21. Oktober 2014

Schalk im Gesicht

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Sommersprossen geben Puppengesichtern etwas Aufgewecktes, Schelmisches und Freches. Diese kleinen Pünktchen erzählen von einer wachen, kecken Lebensart und machen Mut, sich – wie Pippi Langstrumpf – vom Leben zu nehmen, was es an Abenteuern und Freiheiten bietet. Kein Wunder also, dass Puppen mit Sommersprossen so beliebt sind und Eltern ihren Kindern genau diese Energie mit auf den Weg geben möchten.

Nichts leichter als das! Denn Sommersprossen sind ganz einfach auf Puppengesichter zu zaubern. Dafür verwende ich einen braunen, wasserfesten Fineliner mit einer Linienstärke von etwa 0,25 mm, z. B .den Pigma Micron 01 der japanischen Firma Sakura, erhältlich in Läden für Architektur- und Künstlerbedarf oder hier. Mit diesem feinen Stift können auch Augenbrauen aufgemalt werden.

Beliebte Mariengold-Puppen mit Sommersprossen sind Ole, Wanda und Oska.

 


20. November 2013

Rezension und Interview: Es ist nie zu spät für eine liebevolle Kindheit

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Puppen sind nicht nur wertvolle Spielzeuge für Kinder, sondern sie können auch bedeutsame Begleiter für Erwachsene sein. So werden Puppen z. B. in der Psychotherapie bei Heilungsanliegen eingesetzt, die das “Innere Kind” betreffen.

Das “Innere Kind”, das sind die im Gehirn gespeicherten Gefühle, Erinnerungen und Erfahrungen aus der eigenen Kindheit. Seit den 1990er Jahren haben sich in der Psychotherapie verschiedene Ansätze und Verfahren entwickelt, die mit der Vorstellung des “Inneren Kindes” arbeiten, um seelische Wunden aus der Vergangenheit und Gegenwart zu heilen, falsche oder dysfunktionale Glaubens- und Lebensmuster zu erkennen, Probleme selbstverantwortlich zu lösen sowie einen liebevollen Umgang mit sich selbst und anderen zu bewirken.

In diesem Prozess wird die Verbindung zwischen dem “Inneren Kind” und dem Erwachsenen machmal auch mittels einer Puppe hergestellt, die das “Innere Kind” darstellt und so zum Medium der Begegnung und Heilung wird.

Viele solcher Heilungspuppen, wie ich sie nenne, haben in den letzten Jahren meine Werkstatt verlassen. Was sie denn jetzt mit der Puppe machen sollen, fragen meine Kunden häufig. Ein paar Anregungen gebe ich dann immer gern mit auf den Weg. Aber eigentlich betrachte ich meine Arbeit mit Vollendung der Puppen als abgeschlossen. Schließlich bin ich keine Psychotherapeutin. Trotzdem bleibt manchmal das Gefühl, dass da noch etwas offen ist.

Umso mehr habe ich mich gefreut, als ich vor einigen Wochen auf ein kleines Buch mit dem Titel “Es ist nie zu spät für eine liebevolle Kindheit” aufmerksam geworden bin. Es stammt aus der Feder der Autorin und Grafik-Designerin Irmi Riedl, die sich mit ihrem Label Lina-Art auf sanfte, humorvolle und kreative Weise Fragen des Glücks, der Familie und der Kindheit widmet.

Das Büchlein läd mit vielen Fragen und Raum für Gedanken und Erinnerungen auf eine Reise zurück in die eigene Kindheit ein, bei der man schreibend und rückblickend in Verbindung mit seinem “Inneren Kind” kommt. Auf diese Weise werden wertvolle Ressourcen für das Leben im Hier und Jetzt wieder aufgedeckt.

Das macht das Büchlein zu einem guten Begleiter auf solchen Heilungs- und Entwicklungswegen und natürlich auch zu einer Empfehlung meinerseits für die Arbeit mit einer Puppe als Unterstützung, um in Zwiesprache mit der eigenen Seele zu kommen.

