21. Juni 2017

Haare für die Silke-Puppe

Wenn ich die Puppen der Traditionsmarke SILKE der Kösener Spielzeug Manufaktur nur ein bisschen früher entdeckt hätte, ich wäre wahrscheinlich keine Puppenmacherin geworden. Dann hätte ich Anfang der 2000er als junge Mama meiner Tochter genau so eine Puppe gekauft. Stattdessen, und das war sehr gut so, nähte ich sie selber, weil ich in den Geschäften nicht fündig wurde. Aber das war nur die halbe Wahrheit, wie sich später herausstellen sollte. Denn es gab sie, die schönen Puppen, nur wenige Hundert Meter von meinem damaligen Zuhause entfernt, in einem kleinen, feinen Laden am Kollwitzplatz hier in Berlin, dem Dudu, in dem ich mir damals mit meinem schmalen Budget nichts leisten konnte. Aber gucken. Und so verliebte ich mich in diese Puppen. Zu dem Zeitpunkt hatte meine Tochter längst ihre Tilda aus meinen Händen und ich war im Fieber und stellte selbst Puppen für den Verkauf her.

Seitdem sind mir die SILKE-Puppen immer wieder über den Weg gelaufen, meist paarweise, denn mehr hatten die Geschäfte in der Regel nicht vorrätig. Ich hatte sie aus der Ferne lieb, ihre schlichte Erscheinung, den sanften Gesichtsausdruck, ihre Zartheit, aber auch die Ruhe und Gelassenheit, die sie ausstrahlten.

Sie erinnerten mich auch an die Puppen von Käthe Kruse. Und tatsächlich stellte sich heraus, dass die Kösener Spielzeug Manufaktur 1911/12 von der weltberühmten Puppenmacherin gegündet worden war, bevor sie 1949 Bad Kösen verließ, um mit ihren Kindern in Donauwörth eine neue Firma aufzubauen.

All das ging mir durch den Kopf, als ich im April eine Puppe zugeschickt bekam mit der Bitte, ihr Haare zum Frisieren zu machen. Es gab zwar vorher einen E-Mail-Austausch und auch Bilder, aber erst als die Puppe leibhaftig in meinem Atelier eintraf, begriff ich, was ich da in den Händen hielt. Eine SILKE-Puppe, was für ein Glück. Und ich durfte ihr etwas von Mariengold hinzufügen, Doppelglück! Zuerst hatte ich Zweifel, ob das passen würde mit dem Goldschopf, ob es der Puppe nicht etwas von ihrer besonderen Erscheinung nehmen würde. Aber das Wallehaar war genau richtig, denn es hat das Mädchen, das auf seine Puppe wartete, sehr glücklich gemacht.

Anfragen für Reparatur, Aufarbeitung und Veränderung von Puppen an hello@mariengold.net.


29. Februar 2016

Zweites Leben für die Puppen

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Vor einigen Monaten erzählte mir eine liebe Stammkundin von Edda, der Puppe, die ich vor bald drei Jahren für ihre Tochter angefertigt hatte. Die Puppe wurde heiß geliebt und viel bespielt, zeigte aber leider starke Abnutzungserscheinungen. Der Stoff an Händen, Füßen und Gesicht war dünn und löchrig geworden. Da halfen auch keine Flickversuche mehr. Ich bat die Kundin, mir die Puppe nach Berlin zu schicken, damit ich mir selbst ein Bild machen und wenn möglich eine Reparatur vornehmen konnte.

Beim Wiedersehen mit Edda ging mir richtig das Herz auf! Ich war gerührt, weil der Puppe so sehr anzusehen war, dass sie unendlich geliebt und bespielt wurde. Trotz der Löcher sah sie gepflegt, gut umsorgt und wertgeschätzt aus. Ihre Kleider waren wunderschön und mir kamen fast die Tränen beim Anblick der kleinen Wollstrümpfchen, die die abgeriebenen Füße schützten.

Den Kummer meiner Kundin und ihrer Tochter konnte ich gut nachvollziehen und wollte gern die Verantwortung übernehmen und sehen, was sich machen ließe.

Eigentlich war es ganz einfach. Zuerst rettete ich das Puppenhaar, das noch völlig in Ordnung war, und löste vorsichtig das Perückenkäppchen vom Kopf. Dann entfernte ich den Kopf vom Körper und ersetzte ihn durch einen neuen. Stickte Augen und Mund in denselben Farben. Befestigte wieder den alten Haarschopf. Hauchte der Puppe mit etwas roter Farbe neues Leben ein. Und schon blinzelte Edda mich wieder fröhlich an.

Die Puppe machte sich gleich auf den Weg zurück zu seinem Kind. Und wie ich kurz darauf hörte, wurde sie freudig empfangen und glücklich in die Arme geschlossen. Alles gut gegangen.

Ein bisschen rätselhaft finde ich es aber noch immer, dass der Stoff an Eddas Körper schon nach relativ kurzer Spielzeit so verschlissen war. Hatte ich doch bereits Puppen von mir aus denselben Zutaten gesehen, die deutlich älter und zerliebt zwar, aber dennoch ziemlich gut in Schuss waren.

Und doch, es musste am Material liegen. An dem Stoff, auf den ich seit Jahren schwöre, den ich für einen der besten in Europa, vielleicht sogar auf der Welt halte, und den viele andere Puppenmacherinnen ebenfalls verwenden. Mangelnde Qualität? Ich weiß es nicht.

Puppen aus natürlichen Materialien verändern sich mit der Zeit. Sie werden weicher und ihr Stoff wird grau und schmutzig. Nach einer gründliche Wäsche sehen sie aber gleich viel besser aus (eine ausführliche Anleitung dazu findet ihr in meinen FAQ). Bei dieser Gelegenheit können die Puppen auch auf offene Stellen und Beschädigungen untersucht werden. Das meiste lässt sich leicht flicken und ausbessern.

Schmutz und kleinere Schäden tun der Liebe der Kinder zu ihren Puppen meist keinen Abbruch, ganz im Gegenteil: Ihre Herzen sind so groß und offen auch und vor allem für alles Unperfekte, Bedüftige, Schadhafte, Beschützenswerte, Verletzliche. Mein kleiner Lieblingstipp an dieser Stelle: Regelmäßig das Wangenrot auffrischen – das gibt den Puppen sofort neues Leben und erfreut die Kinder.

Wenn ihr auch eine reparaturbedürftige Puppe habt, ob von Mariengold oder nicht, schaue ich sie mir gern an und helfe, wenn ich kann. Einfach E-Mail an hello@mariengold.net schicken.