11. April 2022

Bücher: „Fingerpüppchen häkeln & nähen“ von Jana Tröger

Als ich im Frühjahr in der Verlagsvorschau von Freies Geistesleben das Buch „Fingerpüppchen häkeln & nähen“ von Jana Tröger entdeckte, machte meinen Herz einen großen Hüpfer. Zum einen, weil es eher selten vorkommt, dass ein neues, vielversprechendes Anleitungsbuch erscheint. Zum anderen, weil das Cover so fröhlich, leicht und verspielt daherkommt und auf einem Bild alles zusammenbringt, worum es mir beim Puppenmachen geht.

Man sieht darauf ein Kind mit offenem Blick und einem vergnüglichen Lächeln im Gesicht, das auf den Fingern seiner zum Spiel ausgestreckten Hand fünf Püppchen sitzen hat. Die Zwerge Pippa und Pelle sind dabei, unverkennbar Pippi Langstrumpf mit ihrem gelben Kleid und den roten Zöpfen sowie zwei weitere Charaktere, die mit nur einem Fingerknick zum Leben erweckt werden können. So einfach ist es, miteinander ins Spielen zu kommen. Und genauso einfach ist es im Grunde auch, diese Püppchen herzustellen.

Die Autorin Jana Tröger ist eine Meisterin ihres Fachs und macht mit dem liebevoll gestalteten Buch große Lust, eine kunterbunte Fingerpuppenwelt entstehen zu lassen. Dafür braucht es keine supertoll ausgestattete Werkstatt, sondern nur ein paar Basics wie Handarbeitsutensilien, Schafwolle und Puppentrikot und einen kleinen Schatz aus Stoffen und Garnen, Reste sind hier willkommen.

Das Buch enthält nicht nur genaue Text- und Bildanleitungen, Schnittmuster und Beispiele, sondern auch theoretisches Futter zur pädagogischen Bedeutung und den Möglichkeiten dieser kleinen Püppchen, Anregungen für Fingerpuppenspiele, Aufbewahrung und Dekoration sowie Reinigung und Reparatur.

Vorkenntnisse braucht es keine, auch nicht besonders viel Geschick oder Kunstfertigkeit. Denn eines macht dieses Buch ganz deutlich und deshalb berührt es mich auch so sehr: Beim Puppenmachen geht es nicht um das perfekte Ergebnis, sondern darum, aus dem Herzen für unsere Kinder, unsere Mitmenschen zu kreieren und Erfahrungen von Verbundenheit zu ermöglichen. Dafür sind diese kleinen, schlicht-und-einfachen Püppchen wunderbar geeignet. Mein Liebling ist übrigens der Marienkäfer Mary von Seite 84, der mein Erstlingswerk werden wird.

Nach ihren Lieblingen habe ich auch die Autorin gefragt. Hier ein kleines Interview, in dem ihr mehr über sie und ihr Schaffen erfahrt:

Was ist dein Hintergrund als Puppenmacherin? Wie bist du zu diesem Handwerk gekommen?

Bereits als kleines Kind beobachtete ich meine Mutter, wie sie Puppen herstellte, die sie später auf dem Herbstmarkt an unserer Waldorfschule verkaufte und die immer sehr beliebt waren. So wurde mehrmals im Jahr das Wohnzimmer für ein paar Tage in einen Werkraum umgewandelt. Überall lagen Stoffe, Schafwolle, Sisaldraht und fertige und unfertige Puppen herum. Ich wuchs also mit diesem Handwerk auf und lernte dabei schon früh, Puppen selbst herzustellen.

Was schätzt du besonders am Puppenmachen?

Ich arbeite grundsätzlich gerne mit meinen Händen. Beim Puppenmachen liebe ich es ganz besonders, wie ein kleines Wesen in meinen Händen entsteht, mich am Ende anblickt und zu sagen scheint: „Hallo, hier bin ich!“ Vor einigen Jahren entwickelte ich dann für unsere Familie die ersten Fingerpuppen und blieb an dieser Arbeit hängen. Ich mag es, dass sie so schnell gemacht sind und trotzdem so facettenreich ausgearbeitet werden können. Außerdem bin ich dabei ortsunabhängig, denn ich mache sie einfach überall – auf dem Spielplatz, auf dem Sofa, im Garten oder auch mal während einer längeren Zugfahrt.

Was macht das Fingerpüppchen für dich zu einem wertvollen Spielzeug?