Um euch das Büchlein vorzustellen, habe ich Irmi ein paar Fragen gestellt:

Wie bist du auf die Idee zu dem Büchlein gekommen?
Eines Tages machte mich ein Freund auf ein Foto aufmerksam mit den Worten: „Sieh mal, wie deine Mutter auf dem Foto lieb schaut.“ Wie bitte? Meine Mutter? Ich nahm das Foto sofort genauer unter die Lupe. Zu meiner Überraschung, ja! Ihr Gesicht hatte einen sehr liebevollen Ausdruck. Wieso ist mir das nicht schon früher aufgefallen? Warum hatte ich ihr freundliches Gesicht nicht bemerkt? Wollte oder konnte ich es nicht sehen?

Es beschäftigte mich und ich stellte mir die Frage, ob es nicht doch auch ein Stück weit an mir liegen könnte, dass ich meine Kindheit als nicht besonders schön in Erinnerung behalten habe. Stimmt es, war meine Kindheit wirklich nur anstrengend? Oder kann es sein, dass es sehr wohl auch Geborgenheit, Wärme, Fürsorge, usw. gab? Aber warum erinnert man sich so wenig daran? Wiegen die unangenehmen Erlebnisse doch schwerer und haben deshalb die guten Erinnerungen weniger Chancen, im Gedächtnis zu bleiben?

Gestern sah ich einen Film über eine Frau, die wirklich Allerschlimmstes in ihrer Kindheit durchmachen musste. Trotzdem erwähnte sie im Interview, sie hätte auch gute Tage erlebt, die sie auf keinen Fall vergessen möchte.

Also, nun galt es, die schöneren, helleren, liebevolleren Momente aufzustöbern. Vielleicht hatte ich es sogar auch selber satt, mich immer nur an das Unangenehme in meiner Kindheit zu erinnern und mich im Kreis zu drehen. Und so war die Idee zu diesem Büchlein geboren.

Für wen hast du das Büchlein gemacht?
Für Frauen und Männer, die den Blick auf das Positive in ihrer Kindheit teils verloren haben. Für alle, die sich mit dem Thema “Inneres Kind” und Heilung beschäftigen.

Aber auch für alle, die Lust haben, sich an all die Momente zu erinnern, in denen sie sich stark, erfolgreich, verträumt, unschlagbar, verliebt, satt, künstlerisch, musikalisch, entzückt, albern, experimentierfreudig, vergnügt, sportlich, energisch oder stolz gefühlt haben.

Also in einem Satz: Für alle, die ihrem kindlichen und gesunden Wesenskern wieder begegnen wollen.

Ich habe das Büchlein im Entstehungsprozess von einer „Inneren-Kind“-Therapeutin und einem Heilpraktiken testen lassen. Sie waren sehr davon angetan und empfehlen es an ihre Klienten weiter.

Welche ist deine Lieblingsseite?
Ich glaube, es würde mir nicht gelingen, nur eine zu nennen. Zu meinen Lieblingsseiten gehört aber auf jeden Fall das Titelbild, auf dem eine Frau ihr “Inneres Kind” hält.

Diese Seite macht weich. Sein eigenes “Inneres Kind” in der Vorstellung liebkosend zu halten, so wie man es sich damals als Kind gewünscht hätte, dies zu tun, dafür ist es auch im Nachhinein nie zu spät.

Wem es schwer fällt, nur mit der Vorstellung zu arbeiten, empfehle ich eine Puppe. Auch ich hatte für eine Weile eine süße Babypuppe, die ich nach meinen Vorstellungen und Wünschen liebevoll pflegte. Das hatte eine heilende Wirkung auf mich, denn die Liebe kommt dadurch wieder ins Fließen.

Was rätst du Menschen, die mit deinem Büchlein in Kontakt mit ihrem “Inneren Kind” kommen möchten?
Das Büchlein habe ich bewußt so klein im Handtaschenformat gehalten, damit man es eine Weile bei sich tragen kann. Wer sich darauf einlässt, wird spielerisch und mit viel Feingefühl in die eigene Kindheit geführt.

Mit Fragen wie nach dem Lieblingsplatz von damals, an dem man Raum und Zeit vergessen konnte, lässt es sich gut an diese Welt anknüpfen. Mit vielen leichten, aber auch tiefgreifenden Übungen kommen vergessene, beglückende und herzerwärmende Erlebnisse zurück. Wiedererinnerte Menschen, die uns inspirierten, in Erfüllung gegangene Wünsche, berührende Momente – das alles sind Kraftquellen, die es aufzustöbern gilt.

