26. März 2025

Bücher: „Tiny Friends“ von Tomomi Mimura

Dieses Buch steht schon seit letztem Oktober in meinem Regal, gut sichtbar, denn ich mag das Cover. Genauso lange habe ich überlegt, ob ich es vorstellen soll, ob es hier reinpasst, denn auf den ersten Blick hat es nichts mit Puppen nach Waldorfart zu tun. Und doch gibt es Gemeinsamkeiten. Etwa der Titel: Tiny Friends, winzigkleine Freunde, das wollen auch die Puppen sein. Und dann die unverkennbare Sorgfalt, das Zartgefühl und die Kunstfertigkeit, mit der diese Wesen erschaffen werden.

Erschaffen meint hier vor allem gestickt, genauer gesagt mosaikgestickt oder auch stopfgestickt. Dafür kombiniert Autorin Tomomi Mimura, eine renommierte Textilkünstlerin aus Japan, zwei verschiedene Techniken auf neue Weise miteinander: das Sticken und das Anordnen in Mosaike. Im Vorwort erzählt sie, wie sie darauf gekommen ist, und schon das ist die Lektüre wert. Ideen fallen nämlich meistens nicht vom Himmel und kaum jemand erfindet etwas völlig neu. Vielmehr bedeutet Kreativität, Verbindungen herzustellen, wo vorher keine waren.

Hier werden die Schnittteile für die kleinen Freunde erst mit einer bestimmten Technik bestickt, dann ausgeschnitten und schließlich zusammengenäht und weiter ausgearbeitet und verziert. Dadurch entstehen wunderschöne Farbmelangen mit Tiefe und Textur und ein Gewebe, das robust und haltbar ist, genauso wie man es sich für eine lange Freundschaft wünscht.

Ideenreichtum beweist die Autorin auch in ihren Designs. Der flauschbackige Hase auf dem Cover ist erst der Anfang. Weiter geht es mit Giraffe, Hund, Katze, Känguru und mehr. Mein Highlight ist das Schaf und wahrscheinlich auch das Einzige, das ich mir zutrauen würde.

Denn eins muss man wohl dazusagen: Schnell gemacht sind die Tierchen nicht. Vielmehr geht es um Präzision, Hingabe und sicher auch Entschleunigung in einer Welt, die es uns schwer macht, unsere Aufmerksamkeit länger auf eine Sache zu richten und in die Tiefe zu gehen. Was für ein Glück, sich Zeit nehmen zu können und etwas langsam wachsen und entstehen zu sehen. Mir scheint, dass es auch ein Anliegen der Autorin ist, diese Qualität wieder neu zu schätzen und die Fähigkeiten zu üben, die es dafür braucht.

Tiny Friends: A Guide to Mosaic Embroidery

Tomomi Mimura: Tiny Friends: A Guide to Mosaic Embroidery, Laine Publishing, ISBN: 9789527580080, 25,99 Euro.

Mehr Bücher findet ihr hier.


10. März 2025

Pullover flicken mit Stopfwolle

Wer Wollpullover liebt und trägt, kennt ganz sicher auch kleine Löcher im Strick, seien sie von Motten hineingebissen oder vom Zahn der Zeit genagt. Es gibt verschiedene Methoden, solche Stellen zu reparieren, aber ehrlich gesagt fehlt es mir zum ordentlichen Stopfen, wie ich beim letzten Kleiderflick-Wochenende in der Priegnitz gelernt habe, an Geduld und Geschick.

Da kam mir neulich ein ungewöhnlich farbenfroh gesprenkeltes Stopfwollvlies gerade recht. Bevor die Wolle in die Puppen ging (was ihre ursprüngliche Bestimmung ist), sammelte ich die Konfettifasern ab und wagte mich damit an die Reparatur eines Lieblingspullovers meiner Tochter aus hellgrauem Kaschmir. Die Farben passten perfekt und ich hatte grünes Licht für eine „kreative Reparatur“. Es funktionierte tatsächlich wunderbar und dauerte nicht länger als eine halbe Stunde. Und da ich mir vorstellen kann, dass auch ihr auf einem großen Stapel reparaturwilliger Wollkleidung sitzt, zeige ich euch hier, wie es geht.

Ihr braucht

Kardierte Rohwolle (z. B. Stopfwolle zum Puppenmachen oder jedes andere Material, das sich zum Filzen eignet)

Filznadel

Unterlage (z. B. eine Stechmatte, die gelbe Seite eines Spülschwammes tut es aber auch)

Und so geht’s

Den Pullover (oder was immer ihr reparieren möchtet) auf die Unterlage legen. Die Wolle in die gewünschte Größe und Form zupfen, auf die löchrige Stelle legen und und durch tiefes Ein- und Ausstechen mit der Filznadel erst einmal grob fixieren. Weiter filzen und die Wolle verdichten und plätten, so dass eine ebene Fläche entsteht. Ab und zu von der Unterlage lösen, da sich die Wollfasern auch gern damit verbinden. Je mehr ihr filzt, desto fester wird es. Und keine Sorge, meiner Erfahrung nach könnt ihr euer Strickstück nicht weiter beschädigen, da die Nadel wie Butter durch den Strick gleitet. Zum Abschluss mit einer Wunderbürste über den Pullover gehen, um Schmutz und Pilling zu entfernen und die Fasern aufzufrischen. Viel Freude dabei!

