28. Februar 2013

Wankelmut im Februar

Was für ein Monat! Wo bleibt die Sonne? Sie hat mir eigentlich immer gefehlt, ganz besonders aber während meiner zweiwöchigen Fastenzeit. Was konnte ich da mehr tun, als mich an Frühlingsgedanken zu wärmen?

Aber es waren weniger Gedanken an den Frühling, die mich durch den Monat begleitet haben. Vielmehr habe ich in den letzten Wochen – ach was, Monaten! – mit existentiellen Fragen zu Mariengold gerungen.

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Vom Ende der Illusionen in Bezug auf die Nachhaltigkeit meiner Arbeit habe ich ja schon vor einigen Monaten hier geschrieben. Seit Beginn meines Business Coachings im vergangenen Juni schaue ich mir alle Bereiche von Mariengold ganz genau an, vor allem die Zahlen. Dieser Prozess ist kein Spaziergang, sondern erfordert ein unerschrockenes Herz. Wenigstens das scheine ich zu haben. Aber der Boden unter meinen Füßen ist durch die neugewonnene Klarheit nicht gerade fester geworden. Der vorläufige Höhepunkt war Anfang Februar erreicht mit der schmerzhaften und zugegebenermaßen auch tränenreichen Erkenntnis, dass mir der kaufmännische Teil meiner Arbeit einfach nicht liegt und immer wieder zu Überforderung, Rückschlägen, Mehrarbeit und nicht zuletzt auch Zukunftsangst führt.

Zwar kann ich von meiner Arbeit leben, jedoch ist der Preis dafür ziemlich hoch und mein Spielraum trotz aller Anstrengung recht begrenzt, sowohl was die Einnahmen von Mariengold angeht, als auch was ich mir privat leisten kann.

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Diese Erkenntnis führt unweigerlich zu der Frage, ob ich eine so leidenschaftliche Puppenmacherin bin, dass es mir dieses Handwerk Wert ist, dass ich mit einem sehr hohen Aufwand ein doch recht überschaubares und für meine ohnehin bescheidene Lebensplanung wenig nachhaltiges Einkommen erwirtschafte und das möglicherweise ohne Aussicht auf Änderung in den nächsten Jahren.

Und darüber hinaus: Bin ich glücklich mit dem, was ich tue? Lebe ich meine Möglichkeiten? Kann ich mich in diesem Beruf so entwickeln, wie ich es möchte? Schöpfe ich mein Potenzial aus? Und so weiter und so fort.

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Es gibt sicherlich keine einfachen Antworten auf diese Fragen. Und hier und jetzt habe ich, wenn überhaupt, auch nur Ahnungen und Ansätze. Für den Moment bin ich froh, erst einmal an diesem Punkt angekommen zu sein. Denn mir all diese unbequemen Fragen zu stellen und keine Antworten, sondern nur Zweifel zu haben, ist nicht leicht auszuhalten. Wanken erfordert Mut.

Aber es geht. Ich kann sehr gut fröhlich wirbelnd und erfolgreich arbeiten und gleichzeitig den Wunsch nach Veränderung haben. Diese Erkenntnis trägt mich und mein unruhiges Herz nun doch noch unerwartet sanft und hoffnungsfroh in den nächsten Monat, in dem ich auf Visionssuche für meinen weiteren Weg gehen möchte.

Kein Mensch-Sein ohne Wanken. Kein Leben auf sicherem Boden.

Aber eines ist sicher: Der Weg führt immer von mir zu mir.

Was ich im Februar toll fand

Alles was sonnengelb ist, Serienglück mit Kommissarin Lund und Homeland, Winter am Schlachtensee, einhundertfünfundzwanig Teilnehmer an meinem Mitzi Gewinnspiel, die ersten Winterlinge im Heidehof, “Die Liebe in groben Zügen” von Bodo Kirchhoff, 2 Tage New York, meine Stadt im Berlinale Fieber, Ananas Kokos Saft von Voelkl (mein Fastenzeit-Elixier), dass es noch ein paar Mal geschneit hat, das Digitale Wörterbuch der Deutschen Sprache, das Mutterland in Hambug, Ingwer und Wärmflasche, die Design Sponge Studio Tour mit Jared Flood von Brooklyn Tweed, dass mir die Fahrstunden so viel Spaß machen, Telefonieren mit Juliane, “Say Say Say” von Paul McCartney und Michael Jackson und das Video-Rezept für Gebackene Trauben mit Mascarpone.

Was im März kommt

Frühlingshoffen, Ronja Räubertochter im ATZE Musiktheater, das neue Kinfolk Magazine, “Quellen des Lebens”, ein lang verabredetes Spiele-Treffen mit meiner Tante, “An Awesome Wave” von Alt-J, Congee wie bei Ulma, endlich eine Wiedersehen mit meiner Freundin Kristina, Osterglocken, ein Werk-Treffen mit Laura und Julia, “Die Kunst des Feldspiels” von Chad Harbach und ein Ottolenghi-Abend mit Freunden.

in: Einblicke und Ausblicke