Das Büchlein lädt dazu ein, mit neuem, offenem Blick auf die eigene Kindheit zu schauen, mit Fokus auf dem Positiven. Wenn man zu einigen Übungen keinen guten Kontakt hat, kann man sie einfach überspringen. Es soll sich immer leicht und freundlich anfühlen.

Auf den hinteren Seiten nähern wir uns schließlich wieder unserem heutigen Ich. Über weitere Übungen können wir erkennen, dass wir die weniger angenehmen Erlebnisse längst in gute Qualitäten oder Fähigkeiten transformiert haben. Sie lassen uns stärker und liebevoller erscheinen. Am Ende fühlen wir uns glücklicher und stärker. Wenn wir unser “Inneres Kind” liebevoll pflegen und das Positive wieder zulassen, können wir wirklich erwachsen werden.

Was wünschst du dir für das Büchlein?
Es macht mich glücklich, wenn ich höre, dass Menschen durch das Büchlein wieder Kontakt zu ihrem zarten, gesunden Seelenanteil finden. Das Büchlein möchte Achtsamkeit und Sanftheit, aber auch Mut zur eigenen Sensibilität in die Seele pflanzen.

Ich bin voller Vertrauen, dass es den Menschen begegnen wird, die dafür bereit und offen sind. Verletzlichkeit oder Sensibilität zu zeigen, ist der Schlüssel zu einem aus ganzen Herzen erfüllten Leben. Sie ist keine Schwäche, sondern ein Zeichen von Stärke.

Übrigens: Als ich mein erstes Layout-Exemplar durchgelesen hatte, war ich selber sehr berührt, weich und beglückt. Ich ertappte mich sogar bei dem Gedanken: “Oh, so ein Büchlein will ich auch haben!” Irgendwie empfand ich es als einen kleinen Schatz.

Vielen Dank, liebe Irmi, für das Interview und ganz viel Freude und Erfolg für dein Projekt!

Irmi und ich verlosen ein Exemplar ihres Büchleins “Es ist nie zu spät für eine liebevolle Kindheit”. Wenn ihr es gewinnen möchtet, schreibt bis Sonntag Nacht an hello@mariengold.net. Den Gewinner werde ich am Montag auslosen und benachrichten. Das Büchlein bekommt ihr dann von Irmi zugeschickt. Viel Glück!

“Es ist nie zu spät für eine liebevolle Kindheit. Notiz- und Date mit deinem kleinen Ich-Büchlein” von Irmi Riedel, www.lina-art.de, erhältlich für 14.90 Euro hier oder direkt bei Irmi.

Vom Reportagemagazin Geo gibt es übrigens passend zum Thema gerade ein Heft mit dem Titel Mütter: Wie sie uns ein Leben lang prägen.

(Das Buch hat Sandra gewonnen.)


26. September 2012

Buchvorstellung: Puppen – Heimliche Menschenflüsterer von Insa Fooken

– Die Gewinnerin der Buchverlosung ist Monika. —

Recently a mindful reader of my blog recommended the book “Puppen – Heimliche Menschenflüsterer” by Insa Fooken to me. A free translation of the title could be “Dolls – Secret Human Whisperers”. As a dollmaker with an academic background, interest in psychology and a focus on the healing power of dolls, this is the book I was always waiting for. The author Insa Fooken, who is a professor for psychology at the University Siegen in Germany, scientificly explores the magic of dolls in different contexts like cultural history, psychology, literature and education. The book is a valuable source of inspiration and knowledge and it provides a wide view on dolls and their importance for humans. It was published this year and as far as I know it is not translated into English yet. The publisher gently provided me with a copy for a drawing. If you understand German and are curious about the book, feel free to send my an e-mail to kontakt@mariengold.net to win the book. Closing date is Thursday night.

Vor Kurzem hat mir eine aufmerksame Leserin meines Blogs das Buch “Puppen – Heimliche Menschenflüsterer” von Insa Fooken empfohlen, das vor ein paar Monaten erschienen ist. Die Autorin ist Professorin für Psychologie an der Universität Siegen und ihre Arbeit an dem Buch wurde unterstützt von der Stiftung “Chancen für Kinder durch Spielen”, die sich der Bedeutung von Puppen, Teddies und Kuscheltieren für Kinder widmet. Als Puppenmacherin mit akademischem Hintergrund, Interesse an Psychologie und Schwerpunkt auf der heilenden Kraft der Puppen, ist dies das Buch, auf das ich immer gewartet habe. Mit einer spannenden Mischung aus Psychologie, Literatur-, Entwicklungs- und Kulturgeschichte erforscht die Autorin wissenschaftlich die Magie der Puppen. Das Buch ist eine wertvolle Quelle der Inspiration und des Wissens über Puppen und ihre Bedeutung für die Entwicklung des Menschen.

