26. Januar 2021

Grund für einen neuen Erdbeermund

Neben Löchern an beanspruchten Stellen wie Nase, Händen und Füßen sind lose Fäden am Mund der häufigste Grund für Reparaturanfragen. Das kommt daher, dass der Mund meist mit einem Spannstich gemacht ist und der kann sich mit der Zeit lösen.

Das liegt in der Natur der Stoffpuppe: Wird sie bespielt, geherzt und geküsst, wird das Material mehr oder weniger stark beansprucht und die Puppe verändert sich. Konkret heißt das, die Füllung kann weicher werden, das Haar dünner, die Wangen blasser und Stickfäden können sich eben lösen. Das ist kein Zeichen von schlechtem Umgang, sondern ganz und gar natürlich, denn so eine Puppe besteht schließlich nicht aus unverwüstbarem Kunststoff, sondern aus textilen Materialien und wenn diese das ganze wilde Leben und ganz viel ungestüme Liebe mitmachen, zeugen sie früher oder später auch davon. Insofern sind diese Formen der Abnutzung im Gegenteil sogar ein gutes Zeichen, denn sie sind auch Lebensspuren und Liebesbeweise.

Zum Glück kann eine handgemachte Puppe in der Regel auch mit wenigen Handgriffen wieder in Ordnung gebracht werden. So eine Erneuerung des Mundes ist leichter als gedacht und dauert keine 20 Minuten. Dafür braucht man keine Unterstützung vom Profi und auch kein umständliches Entfernen des Haarkäppchens, sondern nur ein bisschen Mut und eine entschlossene Gut-genug-Haltung.

Und so geht’s

Ihr benötigt eine feine Stickschere, zwei Stecknadeln, eine lange Puppennadel und Stickgarn für den Mund. Ich verwende dafür das Knopflochgarn von Gütermann, das ist dünner und fester verzwirnt als Sticktwist und macht einen eher dezenten Mund, wie ich ihn mag.

Zuerst den losen Mund entfernen. Dafür den Faden (oder die Fäden, falls es mehrere sind) in der Mitte durchschneiden. Die beiden Enden jeweils etwas spannen und vorsichtig knapp an der Oberfläche abschneiden, so dass der Hautstoff nicht beschädigt wird. Falls noch ein kleiner Fadenrest geblieben ist, verabschiedet sich dieser durch sanften Druck in das Innere des Kopfes.

Mit zwei Stecknadeln die Mundwinkel markieren.

Je nach Kopfgröße einen ca. 40 cm langen Faden zuschneiden. Ich nehme ihn doppelt, deshalb schneide ich entsprechend mehr zu. Den Faden auf die lange Puppennadel nehmen und einen Knoten in das Ende machen. Damit der Faden gut fixiert werden kann, den Knoten etwas dicker, also doppelt oder dreifach machen.

Von hinten durch den Kopf nach vorne zum ersten Mundwinkel stechen (deshalb die lange Nadel). Den Faden straffen und prüfen, ob der Knoten gut hält. Wenn dem so ist, den Faden wieder entspannen und den Knoten unter dem Haarkäppchen verschwinden lassen.

Am zweiten Mundwinkel einstechen und am Hinterkopf wieder ausstechen. Den Faden leicht spannen, damit er der Mund straff anliegt. Die Spannung halten und den Faden mit einem kleinen Knoten am Hinterkopf fixieren und ein langes Ende in den Kopf verstechen und vorsichtig abschneiden. Der Vernäh-Knoten wird trotz kleiner Größe wahrscheinlich nicht ganz unsichtbar werden, aber das lässt sich gut mit den Haaren kaschieren.

Falls ihr auch mit doppeltem Faden gestickt habt, könnt ihr noch schauen, dass die Fäden am Mund nicht verzwirnt sind und sie ggf. mit der stumpfen Seite eurer Nadel sortieren, so dass sie sauber nebeneinander liegen (wie Ober- und Unterlippe).

Und wenn ihr schon dabei seid, könntet ihr gleich noch das Wangenrot auffrischen (z. B. damit) und mit dem „Fingerkamm“ durch die Haare gehen, eure Liebe mit einem Kuss besiegeln und die Puppe wieder in ihr wildes Puppenleben entlassen.

Weitere Reparaturen findet ihr hier.

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