns ins Obergeschoss aufsteigen ließ.

Der alljährliche große Adventskranz mit den dicken, roten Kerzen.

Die herrlichen, kunstvollen Faltsterne aus farbigem Transparentpapier an den Fenstern.

Überhaupt die wunderschöne Dekoration, die liebevoll hergerichteten Jahreszeitentische, Blumen und Sträuße im ganzen Haus, die den Jahreslauf immer wieder sichtbar und spürbar für mich machten.

Meine heilige, stets allein verbrachte Mittagspause bei Si An in der Kastanienallee, wo jahrelang ein- und dieselbe Playlist lief, die ich am Ende auswendig kannte. (Und wo ich wiederum jahrein jahraus dengleichen Lunch bestellte, was die Bedienung irgendwann auch abgespeichert hatte und kaum noch nachfragte.)

Die tolle Choriner Straße, Heimatstraße des Kindergartens und eine meiner Lieblingsstraßen in Berlin, weil dort immer bunte Wimpelketten zwischen den Häuserreihen flattern.

Das Geräusch der Kindersicherung am Tor.

Dieser spezielle, heimelige Geruch.

Die Kindergärtnerinnen und Kindergärtner, die ab und zu vorbeischauten und sich mit leuchtenden Augen nach den Puppen erkundigten. Sie sind allesamt die gute Seele das Hauses.

Die Bunzlauer Keramik, die so typisch für Waldorfkindergärten ist und aus der der Kräutertee, den ich immer servierte, einmal mehr schmeckte.

Nach Feierabend auf einen Sprung in den großen LPG Biosupermarkt, um Proviant für die Rückfahrt zu besorgen (am liebsten Dinkelhappen).

Wie der Garten über die Jahre wuchs und gedieh und sich zu einer prächtigen grünen Stadtoase entwickelte. (Ich sehe immer noch meine Tochter dort auf der Schaukel.)

Die wunderbaren, zerliebten Puppen, die ich auf meinen Rundgängen durch die Gruppenräume immer entdeckte und von denen ich einige aufarbeiten und reparieren durfte.

Das Schaufenster von The Lovers ein paar Häuser weiter, vor dem ich stets Halt machte und ein bisschen davon träumte, irgendwann einmal in einem ebenso schönen Space einen Kurs zu geben. (Dieser Traum ist mit dem Popcorner in Erfüllung gegangen.)

Der Buchladen Mundo Azul, an dem ich mir auch oft die Nase platt drückte, um zu schauen, was es Neues gibt.

Die vielen vertrauten, aber namenlosen Gesichter, die ich regelmäßig wiedersah, wenn ich im Kiez rund um den Kindergarten unterwegs war.

Die neueste Ausgabe der Kindergartenzeitung vorzufinden und darin zu schmökern. (Ich frage mich bis heute, ob es so ein tolles Blatt auch in anderen Einrichtungen gibt.)

Das regelmäßige Stöhnen über den Staubsauger. Auch das, ja.

Das Abschließen und Dichtmachen des Hauses mit Sack und Pack links und rechts in der Hand, schief sitzender Mütze auf dem Kopf, fix und foxy, aber mit ganz vielen Puppenschmetterlingen im Bauch.

Das unendliche gute Gefühl, das ich mit meinen Kursen hier immer Willkommen und richtig war.

Und ich schwöre, dass ich jedes, wirklich jedes Jahr im Dezember beim Hinaustreten auf die Straße in die Dunkelheit des Spätnachmittags den Weihnachtsstern am Himmel leuchten sah!

Rückblickend würde ich sagen, dass es in den letzten zwölf Jahren an diesem Ort vor allem darum ging, meine Kursarbeit aufzubauen, einen Umgang mit meinen Ängsten und Unsicherheiten mit Menschen zu finden, mich zu öffnen, in die Begegnung  zu gehen und in Verbindung zu kommen und mehr und mehr ich selbst zu werden. Dafür gab mir der Kindergarten genau den richtigen Raum, in dem ich mich wohl, sicher und geborgen fühlte. Der neue Veranstaltungsort ist anders, hat eine andere Energie und Qualität und wird sicher etwas ganz Neues aus mir hervorbringen, auf das ich sehr gespannt bin. Mit der Erfahrung der ersten Kurse, die ich dieses Jahr dort schon gegeben habe, würde ich sagen, dass die anstehenden Themen Sichtbarkeit, Reife und meine volle Kraft und Größe sind. Aber dazu zu gegebener Zeit mehr.

