25. Juni 2018

Gastbeitrag von „Kleinstkinder“ über die Bedeutung von Puppen

Anfang des Jahres wurde ich von Ramona Noll, Diplom-Pädagogin mit dem Schwerpunkt Frühe Kindheit und Autorin der Zeitschrift „Kleinstkinder in Kita und Tagespflege“ um ein kurzes Interview für einen Artikel gebeten, in dem es um Puppen gehen sollte. Dieser ist nun in der aktuellen Ausgabe erschienen und die Redaktion hat mir freundlicherweiser erlaubt, ihn hier als Gastbeitrag zu veröffentlichen:

Puppen – Zur Bedeutung eines zeitlosen Spielzeugs

Freundin, Trösterin, Geheimniswahrerin – in einer Puppe finden viele Kinder eine ideale Begleiterin für den aufregenden Weg ihrer Entwicklung.

Die Puppe gehört zu den ältesten und beliebtesten Spielzeugen der Welt. In zahllosen Varianten bevölkert sie Kinderzimmer und Kitas. Für die kindliche Entwicklung spielt sie eine sehr wichtige Rolle: Sie kann nicht nur die beste Freundin des Kindes sein, sondern auch Trösterin, Spielgefährtin, Beschützerin, Geheimniswahrerin, Seelenverwandte, Beraterin und Begleiterin in allen Lebenslagen.

Der besondere Reiz der Puppe: Die menschlichen Züge machen es Kindern leicht, sich mit ihr zu identifizieren, Erlebtes in sie hineinzuprojizieren oder Situationen mit ihr gemeinsam zu erleben. Dafür muss die Puppe nicht technisiert sein und auf Knopfdruck lachen, weinen oder Pipi machen können. Dem Kind ist es stattdessen am wichtigsten, die eine richtige Puppe für sich zu finden. Idealerweise ist sie vielseitig bespielbar und wandelbar. Die Puppenkleidung sollte leicht an- und auszuziehen sein – hier reicht oft eine kleine Auswahl. Solange ein Kind feinmotorisch noch nicht dazu in der Lage ist, mit den kleinen Puppenkleidern zu hantieren, können diese auch ganz fehlen. Hat die Puppe einen neutralen Gesichtsausdruck, kann sie im Spiel des Kindes dennoch alles sein: traurig, wütend, fröhlich, ängstlich. In den ersten Lebensjahren lernt das Kind diese Gefühle kennen, lernt, sie auszuhalten, zu verbalisieren und später auch zu regulieren. Die Puppe ist ihm dabei ein Spiegel und hält die Wucht seiner Emotionen aus: Das Kind kann sie so fest drücken, wie es will, oder zornig auf den Boden werfen – der Puppe macht es nichts aus.

„Erst Hände waschen“

Zunächst wird auch eine Puppe wie ein Gegenstand behandelt und als solcher exploriert. Etwa ab einem Alter von 1,5 Jahren entwickelt das Kind im Spiel mit der Puppe nicht nur Empathie und Fürsorglichkeit, sondern lernt auch, erste Verantwortung zu übernehmen. Dabei spielt die Imagination und Kreativität eine große Rolle: So spricht das Kind seiner Puppe besondere Fähigkeiten zu, lässt sie etwas können, das es sich selbst noch nicht traut, und lässt die Puppe durch die eigene Stimme sprechen.

Spielend kann das Kind mit seiner Puppe Erlebtes wiederholen – z. B. den Arztbesuch, das Einkaufen im Supermarkt oder die strenge Ermahnung der Mutter – und üben, darauf zu reagieren. So verinnerlicht es im Rollenspiel mit der Puppe soziale Handlungsmöglichkeiten und Verhaltensmuster. Dann ertönen aus der Puppenecke schon mal vertraute Sätze wie: „Erst Hände waschen!“

Durch das Gespräch mit der Puppe wird auch die Sprachentwicklung gefördert. Gegenüber der Puppe spricht das Kind oft sehr frei und erfährt sie als geduldige Zuhörerin.

Auch kann die Puppe symbolisch für die Mutter oder eine andere Bindungsperson stehen und so dem Kind über deren Abwesenheit hinweghelfen. Als vertrautes Objekt erleichtert sie dem Kind das Zurechtfinden in unbekannten Situationen und die Bewältigung von Übergängen – sie fungiert als sog. „Übergangsobjekt“ (s. Ausgabe 01/2017, S. 28).

Nur für Mädchen?

Lange Zeit galt die Puppe als Mädchenspielzeug: Durch sie sollten Mädchen früher lernen, eine gute Ehefrau und Mutter zu werden. Dieser Gedanke ist zwar nicht mehr zeitgemäß, doch die Überzeugung, dass nur Mädchen mit Puppen spielen, herrscht auch heute noch weitläufig vor. Dabei spielen auch Jungen gern mit Puppen: Sie entwickeln im Spiel mit ihnen einen natürlichen Beschützerinstinkt, sind genauso empathisch mit ihrem Schützling wie Mädchen und spielen mit ihm den Alltag nach. So hilft die Puppe auch Jungen bei der Identitätsentwicklung. Oft entscheidet die Verfügbarkeit darüber, ob Jungen zur Puppe greifen oder nicht. Daher sollten auch ihnen Puppen bereitgestellt und sie im Spiel mit denselben unterstützt werden.

Kuscheln, tragen, baden

In der Kita sollte den Kindern eine große Vielfalt an Puppen angeboten werden. So sollten Babypuppen genauso vorhanden sein wie jene, die älteren Kindern ähneln. Letztere sollten unterschiedliche Haar- und Hautfarben haben. Geschlechtsmerkmale sind für ein Kleinkind noch nicht wichtig. Sein eigenes Zugehörigkeitsgefühl zu einem Geschlecht entwickelt sich erst; es muss sich daher nicht festlegen, ob das Puppenbaby ein Junge oder ein Mädchen ist. Je jünger das Kind ist, desto einfacher sollte auch die Puppe gestaltet sein. Die Fantasie reicht aus, um der Puppe Leben einzuhauchen. (Eine zu realistische Puppe kann Kindern Angst machen.) Ein weicher Puppenkörper lädt zum Kuscheln ein, eine Plastikpuppe lässt sich gut anfassen und reinigen, außerdem kann sie in Wasserspiele einbezogen oder gebadet werden.

Besonders wichtig ist, dass Sie als Fachkraft das Puppenspiel ernst nehmen. Die Puppe ist für ein Kind oft mehr als nur ein beliebiges Spielzeug – sie hat einen hohen immateriellen Wert, und nicht selten hat das Kind eine enge Bindung zu ihr. Sie ist daher nicht mal eben ersetzbar. Sortieren Sie auch eine kaputte Puppe nicht einfach aus, denn für das Kind verliert sie durch den Schaden nicht ihren Wert. Behandeln Sie die Puppe genauso liebevoll wie die Puppenmama oder der Puppenpapa und greifen Sie nicht ermahnend ins Spiel ein.

Interview mit der Puppenmacherin Maria Ribbeck

Sie sind Puppenmacherin – worin liegt für Sie der besondere Reiz dieser Arbeit?
An meiner Arbeit reizt mich besonders, dass in Puppen und ihrer Herstellung so viel Potenzial für Freude und Heilung im wahrsten Sinne des Wortes verpuppt ist. Es ist wunderbar, tagtäglich zu erleben, welche Schmetterlinge aus diesem Kokon schlüpfen können.

Worauf kommt es Ihrer Meinung nach bei einer guten Puppe für unter dreijährige Kinder an?
Puppen für Kleinkinder sollten möglichst einfach und stabil gestaltet sein, aus natürlichen Materialien bestehen und den gesetzlichen Vorgaben für Spielzeugsicherheit entsprechen. Kleidung brauchen diese Puppen in der Regel nicht, und wenn, dann nur Teile, die für kleine Hände leicht an- und ausziehbar sind. Besonders wichtig finde ich persönlich einen dezenten, aber freundlichen Gesichtsausdruck.

Hat sich die Nachfrage nach Puppen in den letzten Jahren gewandelt?
Für mich ist die auffälligste Veränderung der letzten Jahre, dass die einst so schlichten Stoffpuppen allmählich detailreicher werden. Nase, Ohren, Hals, Popo, sogar Geschlechtsmerkmale werden jetzt häufig nachgefragt. Außerdem nehme ich wahr, dass es immer selbstverständlicher wird, dass auch Jungs eine Puppe zum Spielen bekommen.

