17. März 2014

Zeit

Mir ist aufgefallen, dass es in letzter Zeit hier auf meinem Blog viel um das Thema Zeit geht. Zuletzt vor einer Woche, als ich im Zusammenhang mit meinem Feedreader von „zeitsparenden Maßnahmen“ schrieb. Klar! Zeit ist ja, wenn alle Grundbedürfnisse erfüllt sind, das wichtigste Gut im Leben.

Wieviel Zeit möchte ich in Mariengold stecken? Wie kann ich mehr freie Zeit im Sinne von Freizeit finden? Wieviel Zeit brauche ich ganz für mich allein? Mit wem und womit möchte ich meine Zeit am liebsten verbringen? Was ist Zeit eigentlich? Und lässt sie sich überhaupt haben, finden, nehmen, planen oder gar sparen?

Eines meiner Ziele für 2014 ist „reich an Zeit zu sein“. So habe ich das Anfang des Jahres aufgeschrieben. In Bezug auf Mariengold heißt das, dass ich weniger arbeiten, den Gewinn meines Labels aber dennoch steigern möchte. Klingt erst einmal gegensätzlich, oder?

Mein Kopf ist voller Pläne für Mariengold. Projekte kommen und gehen. Ich habe tausend Ideen für die Zukunft. Dazu das laufende Geschäft mit den Puppen, DIY-E-Books und Puppennähkursen. Und nicht zuletzt dieser Blog. Klar, dass ich dafür Zeit brauche, viel Zeit. Wirklich?

Nö. Ehrlich gesagt habe ich den Eindruck, dass ich seit langem nicht mehr so angenehm ausgewogen gearbeitet habe wie in diesem Jahr. Ich fühle mich wohl, bin gesund und munter und seit einiger Zeit gut in meiner Mitte. Nachmittags lasse ich mich oft bei einem kleinen Schläfchen von der Sonne kitzeln. Ich mache jeden Tag eine Stunde Yoga, bin für jedes Experiment in der Küche zu haben und gehe am liebsten früh ins Bett. Wie das mit der vielen Arbeit für Mariengold zusammengeht?

Eine wichtige Erfahrung meiner Selbständigkeit ist das Parkinsonsche Gesetz, das besagt, dass Arbeit sich genau in dem Maße ausdehnt, wie Zeit für ihre Erledigung zur Verfügung steht. Ich habe das jahrelang an mir selbst beobachtet: Aufgaben, die sich in 30 Minuten erledigen lassen, können gern auch 3 Stunden dauern. Und umgekehrt. Daraus habe ich ein paar Schlüsse gezogen.

Erinnert ihr euch an den Timer? Anfang des Jahres habe ich ausprobiert, mir Zeitlimits im Arbeitsalltag zu setzen. Das ging mit einfachen Fleißaufgaben wie Recherchen, Materialeinkäufen und Aufräumen los. Dann kamen anspruchsvollere Dinge wie die Erstellung von Kreativ-Briefings, Entwurfsarbeiten und das Schreiben von Blog-Artikeln dazu. Als ich schließlich im Februar neben dem ohnehin schon aufwendigen laufenden Geschäft ein neues großes Projekt begann, blieb mir nichts anderes übrig, als mir für jeden einzelnen Tagespunkt ein klares Zeitlimit zu setzen. Und ganz wichtig: zu atmen.

Das Ganze funktioniert natürlich nur, wenn ich bereit bin, in den jeweiligen Zeitfenstern mein Bestes zu geben und es danach einfach gut sein zu lassen. Ein wichtiges Mantra in meinem Alltag lautet deshalb: „So wie es ist, ist gut genug.“ Und das fühlt sich im Moment genau richtig an.

Natürlich läuft nicht immer alles rund. Manchmal stehe ich mit dem falschen Bein zuerst auf. Manchmal arbeite ich langsam wie eine Schnecke. Und manchmal kommt einfach das Leben dazwischen (zum Glück!). Aber im Großen und Ganzen habe ich das gute Gefühl, allein zu bestimmen, wie ich meine Zeit gestalte. Genau diese Freiheit habe ich mir so sehr gewünscht, als ich mich vor sieben Jahren selbständig gemacht habe.

Vielleicht stellt sich die Frage, warum ich nicht einfach weniger arbeite im Sinne von, dass ich mir weniger vornehme und entsprechend weniger tue.

Nein, das kommt für mich zur Zeit nicht in Frage. Zum einen weil ich meine Arbeit sehr gern mache genau so, wie ich es gerade tue, und weil ich Puppen auch einfach aus Liebe zur Sache herstelle. Zum anderen erwirtschafte ich mit eben dieser Arbeit ja auch mein Einkommen.

Weniger zu arbeiten bedeutet deshalb in diesem Jahr für mich, dass ich meine Arbeitszeit klar begrenze, gut plane, konzentriert bei der Sache bin, mein Bestes gebe und rechtzeitig einen Punkt setze (auch wenn mir da natürlich oft mein Perfektionismus in die Quere kommt). Diese Arbeitsweise hat sich in den vergangenen Monaten wirklich gut bewährt und passt auch zu meinen Einkommenszielen.

Aber was viel wichtiger und toller ist: Ich fühle mich so langsam immer reicher an Zeit.

Und was sich mit der alles machen lässt! Zum Beispiel Buchweizen-Schokoladen-Granola, lesen, endlich mal wieder etwas selbst machen oder einfach: die Sonne genießen.

 

in: Berufliche Puppenmacherei, Einblicke und Ausblicke