Jetzt heißt es erst einmal Abschied nehmen vom Waldorfkindergarten Prenzlauer Berg, dem ich das beste erste Zuhause verdanke, das ich mir für meine Kurse vorstellen kann, viele schöne Begegnungen, wunderbare Erinnerungen, sogar Freundschaften, die bis heute anhalten.

Die Puppe, die mich jahrelang als Modell begleitete, ließ ich am Sonntag einer spontanen Eingebung folgend im Kindergarten zurück. Namenlos, aber heißgeliebt wie sie war, ist sie durch unzählige Hände gegangen, hat viel Lachen und Plaudern gehört, auch die ein oder andere Träne gesehen (auch von mir) und ist angefüllt mit hunderten von Stunden Puppennähglück. Möge sie dieses Glück weiter in den Kindergarten tragen und den Kindern Freude bringen!

Ab Januar 2021 finden alle meine Kurse im Projektraum Popcorner in der Hedwigstraße 12 in Berlin-Friedenau statt. Alle Details und die Termine findet ihr hier. Anmeldung an hello@mariengold.net.

Ich freue mich sehr darauf, an meinem neuen Veranstaltungsort Puppen mit euch zu nähen und neue Erinnerungen und Glücksmomente zu schaffen.


24. September 2019

Mittendrin und ganz weit draußen (Landpartie September 2019)

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Auf diese Veranstaltung hatten Laura und ich uns besonders gefreut, die Nachsommer-Ausgabe unserer Landpartie für Puppennähverliebte, vier Tage Puppenmitmachglück im September. Einmal das Refugium im Altweibersommer erleben! Und es war mindestens genauso schön, wie wir es uns ausgemalt hatten: Das Licht golden, tiefrot die Hagebutten, Zugvögel am Himmel, Spinnfäden in der Luft, Fallobst, das den Weg säumt, ein würziger Duft nach Erde, dicke Kürbisse, Sonnenblumen mit schweren Köpfen, neblig-kühle Morgen, milde Abende, letzte warme Sonnenstunden, Fülle und Schönheit, Spätsommer auch in der Küche. Was wir noch nicht wussten, als wir den Termin vergangenes Jahr vereinbarten, war, dass es das letzte Mal mit Ulrike und Douglas sein würde. Aber dazu weiter unten mehr.

Es war also schönste Erntezeit auf dem Refugium und auch eine Stimmung von Aufbruch. Und so erlebte ich auch diese Landpartie. Auch die Landpartie ist mit jedem Mal, dass wir hier waren, gereift, und jedes Mal fällt die Ernte im Herzen reicher aus. Wir wissen, was wir tun und warum wir es tun und dass wir es gut machen. Und wir lieben es! Das gibt Vertrauen und Sicherheit, wo vorher auch mal Aufregung, Unruhe und himmelhohes Herzklopfen waren. Nach vier Landpartien wissen wir auch, was es alles nicht braucht, nämlich keine Hörgeschichte am Abend, keine Naturkosmetik im Garten, keine Wanderung zum Badeteich im Nachbardorf, keinen Geschenketausch zum Abschied. Das alles war schön und gut zum Ausprobieren, aber eigentlich geht es doch nur um das pure, reine Puppenmachen – denn das ist es schließlich, warum die Frauen mit uns auf Landpartie kommen. (Auf das Frühstücksei am Sonntag Morgen wollen wir allerdings nicht verzichten.)

Indem wir uns auf das konzentrieren, was wirklich wichtig ist, kommen wir der Essenz dieser Veranstaltung, wie wir sie uns ursprünglich erträumt haben, immer näher. Dabei geht es um ein liebevolles Miteinander, um verbindendes Tun und verbundenes Sein, ums Teilen, Hinschauen und Hinspüren. Zur Ruhe kommen, Abstand gewinnen, schöpferisch werden, Materie begreifen, mit Farben und Formen spielen, Optionen schaffen, Kontexte sehen, Wagnisse eingehen, Fäden aufnehmen, verspielt sein, in Kontakt treten, neue Wege gehen, Heilung erlauben, Gefühle zulassen, verbunden sein, Freude empfinden. Dazu laden Laura und ich bei der Landpartie ein, immer wieder, Jahr für Jahr.

Räume wie diesen zu erschaffen, in denen Menschen gemeinsam kreativ werden, ist das Herz von Mariengold, das wichtigste Anliegen meiner Arbeit. Diesen Aspekt möchte ich in Zukunft noch stärker betonen und die nächsten Schritte daraufhin ausrichten. Wie genau das aussehen wird, weiß ich noch nicht, aber ich freue mich und fühle mich von diesen vier Tagen mit diesen wunderbaren Frauen und ihren wunderschönen Puppen auf diesem wohltuenden Fleckchen Erde und mit Laura an meiner Seite sehr bestärkt, meiner Vision zu folgen und zu vertrauen, dass sich der Weg zeigen wird, indem ich ihn gehe.

