5. Juni 2018

Puppennähen in Grün (Landpartie 2018)

„Ihr beide seht so richtig schön entspannt aus“, bemerkte Anne am letzten Abend unserer Landpartie für Puppennähverliebte. Und das waren wir auch, Laura und ich, entspannt und glücklich nebeneinander auf der kleinen Hollywoodschaukel im wildschönen Garten des Refugiums Hoher Fläming, wo wir vier Tage lang ein Puppennähfest veranstaltet hatten. Die Sonne ging langsam unter, in der Luft der Duft von Holunderblüten, vor uns ein Tisch mit Wein und Knabberei (und natürlich ganz viel Handarbeitszeug) und drumherum unsere zehn Teilnehmerinnen, die uns so sehr ans Herz gewachsen waren, dass es unvorstellbar erschien, dass wir uns morgen in alle vier Himmelsrichtungen verabschieden würden.

Eine Stunde vorher hatten Ulrike und Douglas, unsere wunderbaren Gastgeber, ein Abschlussfoto von uns gemacht und waren angesichts der 16 Puppenwesen, die in ihrem „Geburtshaus“, wie sie es kurzerhand nannten, entstanden waren, selbst in größte Verzückung geraten. Es war eine herrliche Stimmung und sicher für alle der Höhepunkt einer wunderschönen, intensiven, lehrreichen und seelenstreichelnden Zeit.

Begonnen hatte sie in Berlin auf der Bergengrünstraße, wo ich wohne, und wo wir Koffer und Taschen, Puppen, Material und Arbeitsutensilien, darunter sieben Kilogramm Stopfwolle, meterweise Stoff und eine Nähmaschine in mein kleines Auto luden. Mit dabei war eine einzelne gelbe Rose, die Laura aus ihrem Hofgärtchen im Prenzlauer Berg mitgebracht hatte, und die den Trip zu mir nach Zehlendorf aufgrund der hochsommerlichen Temperaturen trotz wässriger Vasenbehausung nur leidlich überstanden hatte. Ihre Blütenblätter waren ganz schlapp und erschöpft ließ sie ihren Kopf hängen. Auf mich machte sie überhaupt nicht den Eindruck, dass sie die Fahrt nach Wiesenburg überleben würde, weshalb ich sie am liebsten sofort auf dem Kompost entsorgt hätte. Aber nicht mit Laura! Sie bestand darauf, das Blümchen mitzunehmen, quasi auf dem Schoß zu transportieren und später im Wasserbad aufzupäppeln, damit es uns in den kommenden Tagen beim Puppennähen erfreuen könnte. Und so geschah es. Kaum im Refugium angekommen, hatte Laura schon eine Schüssel mit Wasser organisiert, in der die Rose langsam aufatmen und sich wieder in voller Pracht entfalten konnte. Was für ein rührender Anblick und wie unangenehm die Scham darüber, dass ich ihr keine Chance geben und sie einfach wegwerfen wollte. Und tatsächlich, kurz bevor unsere Teilnehmerinnen am späten Nachmittag eintrafen, war unser Raum picobello eingerichtet und auf dem Tisch blühte über allem diese starke, schöne und lieblich duftende Rose, der die Strapazen der Anreise überhaupt nicht mehr anzusehen waren.

Damit war, neben den Puppen, ein weiteres wichtiges Thema für unseren Workshop gesetzt, denn es ging auch um Selbstfürsorge, Aufblühen, Erschöpfung in der Tretmühle des Alltags, den Glauben an sich selbst und Heilung durch Liebe. Und wie die Frauen aufblühten! Dies geschah durch das charmante, alte Bauernhaus, das uns ein liebevolles Zuhause auf Zeit bot, den Zaubergarten und die üppig blühende und grünende Natur, die uns umgaben, von Ulrike und Douglas sorgsam zubereitete und appetitlich angerichtete Mahlzeiten, ein aufmerksames und liebevolles Miteinander, offene Ohren und weite Herzen, Puppen, die in jedem Stadium ihrer Entstehung zum Knutschen waren, genussvolle Körpererfahrungen, angeleitet von Carolin, einen Tänzerin und Bewegungspädagogin, die für einen Nachmittag aus Berlin angereist war, um uns so richtig schön in Bewegung zu bringen, sowie viele kleine und große magische Momente, die einem das Herz aufgehen und Tränen der Freude und Rührung in die Augen steigen ließen.

Puppenmachen tut der Seele gut, erst recht in einer Umgebung, welche die Sinne öffnet und einen ankommen lässt bei sich selbst, umsorgt und getragen von vielen guten Geistern um einen herum. Und so war es nicht nur Lauras Rose, die durch liebevolle Zuwendung zu neuem Leben erwachte, sondern diese Erfahrung durfte auch jede einzelne von uns selbst machen und nicht zu vergessen die Puppen, durch die diese Lebendigkeit auf das Schönste in die Welt hinausstrahlt.