Als Puppenmacherin, Kursleiterin und Mutter begegne ich dem Thema Puppen auf vielen verschiedenen Ebenen. Neben dem Handwerk selbst liegt mein Interessenschwerpunkt auf der Heilkraft der Puppen oder Puppen als Spiegel der Seele, wie ich es selbst nenne. Bisher habe ich mich dem therapeutischen Aspekt von Puppen, Puppenspiel und der Herstellung von Puppen eher intuitiv und spielerisch und basierend auf Beobachtungen und meinen und den Erfahrungen anderer genähert. Literatur ist kaum zu dem Thema zu finden. Auch Menschen vom Fach wie Psychotherapeuten, Heilpraktiker und Kunsttherapeuten können mir meist nur mit ein paar Hinweisen und Stichworten weiterhelfen. Das Buch von Insa Fooken dagegen eröffnet einen vielseitigen Einblick in das Phänomen Puppe, beantwortet ganz viele Fragen, die im Laufe meiner Tätigkeit als Puppenmacherin aufgetaucht sind, und macht Lust und neugierig, zu bestimmten Aspekten selbst weiter zu forschen und zu lesen. Dafür danke ich der Autorin von Herzen.

Auch schätze ich an dem Buch sehr seine umfangreiche Literaturliste, die Bilder von Menschen und Puppen aus Fotografie und Malerei und die vielen Hinweise auf Puppen in der Literatur. Schon jetzt nach der ersten Lektüre des Buches habe ich das Gefühl, dass es mich und meine Arbeit in der nächsten Zeit intensiv begleiten und inspirieren wird. Ich fühle mich bestätigt und ermutigt, weiter an meinem Herzensthema dran zu bleiben und meinen persönlichen Fokus in der Puppenmacherei nicht zu verlieren. Das Buch gibt mir einen großen Aufschwung und möglicherweise den entscheidenden Anstoß, weiter an meinem neuen Kurskonzept für Puppen als Spiegel der Seele zu arbeiten und es euch bald vorstellen und anbieten zu können. Ich verrate schon einmal so viel: Es wird ein virtueller Kurs sein, an dem ihr von überall aus teilnehmen könnt.

Wer noch etwas tiefer in die Thematik des Buches eintauchen möchte, dem empfehle ich ein Interview mit der Autorin im Schweizer Tages-Anzeiger mit dem Titel “Puppen sind der Schlüssel zu Identität und Menschwerdung” und den Radiobeitrag “Die Puppe. Heimlich-unheimliches Leben” von Bayern2. Eine ausführliche Inhaltsangabe sowie eine Leseprobe finden sich auf der Internetseite des Verlags.

Der Verlag Vandenhoeck & Ruprecht hat mir freundlicherweise ein Exemplar für eine Verlosung zur Verfügung gestellt. Wenn ihr das Buch gewinnen möchtet, schreibt mir bis Donnerstag Nacht ein E-Mail an kontakt@mariengold.net. Den Gewinner werde ich am Freitag auslosen und benachrichtigen. Ganz viel Glück wünsche ich euch!

 


21. März 2012

Annas kleiner Wassermann ~ Anna’s little Water-Sprite

Some time ago my friend Anna asked me to help her create a special doll based on the book “The Little Water-Sprite” by Otfried Preussler for her son’s fifth birthday. Beside his green hair, the red pointy cap and the green eyes, I noticed his big ears as special feature and suggested Anna to try doll ears like I have seem them on dolls by various dollmakers lately. I had so much fun designing the ears and helping Anna to create this special little character. It is always a precious experience to leave my comfort zone and try out something new, which in relation to the little water-sprite meant to allow green hair and doll ears. I thought about the meaning of ears a lot before trying them out myself. Doll ears are not only a cute design feature, they also tell about how we experience the world, what is important for us and what we want to send our children on their way. Generally speaking, ears are for listening and understanding, for hearing other people as well as the own, inner voice.  Creating doll ears is evidence of the will to get in contact, to be aware of the hope for love behind all spoken words and to develop compassion for other people and for oneself. Ears signalize openness and receptiveness. With doll ears we allow the children to experience the meaning of ears and to develop the ability to listen with love. I am happy to have one more cute and also meaningful mean of design for my dolls and thank all the dollmakers who headed to doll ears before me and allowed me to participate in their experience to find my own way. Back to the little water-sprite,  just right in time after the good experience with the green-haired doll I got an order for a baby doll with pink hair. I am ready to do that and so much more!