Dieses Mal hieß es auch Abschied nehmen von Ulrike und Douglas, die uns und unsere Teilnehmerinnen in den vergangenen drei Jahren auf das Beste bekocht und versorgt, mit ihrer nachhaltigen Lebensweise inspiriert und unsere Puppennähfreude mit leuchtenden Augen geteilt haben. Sie gaben unserer Landpartie das schönste Zuhause, das wir uns vorstellen konnten, und dafür sind wir von Herzen dankbar. Jetzt freuen wir uns, dass der Seminarbetrieb mit neuen Gastgeberinnen fortgeführt wird und wir unseren Workshop weiterhin an diesem besonderen Ort veranstalten können.

Die nächste Landparte findet vom 27. bis 31. Mai 2020 statt. Anmeldung an hello@mariengold.net. Alle Details findet ihr hier, Lauras Bericht von diesem Jahr bald hier und Einblicke in die Landpartien der letzten Jahre hier.

© Bilder Laura Erceg-Simon und Maria Ribbeck


3. Juni 2019

Der Puppennäh-Himmel auf Erden (Landpartie Mai 2019)

Als Laura und ich vor drei Jahren auf die Suche nach einem Seminarhaus für unsere Landpartie gingen, ließen wir uns von unserem Bauchgefühl leiten. Ohne viel darüber zu sprechen, waren wir uns einig, dass wir einen Ort finden wollten, der für das steht, was wir beide mögen und mit anderen Menschen teilen wollten: wildromantische Natur, Weite, ein Haus mit Seele, ein Garten zum Träumen, das gute, einfache Leben, Kreativität, pures Sein. Damals war uns noch nicht so sehr bewusst, dass wir vor allem einen Raum erschaffen wollten, an dem aus dem Wesentlichen heraus Gemeinschaft entstehen kann, eine Gemeinschaft von Menschen, die Puppen/machen genauso lieben wie wir selbst. Auch nach unserer dritten Landpartie kann ich aus ganzem Herzen sagen, dass dieser Wunsch in Erfüllung gegangen ist.

Wir Menschen sind für Gemeinschaft geschaffen und erfahren unser Leben dann als erfüllt, wenn wir uns einer Aufgabe hingeben und uns für das Wohl unserer Mitmenschen engagieren. Dadurch entsteht Verbindung und das Leben gewinnt an Sinn und Freude. Wie Frauen in Gemeinschaft und mit einem Projekt, das sie erfüllt, auf das Schönste aufblühen, erlebe ich immer wieder in meinen Puppennähkursen in der Stadt und auf unserer Landpartie. Wenn jede ihre Energie und ihre kreativen Ideen einbringt, berührt das die anderen und es entsteht ein herzverbundener Raum, in dem nicht nur Puppen gedeihen, sondern auch Glück. Persönliches Glück ist meist geteiltes Glück. Wir erleben es in der Gemeinschaft, in der Familie, im Freundeskreis. Oder eben in einer Gruppe von Gleichgesinnten, die für mehrere Tage aus allen Teilen Deutschlands zusammengekommen sind, um sich ihrer großen Leidenschaft und Sehnsucht, dem Puppenmachen, zu widmen.

Oft sind es kleine, unspektakuläre Momente, die uns klar machen: wir verstehen uns, wir sind uns nah. Das kann ein sprudelndes Gespräch über Puppen und Macherinnen sein, das kein Außenstehender verstehen würde. Die Freude am Teilen. Die Geduld, mit der eine Teilnehmerin einer anderen stundenlang beim Häkeln ihres Haarkäppchens zur Seite steht. Das Lachen, das schon am ersten Abend aus einem Zimmer tönt, in dem sich vorher keiner kannte. Das offene Ohr in der Kaffeepause. Ein liebevolles Lächeln über den Tisch. Die einvernehmliche Stille bei besonders kniffligen Arbeitsschritten. Die Fürsorge, mit der ein großer Teller für eine Teilnehmerin gefüllt und beiseite gestellt wird, die nicht am Mittagessen teilnehmen kann. Die Ernsthaftigkeit, mit der über kleinste Details gesprochen wird. Das Entzücken über die Puppe der Nachbarin. Stolz auf der eigenen Hände Arbeit, der mit einem freundschaftlichen Schulterklopfen verstärkt wird. Das Vergnügen, Teil einer Art Geheimloge zu sein, von der der Rest der Welt nichts ahnt. Die Frage an die Gastgeberin, ob man Samen von dem klatschroten Mohn bekommen könne, der direkt vor unserem Seminarraum blüht. Die Stimmung, die weiter steigt, wenn es tatsächlich Rhabarberkuchen gibt. Der Rührungs-Kloß im Hals, der nicht heruntergeschluckt, sondern zu Herzensworten ausgesprochen wird. Die feste Umarmung beim Abschied.