Fingerpüppchen haben einen hohen Aufforderungscharakter. Ich beobachte immer wieder, wie sowohl Kinder als auch Erwachsene sich das Püppchen auf den Finger setzen und losspielen. Das sind meist keine Aufführungen, vielmehr entwickelt sich ein kleines gemeinsames Spielchen mit dem Kind und so entsteht schnell eine tiefe Verbundenheit. Ich finde, es ist auch etwas Besonderes, wenn das Fingerpüppchen selbst hergestellt wurde: Zuerst wird mit den eigenen Händen aus leblosem Material die kleine Figur erarbeitet und anschließend wird sie mit den eigenen Fingern zum Leben erweckt.

Welches Püppchen aus deiner Sammlung magst du am liebsten?

Oh, da gibt es einige! Aus dem Buch ist es zum Beispiel der Sandmann oder die Pippi Langstrumpf vom Coverbild. Aber auch die einfachen Figuren ohne aufwändige Details berühren mich sehr.

Bietest du deine Fingerpüppchen eigentlich auch zum Verkauf an? Und gibst du auch Kurse?

Ja, ich habe sie auch schon verkauft, vor allem auf Waldorfmärkten. Ich hoffe und freue mich, wenn diese wieder stattfinden können. Auch einen Kurs habe ich schon gegeben und es war eine sehr spannende Erfahrung. Das würde ich auch sehr gerne wieder machen.

Wie geht es nach dem Buch für dich weiter? Welche Pläne hast du für die Zukunft?

Ich stecke immer wieder voller Ideen. Als Mutter dreier Kinder und mit Job brauchen diese Ideen jedoch ihre Zeit, bis sie ausgereift bzw. verwirklicht sind. Aber unabhängig von meinen Zukunftsplänen würde mich sehr freuen, wenn das Buch viele Menschen erreicht und gefällt und bald viele kleine Fingerpüppchen die Welt bevölkern!

Liebe Jana, vielen Dank für das Interview. Ich bin mir sicher, dass die Fingerpüppchengemeinschaft wachsen und wachsen wird. Gratulation zu diesem wunderschönen Buch und alles Gute für dich und deine Arbeit!

Jana Tröger: Fingerpüppchen häkeln & nähen, Verlag Freies Geistesleben, ISBN: 978 3 7725 3135 4, 20 Euro.

Weitere Einblicke in Janas Arbeit gibt es auf ihrer Internetseite und bei Instagram unter @unikation.de.

© Bilder Jana Tröger und Lena Strohm (Autorin mit Kind)

Mehr Bücher findet ihr hier.

 


7. April 2022

Podcast #07: Verbindung durch Kreativität und was unsere Landpartie für Puppennähverliebte damit zu tun hat

In unseren Kursen und Workshops schaffen Laura und ich in seit über zehn Jahren – in jeweils eigenen oder auch gemeinsamen Veranstaltungen – Räume für ein kreatives, freudevolles und heilsames Miteinander, in denen es um weit mehr geht als nur Puppenmachen und aus denen die Frauen stets mit leuchtenden Augen und einem großem Lächeln im Gesicht herausgehen. Wir glauben, das liegt nicht nur an dem Erfolgserlebnis „Puppe nähen“, sondern auch an dem Miteinander, das sie in diesen kreativ-schöpferischen Runden erleben.

In dieser Episode sprechen wir über Verbundenheit und wie die Erfahrung von Gemeinschaft und Selbstwirksamkeit Menschen Kraft und Hoffnung schenken kann. Dabei gehen wir ausführlich auf unsere Landpartie für Puppennähverliebte ein und beantworten eure am häufigsten gestellten Fragen zu diesem wunderschönen mehrtägigen Puppennähfest im Grünen.

Ihr findet unseren Podcast auf Spotify und bei Apple Podcasts. Abonniert uns dort und verpasst keine neue Episode!

Oder ihr hört uns direkt hier, indem ihr auf den Player unten klickt.

Feedback, Themenwünsche und Fragen sind jederzeit Willkommen an hello@mariengold.net oder 1000rehe@gmx.de.

Weitere Episoden findet ihr hier, Eindrücke von den Landpartien der letzten Jahre hier.


29. März 2022

Geschenkideen für Puppennähverliebte #13 (Osternest-Ausgabe)

1 Eine gute (und auch schön anzuschauende) Handpflege ist jedes Mal bei meinen Geschenkideen dabei. Dieses Mal die Alles Liebe Handcreme von Primavera mit dem erhebenden Duft von Rose, Neroli und Mandarine. Erhältlich für 10 Euro in Naturkosmetikgeschäften oder direkt bei Primavera.