Gibt es ein besonders schönes Erlebnis, das Sie als Puppenmacherin einmal hatten?
Seit über zehn Jahren verkaufe ich meine Puppen in die ganze Welt. Doch nur einmal habe ich eine Puppe aus meiner Werkstatt wiederentdeckt, und zwar in meiner direkten Nachbarschaft: in den Armen eines kleinen Mädchens, das fröhlich hinten auf dem Fahrrad seiner Mama saß und leider viel zu schnell an mir vorbeifuhr. Die Puppe erkannte ich sofort an ihrem fliederfarbenen Schal. Diesen kostbaren Moment habe ich ganz fest in mein Herz geschlossen.

aus: Kleinstkinder in Kita und Tagespflege, Ausgabe 04/2018, S. 22-23


20. Dezember 2017

Monikas Puppen (Have yourself a merry little Christmas)

Puppen und Weihnachten gehören schon immer zusammen. Dieses Fest der Liebe ist wie gemacht für besondere Geschenke, die zeigen, was uns wirklich wichtig ist. Solche Geschenke müssen überhaupt nicht groß oder viele an der Zahl sein. Vielmehr geht es darum, präsent zu sein und von Herzen zu geben. Eine selbstgemachte oder sorgsam ausgewählte und gekaufte Puppe steht für viele Schenkende genau dafür, was sie den Kindern am meisten wünschen: Liebe und Verbundenheit unter den Menschen. Denn Weihnachten, das heißt auch, zu spüren, dass in der allerdunkelsten Zeit immer irgendwann die Hoffnung und das Licht geboren wird.

Davon erzählt auch das kleine Tagebüchlein „Monikas Puppen“, das mir Claudia, Monikas Tochter und eine liebe Leserin, zur Verfügung gestellt hat. Darin erzählt Monika, 14 Jahre alt, auf eindrückliche und bewegende Weise von Weihnachten im Krieg und wie es ihr gelang, in dieser harten Zeit ihren kleinen Geschwistern eine Freude zu machen.

Mit den folgenden beiden Auszügen aus dem Buch möchte ich mich auch von Herzen für ein wunderbares Blog-Jahr voller Puppennähliebe bedanken, ganz besonders bei Claudia, die mir erlaubt hat, Monikas Geschichte hier zu teilen. Das ist mein, das ist unser Weihnachtsgeschenk für euch. Genießt das Lesen und freut euch an dem Frieden, in dem wir leben dürfen.

Kriegsweihnachten 1944

In keinem Geschäft ist ein Geschenk, nicht ein einziges Stück Spielzeug aufzutreiben. Was aber ist ein Weihnachten ohne „Schenken und beschenkt werden“? Wir Erwachsene können uns ja mit dieser Notlage abfinden, aber die Kleinsten, die vielleicht noch nie ein eigenes Püppchen, ein eigenes Pferdchen besessen haben und sich das ganze Jahr auf das Weihnachtsfest gefreut haben, sollen diese nun enttäuscht werden? Ich habe noch vier jüngere Geschwister, drei Mädel, ein Junge. Und auch bei uns war acht Tage vor Weihnachten noch kein einziges Geschenk vorhanden. Die Mutti krank, der Vati beruflich zu sehr in Anspruch genommen, sich um etwas zu kümmern. Hätten wir doch wenigstens für unser Nesthäkchen eine kleine Puppe. „Mach selbst eine“, damit gab mir Vati eine Anregung, aber nichts weiter.

Diese kleinen Karlinchen mit den gestickten Gesichtern finde ich abscheulich. Nach vielem Probieren entstand schließlich ein Püppchen ohne Stickerei und ohne Naht im Gesicht mit lustigen großen Kugelaugen. Obwohl die Anfertigung nicht allzu leicht war und auch viel Zeit erforderte, machte es mir doch sehr viel Freude. Ich fertigte 1944 für meine Geschwister vier Puppen an. Weihnachten 1945 hätte ich hundert und noch mehr arbeiten können, aber es fehlte am Material und vor allem an der Zeit. In achtwöchiger, ununterbrochener Tag- und Nachtarbeit entstanden ungefähr 60 bis 70 Puppen. Ich habe dann noch ein junges Mädel eingestellt, auch unser Lehrmädel macht oft mit Überstunden bis Mitternacht und noch länger, sonst hätte ich es nicht geschafft. Für meine Geschwister entstanden die Weihnachtspuppen noch in der Christnacht.

Während der Feiertage habe ich nur geschlafen und – gegessen.

Puppe Peterle

Diese Puppe ist für größere Kinder gedacht. Sie ist etwa 32 cm hoch.

1. Für den Kopf forme ich zuerst aus zwei bis drei großen Zeitungsbogen eine Kugel, diese überziehe ich mit dünnem Stoff (alte seidene Strümpfe, Wäschestoff oder ähnliches).

2. Nun nähe ich Wattebäuschen als Kinn und Bäckchen an, einen Wattestreifen für die Stirn. Für das Näschen überziehe ich eine Perle oder einen kleinen Knopf mit Watte und nähe auch diesen an.

3. Über das ganze ziehe ich nun nochmals eine dünne Watteschicht, damit die Konturen nicht zu scharf heraustreten. Zuletzt überziehe ich das Köpfchen mit fleischfarbigem Charmeuse.

4. Für die Augen habe ich mir kleine weiße Knöpfchen mit braunem Rand besorgt, die ich mit Fahrradlack bemalte. Später erhielt ich diese Art Knöpfe nicht mehr und musste mir mit glattweißen Knöpfen helfen. Wangen, Mund und Augenbrauen habe ich mit Temperafarben aufgemalt.

5. Für die Haare habe ich mir Flachs besorgt. Davon lassen sich gut Zöpfe flechten.

6. Am Körper führe ich zuerst die Abnäher aus, dann nähe ich die beiden Teile zusammen. Zum Stopfen verwenden ich Kapok. Zum Schluss muss ich den oberen Halsrand einhalten. Arme und Beine werden ebenfalls gefüllt und ausmodelliert, damit die Formen gut herauskommen.

7. Die Beine werden kurz über den Abnähern, die Arme direkt am Abnäher mit festem Garn in etwas schräger Lage fest angenäht, damit sie beweglich werden. Zum Schluss den Kopf, in vorderer Mitte beginnend, zweimal ringsum fest annähen.


28. November 2017

Wieder ein Tag mit Okka

Zwischen unseren ersten beiden Treffen lagen vier Jahre, drei Monate, ein paar Tage, einige Brief und Überraschungspäckchen, unzählige E-Mails und viele guten Gedanken. Okka ist mein erster und einziger Internet-Crush, ihrem Blog Slomo bin ich treu wie keinem anderen. Wie es dazu kam, dass ich eines Tages im Juli 2013 mit meinem Handwerkszeug und vor Aufregung wild auf und ab hüpfendem Herzen vor ihrer Tür stand, weiß ich nicht mehr. Aber ich weiß noch, dass sie auch aufgeregt war und viel zu viel für uns gebacken hatte.

Okka war genau so, wie ich sie mir vorgestellt hatte, und ich habe sie vom ersten Moment an wahnsinnig gemocht. Einen ganzen Tag verbrachten wir miteinander, um für ihre Tochter Fanny, damals drei Jahre alt, eine Puppe zu nähen. Dabei quatschten und lachten wir wie zwei Teenager und als am Nachmittag ihr Mann und die Kleine plötzlich in der Küche standen und Okka ihr sichtlich bewegt die Puppe in die Arme legte, wusste ich, dass dieser Tag für immer einer meiner liebsten sein würde.

Mit einer einzigen leibhaftigen Begegnung hatten wir unsere virtuelle Neugier aufeinander in eine Freundschaft mit echter Verbundenheit verwandelt. Dass wir uns erst Jahre später wiedersehen würden, machte uns nichts aus, denn wir hielten Kontakt und fühlten einander nahe. (Nahe sind sich übrigens auch Fanny und Lotte, die damals angefertigte Puppe, deren Kleidung, die ab und zu von Salut dem Bären getragen wird, es sogar in Okkas aktuelles Buch „Herdwärme“ schaffte). Als Okka wieder Mutter wurde, war klar, dass wir unseren Puppennähtag wiederholen würden. Auch Hedi sollte eine selbstgemachte Begleiterin bekommen.

Und so trafen wir uns im Oktober 2017 wieder in Okkas Küche. Wieder war es warm und gemütlich, wieder redeten wir, als ob es kein Morgen gäbe, wieder spürte ich bei ihr diese Dankbarkeit und Bewegtheit, die auch mich berührten und glücklich machten. Überhaupt hat mich an diesem Tag am meisten beeindruckt, wie unglaublich gerade heraus Okka ist. Sie traut sich, sich und ihre Gefühle zu zeigen, himmelhohe Freude, Begeisterung, Enttäuschung, Nachdenklichkeit, Tränen der Rührung. Vielleicht macht sie das verletzlich, aber es schafft auch Nähe und Vertrautheit und lässt einen sehr, sehr wohl fühlen in ihrer Gegenwart. Das ist auch in ihren Texten spürbar. Okka besitzt die wunderbare Gabe, dem Leben poetisch zu begegnen. Sie ist offen und wach und hat keine Angst, sich berühren zu lassen. Das ist, was ich am meisten an ihr schätze, bewundere und liebe. Deshalb habe ich sie so gern.

Bald sehen wir uns wieder.


30. November 2016

Interview: „I want them to feel created, not just sewn.“

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Wenn mir Dinge etwas bedeuten, sie mir Freude schenken und mein Herz ansprechen, dann interessieren mich immer auch die Menschen dahinter. Jess Brown ist so ein Mensch. Sie ist die Designerin der Rag Dolls, die Caro von NATURKINDER und ich in der diesjährigen PuppenMITmacherei anfertigen.

