13. Juni 2016

Puppen und Schmetterlinge (und ein Sommer-Give-Away für euch)

Origami-Schmetterling Blog

An Puppen mag ich einfach alles: ihre handwerkliche Herstellung und die künstlerische Gestaltung, ihren unschätzbaren Wert als Spielzeug für Kinder oder Seligkeitsding, das auch Erwachsene gern in ihrer Nähe haben, die Gefühle, die sie zu wecken vermögen, die Herzenserinnerungen, die fast alle Menschen mit ihnen verbinden. Ich mag aber auch das Wort selbst.

Geheimnis Puppe

Das Wort Puppe kommt von dem lateinischen pup(p)a für „(Spiel-)Puppe, kleines Mädchen“. Es hat drei Bedeutungen: 1. die Nachbildung der Figur eines Menschen, 2. eine Larve oder Raupe im letzten Entwicklungsstadium sowie 3. zu einer bestimmten Form zum Trocknen zusammengestellte Getreidegarben in der traditionellen Landwirtschaft.

Was diese drei in erster Linie gemeinsam haben, ist ihre Form. Ich sehe aber auch eine schöne symbolische Verbindung zwischen der Puppe als Spielzeug und der Puppe in der Zoologie.

Puppen für Kinder sind Nachbildungen der menschlichen Gestalt. Sie sind Bilder des Menschen und das macht sie so wertvoll als Spielzeug. Sie können Partner im Rollenspiel, kleine Freunde und Vertraute und manchmal sogar lebenslange Begleiter sein, die Gefühle und ganz viel Liebe freizusetzen vermögen. In den Puppen sind also im wahrsten Sinne des Wortes Möglichkeiten für Spiel und Beziehung verpuppt wie in einem Kokon, aus dem durch die Zuwendung und Phantasie der Kinder Spielgefährten schlüpfen wie Schmetterlinge.

Wunderwesen Schmetterling

Schmetterlinge sind ganz bemerkenswerte kleine Wesen, denn sie durchlaufen im Laufe ihres Lebens eine vollständige Verwandlung: Aus dem winzig kleinen Schmetterlingsei schlüpft zunächst eine Raupe. Diese futtert sich dick und rund, bis sie voll entwickelt ist und genügend Nährstoffe für den nächsten Entwicklungsschritt gespeichert hat. Dann sucht sie sich einen ruhigen, geschützten Ort, um sich zu verpuppen. Von außen betrachtet geschieht in diesem Stadium nicht viel. Innen aber vollzieht sich eine wundersame Verwandlung. Dabei werden die ursprünglichen Organe der Raupe komplett abgebaut und dieses Material sowie die Speicherstoffe dazu benutzt, den gesamten Körper des fertigen Falters aufzubauen. Ist der Schmetterling voll entwickelt,  sprengt er den Kokon auf und streckt sich in seine neue Freiheit. Er sammelt neue Kraft, pumpt sich zu seiner letztendlichen Gestalt auf und hebt schließlich zu seinem ersten Flug ab.

Vor dem Hintergrund dieser erstaunlichen Metamorphose wird verständlich, dass der Schmetterling überall auf der Welt als Symbol für Veränderung gilt. Wann immer er uns im Traum, in der Meditation oder auf außergewöhnliche Weise in der materiellen Welt begegnet, kündigt er eine Verwandlung auf seelischer Ebene an.

Dann sind wir meist schon länger auf dem Weg, haben uns spirituell geöffnet und möchten uns bewusst weiterentwickeln. Der Schmetterling ist ein Zeichen dafür, dass sich nun etwas grundlegend ändern wird. Dann ist ein bestimmter Aspekt unserer Persönlichkeit so reif, dass wir ihn hinter uns lassen können. Er wird für immer umgewandelt und auf eine neue höhere Stufe gehoben. Perfektionismus wird dann zum Beispiel zu Gelassenheit, Selbstausbeutung zur Fähigkeit, gut für sich zu sorgen. Das Alte wird losgelassen und wir sind wieder einen Schritt weiter in unserer Entwicklung.

In der griechischen Mythologie ist der Schmetterling auch ein Bild für die Seele. In diesem Sinne durchlaufen wir in unserem Leben innerlich immer wieder die Stadien von der Raupe zur Puppe zum Falter und wieder von vorne, bis unsere Seele nach dem Tod aus dem Körper emporsteigt – gleich einem wunderschönen Falter.