Die Landpartie hat auch mich als Workshopleiterin erfrischt und inspiriert. Bis obenhin bin ich jetzt mit Puppenliebe angefüllt, vor allem aber mit Liebe für die Begegnung mit Menschen, die den Mut haben, sich im Herzen berühren zu lassen. Einmal mehr habe ich verstanden, dass genau das der Grund ist, warum ich Puppen nähe: um mich darüber mit den Menschen zu verbinden, mit meinen Kursteilnehmerinnen, Kundinnen und Kunden, Leserinnen und Lesern, Laura und meinen puppenmachenden und auch nichtmachenden Freundinnen und Freunden und allen, die Puppen und Puppenmacherei genauso lieben wie ich.

Die nächste Landpartie findet vom 22. bis 26. Mai 2019 statt. Alle Details findet ihr hier, Lauras Bericht von diesem Jahr hier und einen ausführlichen Text über unsere Premiere letztes Jahr hier. Anmeldung ab sofort an hello@mariengold.net.

© Bilder Laura Erceg-Simon, Maria Ribbeck und Verena Nowak


27. September 2017

FKK mit Individualbetreuung

Letzten Samstag haben Laura und ich den kleinsten Filzkopfkurs unserer mittlerweile dreijährigen Filzkopfkursgeschichte gegeben. Drei Teilnehmerinnen waren dabei, dazu wir zwei, das machte fünf Frauen an unserem Werkeltisch im Theater am Schlachthof, einer kleinen Off-Bühne in der Hausburgstraße im Berliner Friedrichshain. Obwohl bei einer solchen Runde finanziell nicht viel für uns herumkommt, waren wir uns einig, dass wir es machen wollten. Wichtig war uns nur, dass mehr Teilnehmerinnen als Profis (was genau genommen ich im Umgang mit der Filznadel eigentlich gar nicht bin) am Tisch sitzen. Ehrlich gesagt habe ich ein bisschen länger überlegt als Laura, weil ich immer alles drei Mal abwäge und genau durchrechne. Am Ende habe ich aber auf mein Bauchgefühl gehört und das wünschte sich von Herzen einen schönen Tag mit Laura und unseren drei filzabenteuerlustigen Frauen.

Ich unterrichte sehr, sehr gern und freue mich auf jeden einzelnen Kurs. Das Handwerk meines Herzens mit anderen Menschen zu teilen, gehört mit zum Schönsten, was meine Arbeit ausmacht. Je kleiner so ein Kurs ist, desto intensiver ist natürlich der Austausch. Laura und ich konnten uns in den achteinhalb Stunden am Samstag ausgiebig um unsere Teilnehmerinnen kümmern, Tipps und Tricks teilen und auch mal selbst Hand anlegen, so dass am Ende drei bemerkenswert schöne Filzköpfe entstanden waren, trotz dass wir wie immer zwischendurch auch insgeheim gezweifelt und Schnappatmung bekommen haben ob der unförmigen Gebilde, die einen in so einem Kurs zum Kennenlernen und Üben einer neuen Technik zwischenzeitlich anschauen. Dabei lernen nicht nur die Frauen sondern auch wir Kursleiterinnen eine ganze Menge. Schließlich sind wir keine supergeübten Filzkopfmacherinnen und haben uns beide mehr den einfachen Puppen verschrieben. Sobald wir aber zu Wolle und Nadel greifen, geschieht es auch um uns, der Filzwahn ergreift uns und lässt uns nicht wieder los, bis der Rücken buckelt, die Schultern schmerzen, die geprickelte Wolle vor unseren Augen zu einer Schneelandschaft verschwimmt und unsere Rischrischrisch-Trance zu den gewünschten Formen führt.

Puppenköpfe zu filzen macht unglaublich viel Spaß. Man lernt dabei viel über Physiognomie, die Erscheinung von Köpfen und den Aufbau von Gesichtern und darüber, was man an Puppen, anderen Menschen und sich selbst schön findet. Die Möglichkeiten sind unendlich und es gibt immer wieder etwas Neues zu entdecken und auszuprobieren.

