15. Juni 2015

Was gerade so los ist #5

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Mariengolds aufregendstes Projekt in diesem Jahr nähert sich langsam, aber sicher dem Höhepunkt. Seit Ende Mai ist das Charlie Bo E-Book erhältlich, an dem Laura von 1000 Rehe und ich monatelang gewerkelt haben. Begonnen hatte unser Filzkopfprojekt letzten Herbst mit der Spitzenidee, zusammen einen neuen Kurs zur Herstellung von Puppenköpfen mit der Technik des Nadelfilzens anzubieten. Unbedingt machen, waren wir uns sofort einig. Die Idee für eine ausführliche Anleitung im E-Book-Format (ursprünglich nur) für unsere Kursteilnehmer/innen kam von Laura. Aus dem Filzkopf gleich eine ganze Puppe inklusive Kleidung zu machen, rundete ich das Ganze ab. 9 Monate später ist es endlich soweit: Das E-Book ist veröffentlicht und wir stehen kurz vor unserer Kurspremiere am 4. Juli hier in Berlin. Laura und ich freuen uns riesig über die große Resonanz auf unser Projekt, die vielen E-Book-Verkäufe und zahlreichen Kursanmeldungen. Merci von Herzen und Handküsse für euch!

„Nach dem Projekt ist vor dem Projekt.“, antwortete ich neulich schmunzelnd meiner Freundin Anna auf die Frage, ob ich das freudige Ereignis auch schön gefeiert hätte. Dass es nach der Veröffentlichung von Charlie Bo gleich mit der PuppenMITmacherei weitergehen würde, wurde mir so richtig erst ein paar Tage vor deren Auftakt klar. Am 1. Juli geht es los! Caro von Naturkinder und ich freuen uns wahnsinnig über die ersten Anmeldungen und können es kaum erwarten, mit euch zusammen Puppen zu nähen. Was meinen Beitrag zu unserer Aktion angeht, schwanke ich zwischen der Vollendung meines Holzköpfchens (zu dem letzten Sommer noch Holzhände und Holzfüße hinzugekommen sind) oder der Anfertigung einer ganz klassischen Mariengold Puppe für euch zum Mitmachen. Was würde euch denn mehr interessieren?

Vorletztes Wochenende fand mein letzter Puppennähkurs vor der Sommerpause statt. So viel wie in diesem ersten Halbjahr habe ich noch nie unterrichtet. Jetzt bin ich ganz ziemlich erschöpft und ein bisschen kursmüde. Besonders aufregend war im Juni, dass eine Teilnehmerin überhaupt kein Deutsch sprach. Zwar hatte sich eine andere Frau glücklicherweise zum Übersetzen bereit erklärt, dennoch habe ich natürlich auch ganz viel Englisch gesprochen. Hinterher schwirrte mir ordentlich der Kopf, aber das zweisprachige Unterrichten machte Spaß und ging ganz flüssig. Da trifft es sich gut, dass es seit einiger Zeit schon Interesse an Mariengold Kursen im Ausland gibt. Vielleicht werde ich nächstes Jahr ja wirklich in Amsterdam (bei Ineke) und Wien unterrichten (gut, für Wien braucht es nun wirklich kein Englisch). Außerdem häufen sich die Anfragen für Puppennähkurse für Kinder. Aber das ist nichts für mich und steht erst mal nicht an.

Im April habe ich für Mariengold endlich eine Haftpflicht- und Rechtsschutzversicherung abgeschlossen. Das Thema hatte sich schon vor zwei, drei Jahren angebahnt, als ich begann, Schritt für Schritt  die gesetzlichen Richtlinien und Normen zur Spielzeugsicherheit in der EU umzusetzen. Auch wenn meine Puppen alle Anforderungen erfüllen und das CE-Kennzeichen tragen, ist diese Versicherung eine sinnvolle Ergänzung (die mich nach anstrengenden Überlegungen und langem Hin und Her tatsächlich besser schlafen lässt).