2 Eine Blumenwiese auf den Fingernägeln wächst mit diesen temporären Tattoos, die aufgeklebt und jederzeit wieder gelöst werden können. Gibt’s für ca. 3,80 Euro bei Etsy.

3 Ein magnetisches Herz für eure Stecknadeln hat Prym, das älteste industrielle Familienunternehmen Deutschlands, deren Serie Prym Love immer wieder mit hübschem, buntem Nähzubehör überrascht, Preis 8,80 Euro.

4 Loretta Napoleoni, Ökonomin, politische Analystin und Journalistin, hat mit „Die Macht der Maschen“ ein Buch über das Stricken geschrieben, dessen Untertitel „Wie stricken uns durchs Leben begleitet und miteinander verbindet“ eigentlich schon alles sagt. Erhältlich für 20 Euro im stationären Buchhandeln oder online.

5 Euer ganz eigenes Strickbuch könnt ihr mit My Knitting Notes von den Macher*innen des Laine Magazines schreiben. Darin ist nicht nur Platz für 31 Strickprojekte, sondern es gibt auch sechs Seiten für den Wollbestand, 18 Seiten für Notizen, eine Größentabelle für Stricknadeln sowie eine Auflistung der gängigsten Strickabkürzungen. Zu kaufen für 19,90 Euro bei Maschenfein.

6 Damit aus Puppen (oder Kindern) Schmetterlinge werden, brauchen sie nur ein Paar Flügel. Die gibt es von der Firma OYOY ab und zu bei Stadtlandkind (zur Zeit leider nicht) oder in der großen Größe für 68 Euro hier.

7 Handarbeiten und Serieschauen im Dunkeln, das geht wunderbar mit einer kleinen Lampe um den Hals, die nur das ausleuchtet, was die Hände tun. Ich möchte keine Werbung für die großen Handelsplattformen machen, aber wenn ihr sucht, findet ihr viele Modelle, auch in Rosa, Preis ca. 20 Euro.

8 Ein handgeschriebener Gruß ist immer ein große Freude, vor allem wenn es eine Karte mit Bezug zum Lieblingshobby ist. Bei Mylys gibt es schöne Motive von Strickdesignerin und Illustratorin Aleks Byrd, z. B. Knitster Girl Turtleneck, Knitster Girl Sweater & Sock oder Knitster Girl Sock, je 3,50 Euro.

9 Zum Basteln finde ich diese Augensticker aus Haftpapier ganz toll, die alles lebendig machen, Geschenkverpackungen, Luftballons und Einladungskarten zum Beispiel. Eigenproduktion von WLMNDYS, erhältlich in ihrem Shop, 100 Stück ab 6,99 Euro.

10 Und zum Schluss noch etwas Gutes für den Bauch und die Seele: MaKao She ist eine kakaohaltige Trinkmischung in Rohkostqualität mit Carob, Shatavari und Lucuma, speziell entwickelt für das Wohlbefinden der Frau. 80 g kosten 6,99 Euro.

Das Internet ist voller schöner Dinge und guter Ideen. Wenn ihr Vorschläge und Links für die Reihe habt, schreibt gern an hello@mariengold.net. Die Geschenkideen der letzten Jahre findet ihr hier, weitere Fundstücke hier.


17. März 2022

Podcast #06: Co-Kreation statt Konkurrenz: Wie wir seit acht Jahren als Puppenmacherinnen und Freundinnen zusammenarbeiten

Seit dem Launch unseres Podcasts (und auch in unseren gemeinsamen Kursen und Workshops) bekommen Laura und ich immer wieder die Rückmeldung, wie angenehm und überraschend es ist, dass wir zwei so gut befreundet sind und zusammenarbeiten, trotz dass wir als Puppenmacherinnen auch Konkurrentinnen sind.

Auf dieses Thema haben wir einen ganz eigenen Blick, den wir in dieser Episode teilen. Wir sprechen darüber, wie wir uns mit unserer Zusammenarbeit bewusst eine Gemeinschaft in der beruflichen Selbständigkeit geschaffen haben, was es braucht, damit es funktioniert, und wollen euch mit konkrekten Ideen Mut und Lust machen, euch ebenfalls mit anderen Menschen zu verbinden und gemeinsam zu kreieren.

Ein großes Dankeschön an Ricarda Kiel und Kathrin Bach für ihren Artikel „Ideen für Gemeinschaft in der Selbständigkeit“, in dem wir viele Anregungen und Inspiration gefunden haben.