Dieses Bild hat mir in meinem Leben schon oft Kraft und Halt gegeben, mich getröstet und zum Lächeln gebracht. Und es inspiriert von Beginn an meine Arbeit als Puppenmacherin. Heute weiß ich, dass meine Seele sich ganz bewusst die Puppen als Spielfeld ausgesucht hat. Um im Bild zu bleiben, dort stehen sie als Symbol für die Vielzahl an Möglichkeiten, das Leben zu gestalten, den unendlich großen Raum für Entwicklung, der uns umgibt und einlädt, und auch für das Überraschungsmoment, was sich wohl zeigt, wenn der Panzer geknackt ist und der Blick auf das Innere, auf das Herz frei wird.

1000 Schmetterlinge für euch

Ich finde, Schmetterlinge kann es gar nicht genug geben. Sie erinnern uns daran, unbeschwert und neugierig durch das Leben zu gehen, aber auch den Mut zu haben, uns immer weiterzuentwickeln.

Deshalb falte ich sie gern aus Papier und schicke sie in die Welt hinaus (z. B. hierhin). Ihr kennt sicher die alte japanische Legende, nach der die Götter demjenigen einen Wunsch erfüllen, der 1000 Kraniche faltet? Mit Schmetterlingen geht das bestimmt auch.

Faltet mit! Für euer Schmetterlingsglück schenke ich euch eine Anleitung, die kein Geheimnis und keine große Kunst ist, aber mit viel Liebe und guten Gedanken für euch von Mariengold gestaltet wurde. Hier könnt ihr die Vorlage herunterladen, ausdrucken und loslegen.

Noch eine kleine Anmerkung zum Material: Für diese Faltkunst verwendet ihr am besten spezielles Origami-Papier, das besonders reißfest und flexibel ist. In Berlin bekommt man besonders hübsches bei ting oder Modulor. Gut geeignet ist auch Papier von Magazinen und Zeitschriften, das dann noch quadratisch zugeschnitten werden muss. Am schönsten wirken die Schmetterlinge übrigens, wenn sie in bunten Schwärmen und vielen verschiedenen Größen an Wänden oder Fenstern flattern dürfen.

Viel Freude beim Falten und einen Sommer voller Leichtigkeit und Furchtlosigkeit für euch!

Weitere Downloads und Give-Aways findet ihr hier in dem neu eingerichteten Bereich in der Seitenleiste.


21. Oktober 2014

Schalk im Gesicht

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Sommersprossen geben Puppengesichtern etwas Aufgewecktes, Schelmisches und Freches. Diese kleinen Pünktchen erzählen von einer wachen, kecken Lebensart und machen Mut, sich – wie Pippi Langstrumpf – vom Leben zu nehmen, was es an Abenteuern und Freiheiten bietet. Kein Wunder also, dass Puppen mit Sommersprossen so beliebt sind und Eltern ihren Kindern genau diese Energie mit auf den Weg geben möchten.

Nichts leichter als das! Denn Sommersprossen sind ganz einfach auf Puppengesichter zu zaubern. Dafür verwende ich einen braunen, wasserfesten Fineliner mit einer Linienstärke von etwa 0,25 mm, z. B .den Pigma Micron 01 der japanischen Firma Sakura, erhältlich in Läden für Architektur- und Künstlerbedarf oder hier. Mit diesem feinen Stift können auch Augenbrauen aufgemalt werden.

Beliebte Mariengold Puppen mit Sommersprossen sind Ole, Wanda und Oska.

 


20. November 2013

Rezension und Interview: Es ist nie zu spät für eine liebevolle Kindheit

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Puppen sind nicht nur wertvolle Spielzeuge für Kinder, sondern sie können auch bedeutsame Begleiter für Erwachsene sein. So werden Puppen z. B. in der Psychotherapie bei Heilungsanliegen eingesetzt, die das „Innere Kind“ betreffen.

Das „Innere Kind“, das sind die im Gehirn gespeicherten Gefühle, Erinnerungen und Erfahrungen aus der eigenen Kindheit. Seit den 1990er Jahren haben sich in der Psychotherapie verschiedene Ansätze und Verfahren entwickelt, die mit der Vorstellung des „Inneren Kindes“ arbeiten, um seelische Wunden aus der Vergangenheit und Gegenwart zu heilen, falsche oder dysfunktionale Glaubens- und Lebensmuster zu erkennen, Probleme selbstverantwortlich zu lösen sowie einen liebevollen Umgang mit sich selbst und anderen zu bewirken.

In diesem Prozess wird die Verbindung zwischen dem „Inneren Kind“ und dem Erwachsenen machmal auch mittels einer Puppe hergestellt, die das „Innere Kind“ darstellt und so zum Medium der Begegnung und Heilung wird.