Letzten Dezember beendeten meine Mitarbeiterin Karoline und ich unsere vierjährige Zusammenarbeit. Seit fast einem halben Jahr arbeite ich jetzt wieder ganz allein in meinem Studio. Ungewohnt und anders war das zunächst. Aufregend und neu. Tränen und Flüche hinter der Nähmaschine gab es aber auch ein paar Mal. Mittlerweile hat sich eine angenehme Routine eingespielt. Aber manchmal fehlt Karoline eben doch. Hier und da tauchten in den letzten Monaten liebenswerte kleine Spuren unserer Zusammenarbeit auf: sorgfältig gefaltete Stoffe, ihre runde Handschrift auf den Schnittmustern, kleine Zettel, mit denen ich immer die Stoffe für sie markierte, die super Schneiderschere, die sie mir zum Abschied schenkte (nachdem sie jahrelang mit stumpfen Scheren gekämpft hatte), ihr Lachen, das mir die viele Arbeit so oft erleichterte. Mit Karolines Abschied ist ein ganz bestimmter Abschnitt bei Mariengold zu Ende gegangen. Mein Label ist im Wandel. Das Neue bahnt sich langsam den Weg.

Vor einiger Zeit im Gespräch mit meiner Freundin und Grafik-Designerin Clara rutschte mir der Satz raus: „Blümchen, Streifen, Nickystoff – das ist vorbei, das bin ich nicht mehr“. Wie so oft in meinem schwierigen Frühjahr hatte ich mich so richtig in Rage geredet, heute würde ich das anders ausdrücken. Aber tatsächlich entwickle ich seit zwei Monaten ein neues gestalterisches Konzept zur Weiterentwicklung meiner Puppen. Nach acht Jahren mit meinem Label ist es an der Zeit, meine Arbeit neu zu denken, anders erfüllend zu gestalten und nachhaltig auf die Zukunft auszurichten. Ich habe Lust auf Veränderung bei Mariengold, so wie ich als Mensch mich in den letzten Jahren auch verändert habe. Gar nicht so einfach, so ein Prozess! Um herauszufinden, wie ich mir meine Arbeit in Zukunft vorstelle, nutze ich verschiedene Kreativtechniken, gestalte z. B. ein Moodboard für die Mariengold Puppe meiner Träume (dafür auch der große Stapel Milk Magazine, die ich von Indre bekommen habe) und arbeite mit Mind Maps, um auf neue Ideen zu kommen. Auch das Schreiben hilft mir, meine Gedanken zu ordnen und Klarheit über meine Wünsche und Ziele zu bekommen.

Dabei ist mir die Idee für eine Artikelserie mit dem Arbeitstitel „Puppenmacherei Heute“ für meinen Blog gekommen. Das Thema beschäftigt mich schon ganz lange, auch weil Mariengold direkt von den großen Veränderungen der letzten Jahre betroffen ist und sie teilweise mit auf den Weg gebracht hat. Meine Beobachtungen und Erkenntnisse habe ich bereits in einigen Thesen formuliert. Auch wenn es sich dabei letztlich um meine ganz persönlichen Gedanken handelt, sind sie vielleicht spannende Impulse für alle, die Puppen gewerblich herstellen oder es in Zukunft vorhaben.

Mich interessiert aber auch, was ihr so denkt, was euch interessiert und was ihr euch von diesem Ort hier wünscht. Deshalb plane ich für den Sommer eine ausführliche Umfrage unter meiner Leserschaft zu meinem Blog. Das ist sicher wieder ein Projekt, das am Ende viel größer wird, als ich es mir jetzt vorstelle. Aber ich bin total gespannt und habe große Lust, so etwas mal zu machen.

The time is now.

Ein Satz, der mich herausfordert: Das Ziel ist im Weg.

Eine Frau und ihre Bücher, die mich inspirieren: „Made by Hand“ und „Printing by Hand“ von Lena Corwin.

Ein Abschied, den mir schwer fiel und sich doch richtig anfühlt: Von meiner Gitarre.

Ein Lied, das mich begleitet: „Stranger Lover“ von Ibeyi.

Eine Freude, die ich mir bereitet habe: Zwei schöne Haarbänder zu nähen. Und sie ganz stolz zu tragen.

Worauf ich mich im Sommer freue: Mein Geburtstag. Bergluft. Das Meer. Vier Wochen Auszeit im August.

in: Einblicke und Ausblicke