Es schwingt viel mit von Jess in ihren Puppen, dem DIY-Buch und den Geschichten von Lulu & Pip und Kiki & Coco in Paris. Ich wußte gleich: Diese Frau hat ein feines Gespür für Kinder und Kindheit, einen unverwechselbaren Sinn für das Schöne sowie Herz und Hand für jedes kleinste Detail und das große Ganze. Ich bin ein großer Fan und freue mich sehr, dass sie sich Zeit für ein kleines Interview genommen hat.

What is your background as an artist? How did you get to doll making?
My background is actually in teaching. I studied early childhood development and worked for 11 years in that field. I specialized in the Reggio Emilia approach which was very hands on. I was very drawn to creating inspired and sophisticated art and toys for children.

How does a typical Jess Brown rag doll look like? And how does it feel to play with it?
The jess brown rag dog definitely has a signature look which has remained unchanged since I created the pattern nearly 18 years ago. Very long and lanky limbs, a spoon shaped head with embroidered star eyes and a felt heart shaped mouth. The hair is reclaimed sweater sewn tight to the head in a bob style. The dolls I create are stuffed with a corn fiber. The stuffing I use is a bit dense and gives the doll a sturdy feeling. I think these qualities make the dolls timeless, not trendy.

What makes a doll a valuable toy for you?
I think that our dolls are a valuable toy because each one is made with such care and intention. I think that both children and adults recognize that. The doll then gains its truest value once it finds its home. A child connecting with the doll is priceless.

Do you have a special tip for doll making? What are the aspects you pay attention to the most when making a doll?  
The biggest tip I have for doll making is to have patience with yourself. Don’t worry about following rules. Trust your instinct and be patient as the doll unfolds. This keeps the process special. You can feel it in the finished work. For me, I pay most attention to the face as that’s the part I think most people connect to first. I also spend quite a bit of time and thought on the outfits. I want them to feel created, not just sewn.

How will it go on with your dolls in the future?
I’m not sure. I take each moment as it comes. The dolls bring so much joy to the people who buy them. I can’t imagine not continuing to have that in my life.

Thank you, Jess, for all your inspiration.

© Bilder Jess Brown Design


11. April 2016

Interview: „Aber Geduld und gute Nerven habe ich zum Glück!“

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Iris von Rosenrot und ich schicken schon seit einigen Jahren E-Mails zwischen Freiburg und Berlin hin und her. Wir sind ungefähr zur gleichen Zeit mit unserer Puppenmacherei ins Internet gegangen, haben uns gegenseitig Mut gemacht und unterstützt und über die Jahre begleitet, was die andere macht. Mit einem Körbchen voller Erdbeerkinder zur alljährliche Kofferte hat Iris Anfang März den 10. Geburtstag ihres Labels gefeiert. Mariengold gratuliert ganz herzlich!

Iris ist aber nicht nur bekannt für ihre wunderschönen Jahreszeitentischfiguren, Wichtelkinder, Blumenkinder und andere Püppchen, sondern sie gibt in ihrer Rosenrotwerkstatt auch Puppennähkurse für Kinder, zu denen die Familien auch schon mal aus ganz Deutschland anreisen. Klar, dass auch sie Teil meiner Interviewreihe zum Puppennähen mit Kindern sein sollte!

Liebe Iris, bitte stell dich und deine Arbeit als Puppenmacherin kurz vor.
Seit über zehn Jahren arbeite ich als Puppenmacherin und das Label Rosenrot ist mir zur Herzenssache geworden. Bevorzugt nähe ich kleine Puppenkinder und Blumenkinder für den Jahreszeitentisch. Ich entwerfe auch Anleitungen zum Selbermachen und gebe seit sieben Jahren Nähkurse für kleine und große Schneiderleins.

Wie bist du auf die Idee gekommen, Puppennähkurse für Kinder zu veranstalten?
Ehrlich gesagt, weiß ich das gar nicht mehr so genau. Ich weiß nur noch, dass ich mit einer kleinen Dreiermädchennähbande aus der hiesigen Waldorfschule begonnen habe, Kurse zu geben, und es mir so viel Spaß gemacht hat, dass ich dabei geblieben bin. Zuerst kamen die Kurskinder vor allem aus Freiburg und dem Umland. Als ich dann bekannter wurde, kamen auch Familien von weiter weg, die ihren Urlaub in der Nähe verbrachten, und diesen mit einem Kurs in der Rosenrotwerkstatt verbanden. Ich habe das große Glück, in einer Umgebung zu leben, wo andere gerne Urlaub machen. Kindern Handarbeit mit natürlichen Materialien zu vermitteln, war und ist mir ein großes Anliegen. Kinder sind nach einem Puppennähkurs so glücklich und beseelt, wie es eben nur Kinder sein können. Sie halten das eigen hergestellte Püppchen so stolz und glücklich in ihren Händen. Das wiederum erfüllt mich mit Glück und Zufriedenheit. Es ist so herzerfrischend und erfüllend, mit Kindern in gemütlicher Atmosphäre zu nähen.

Bitte erzähle ein bisschen von deinen Kinderkursen.
Die Puppennähkurse sind für Kinder von 8 Jahren an gedacht. Bei einem Mutter-Kind-Kurs darf ein Kind auch mal 6 Jahre alt sein. Das hängt dann jedoch auch sehr von der feinmotorischen Begabung und der Ausdauer des Kindes ab. Ich hatte schon Zwerge mit 7 Jahren hier in der Werkstatt, die konnten geschickter ein Fädchen einfädeln als ein 12 jähriges Schneidermädchen. Die Kurse finden in einem kleinen, gemütlichen Rahmen statt. Das ist mir sehr wichtig. Meist habe ich nur vier bis fünf Kinder je Kurs. Das ist vielleicht nicht so lukrativ, aber dafür entspannt. Die Kinder kommen meist aus Freiburg oder der weiteren Umgebung zu mir, deshalb bereite ich die Kurse so vor, dass sie ein fertiges Puppenkind mit nach Hause nehmen können. Zwischendurch gibt es eine kleine Pause, bei schönem Wetter im Garten unterm Apfelbaum. Dann wird fleißig weitergenäht, denn der Zeitplan ist doch recht straff. Man denkt gar nicht, wieviele Fädchen man einfädeln muss und wieviele kleine Stichlein notwendig sind, bis so ein kleines Puppenkind fertig ist. Die Kinder arbeiten sich von den einfachen Formen der Wichtelwaldkinder, Weidenkätzchen, Kokosbabys, Blaubeerbübchen und anderen kleinen Blumenkinderbabys zu den aufwändigeren Projekten wie Meerjungfrau und frechen Mädchen oder Jungs vor. Da gibt es ein Mädchen, Linda, die ist inzwischen 16 Jahre alt und kommt schon so lange und regelmäßig zum Kurs, dass sie schon über 30 Püppchen genäht hat. Und sie will bald wieder kommen!

Was gefällt dir am besten an der Arbeit mit Kindern? Und was ist die größte Herausforderung?
Mit Kindern zu arbeiten und zu nähen ist so lebendig, lustig und bereichernd. Kinder gehen so offen und locker ans Nähen und freuen sich über jeden Entstehungsschritt ihres kleinen Puppenkindes. Sie können so konzentriert und ernsthaft bei der Sache sein. Es ist eine Freude zu beobachten, wie vertieft die Kinder bei manchen Arbeitsschritten sind. Natürlich gibt es auch Herausforderungen: Wenn alle Schneiderleins gleichzeitig nach mir rufen, alle gleichzeitig ein Problem haben, die Fädchen einfach nicht ins Nadelöhr wollen oder die Knötchen nicht Knötchen sein wollen, dann bräuchte ich manchmal mindestens vier Hände. Die habe ich nun nicht, aber Geduld und gute Nerven habe ich zum Glück!

Vielen Dank, liebe Iris, für deine Antworten. Ich wünsche dir weiterhin viel Freude in der Rosenrotwerkstatt!

Mehr zum Thema Puppennähen mit Kindern findet ihr hier.


9. März 2016

Interview: „Plötzlich ist alles möglich.“

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In der Puppennäh-AG, die ich seit Beginn des Jahres mit acht Kindern einer Berliner Schule veranstalte, sammle ich viele neue Beobachtungen und Erkenntnisse, Herzmomente und Freudebegegnungen. Was nicht heißt, dass ich mich danach nicht manchmal auch fix und fertig mit einer heißen Schokolade auf dem Sofa ins Wochenende hineinträume. Da tut es gut, mich ab und zu mit Menschen auszutauschen, die ebenfalls mit Kindern arbeiten.

Evelyn ist auch eine Puppenmacherin. Seit wir uns vor gut anderthalb Jahren persönlich kennengelernt haben, schreiben wir uns regelmäßig E-Mails und teilen unsere Gedanken zur Puppenmacherei. Evi gibt schon lange Handarbeitskurse für Kinder und bringt ganz viel Erfahrung mit. Also auf zum Interview unter Berliner Kolleginnen!