Viele solcher Heilungspuppen, wie ich sie nenne, haben in den letzten Jahren meine Werkstatt verlassen. Was sie denn jetzt mit der Puppe machen sollen, fragen meine Kunden häufig. Ein paar Anregungen gebe ich dann immer gern mit auf den Weg. Aber eigentlich betrachte ich meine Arbeit mit Vollendung der Puppen als abgeschlossen. Schließlich bin ich keine Psychotherapeutin. Trotzdem bleibt manchmal das Gefühl, dass da noch etwas offen ist.

Umso mehr habe ich mich gefreut, als ich vor einigen Wochen auf ein kleines Buch mit dem Titel „Es ist nie zu spät für eine liebevolle Kindheit“ aufmerksam geworden bin. Es stammt aus der Feder der Autorin und Grafik-Designerin Irmi Riedl, die sich mit ihrem Label Lina-Art auf sanfte, humorvolle und kreative Weise Fragen des Glücks, der Familie und der Kindheit widmet.

Das Büchlein läd mit vielen Fragen und Raum für Gedanken und Erinnerungen auf eine Reise zurück in die eigene Kindheit ein, bei der man schreibend und rückblickend in Verbindung mit seinem „Inneren Kind“ kommt. Auf diese Weise werden wertvolle Ressourcen für das Leben im Hier und Jetzt wieder aufgedeckt.

Das macht das Büchlein zu einem guten Begleiter auf solchen Heilungs- und Entwicklungswegen und natürlich auch zu einer Empfehlung meinerseits für die Arbeit mit einer Puppe als Unterstützung, um in Zwiesprache mit der eigenen Seele zu kommen.

Um euch das Büchlein vorzustellen, habe ich Irmi ein paar Fragen gestellt:

Wie bist du auf die Idee zu dem Büchlein gekommen?
Eines Tages machte mich ein Freund auf ein Foto aufmerksam mit den Worten: „Sieh mal, wie deine Mutter auf dem Foto lieb schaut.“ Wie bitte? Meine Mutter? Ich nahm das Foto sofort genauer unter die Lupe. Zu meiner Überraschung, ja! Ihr Gesicht hatte einen sehr liebevollen Ausdruck. Wieso ist mir das nicht schon früher aufgefallen? Warum hatte ich ihr freundliches Gesicht nicht bemerkt? Wollte oder konnte ich es nicht sehen?

Es beschäftigte mich und ich stellte mir die Frage, ob es nicht doch auch ein Stück weit an mir liegen könnte, dass ich meine Kindheit als nicht besonders schön in Erinnerung behalten habe. Stimmt es, war meine Kindheit wirklich nur anstrengend? Oder kann es sein, dass es sehr wohl auch Geborgenheit, Wärme, Fürsorge, usw. gab? Aber warum erinnert man sich so wenig daran? Wiegen die unangenehmen Erlebnisse doch schwerer und haben deshalb die guten Erinnerungen weniger Chancen, im Gedächtnis zu bleiben?

Gestern sah ich einen Film über eine Frau, die wirklich Allerschlimmstes in ihrer Kindheit durchmachen musste. Trotzdem erwähnte sie im Interview, sie hätte auch gute Tage erlebt, die sie auf keinen Fall vergessen möchte.

Also, nun galt es, die schöneren, helleren, liebevolleren Momente aufzustöbern. Vielleicht hatte ich es sogar auch selber satt, mich immer nur an das Unangenehme in meiner Kindheit zu erinnern und mich im Kreis zu drehen. Und so war die Idee zu diesem Büchlein geboren.

Für wen hast du das Büchlein gemacht?
Für Frauen und Männer, die den Blick auf das Positive in ihrer Kindheit teils verloren haben. Für alle, die sich mit dem Thema „Inneres Kind“ und Heilung beschäftigen.

Aber auch für alle, die Lust haben, sich an all die Momente zu erinnern, in denen sie sich stark, erfolgreich, verträumt, unschlagbar, verliebt, satt, künstlerisch, musikalisch, entzückt, albern, experimentierfreudig, vergnügt, sportlich, energisch oder stolz gefühlt haben.

Also in einem Satz: Für alle, die ihrem kindlichen und gesunden Wesenskern wieder begegnen wollen.

Ich habe das Büchlein im Entstehungsprozess von einer „Inneren-Kind“-Therapeutin und einem Heilpraktiken testen lassen. Sie waren sehr davon angetan und empfehlen es an ihre Klienten weiter.