Gemeinschaft heißt auch, miteinander zu gestalten. Deshalb war es für Laura und mich eine große Freude und Ehre, dieses Jahr Natalie vom Rosaminze Puppenatelier als Teilnehmerin dabei gehabt zu haben. Für einen Nachmittag wechselte sie die Seiten und gab einen Mini-Workshop in der Roll-Stopf-Technik, den alle begeistert aufnahmen. Sie zeigte uns auch eine spezielle Häkeltechnik für das Puppenhaar, beeindruckte uns mit Werkzeugen, Insider-Wissen und Tricks und steckte alle mit ihrer Leidenschaft für künstlerisch gestaltet Puppen an. Was Natalie und die anderen neun Frauen einbrachten, wie sie sich in ihrem Sein zeigten und erlaubten, sich in im Herzen berühren zu lassen, war eine große Bereicherung und füllte unsere Idee von einer Gemeinschaft von Puppennnähverliebten mit Leben.

Laura und ich sind zutiefst dankbar, dass wir diese Erfahrung machen dürfen und unsere Vision vom Puppenmachen aus dem Herzen heraus und von Mensch zu Mensch verwirklichen können. Wir bedanken uns bei allen unerschrockenen Puppennäh-Abenteurerinnen, die bisher bei unseren Landpartien im wilden Brandenburg dabei waren, auch bei denen, die im September mitkommen oder bereits Interesse für 2020 angemeldet haben. Großer Dank geht auch an Ulrike und Douglas vom Refugium Hoher Fläming für ihre Gastfreundschaft, das köstliche Essen und die Einblicke in ihr nachhaltiges Leben, insbesondere an Ulrike für die Stunde Bioenergetik im Garten, die uns wunderbar in Bewegung und Verbindung mit der Natur gebracht hat. Ganz besonders danke ich dir, liebe Laura, dass du mir die Freude machst, das alles gemeinsam zu erleben!

Die nächste Landpartie findet vom 11. bis 15. September statt und ist bereits ausgebucht. Es gibt aber eine Warteliste, für die ihr euch anmelden könnt. Der Termin für 2020 wird im September bekannt gegeben. Wenn ihr euch schon einmal unverbindlich vormerken lassen möchtet, schreibt an hello@mariengold.net. Alle Details findet ihr hier, Lauras Bericht von diesem Jahr hier und Einblicke in die Landpartien 2017 und 2018 hier und hier.

© Bilder Laura Erceg-Simon, Natalie Frohn und Maria Ribbeck


5. Juni 2018

Puppennähen in Grün (Landpartie 2018)

„Ihr beide seht so richtig schön entspannt aus“, bemerkte Anne am letzten Abend unserer Landpartie für Puppennähverliebte. Und das waren wir auch, Laura und ich, entspannt und glücklich nebeneinander auf der kleinen Hollywoodschaukel im wildschönen Garten des Refugiums Hoher Fläming, wo wir vier Tage lang ein Puppennähfest veranstaltet hatten. Die Sonne ging langsam unter, in der Luft der Duft von Holunderblüten, vor uns ein Tisch mit Wein und Knabberei (und natürlich ganz viel Handarbeitszeug) und drumherum unsere zehn Teilnehmerinnen, die uns so sehr ans Herz gewachsen waren, dass es unvorstellbar erschien, dass wir uns morgen in alle vier Himmelsrichtungen verabschieden würden.

Eine Stunde vorher hatten Ulrike und Douglas, unsere wunderbaren Gastgeber, ein Abschlussfoto von uns gemacht und waren angesichts der 16 Puppenwesen, die in ihrem „Geburtshaus“, wie sie es kurzerhand nannten, entstanden waren, selbst in größte Verzückung geraten. Es war eine herrliche Stimmung und sicher für alle der Höhepunkt einer wunderschönen, intensiven, lehrreichen und seelenstreichelnden Zeit.