Vor einiger Zeit ist meine Freundin Anna mit einem besonderen Anliegen auf mich zugekommen. Ihr Sohn liebt die Farbe Grün und das Buch “Der kleine Wassermann” von Otfried Preussler. Zu seinem fünften Geburtstag möchte sie ihn mit einer besonderen Puppe überraschen und hat mich gefragt, ob sie in einem Einzelkurs einen kleinen Wassermann mit mir nähen könne. Ich war sofort inspiriert und hatte richtig Lust, ihr bei der Umsetzung ihrer Idee zu helfen.

An drei Vormittagen hat Anna unter meine Anleitung genäht, gestopft und gestickt und einen niedlichen kleinen Wassermann hergestellt. Sie hatte immer auch das Buch dabei, an dessen Titelbild wir uns bei der Gestaltung orientiert haben. Nebenbei gesagt, die Illustrationen von Otfried Preusler, auch in seinen Büchern “Die kleine Hexe”, das meine Tochter und ich sehr mögen, und “Das kleine Gespenst”, sind so liebevoll und wunderschön, dass es uns eine Freude war, uns von den Zeichnungen inspirieren zu lassen. Mir sind neben den grünen Haaren, der roten Zipfelmütze und den grünen Augen besonders die großen Ohren des kleinen Wassermannes aufgefallen und ich schlug Anna vor, diese an der Puppe auszuprobieren.

Ohren erscheinen Menschen, die sich nicht wie ich viel mit Puppenmacherei beschäftigen, an Stoffpuppen nach Waldorfart doch eher ungewöhnlich. Hätte ich Anna nicht darauf angesprochen, wäre sie vermutlich gar nicht auf die Idee gekommen, dieses kleine, aber wichtige Extra zu gestalten. Ich jedoch fühlte mich ermutigt und angeregt von den vielen Puppenöhrchen, die ich in letzter Zeit bei anderen Puppenmacherinnen entdeckt habe, und nahm es als Gelegenheit, das selbst mal auszuprobieren. Spaß hat es gemacht, das Ganze auszutüfteln, und niedlich sind die Ohren geworden! Anna ist ganz entzückt, und ich freue mich darauf, in nächster Zeit vielleicht auch mal eine Freitagspuppe mit Ohren zu versehen. Mir hat der Puppennähkurs mit Anna ganz viel Freude gemacht, auch wenn ich meine Grenzen an diesen Montagvormittagen manchmal schon gespürt habe, denn ich habe in dieser Zeit ja auch einen großen Gruppenkurs und noch zwei weitere Einzelkurse gegeben sowie viele Auftragspuppen genäht. Es wundert es mich übrigens nach der guten Erfahrung mit dem grünhaarigen Wassermann nicht, dass ich vor ein paar Tagen prompt eine Bestellung für ein Puppenbaby mit rosaroten Haaren bekommen habe. Ich freue mich drauf!

Mit dem kleinen Wassermann bin ich gestalterisch auch wieder ein Stück weitergegangen und habe meine Komfortzone verlassen, indem ich es mir erlaubt habe, mal eine andere als eine klassische, natürliche Haarfarbe für eine Puppe zuzulassen. Auch die Entscheidung für die Ohren hat eine Geschichte, die schon Wochen vor Annas Puppenkurs begonnen hatte. In meinen Überlegungen ging es vor allem um die Frage, wem Puppenohren gehören. Wenn ich das so aufschreibe, wird mir bewusst, wie absurd diese Frage eigentlich ist, aber ich habe sie mir ernsthaft gestellt und es dauerte seine Zeit, bis ich meine Antwort darauf gefunden hatte.