Liebe Evi, bitte stell dich und deine Arbeit als Puppenmacherin kurz vor.
Ich bin Evelyn und Mutter einer Tochter. Unter meinem Label daskleinekra biete ich liebenswerte, handgemachte Puppenkinder, Anleitungen und Kleidungsstücke für Puppen und Kinder an. Außerdem gebe ich in Berlin verschiedene Handarbeitskurse für kleine und große Menschen sowie Puppengeburtskurse. Am Puppenhandwerk schätze ich, dass es den Reichtum verschiedener Handarbeitstraditionen in sich vereint. Auf meinem Blog veröffentliche ich auch Texte über meine Puppen und stelle passend zu diesen z. B. wissenschaftliche Märcheninterpretationen vor. Schon als Kind habe ich selbst Puppen genäht und mich kreativ frei ausprobieren dürfen. Eine Ausbildung zur Damenschneiderin in einem richtig klassischen Atelier an der Bergstraße folgte. Anschließend habe ich in Berlin studiert, allerdings in eine ganz andere Richtung. In meiner Familie ist es seit jeher Tradition, sich mit Selbstgemachtem zu den Festtagen zu überraschen und so stand für mich fest, als meine Tochter im passenden Alter war: Puppe und Herd mache ich selbst! Die alte Liebe zur Puppenmacherei wiederentdeckt, folgten noch weitere Puppen, bis ich mich 2013 entschloss, diese auch gewerblich herzustellen.

Wie bist du auf die Idee gekommen, Handarbeitskurse für Kinder zu veranstalten?
Im Grunde kamen die Handarbeitskurse zu mir. In der kleinen Grundschule meiner Tochter, in der AGs auch von Eltern geleitet werden, bat mich die Lernbegleiterin eines Tages, den Kindern zu zeigen, wie man einen Knopf annäht, mit dem Hinweis, wir seien dann bestimmt eine Stunde beschäftigt. Von da an wollte ich nicht mehr auf die Arbeit mit Kindern verzichten und gab an dieser Schule mehrere Jahre Handarbeitskurse für jeweils zehn Kinder zwischen 5 und 8 Jahren.

Bitte erzähle ein bisschen von deinen Kinderkursen.
Meine Kurse gebe ich mittlerweile in der gemütlichen Werkstatt von Frau Wolle, in der auch meine Puppennähkurse stattfinden. Die wöchentlichen Handarbeitskurse biete ich für Kinder zwischen 5 und 10 Jahren an, ebenso Nähmaschinenkurse für Kinder ab 9 Jahren in kleinen fortlaufenden Gruppen mit bis zu acht Kindern. Die Eltern sind dabei nicht anwesend und wurden bisher auch nicht vermisst. Eine Kursstunde dauert 90 Minuten, dadurch bleibt genügend Zeit zum Ankommen und für eine vielgeliebte Teepause mit Keksen zwischendurch. Den Kindern tut die Pause gut und sie hält die Aufmerksamkeit wach. Das spüren die Kinder mitunter selbst und auch dafür ist Raum: Die Jüngeren malen nach einer Pause manchmal einfach nur noch ein Bild, andere gehen nach der Kekspause mit neuer Frische ans Werk. Aufeinander aufbauend  vermittle ich an kleinen, anfangs sehr einfachen Projekten klassische Techniken: Wie kann ich Filzfasern zupfen, wie eine Kugel filzen, wie diese Kugel besticken. Mehrere Projekte mit einem Werkstoff schaffen einen Überblick. Die Wahl der Projekte findet gemeinsam mit den Kindern statt, das Interesse der Kinder ist unglaublich breit gefächert. Plötzlich ist alles möglich. Ein tolles Gefühl und zwar für jedes einzelne Kind! Bevor wir beginnen, erläutere ich kurz, was wir wie herstellen und womit gearbeitet wird und binde die Kinder durch kleine Fragen ein. Die jeweiligen Arbeitsschritte führe zunächst ich aus und die Kinder lernen durch Nachahmung. Ihrem individuellen Gestaltungswillen möchte ich möglichst freien Lauf lassen. An diesem Punkt unterstütze ich die Kinder durch kleine Hilfen und Ermutigung. Ich ermuntere die Kinder auch, sich gegenseitig zu helfen. Das geht manchmal auch gar nicht anders, da ich sowieso ständig in Bewegung bin. So lernen sie ganz nebenbei, die eigene Arbeit und die der anderen zu achten. Je nach Gruppe ist es möglich, an Projekten zu arbeiten, die sich über mehrere Termine erstrecken. In den altersheterogenen Gruppen versuche ich, komplexeres Vorgehen einzubauen, um den Aufwand der Arbeit an die Kinder anzupassen.

Was gefällt dir am besten an der Arbeit mit Kindern? Und was ist die größte Herausforderung?
In jeder Stunde wird gelacht! Kinder sind direkt, unverfälscht. Gemeinsam wird geschaffen und unverhohlener Stolz gezeigt. Diese Arbeitsatmosphäre ist wirklich etwas ganz Besonderes. Die spontane und freie Herangehensweise von Kindern an das Element mag ich auch sehr, sie motiviert ungemein. Gleichzeitig eine Herausforderung: Kinder haben eine Idee im Kopf und wollen es genauso haben, jetzt und sofort. Sich mit Zeit und allen Sinnen auf das sorgfältig ausgesuchte Material einzulassen, aber auch die eigene Fortschritte zu sehen, ist eine Übungssache. Die Kinder bekommen ein Gefühl für den jeweiligen Werkstoff, üben ihre Handgeschicklichkeit und Geduld. Dieses Wissen lassen sie nicht wieder los. Wie durch Zauberhand entsteht unter den Händen der Kinder ihr eigenes Ding. Dabei sein zu dürfen, ist ein Geschenk. Die meisten Kinder in meinem jetzigen Handarbeitskurs gehen auf staatliche Schulen und haben dort keinen Handarbeitsunterricht. Manche Kinder sagen mir, dass sie sich die ganze Woche auf die Zeit in der Werkstatt gefreut haben. Das sind Sätze, die beflügeln! Es gibt Kinder, die unglaublich sorgfältig jeden Arbeitsschritt absolvieren, und es gibt die schnell arbeitenden Kinder, die einfach fertigstellen wollen. Zwischen diesen beiden Arbeitsweisen zu vermitteln, jeden sein eigenes Tempo finden zu lassen und die eigene Arbeit wertzuschätzen, ist mitunter nicht leicht. Wenn die Kinder zu mir in die Werkstatt kommen, liegt meist schon ein langer Schultag hinter ihnen. Manchmal ist es eine große Herausforderung, allen Geschichten und Ideen ein Ohr zu schenken.

Was würdest du Menschen empfehlen, die Kreativ-Kurse mit Kindern veranstalten möchten? Hast du ein paar Tipps?

Wichtige Sicherheitsregeln regelmäßig kurz am Anfang der jeweiligen Stunde besprechen und von den Kindern wiederholen lassen, bis sie verinnerlicht sind. Gute natürliche Materialien halte ich für wichtig. Ist der Rohstoff hochwertig, begegnet man ihm und seinem eigenen Werk mit Respekt. Feines Material schafft wertvolle haptische Erfahrungen und Lust auf Verarbeitung. Man sollte für sich klären, wie frei die Kinder ein Projekt umsetzten können oder ob alle das Gleiche machen. Niemals darf die Arbeit der Kinder gewertet werden. Begeisterung zu zeigen und besondere Geduld, Anstrengung etc. anzuerkennen, sind ebenso wichtig. Für jüngere Kinder sind kleine Geschichten hilfreich, die als Einleitung oder während des ruhigen Arbeitens erzählt werden können. Kurze einfache Sätze. Häufige Wiederholungen.

Merci, liebe Evi, für deine Antworten und weiterhin viel Freude mit den Kindern in deinen Kursen!

Mehr zum Thema Puppennähen mit Kindern findet ihr hier.


15. Februar 2016

Interview: „Es ist so einfach, die Kinder in der Handarbeit glücklich zu machen!“

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Seit Beginn des Jahres veranstalte ich an der Schule meiner Tochter eine kleine, feine Puppennäh-AG, von der ich hier schon einmal erzählt habe. Dass ich den Kurs mit Kindern aus der 6. Klasse mache, ist eine ganz bewusste Entscheidung, denn in der Regel steht in dieser Klassenstufe an der Waldorfschule die Puppenmacherei auf dem Lehrplan des Handarbeitsunterrichts.

Nun ist meine AG kein Unterricht und ich bin auch keine Waldorflehrerin, deshalb gehe ich ganz frei an die Arbeit mit den Kindern und den Puppen heran. Dennoch war ich neugierig und wollte erfahren, was es mit der Puppenmacherei in der 6. Klasse auf sich hat, nicht nur praktisch, sondern auch theoretisch.

Dafür habe ich Kathi zum Interview gebeten, eine angehende Waldorf-Handarbeitslehrerin aus Süddeutschland, die in ihrer Puppenwerkstatt Traumtanz auch selbst Puppen näht und viele andere schöne Dinge herstellt. Mit ihr sprach ich über die Bedeutung der Handarbeit an der Waldorfschule, die geistigen Grundlagen der Puppenmacherei in der 6. Klasse und die Freude am Tun mit den Kindern.