Welche ist deine Lieblingsseite?
Ich glaube, es würde mir nicht gelingen, nur eine zu nennen. Zu meinen Lieblingsseiten gehört aber auf jeden Fall das Titelbild, auf dem eine Frau ihr „Inneres Kind“ hält.

Diese Seite macht weich. Sein eigenes „Inneres Kind“ in der Vorstellung liebkosend zu halten, so wie man es sich damals als Kind gewünscht hätte, dies zu tun, dafür ist es auch im Nachhinein nie zu spät.

Wem es schwer fällt, nur mit der Vorstellung zu arbeiten, empfehle ich eine Puppe. Auch ich hatte für eine Weile eine süße Babypuppe, die ich nach meinen Vorstellungen und Wünschen liebevoll pflegte. Das hatte eine heilende Wirkung auf mich, denn die Liebe kommt dadurch wieder ins Fließen.

Was rätst du Menschen, die mit deinem Büchlein in Kontakt mit ihrem „Inneren Kind“ kommen möchten?
Das Büchlein habe ich bewußt so klein im Handtaschenformat gehalten, damit man es eine Weile bei sich tragen kann. Wer sich darauf einlässt, wird spielerisch und mit viel Feingefühl in die eigene Kindheit geführt.

Mit Fragen wie nach dem Lieblingsplatz von damals, an dem man Raum und Zeit vergessen konnte, lässt es sich gut an diese Welt anknüpfen. Mit vielen leichten, aber auch tiefgreifenden Übungen kommen vergessene, beglückende und herzerwärmende Erlebnisse zurück. Wiedererinnerte Menschen, die uns inspirierten, in Erfüllung gegangene Wünsche, berührende Momente – das alles sind Kraftquellen, die es aufzustöbern gilt.

Das Büchlein lädt dazu ein, mit neuem, offenem Blick auf die eigene Kindheit zu schauen, mit Fokus auf dem Positiven. Wenn man zu einigen Übungen keinen guten Kontakt hat, kann man sie einfach überspringen. Es soll sich immer leicht und freundlich anfühlen.

Auf den hinteren Seiten nähern wir uns schließlich wieder unserem heutigen Ich. Über weitere Übungen können wir erkennen, dass wir die weniger angenehmen Erlebnisse längst in gute Qualitäten oder Fähigkeiten transformiert haben. Sie lassen uns stärker und liebevoller erscheinen. Am Ende fühlen wir uns glücklicher und stärker. Wenn wir unser „Inneres Kind“ liebevoll pflegen und das Positive wieder zulassen, können wir wirklich erwachsen werden.

Was wünschst du dir für das Büchlein?
Es macht mich glücklich, wenn ich höre, dass Menschen durch das Büchlein wieder Kontakt zu ihrem zarten, gesunden Seelenanteil finden. Das Büchlein möchte Achtsamkeit und Sanftheit, aber auch Mut zur eigenen Sensibilität in die Seele pflanzen.

Ich bin voller Vertrauen, dass es den Menschen begegnen wird, die dafür bereit und offen sind. Verletzlichkeit oder Sensibilität zu zeigen, ist der Schlüssel zu einem aus ganzen Herzen erfüllten Leben. Sie ist keine Schwäche, sondern ein Zeichen von Stärke.

Übrigens: Als ich mein erstes Layout-Exemplar durchgelesen hatte, war ich selber sehr berührt, weich und beglückt. Ich ertappte mich sogar bei dem Gedanken: “Oh, so ein Büchlein will ich auch haben!“ Irgendwie empfand ich es als einen kleinen Schatz.

Vielen Dank, liebe Irmi, für das Interview und ganz viel Freude und Erfolg für dein Projekt!

Irmi und ich verlosen ein Exemplar ihres Büchleins „Es ist nie zu spät für eine liebevolle Kindheit“. Wenn ihr es gewinnen möchtet, schreibt bis Sonntag Nacht an hello@mariengold.net. Den Gewinner werde ich am Montag auslosen und benachrichten. Das Büchlein bekommt ihr dann von Irmi zugeschickt. Viel Glück!

„Es ist nie zu spät für eine liebevolle Kindheit. Notiz- und Date mit deinem kleinen Ich-Büchlein“ von Irmi Riedel, www.lina-art.de, erhältlich für 14.90 Euro hier oder direkt bei Irmi.

Vom Reportagemagazin Geo gibt es übrigens passend zum Thema gerade ein Heft mit dem Titel Mütter: Wie sie uns ein Leben lang prägen.

(Das Buch hat Sandra gewonnen.)