Begonnen hatte sie in Berlin auf der Bergengrünstraße, wo ich wohne, und wo wir Koffer und Taschen, Puppen, Material und Arbeitsutensilien, darunter sieben Kilogramm Stopfwolle, meterweise Stoff und eine Nähmaschine in mein kleines Auto luden. Mit dabei war eine einzelne gelbe Rose, die Laura aus ihrem Hofgärtchen im Prenzlauer Berg mitgebracht hatte, und die den Trip zu mir nach Zehlendorf aufgrund der hochsommerlichen Temperaturen trotz wässriger Vasenbehausung nur leidlich überstanden hatte. Ihre Blütenblätter waren ganz schlapp und erschöpft ließ sie ihren Kopf hängen. Auf mich machte sie überhaupt nicht den Eindruck, dass sie die Fahrt nach Wiesenburg überleben würde, weshalb ich sie am liebsten sofort auf dem Kompost entsorgt hätte. Aber nicht mit Laura! Sie bestand darauf, das Blümchen mitzunehmen, quasi auf dem Schoß zu transportieren und später im Wasserbad aufzupäppeln, damit es uns in den kommenden Tagen beim Puppennähen erfreuen könnte. Und so geschah es. Kaum im Refugium angekommen, hatte Laura schon eine Schüssel mit Wasser organisiert, in der die Rose langsam aufatmen und sich wieder in voller Pracht entfalten konnte. Was für ein rührender Anblick und wie unangenehm die Scham darüber, dass ich ihr keine Chance geben und sie einfach wegwerfen wollte. Und tatsächlich, kurz bevor unsere Teilnehmerinnen am späten Nachmittag eintrafen, war unser Raum picobello eingerichtet und auf dem Tisch blühte über allem diese starke, schöne und lieblich duftende Rose, der die Strapazen der Anreise überhaupt nicht mehr anzusehen waren.

Damit war, neben den Puppen, ein weiteres wichtiges Thema für unseren Workshop gesetzt, denn es ging auch um Selbstfürsorge, Aufblühen, Erschöpfung in der Tretmühle des Alltags, den Glauben an sich selbst und Heilung durch Liebe. Und wie die Frauen aufblühten! Dies geschah durch das charmante, alte Bauernhaus, das uns ein liebevolles Zuhause auf Zeit bot, den Zaubergarten und die üppig blühende und grünende Natur, die uns umgaben, von Ulrike und Douglas sorgsam zubereitete und appetitlich angerichtete Mahlzeiten, ein aufmerksames und liebevolles Miteinander, offene Ohren und weite Herzen, Puppen, die in jedem Stadium ihrer Entstehung zum Knutschen waren, genussvolle Körpererfahrungen, angeleitet von Carolin, einen Tänzerin und Bewegungspädagogin, die für einen Nachmittag aus Berlin angereist war, um uns so richtig schön in Bewegung zu bringen, sowie viele kleine und große magische Momente, die einem das Herz aufgehen und Tränen der Freude und Rührung in die Augen steigen ließen.

Puppenmachen tut der Seele gut, erst recht in einer Umgebung, welche die Sinne öffnet und einen ankommen lässt bei sich selbst, umsorgt und getragen von vielen guten Geistern um einen herum. Und so war es nicht nur Lauras Rose, die durch liebevolle Zuwendung zu neuem Leben erwachte, sondern diese Erfahrung durfte auch jede einzelne von uns selbst machen und nicht zu vergessen die Puppen, durch die diese Lebendigkeit auf das Schönste in die Welt hinausstrahlt.

Die Landpartie hat auch mich als Workshopleiterin erfrischt und inspiriert. Bis obenhin bin ich jetzt mit Puppenliebe angefüllt, vor allem aber mit Liebe für die Begegnung mit Menschen, die den Mut haben, sich im Herzen berühren zu lassen. Einmal mehr habe ich verstanden, dass genau das der Grund ist, warum ich Puppen nähe: um mich darüber mit den Menschen zu verbinden, mit meinen Kursteilnehmerinnen, Kundinnen und Kunden, Leserinnen und Lesern, Laura und meinen puppenmachenden und auch nichtmachenden Freundinnen und Freunden und allen, die Puppen und Puppenmacherei genauso lieben wie ich.

Die nächste Landpartie findet vom 22. bis 26. Mai 2019 statt. Alle Details findet ihr hier, Lauras Bericht von diesem Jahr hier und einen ausführlichen Text über unsere Premiere letztes Jahr hier. Anmeldung ab sofort an hello@mariengold.net.

© Bilder Laura Erceg-Simon, Maria Ribbeck und Verena Nowak