Liebe Kathi, bitte stell dich und deinen Hintergrund als Waldorflehrerin und Puppenmacherin kurz vor.
Nach der Geburt meines dritten Kindes habe ich begonnen, für den Weihnachtsmarkt unseres Kindergartens Puppen und Engel herzustellen. Die Auftragslage war gut, also habe ich ein Gewerbe angemeldet und neben meiner Tätigkeit als Mutter immer Waldorfpuppen, Engel und Blumenkinder genäht. Nach mehreren Umzügen und der Geburt eines weiteren Kindes sind wir an unserer jetzigen Waldorfschule gelandet. Dort habe ich einige Puppenkurse gegeben und viel Elternarbeit geleistet, so dass die Schule mich ansprochen hat, ob ich mir vorstellen könnte, Handarbeitslehrerin zu werden. Die Ausbildung, die ich bereits mitbrachte, wurde vom Kultusministerium anerkannt. Um den waldorfpädagogischen Teil zu erlernen, habe ich im letzten Jahr das Lehrerseminar an der Rudolf Steiner Schule in Nürnberg besucht.

Welche Bedeutung hat der Handarbeitsunterricht in der Waldorfpädagogik?
Dem Handarbeitsunterricht wie auch allen anderen künstlerisch-praktischen Fächern wird an der Waldorfschule ein hoher Stellenwert beigemessen. Rudolf Steiner, der Begründer der ersten Waldorfschule, ging davon aus, dass der Geist nur durch praktische Tätigkeiten mit den Armen und auch den Beinen (z. B. in der Eurythmie) gebildet werden kann. Laut Steiner ist der Intellekt mit der Beweglichkeit der Hände gekoppelt. Deshalb werden an der Waldorfschule viele handwerkliche Fächer unterrichtet. Der Handarbeitsunterricht findet bis in die elfte Klasse hinein statt.

Warum werden gerade in der 6. Klasse Puppen genäht?
Der Lehrplan für Handarbeit wurde von der ersten Handarbeitslehrerin Hedwig Hauck entwickelt und von Rudolf Steiner genehmigt. Bei Tobias Richter ist zu lesen, dass im 6. Schuljahr Puppen und Tiere genäht werden. Er spricht davon, dass das Nähen dieser Lebewesen zur Gemütsverfassung des Kindes in der Vorpubertät passe. Hervorzuheben sind dabei das Umstülpen der Puppe oder des Tieres, also ein Nach-außen-Tragen des Inneren des Kindes, sowie das Ausstopfen und Ausformen mit Wolle von innen heraus. Steiner spricht davon, dass das Kind im 12. Lebensjahr in eine neue Entwicklungsphase eintritt. In diesem Alter verstärkt sich das Geistig-Seelische, das ebenfalls von innen heraus gebildet wird, also den physischen Leib von innen nach außen durchdringt. Analog dazu wird auch die Puppe von innen nach außen aufgebaut und ausgestopft. Dadurch wird sie vom Kind durchseelt und lässt später auch sein Temperament in ihr erkennen. Der Handarbeitsunterricht der 6. Klasse knüpft an die Menschen- und Tierkundeepoche der beiden vorhergehenden Klassenstufen an. Das Kind ist jetzt im richtigen Alter, Tier und Puppe, also die Arbeit an der menschlichen Gestalt, in bewusster Weise lebendig zu gestalten, während es vorher eher gefühlsmäßig mit dem Tier verbunden war. Es wird immer mit dem Nähen des Tieres begonnen, erst danach wird die Puppe hergestellt. Denn es soll nicht der äußerlich sichtbare Mensch in den Mittelpunkt gerückt werden, was in den Kindern eine ungesunde Eitelkeit hervorrufen könnte. Bei den Puppen kommt noch eine andere Bedeutung hinzu: Die Kleidungsstücke, die im Kleinen für die Puppen angefertigt werden, nähen die Kinder in der Schneiderepoche ein paar Jahre später für sich selbst. So gelingt der Bogen vom Spiel zu nutzbringender Arbeit.

Bitte erzähle ein bisschen von der Puppenmacherei im Handarbeitsunterricht.
In diesem Schuljahr unterrichte ich noch nicht selbst, sondern begleite als Praktikantin die Handarbeit in allen Klassenstufen. Die Kinder gehen mit großem Eifer an die Arbeit an ihren Puppen und Tieren heran. Bisher habe ich noch keine negativen Äußerungen gehört, vielmehr ist die Puppen- und Tiermacherei akzeptierter Bestandteil der Handarbeit. Das hat mich am Anfang wirklich verwundert, weil die Kinder in diesem Alter ja meist nicht mehr mit Puppen und Stofftieren spielen. Dafür haben sie schon Pläne, wer die Puppe später einmal bekommen soll. Ungewohnt für die Kinder ist die anstrengende Arbeit mit den Händen. Das kräftige Ausstopfen ist eine große Herausforderung, die es zu meistern gilt. Oft wird im Handarbeitsunterricht mal laut und mal leise geredet. Bei der Herstellung der Köpfe aber könnte man eine Stecknadel fallen hören! Die Kinder sind hochkonzentriert bei der Sache. Jeder möchte den schönsten Kopf machen. Das beeindruckt mich wirklich sehr. An unserer Schule arbeiten wir in der 6. Klasse bis Fasching an den Tieren und beginnen dann mit den Puppen. Wir erklären den Kindern jeden einzelnen Arbeitsschritt und schreiten dann zur Tat. Begonnen wird mit dem Wickeln des Rückrates, um den Kopf zu stabilisieren. Wer selber Puppen macht, weiß, das es eine Kunst ist, die Puppen so stabil zu arbeiten, dass sie später keinen Wackelkopf bekommen. Auf dem Rückrat formen wir mit Schafwolle den Kopf und überziehen ihn mit Schlauchverband. Anschließend wird er abgebunden und mit Stoff überzogen. Die Beine und der Oberkörper werden aus einem Stück Stoff genäht, umgestülpt, ausgestopft und abgebunden. Der Oberkörper wird auf dem Rückrat des Kopfes aufgebaut. Hier werden auch fertig gestopften Arme angebracht. Anschließend wird der Bauch mit Stoff überzogen und alles zugenäht. Zum Schluss bekommt die Puppe noch Augen, Mund und Haare aufgestickt. Und als Letztes steht Herstellung der Kleidung auf dem Programm.

Was gefällt dir am besten an der Arbeit mit den Kindern? Und was ist die größte Herausforderung?
Ich liebe die Kinder sehr. In jedem Kind steckt ein ganz besonderer Diamant und der muss erst entdeckt werden. Jedes Kind hat eine Frage an seine Lehrerin oder seinen Lehrer und die gilt es zu ergründen. Was möchte das Kind von uns? Was braucht es? Wie können wir ihm helfen? Die Arbeit mit Kindern ist so vielschichtig. Kein Tag ist wie der andere. Immer bin ich auf alles gefasst, komme an meine Grenzen und muss meine eigenen Ideale und Regeln hinterfragen und neu erarbeiten. Es wird niemals langweilig. Ich wachse und lerne von Tag zu Tag. Manchmal denke ich, nicht ich bin die Lehrerin. Denn ich lerne viel mehr von meinen Schülerinnen und Schülern. Besonders mag ich es, wenn Kinder über die Handarbeit erst motzen und später doch voller Stolz ihre fertigen Arbeitsstücke in der Hand halten. Es ist so einfach, die Kinder in der Handarbeit glücklich zu machen!

Was würdest du Menschen empfehlen, die Puppen mit Kindern nähen möchten? Hast du ein paar Tipps?
Es ist wichtig, sich klar zu sein, was man selber möchte und nicht möchte. Diese Klarheit spüren die Kinder und können dadurch alles, was man ihnen sagt, voll und ganz akzeptieren. Dann respektieren sie einen als Autorität und lassen sich gern helfen. Auch fachliche Kompetenz achten sie. Die Arbeit an der Puppe muss in viele kleine Arbeitsschritte zerlegt werden, die gut nacheinander erledigt werden können. Diese Strukturierung ist von großem Vorteil sowohl für die Lehrerin oder den Lehrer als auch für die Kinder. Gemeinsames Beginnen und Abschließen der Handarbeitsstunde fördert das konzentrierte Arbeiten. Außerdem würde ich immer loben, loben, loben. Lieber einmal zu viel gelobt als einmal unachtsam gewesen sein. Wenn man selber von seiner Arbeit begeistert ist, schafft man es auch gut, die Kinder mitzunehmen.

Vielen Dank, liebe Kathi, für das Interview und weiterhin viel Freude mit deinen Schülerinnen und Schülern und der Handarbeit!

Mehr zum Thema Puppennähen mit Kindern findet ihr hier.


19. November 2015

Interview: Nicht nur ein Handbuch, sondern ein Rundum-Sorglos-Hilfspaket

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Eine der größten Hürden, die angehende Puppenmacherinnen auf dem Weg zu ihrem Handmade Business nehmen müssen, ist das Thema Spielzeugsicherheit. Was es damit auf sich hat?

Spielzeug, das in der EU hergestellt und verkauft wird, muss bestimmten gesetzlichen Richtlinien und Normen entsprechen und das CE-Kennzeichen tragen. Dazu gehört, dass es aus geeignetem Material angefertigt wurde und bestimmten Sicherheitstests standhält.

Was zunächst verständlich und machbar klingt, stellt sich für Neulinge in der Praxis oft als riesengroße, kaum bewältigbare Aufgabe heraus, die manchmal sogar den Traum von der beruflichen Puppenmacherei zerplatzen lässt.