Ihr findet unseren Podcast auf Spotify und bei Apple Podcasts. Abonniert uns dort und verpasst keine neue Episode!

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Feedback, Themenwünsche und Fragen sind jederzeit Willkommen an hello@mariengold.net oder 1000rehe@gmx.de.

Weitere Episoden findet ihr hier.


2. März 2022

21 Dinge über Mariengold

Mein Mann und ich lesen mehrere Tages- und Wochenzeitungen, aber um die Pakete mit den Puppen auszustopfen, verwende ich immer nur Blätter der ZEIT.

Im November 2020 habe ich die größte Bestellung aller Zeiten verschickt und zwar 13 Materialpackungen an eine Physiotherapie-Schule, aus denen die Schüler*innen Bobath-Demonstrationspuppen gemacht haben.

In meinen regelmäßigen Sonderpreisaktionen verkaufe ich das Details eBook immer am besten.

Seit einiger Zeit biete ich Rostrot als neue Farbe für den Mund an. Diese Farbe ist der Renner ich meinen Kursen und bei den Materialbestellungen, ich selber verwende sie aber nicht (obwohl ich sie sehr schön finde).

Normalerweise ist Hellbraun bei meinen Kundinnen die Lieblingshaarfarbe für die Puppen. Als diese Farbe jedoch vor einem Jahr wochenlang nicht lieferbar war, kamen bis auf ganz wenige Ausnahmen keine Bestellungen dafür rein, so dass sich der Engpass kaum bemerkbar gemacht hat.

Den Teaser für unseren Podcast nahmen Laura und ich erst nach der ersten Episode auf. Vorher waren wir stocksteif und brachten einfach nichts Gutes zustande. Nachdem wir aber anderthalb Stunden Gespräch aufgenommen hatten, war es auf einmal ganz leicht.

Ich verlasse jeden Tag das Haus, bevor ich zu arbeiten beginne, hole mir einen Kaffee in meinem Stammcafé, mache einen kleinen Spaziergang am See und kehre dann zurück. Das fühlt sich ein bisschen wie ein Arbeitsweg an.

Vor kurzem habe ich einen Arm als Bein in den Rumpf genäht habe, eine Premiere in 15 Jahren Puppenmachen.

Bei Farben mag ich Grün am wenigsten.

Das gleiche hätte ich bis vor ein, zwei Jahren auch über Gelb und Lila gesagt. Mittlerweile gehören sie zu meinen Lieblingen.

Am 26. Oktober 2021 um 8.46 Uhr habe ich zum ersten Mal selbst ein Bild in meinem Instagram-Account geteilt, dank einer relativ neuen Funktion, mit der man Bilder direkt vom Internet Browser hochladen kann. Davor hat das drei Jahre lang meine Grafik-Designerin für mich gemacht.

Denn ich habe nach wie vor kein Smartphone.

Den Namen meiner Tochter habe ich noch nie für eine Puppe verwendet. (Obwohl er sehr gut geeignet wäre.)

Für unseren Podcast erstelle ich für jede Episode ein mehrseitiges Skript, obwohl ich mir jedes Mal vornehme, es nicht zu tun.

Obwohl ich seit 15 Jahren Puppenbastelmaterial verkaufe, bin ich erst letztes Jahr im Weihnachtsgeschäft auf die Idee gekommen, den Trikotstoff für die Materialpackungen in größeren Mengen im Voraus zuzuschneiden (was tatsächlich viel Zeit und Nerven spart).

Nächstes Jahr werden (fast) alle meine Anleitungen für Puppen und Kleidung zehn Jahre alt. Heute frage ich mich, wie ich es 2013 eigentlich geschafft habe, sieben eBooks (plus die Übersetzungen) zu veröffentlichen.

Meine Website feiert dieses Jahr zehnjähriges Jubiläum. Und nach reiflicher Überlegung habe ich mich gegen einen großen Relaunch entschieden.

Mein Mann nannte meine Puppen früher, ganz zu Beginn, Marienpuppen. (Was ich liebenswert fand, aber nicht mochte.)

Er war es auch, der mir damals die ersten Wunschpuppenbestellungen vermittelte, z. B. für seinen Friseur bzw. dessen Tochter.

(Mit der damaligen Partnerin des Friseurs, die ich auf diesem Weg kennenlernte, bin ich bis heute eng befreundet.)

Ich habe an der Universität der Künste Berlin studiert und dachte währenddessen kein einziges Mal an Puppen.

Mehr Dinge über Mariengold findet ihr hier: 2019, 2018, 2017, 2015, 2013 und 2020.