Um die Jahreswende tauchten bei einigen Puppenmacherinnen auf der Welt Puppenohren auf. Ich glaube nicht an Zufälle. Und die Frage nach Original und Kopie greift zu kurz und ermöglicht keine spannenden Antworten. Aber ich glaube, dass manchmal einfach etwas in der Luft liegt, eine Idee, eine Energie, dass die Zeit dann reif ist für den nächsten großen Schritt und dass Menschen unabhängig voneinander ganz ähnliche Entwicklungen machen können. Dafür gibt es auch Begriffe aus Wissenschaft und Esoterik, die den Rahmen hier jedoch sprengen würden. In Bezug auf die Puppenohren glaube ich, dass die einfach dran waren, dass sie einen wichtigen Entwicklungsschritt für die Stoffpuppenmacherei bedeuten und dass sie genau jetzt, zu dieser Zeit Sinn machen, sowohl für die Puppenmacherinnen als auch besonders für die Kinder.

Wenn wir Puppen Ohren geben, ist das nicht nur ein gestalterischer Ausdruck, mit dem wir unseren Schönheitssinn vermitteln, sondern es hat auch eine Bedeutung und erzählt etwas darüber, wie wir die Welt sehen, was uns wichtig ist und was wir den Kindern, für die wir die Puppen nähen, mit auf den Weg geben möchten. Ganz allgemein stehen Ohren für die Ausrichtung zwischen Innen- und Außenwelt, also für die Fähigkeit, andere Menschen, aber auch die eigene, innere Stimme zu hören und zu verstehen. Die gestalterische Betonung von Ohren zeugt von dem Willen, in Kontakt zu kommen, den Wunsch nach Liebe in allen gesprochenen Worten zu erkennen und Mitgefühl für andere Menschen und für sich selbst zu entwickeln. Ohren signalisieren Offenheit und Empfänglichkeit. Mit den Puppenohren erlauben wir den Kindern, die Bedeutung der Ohren einmal mehr wahrzunehmen und die Fähigkeit zu entwickeln, gerne zu hören und dem Leben liebevoll zu lauschen.

Nachdem ich mir diesen Zusammenhang bewusst gemacht hatte, stellte ich mir nicht länger die Frage, ob ich überhaupt Puppenohren machen dürfe, wo doch andere Puppenmacherinnen vor mir damit begonnen hatten. Natürlich darf ich das! Vielmehr wurde mir klar, dass Puppenohren ein ebenso niedliches wie sinnvolles Gestaltungsmittel sind, die meinen Spielraum als Puppenmacherin erweitern und bereichern. Ich danke allen Puppenmacherinnen, die mir ermöglicht haben, Puppenohren zu entdecken, ihre Bedeutung zu erforschen und sie schließlich selbst auszuprobieren und vielleicht irgendwann in meine eigene Arbeit zu integrieren.

Um noch einmal kurz auf Otfried Preussler zurückzukommen, Anfang Mai wird in der Schaubude in Berlin-Prenzlauer Berg “Die kleine Hexe” als Puppentheaterstück aufgeführt. Ich habe schon Karten reserviert und freue mich sehr auf die Vorstellung.


23. Dezember 2011

Vasalisa

Some years ago I discovered the old Russian fairy-tale Vasalisa’s Doll, which is very dear to me, because in its essence I also discover the deepest concern of my dollmaking. It is about female intuition, pictured as a little doll in Vasalisa’s apron pocket, and how strong women become when they follow the voice of their heart. What I appreciate most about the fairy-tale, is the doll as a symbol for the voice of the soul, that is our truest companion, if we only follow it. This power hides in all the dolls, that mothers give their children as companions on their path of life. We can support the connection between our children and the voice of their heart, as we give them dolls, in which they can find their own selves. When children ensoul their dolls, they always strengthen the connection to their own soul as well. With the friendly help of two friends I recorded the fairy-tale of Vasalisa and her little doll as a Christmas gift for my blog readers and companions. It is in my mother tongue, but I hope to encourage you, who maybe don’t understand German, to take the time and dive into the world of fairy-tales and nourish your souls. Have a wonderful sparkling Christmas time with light and love in year hearts.

Als ich vor einigen Jahren das Märchen “Die Puppe in der Schürzentasche” fand, spürte ich sofort eine tiefe und innige Verbundenheit. Es war wie ein kleines Ankommen, denn in seiner Essenz finde ich auch mein Anliegen mit der Puppenmacherei wieder. Ich lese es immer wieder gern und finde von Mal zu Mal neue Aspekte in der Geschichte, die nicht nur meine Arbeit, sondern auch meine persönliche Entwicklung inspirieren. Es ist schon lange mein Wunsch, dieses Märchen mit meinen Wegbegleiterinnen zu teilen, ob sie selbst Puppen nähen, um die Bedeutung der Puppen für ihre Kinder wissen, Puppen einfach gern haben und vielleicht mit einer besonderen Puppe in Kontakt sind oder Freude an Märchen als Nahrung für die Seele haben. Es ist mein Weihnachtsgeschenk an euch.