Ganz anders bei Maike von Feinslieb: Sie krempelte entschlossen die Ärmel hoch, setzte die Vorgaben Schritt für Schritt um und verfasste nebenbei ein Handbuch, das Puppen- und Stofftiermacherinnen ermutigen und diesen Weg so leicht wie möglich machen soll.

Maike und ich sind so etwas wie Schwestern im Geiste, denn uns verbinden nicht nur die Puppen, sondern wir haben auch denselben Studiengang an der Universität der Künste Berlin absolviert. Klar, dass wir über ihr neuestes Projekt ins Gespräch gekommen sind.

Liebe Maike, bitte stell dich und dein Label kurz vor.
Ich heiße Maike und bin eigentlich Autorin für audiovisuelle Medien, aktuell viel im Bereich „Transmedia Storytelling“, wo Geschichten über mehrere Medienkanäle hinweg erzählt werden. Diese Arbeit ist eine tolle Herausforderung für einen dauerschöpferischen Geist wie mich, aber auch sehr intellektuell und kraftraubend. Die Puppenmacherei ist daneben eine große Leidenschaft. Sie nährt eine tiefe Sehnsucht in mir und auch mein „inneres Kind“. Das Puppenmachen erfüllt mein Bedürfnis nach Schönheit und Ruhe, nach Gestaltung mit der Hand und mit den Sinnen. Jede Puppe gibt mir inneren Frieden und ein Stückchen Glück. Meine allererste Puppe habe ich mit 17 Jahren für eine liebe Freundin gemacht, ohne Vorgabe, ganz allein, aus einem alten Unterhemd von mir, gefüllt mit Watte und mit Kleidern aus Stoffresten. Vor ein paar Jahren bin ich dann in einem deiner Kurse wieder auf die Puppenmacherei gestoßen, als ich unter deiner Anleitung die erste große Puppe für meine ältere Tochter nähte. Und wir fanden heraus, dass wir zusammen studiert hatten! Durch den Kurs bei dir ist meine alte Liebe zur Handarbeit wieder erweckt worden, aber es hat noch eine zweite Schwangerschaft, noch ein weiteres Jahr und noch einen Puppennähkurs gedauert, bis ich wirklich „Feuer fing“, also zunächst Puppen für Freunde und Bekannte nähte, eigene Schnitte und Herstellungstechniken ausprobierte und mich langsam an das professionelle Puppenmachen herantastete. Meine Website ist erst seit ein paar Tagen online. Mein Plan ist es, nicht so viele Puppen zu machen, dafür aber ganz besondere. Außerdem möchte ich in der Zukunft einen Blog mit dem thematischen Fokus „Spielen/Kinderspiel“ schreiben.

Wie bist du auf die Idee für dein CE-Handbuch gekommen?
Da ich meine Puppen auch verkaufen möchte, habe ich bei Recherchen im Internet rasch festgestellt, dass es viele rechtliche Auflagen gibt – auch wenn man nur wenige Puppen im Monat oder Jahr verkauft. Dazu gehört eben die CE-Kennzeichnung. Wer Puppen in der EU verkauft, und sei es „nur“ über die eigene Website oder einen Dawanda-Shop, ist verpflichtet, sie mit dem CE-Kennzeichen zu labeln. Das darf man aber nur, wenn man bestimmte Sicherheitstests erfolgreich am Spielzeug durchgeführt hat und viele andere Auflagen erfüllt sowie dies auf ordnungsgemäße Weise dokumentiert. Ich bin dann Mitglied im Verein „Wir machen Spielzeug e.V.“ geworden. Mit den Informationen des Vereins ist die CE-Kennzeichnung zwar machbar, aber es erfordert zeitaufwändige Recherchen, Lektüre von mehreren hundertseitigen EU-Dokumenten in schwer verständlicher Amtssprache, Aussortieren von vielen irrelevanten Informationen, da die Spielzeugrichtlinie ja für alles in der EU verkaufte Spielzeug gilt, ganz viel Schreiberei, Anlegen von Dokumenten und vor allem eine riesengroße Disziplin, dranzubleiben. Die ganze Zeit habe ich mir so etwas wie mein CE-Handbuch gewünscht – also habe ich es selbst geschrieben.

Wie unterstützt dein Handbuch Puppenmacherinnen auf ihrem Weg zum CE-Kennzeichen?
Mein CE-Handbuch nimmt dir ganz viel Arbeit ab und unterstützt dich bestmöglich mit Anleitungen, Dokumentvorlagen und Material-Zertifikaten. Eigentlich ist es nicht nur ein Handbuch, sondern ein Rundum-Sorglos-Hilfspaket, das Folgendes beinhaltet:
1. Als Erstes eine clever aufgebaute Schritt-für Schritt-Anleitung, die sicher durch den ganzen Prozess führt – vom Anlegen von Ordnern über das Nähen von Testpuppen bis hin zur Gestaltung und Bestellung des CE-Etiketts. Viele der ersten Schritte bestehen einfach nur aus Lesen, damit du verstehst, was du da eigentlich machst. Bei verschiedenen Entscheidungsmöglichkeiten, helfe ich weiter. Ich gebe Tipps, wie du deine Puppe oder dein Stofftier sicher herstellst, wir bestellen gemeinsam alles erforderliche Material vom Druckerpapier bis zum Stabfeuerzeug, machen Fotos deiner Modellpuppe, ich erzähle dir, wie ich meine Sicherheitstests durchgeführt habe, wir widmen uns dem Thema „Material-Zertifikate“ und so weiter. Du kannst dich einfach Schritt für Schritt durch mein Handbuch arbeiten und dann sicher sein, alles ordentlich gemacht zu haben.
2. Dazu kommt eine Dokumentvorlage mit Beispieltexten und Ausfüllhinweisen. Zu den größten Aufgaben gehört ja die „Technische Dokumentation“ mit vielen Dokumenten, Listen und rechtlichen Formularen, die eine ganz bestimmte Form haben müssen. Mit meinem CE-Paket erhältst du eine komplette Vorlage mit Beispieltexten für die gesamte Technische Dokumentation. In Schritt 19 der Anleitung fügst du in diese Dokumentvorlage deine eigenen Angaben und Texte ein bzw. überarbeitest meine Beispieltexte so, dass es für dich passt. Dann brauchst du das Ganze nur noch auszudrucken und fertig.
3. Und für Puppenmacherinnen: Die wichtigsten Material-Zertifikate für Stoffpuppen nach Waldorfart sind auch dabei, außerdem die erforderlichen Grafiken für das CE-Etikett inklusive Waschsymbolen und anderes mehr, das deine Unterlagen vollständig macht.
Kurz: Mit dem Paket schaffst du die CE-Kennzeichnung in der kürzestmöglichen Zeit und sparst Nerven, Recherchearbeit und Unsicherheiten.

Was sind deiner Meinung nach die größten Stolpersteine in diesem Prozess und wie hilft dein Handbuch, sie aus dem Weg zu räumen?
Ich glaube, das Schwierigste ist das Durchhalten. Ich habe von einigen Puppenmacherinnen gehört, dass sie angefangen, aber wieder aufgegeben haben, weil sie sich von der Komplexität der Aufgabe erschlagen fühlten und nicht wussten, was sie zuerst machen sollten. Ja, diese Arbeit kann einen leicht überfordern. Ein Beispiel: Man hat sich irgendwann überwunden, das auf den Internetseiten der EU verfügbare „Technical Guidance Document“ zu lesen, in dem steht, welche Unterlagen für die Technische Dokumentation erforderlich sind und worauf man dabei zu achten hat. Erst ist man erleichtert und denkt „Hui, das geht ja, da steht, was ich machen muss!“ Aber dann kommt man zu der Stelle, wo es um das so genannte „Konformitätsbewertungsverfahren“ geht (ja, echt kafkaesk!), ein Dokument, das man sorgsam nach bestimmten Vorgaben erstellen muss. Und dort liest man dann einen Absatz wie diesen: „Gemäß Modul A wendet der Hersteller die im Amtsblatt angegebenen harmonisierten Normen, die alle einschlägigen Sicherheitsanforderungen abdecken, an. Diese Normen entsprechen den Normen, die in der Konformitätserklärung in Abschnitt 5.1.6 ‚Angabe der einschlägigen harmonisierten Normen, die zugrunde gelegt wurden, oder Angabe der Spezifikationen, für die die Konformität erklärt wird‘ genannt werden.“ – Da schnallt man doch ab! Ich habe mich aber durchgebissen, bei Experten nachgefragt, was ich nicht verstanden habe, und erkläre alles in einfachen Worten. Meine Anleitung ist so aufgebaut, dass du gut durch den Prozess kommst und motiviert bleibst. Mein Ziel ist es, dir die CE-Kennzeichnung so leicht wie möglich zu machen – und dir zwischendurch immer wieder aufmunternd auf die Schulter zu klopfen.