Kleider repariere ich nur privat, Puppen auch für Andere: hier alle Details zu meinem Reparaturangebot, weitere Beiträge zum Thema hier.


20. Februar 2025

Episode #27: Träume: Der Stoff, aus dem die Puppen sind

Aus der Winterruhe kommend, sprechen wir in der ersten Podcastfolge des Jahres über Traum und Wirklichkeit, guten Schlaf und gutes Träumen und wie wir die Kraft der Träume nutzen können – für unsere persönliche Entwicklung und auch zum Puppenmachen.

Damit wollen wir euch einladen, – wenn es euch möglich ist – ein wenig langsamer zu machen, euch Zeit für euch selbst zu nehmen, genüsslich auszuruhen und zu lauschen, was eure Träumen euch zu erzählen haben …

Ihr findet unseren Podcast auf Spotify und bei Apple Podcasts. Abonniert uns dort und verpasst keine neue Episode!

Oder ihr hört uns direkt hier, indem ihr auf den Player unten klickt.

Feedback, Themenwünsche und Fragen sind jederzeit Willkommen an hello@mariengold.net oder 1000rehe@gmx.de.

Weitere Episoden findet ihr hier.


13. Februar 2025

Aus meiner Puppenreparaturwerkstatt: Kami

Ganz selten kommt es vor, dass auch mal eine Puppe aus meinen eigenen Händen in meine Reparaturwerkstatt zurückkommt. Wie Kami aus dem Jahr 2018, die von Kind und Katze sehr geliebt wurde und entsprechende Spuren menschlicher und tierischer Zuneigung zeigte. Ursprünglich war nur ein neuer Stoffbezug für den Kopf gewünscht, aber dann stellte sich auch der Körper als dermaßen zerliebt heraus, dass ich beherzt zu einer Generalüberholung riet. Letztlich blieben nur der rohe Kopf und die Haare, den Rest machte ich neu. Das hätte ich mich natürlich nicht getraut, wenn es nicht eine von mir selbst hergestellte Puppe gewesen wäre. So konnte ich aber gut einschätzen, dass die Reparatur ein Erfolg werden würde und so kam es auch: Kami ist wie neu und doch die Alte und freut sich auf viele weitere Spieljahre mit Kind und Katze.

Wenn ihr eine Puppe habt, die eine Reparatur, Erneuerung oder ein Glow-Up braucht, schickt mir eine Mail an hello@mariengold.net, am besten gleich mit aussagekräftigen Bildern, damit ich mir schon einmal einen Eindruck verschaffen und euch ein maßgeschneidertes Angebot machen kann. Langes Leben für die Puppen liegt mir am Herzen, deshalb helfe ich von Herzen gern weiter.

Alle Details zu meinem Reparaturangebot findet ihr hier, weitere Beiträge zum Thema hier.


11. Februar 2025

Puppenmoment Nr. 5: Seebühne

Puppen sind überall, wenn man nur den Blick dafür schärft und mit wachen Sinnen durchs Leben geht. Von diesen unverhofften kleinen und großen Momenten und Begegnungen erzähle ich in dieser Reihe.

Puppen-sind-überall-Moment Nr. 5: Mitten im Winter verbringen mein Mann und ich gern ein paar Tage an der Ostsee. Dafür haben wir ein schönes Refugium auf der Insel Rügen gefunden, in dem es sich gut aushalten lässt, auch wenn Wind und Wetter stürmisch und eiskalt sind. Ein Ausflug ist jedes Jahr fix und zwar auf die Nachbarinsel Hiddensee, um Freunde zu besuchen, die dort ihren Rückzugsort für den Winter gefunden haben. Dann setzen wir mit der Fähre über, wärmen uns mit Tee bei unseren Freunden auf und unternehmen schließlich einen ausgedehnten Spaziergang am Strand entlang, über Kloster zurück nach Vitte. Dieses Mal trafen wir unterwegs Karl Huck vor seiner Seebühne, kamen mit ihm ins Gespräch und er bot an, für uns aufzuschließen, damit wir einen Blick in das Puppentheater werfen konnten. Und eine andere Zauberwelt tat sich auf. Ich war so glücklich und dankbar, für einen Moment in diese Welt eintauchen zu dürfen und nahm alles mit weit geöffnetem Herzen in mich auf. Die Zeiten sind hart für kunst- und kulturschaffende Menschen, zu denen auch ich mich zähle. Nach wie vor sind die Aussichten nicht rosig und es gäbe genug Gründe hinzuwerfen und sich einträglicheren Dingen zuzuwenden. An diesem Ort aber spürte ich seit längerer Zeit wieder, dass es gut und richtig ist, was ich mache. Und dass ich damit nicht allein bin und auch Andere dem Weg der Puppen folgen und damit viel Freude und Schönheit in die Welt bringen. Zum Abschluss schenkte Karl Huck noch Zitronenlikör in elegante kleine Kristallgläser aus, wir lachten und plauderten noch ein wenig und leicht beschwipst ging es mit der letzten Fähre zurück. Das war mein schönstes Winterferienerlebnis.

Hier findet ihr weitere Puppenmomente.