“Die Puppe in der Schürzentasche” oder “Vasalisa, die Weise” ist ein altes russisches Märchen über die weibliche Intuition, jene innere Stimme, die uns sagt, was wahr und was Täuschung ist. Es handelt von der Einweihung Vasalisas in das untergründige Reich ihrer eigenen Intuition. Diese erscheint in der Geschichte als segensreiches Vermächtnis, das in Form eines kleinen Püppchens von der Mutter auf die Tochter übertragen wird. Um eine Beziehung zu ihrer Intuition zu entwickeln, muss Vasalisa Prüfungen bestehen und Aufgaben lösen, bei denen das Püppchen ihr allzu gern hilft. Als Zeremonienmeisterin tritt dabei die alte Hexe Baba Yaga auf, eine Variante der urzeitlichen Göttinnen und der Wilden Frau, die über mythische Kräfte verfügt und in Menschengestalt erscheinen kann, um geeigneten Personen etwas von ihrem Wissen zu vermitteln und sie mit ihrer eigenen innewohnenden Kraft zu verbinden.

Was mich an dem Märchen so berührt, ist die Puppe als Bild für die Stimme der Seele. Auf der archetypischen Ebene sind Puppen Verkörperungen und symbolische Darstellungen von verborgenen oder unterentwickelten Aspekten beim Menschen. In Vasalisas Schürzentasche ist ihr eigener Instinkt, ihre Intuition verpuppt, die sich in dem Maße entwickelt, wie das Mädchen bereit ist, seine innere Stimme wahrzunehmen und ihr zu folgen. Verbunden mit ihrer Intuition kann Vasalisa dem Schrecken der Baba Yaga trotzen und gestärkt aus allen Prüfungen herausgehen. Das Püppchen ist das Vermächtnis von Vasalisas Mutter. Sie macht damit ihrer Tochter das wertvollste Geschenk, dass Mütter ihren Kindern machen können, nämlich ihnen das Gefühl zu vermitteln, dass sie sich auf die Stimme ihrer Seele verlassen können. Die Puppe als Bild für die Intuition deutet an, dass sie ein lebendiges Geschöpf ist, das in uns selbst zu Hause ist, und uns verlässlich unterstützt, wenn wir es nur lassen. Diese Kraft steckt in allen Puppen, die Mütter ihren Kindern mit auf den Lebensweg geben. In ihnen sind treugesinnte Begleiter verpuppt, die ihre Kraft voll entfalten, je mehr die Kinder lernen, der Stimme ihres Herzens zu folgen. Wir können diese Verbindung unterstützen, wenn wir ihnen Puppen mit auf den Weg geben, in denen sie sich selbst finden können. Indem die Kinder ihre Puppen beseelen, stärken sie immer auch die Verbindung zur ihrer eigenen Seele.

Mein Dank geht an Distel, bei der zu Hause ich die Aufnahme machen durfte, und an Joy, die diese Zusammenarbeit vermittelt und die musikalische Untermalung des Märchens übernommen hat. Ohne die beiden hätte ich dieses Mariengold Herzensprojekt nicht verwirklichen können. Auch danke ich der Künstlerin Rima Staines für die Inspiration durch ihren Artikel “The Old Woman in the Woods” und ihre Baba Yaga Illustrationen. Die verwendeten Musikstücke sind “3, 2, 1 etc.” von lifeloop am Anfang und am Ende, “Yet alone” von Walter Mazzaccaro in der ersten Pause und “Tuesday” von lifeloop in der zweiten Pause.

Ihr dürft nun lauschen und genießen. Aber vorher wünsche ich euch eine schöne Weihnachtszeit mit viel Licht und Liebe in euren Herzen, eine stille und besinnliche Zeit, in der ihr in Kontakt kommt mit der Puppe in eurer Schürzentasche, auf das ihr euch in tiefer Verbundenheit mit ihr auf den Weg in das neue Jahr machen könnt!