Die CE-Kennzeichnung ist für angehende Puppenmacherinnen eine große Herausforderung. Hast du ein paar Mutmachworte?
Ja, diese: Du schaffst das auch! Mit meinem Hilfspaket erledigst du die CE-Kennzeichnung in kurzer Zeit und bist motiviert, bis zum Ende durchzuhalten. Und: Man muss dafür keine ganze Puppe verbrennen, sondern wir nähen einen Dummy ohne Persönlichkeit. Ich verspreche dir: Wenn du damit durch bist, ist es ein großartiges Gefühl! Nicht nur, weil du etwas geschafft hast, das dir vielleicht wie ein unüberwindbarer Berg erschien, sondern auch, weil du rechtlich auf der sicheren Seite bist.

Was wünschst du dir für die Zukunft? Hast du Pläne für dein CE-Handbuch?
Ich plane eine Übersetzung und Übertragung ins Englische. Aber das ist eine große Herausforderung, weil ich dafür einiges recherchieren muss. Ich habe schon Anfragen aus anderen Ländern für das CE-Handbuch erhalten und möchte im Rahmen eines internationalen Puppenmacherinnen-Treffens nächstes Jahr einen kleinen Workshop zum Thema CE-Kennzeichnung geben. Das Ganze betrifft ja nicht nur uns in Deutschland! Für die Zukunft wünsche ich mir, dass mehr Hersteller/innen von Stoffen, Garnen und Puppenbastelmaterial ihre Produkte nach den geltenden Normen zertifizieren lassen. Denn nur solche Materialien dürfen wir professionellen Puppenmacherinnen verwenden – und das stellt oft ein Hindernis für die eigenen ästhetischen Vorstellungen dar. Außerdem wünsche ich mir, dass alle, die mit dem Thema Spielzeugsicherheit zu tun haben, an einem Strang ziehen.

Vielen Dank, liebe Maike, für das Interview und ganz viel Erfolg für dein CE-Handbuch!

„Schritt-für-Schritt-Anleitung zur CE-Zertifizierung für Puppen und Stofftiere“ von Maike Cölle, www.feinslieb.net, Details hier, erhältlich für 80 Euro direkt bei Maike per E-Mail an maike@feinslieb.net.


21. Oktober 2015

Interview: Ich wollte einfach selbst bestimmen, was ich mache

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Meine Puppennähkurse sind echte Wundertüten. Ich freue mich immer wahnsinnig auf die Frauen, bin neugierig, was für Geschichten sie mitbringen und mit was für Puppen sie nach Hause gehen. Und manchmal nehmen die Frauen noch viel mehr mit als ein Spielzeug für ihr Kind. Dann wirkt so ein Kurs wie kreativer Zunder für das ganze Leben.

So geschehen im Mai 2014 bei Kathrin, einer gelernten Spielzeuggestalterin aus Stuttgart, die ich euch letztes Jahr schon in einem Interview vorgestellt habe. Seitdem hat sich viel bei ihr verändert.

Im September gab es ein freudiges Wiedersehen in Lauras und meinem Filzkopfkurs hier in Berlin. Danach hat sie mir wieder ein paar Fragen für meinen Blog beantwortet.

Liebe Kathrin, seit unserer ersten Begegnung im Frühling 2014 ist viel bei dir passiert. Im Schnelldurchlauf: was hat sich beruflich bei dir getan?  
Liebe Maria, das ist wahr. Schon während des Kurses bei dir reifte in mir die Erkenntnis, dass ich für mich etwas ändern muss. Zu Hause angekommen, habe ich allen vorgeschwärmt, was dieser Kurs in mir bewegt hat. Nach langen Gesprächen mit meinem Mann, meiner Familie und Freunden entschied ich mich, zu Ende des Jahres zu kündigen, meine Festanstellung aufzugeben und mich als Puppenmacherin selbständig zu machen. Das tat ich dann auch im Sommer, so dass die Firma, bei der ich arbeitete, genug Zeit hatte, Ersatz für mich zu finden. Ich habe dann dort noch im Schnelldurchlauf eine neue Kollektion entwickelt, die Ende des Jahres in den Handel kommt. Dabei war ich so gelassen und entspannt, wie ich es die letzten Jahre nicht war. Dadurch ist eine schöne letzte Kollektion entstanden, die sehr gut ankommt. Ende des Jahres habe ich dann mein Gewerbe als Puppenmacherin angemeldet, bevor es in der Firma in die letzte Runde ging.

Was waren die wichtigsten Gründe, deine Festanstellung aufzugeben und dich als Puppenmacherin selbständig zu machen? Welche Hoffnungen und Wünsche waren damit verbunden?
Ich wollte einfach selbst bestimmen, was ich mache, ohne Vorgaben, die man als fest angestellte Designerin nun mal bekommt. Natürlich gab es nie exakte Vorgaben zur Entwicklung meiner Produkte und das Unternehmen war immer offen für neue Ideen, aber am Ende des Entwicklungsprozesses stand oft ein Produkt, das nicht mehr 100 % meins war. Produktionsbedingte Änderungen und vor allem die Mitsprache verschiedener Abteilungen waren Punkte, die mir mehr und mehr zu schaffen machten.

Wie geht es dir jetzt als professionelle Puppenmacherin mit einem eigenen kleinen Label? Was macht dir am meisten Freude? Was ist die größte Herausforderung? Was musst du noch lernen?
Jetzt geht es mir deutlich besser! Ich mache das, was mir Spaß macht. Ich mache Puppen, die man liebhaben kann, individuell für jedes Kind, und bin gerade dabei, das Thema Puppe weiterzuspinnen. Ich habe gemerkt, dass auch Schulkinder Puppen lieben, die aber andere Bedingungen erfüllen müssen. Meine Tochter brachte mich durch eine Barbie auf die Idee, in diese Richtung zu denken. Dieses Projekt ist mir eine Herzensangelegenheit und macht mir im Moment die allergrößte Freude. Natürlich kämpfe ich auch mit Herausforderungen. Den ganzen Prozess zu verwalten von Werbung,  Homepage, Blog über Bürokram, CE-Zeichen bis hin zum Nähen, Ausstopfen und Entwickeln, ist nicht immer leicht unter einen Hut zu bekommen. Zumal ich manchmal gerade dann, wenn ich einen Lauf habe, mit was auch immer „gestört“ werde, weil mit drei Kindern ja immer auch noch irgendwas anderes läuft. Hier muss ich dringend noch lernen, Prioritäten zu setzen, ein Ende zu finden, meinen Perfektionismus abzulegen und gelassener zu werden. Ich muss einfach aufhören, Dinge perfektionieren zu wollen und neue Ideen erst mal aufschreiben und nicht gleich nachgehen. Außerdem muss ich mit mir und meiner Arbeit mehr Geduld haben und mir überall ausreichend Zeit einräumen, besonders für Dinge, die mir nicht so leicht von der Hand gehen. Und ich muss meinen Zeitplan so aufstellen, dass genug Zeit für meine Familie bleibt, ohne das Gefühl des rennenden Hamsters im Rad.

Was hast du in deiner langjährigen Tätigkeit als Produktgestalterin bei verschiedenen Spielzeugherstellern gelernt? Wovon profitierst du jetzt? Und vermisst du auch etwas?
Ich habe gelernt, dass man sich manchmal durch Aufgaben durchbeißen muss, auch wenn sie einem nicht immer zusagen. Jedes Produkt muss reifen und mit dem Reifeprozess gewinnt man für sich selbst wichtige Erfahrungen, positive wie negative. Eurch meine Arbeit bei zwei großen deutschen Spielwarenherstellern plus dem Grundbaustein meines Studiums bin ich zu der geworden, die ich bin. Ich weiß, dass es im Laufe des Jahres immer wieder Spitzen gibt, wo viel zu tun ist, wo man ranklotzen muss und die Arbeit nicht immer Spaß macht. Aber dafür kommen dann wieder ruhigere Zeiten, wo man mehr Ruhe und Muse hat. Was ich im Moment noch sehr vermisse ist der ständige Austausch mit Kolleg/innen, den ich bisher hatte. Ich treffe mich zwar einmal im Monat mit einer anderen Puppenmacherin aus Stuttgart, aber das ist etwas anderes, als sich wöchentlich zu sehen und dazwischen zu telefonieren. Außerdem habe ich noch keine klare Trennung von Beruf und Privatem, was an meinem fehlenden Zeitmanagement liegt. Daran arbeite ich. Was ich im Moment auch vermisse, ist das monatliche Gehalt, das nicht mehr kommt. Ich verdiene zwar schon Geld, aber noch nicht regelmäßig, was sich manchmal komisch anfühlt, da ich bisher finanziell unabhängig war.

Kannst du schon ein bisschen Bilanz ziehen aus deinem ersten Jahr in Selbständigkeit? Wie zufrieden bist du mit deiner Arbeit in wirtschaftlichen Hinsicht?
Die Bilanz ist auf jeden Fall positiv. Meine Arbeit macht mir Spaß. Wirtschaftlich gesehen hatte ich keine Vorstellung, was in diesem Jahr passieren wird. Ich bin erstaunt, wie viel es doch schon ist, auch in Form von Umsatz. Ich habe einen Puppenkurs gegeben und werde noch einen weiteren in diesem Jahr machen. Ich habe Puppen verkauft und Aufträge für Weihnachten vorliegen. Im Moment habe ich genau so viel zu tun, wie ich gut schaffen kann, und das passt prima für mich. Ich bin schließlich in der Startphase, das heißt, dass ich mich noch finden muss.

Was würdest du heute, wo du selbst ein Label für Puppenmacherei hast, Menschen empfehlen, die sich mit dieser Arbeit selbständig machen möchten?
Habt Geduld mit euch, perfektioniert euch nicht und habt Spaß am Puppenmachen und Weiterentwickeln eurer Ideen! Denn die Freude, die in euch steckt, steckt dann auch in euren Puppen. Alles ist möglich, wenn ihr es wollt.

Was wünschst du dir für deine berufliche Zukunft und für dein Label?
Aus dem Bauch gesagt, wünschte ich, die Tage wären länger und die Stunden würden langsamer vergehen, damit ich alle Ideen, die mir so durch den Kopf schwirren, in die Tat umsetzen kann. Überlegt mit Kopf und Verstand, wünsche ich mir Geduld, Kraft und Gelassenheit, meine Ideen zu sortieren, um dann die umzusetzen, die ich auch wirklich schaffe. Eine Mischung aus diesen Punkten würde mich glücklich machen. Vor allem soll genug Zeit für meine Familie und für mich bleiben. Meine Kinder werden gerade so schnell groß und ich genieße es, dass sie mich noch brauchen. Viel zu schnell wird der Tag kommen, an dem sie mich nicht mehr brauchen, weil sie „selber groß“ sind.

Vielen Dank, liebe Kathrin, für deine Antworten. Ich wünsche dir alles Liebe und ganz viel Freude und Erfolg mit Blaumarie!

Kathrins Internetseite findet ihr hier.


27. Oktober 2014

Interview: Was möchte ich tun in diesem Leben?

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Ganz oft werde ich gefragt, was ich beruflich machen würde, wenn ich die Puppen nicht hätte. Schreiben, denke dann immer oder spreche es auch mal laut aus, wenn ich besonders mutig bin. Das Thema Schreiben verbindet mich auch mit Sabrina Gundert, mit der ich vor einiger Zeit im Internet Bekanntschaft machte und seitdem in Verbindung stehe. Sabrina ist freie Journalistin, Autorin zweier Bücher und begleitet als Schreib-Coach in Workshops, Einzelsitzungen und auf ihrer Internetseite Handgeschrieben.de Menschen auf ihrem ganz eigenem Weg.

Für ihr neues Buch “Hab Mut und geh” habe ich Sabrina ganz viele Fragen zu meinem persönlichen Herzensweg mit Mariengold beantwortet. Ein paar Zitate meiner Antworten haben es sogar in das Buch geschafft. Einen Auszug aus unserem langen Gespräch findet ihr hier. Wenn ich heute lese, was ich im Frühling zu dem Thema gesagt habe, bin ich ganz berührt und glücklich und auch ein bischen nachdenklich. Gerade jetzt, wo bei Mariengold so vieles im Umbruch ist, spüre ich einmal mehr, wie essenziell wichtig es ist, stets im Gespräch mit sich selbst zu sein und immer wieder neue stimmige Antworten auf die großen Fragen des Lebens zu finden. Weil ich weiß, dass viele nicht nur wegen der Puppen hierherkommen, sondern auch um sich für ihren eigenen Weg inspirieren und ermutigen zu lassen, habe ich Sabrina ein paar Fragen zu ihrem neuen Buch gestellt, das Ende Oktober erscheint.

Liebe Sabrina, was ist das für dich, ein Herzensweg?
Ein Herzensweg ist für mich ein Weg, bei dem wir wirklich dem folgen, was uns im Herzen brennt. Vielleicht gibt es schon lange eine Sehnsucht in uns – eine Sehnsucht nach Veränderung. Nach einer Tätigkeit, der wir insgeheim schon seit vielen Jahren nachgehen wollen, nach einem Neustart, den wir wagen wollen, einem Umzug, dem Absprung aus einer bestehenden Partnerschaft, nach einer langen Reise oder auch nach einer inneren Veränderung, die uns zum Beispiel auf den Weg von Meditation und Stille führen kann.

Meist befinden wir uns – ehe wir den ersten Schritt Richtung unseres Herzensweges machen – auf einem Weg, der diese tiefe Sehnsucht nicht stillen kann. Immer wieder tauchen Fragen auf wie: Wo zieht es mich hin? Was ist eigentlich mein Platz in diesem Leben? Was sind meine Potenziale? Was kann ich und was will ich? Was möchte ich tun in diesem Leben? Welchen Weg möchte ich gehen? Wie kann der erste Schritt auf diesem Weg aussehen? Und was muss ich in meinem Leben ändern, um ganz dem Ruf meines Herzens folgen zu können?

Andere Menschen haben uns bislang vielleicht nur nachsichtig belächelt, wenn wir ihnen von unseren größten Träumen und Sehnsüchten erzählt haben. Über die Jahre haben wir gelernt, dass das, wonach unser Herz uns sehnt, nicht machbar ist – zu wenig Geld, keine Kraft, gesellschaftlich nicht anerkannt, nicht der Norm entsprechend. Und doch spüren wir immer wieder dieses Ziehen in uns hin zu dem neuen Weg. Wir merken: Ja, das ist meins, genau das möchte ich tun, dafür lohnt es sich für mich zu leben.

Wagen wir dann doch die ersten Schritte auf solch einem Herzensweg, werden unweigerlich Ängste auftauchen – seien es unsere eigenen oder die anderer Menschen, die uns gut zureden, wir mögen doch lieber wieder unseren alten sicheren Beruf weiterverfolgen, statt diesen ungewissen Weg zu beschreiten. Doch wenn wir wirklich die Sehnsucht, das Brennen im Herzen spüren, können wir gar nicht anders, als weiterzugehen, egal, wie groß der Berg auch sein mag, der sich da gerade vor uns aufzutürmen scheint.

Was ist dein liebster Rat für Frauen, die sich auf den Weg ihres Herzens machen wollen?
Ob Frau oder Mann: Folge der Freude. Glaube an dich. Vertraue dir – und dem Leben. Denn unsere Begeisterung zeigt uns, wo es langgeht. Sie weist uns zielsicher auf unsere Talente, Wünsche und Visionen hin. Und: Unsere Freude hilft uns, dranzubleiben, auch wenn der Wind mal von allen Seiten bläst.

Wie unterstützt dein neues Buch Menschen auf ihrem Herzensweg?
Als ich losgegangen bin auf meinem Weg, habe ich mir immer eine Art Reiseführer gewünscht, in dem ich blättern und sehen könnte: Ah, hier könnte der Weg weitergehen! Ach so, diese Ängste und Zweifel sind ganz normal auf dieser Reise! Das Buch „Auf dem Herzensweg – Lebensgeschichten spiritueller Frauen“ hat im vergangenen Jahr die Geschichten von zehn Frauen vorgestellt, die ihrem Herzen gefolgt sind. Die Begegnung mit diesen zehn Frauen ist noch heute ein ganz großer Reiseproviant für mich, denn sie machen auch mir immer wieder Mut, selbst weiterzugehen.

Mein neues Buch „Hab Mut und geh“ ist nun mehr eine Art praktischer Reiseführer. Für alle die, die sich fragen: Ja, wie geht das überhaupt, den eigenen Weg zu gehen? Was sind denn meine Wünsche und Träume? Was für ein Potenzial steckt in mir? Wie gehe ich mit Zweifeln auf dem Weg um? Was sind meine Kraftquellen? Was unterstützt mich? Es ist ein Buch zum Lesen, Reinschreiben und Anhören, vor allem aber zum Leben. Jedes Kapitel besteht dabei aus Impulstexten, Inspirationen und Übungen. Da kann ich eine Visionsreise machen, innehalten mit einem kleinen Impuls oder schreibend herausfinden, was das eigentlich für mich ist, ein Herzensweg – und wo es für mich weitergehen kann.

Die einzelnen Kapitel drehen sich dabei um die Kernthemen, denen jede und jeder unweigerlich beim Gehen des eigenen Weges begegnet. Themen wie Sehnsucht, Sinnfragen, Träume, Ungeduld, Vertrauen, Scheitern und Wertschätzung. Und ich freue mich, wenn das Buch zu einem Reiseführer und Sprungbrett für all diejenigen wird, die noch an der Klippe stehen und sich fragen: Soll ich den Sprung ins Unbekannte wagen oder nicht? Möge es zu einer kraftvollen Brücke in dieses Neuland werden!

Dankeschön, Sabrina, für deine Antworten und Gratulation von Herzen zu deinem neuen Buch!

Sabrina und ich verlosen ein Exemplar ihres Herzensweg-Praxisbuches. Wenn ihr es gewinnen möchtet, schreibt bis Mittwoch Nacht an hello@mariengold.net. Den Gewinner werde ich am Donnerstag auslosen und benachrichten. Das Buch bekommt ihr dann von Sabrina zugeschickt, auf Wunsch mit persönlicher Signatur. Viel Glück!

“Hab Mut und geh. Das Herzensweg-Praxisbuch“ von Sabrina Gundert, www.handgeschrieben.de, erhältlich für 23.90 Euro im Buchhandel oder direkt bei Sabrina.

(Das Buch gewonnen hat Daniela.)