Die meisten Frauen, die zu uns kommen, haben schon Erfahrungen im Puppenmachen. Darüber wird sich fröhlich plaudernd ausgetauscht und auf höchstem und lustigstem Niveau gefachsimpelt. (Wobei Laura und ich immer wieder feststellen müssen, dass wir uns bei weitem nicht so gut in der Szene auskennen wie unsere Teilnehmerinnen.) Die Frauen bringen immer auch ein Stück ihrer Welt mit in den Kurs. Das schafft Nähe, vor allem an so einem kleinen Tisch. Man fühlt sich gut aufgehoben, unter Gleichgesinnten. Das hören wir immer wieder und das verraten auch die leuchtenden Augen und rotgefreuten Wangen. Und das stimmt natürlich auch Laura und mich sehr froh. Dann macht es auch keinen großen Unterschied, ob wir nun drei oder sieben Teilnehmerinnen haben oder ob wir uns ein großes oder eher schmales Honorar auszahlen können. Das Glück, einen kreativ Tag in Gemeinschaft im kleinsten Theater der Welt zu verbringen, mit einer lieben Freundin als Co-Kursleiterin, schönstem Spätsommersonnenschein und Kastanienglanz und Menschen, die einander ihr großes puppennähverliebtes Herz öffnen, ist unendlich wertvoll und und bezahlbar.

Mehr zu unserem Filzkopfpuppenprojekt findet ihr hier, das Charlie Bo E-Book zur Herstellung unserer Filzkopfpuppe hier. Die Termine für die Kurse in 2018 stehen auch schon fest, sie finden am 30. Juni und 22. September statt. Außerdem veranstalten Laura und ich vom 23. bis 27. Mail wieder unsere Landpartie für Puppennähverliebte. Anmeldung an hello@mariengold.net.

Laura gibt dieses Jahr auch noch zwei eigene Puppennähkurse, einen zweitägigen am Wochenende 7. und 8. Oktober und einen eintägigen am Samstag, den 11. November. Alle Informationen dazu bei 1000 Rehe.


14. Juni 2017

PuppenMITmacherei 2017: Macht euch bereit!

Here we go with the third edition of the PuppenMITmacherei, a virtual craft initiative hosted by NATURKINDER and Mariengold which can loosely be translated as „doll making together“. Caro and I again cordially invite you to join us and make a doll in company with hopefully many other wo/men in the doll making blogosphere. Starting in July, the initiative is taking place until December. Actually, we won’t work together step by step with the same tutorial but every participant will work on her/his own doll with a tutorial, patterns and material of her/his choice. We will meet online on the first Wednesday of every month to share the process on our blogs, Instagram or Facebook. And you can link your blog posts at NATURKINDER then. Our social media hashtag is #puppenmitmacherei. For further details please see below (an online translator can be found here). If you want to join us, just drop a line to hello@mariengold.net. Looking forward to meeting you in the PuppenMITmacherei 2017!

Nach den wunderbaren virtuellen Puppennähvergnügen in 2015 und 2016 laden NATURKINDER und Mariengold auch dieses Jahr wieder ganz herzlich zur PuppenMITmacherei ein.

Mittlerweile ist die Aktion dick und fett mit rosa Herzchen in unserer Jahresplanung markiert. Seit Wochen schon sind Caro und ich voller Vorfreude, weil die PuppenMITmacherei etwas ganz Besonderes für uns ist. In den letzten beiden Jahren haben wir darüber viele tolle Menschen und neue Blogs kennengelernt, einen superfreundlichen und ermutigenden Austausch zwischen den PuppenMITmacher/innen wahrgenommen und wunderschöne, herzige Puppen in einer großen Vielfalt entstehen gesehen. Das wünschen wir uns auch für dieses Jahr.

Für diejenigen, die ganz neu zu Mariengold und den Puppen gefunden haben, hier die wichtigsten Details:

Die PuppenMITmacherei ist eine Aktion im Internet, bei der wir (also ihr und Caro und ich) gemeinsam Puppen nähen und darüber auf unseren Blogs berichten.

Das Ganze ist allerdings kein Online-Kurs, das heißt, wir Veranstalterinnen leiten die Puppenherstellung nicht Schritt für Schritt an und wir werkeln auch nicht an den gleichen Puppen. Vielmehr bringen alle ihre Ideen mit, arbeiten mit selbst gewählten Anleitungen, Schnittmustern und Materialien an ihren eigenen Puppen und tauschen sich bei sechs thematischen Online-Dates mit den anderen PuppenMITmacher/innen im Internet aus.

Ablauf

Richtig los geht’s am 5. Juli. Ab dann treffen wir uns immer am ersten Mittwoch des Monats, erzählen von unseren Fortschritten, zeigen Bilder, teilen unsere Freude, tauschen uns aus, geben Feedback und machen uns gegenseitig Mut. Das große Finale ist für den 6. Dezember geplant, dann sollen die Puppen fix und fertig sein. Neu ist die Erweiterung des Termins im November um Zubehör und Möbel. Das habt ihr euch im Feedback vom letzten Jahr gewünscht.

5. Juli: Ideensammlung
Bei unserem ersten Treffen geht es um Ideen und Inspiration. Habt ihr schon Erfahrung mit der Puppenmacherei? Wie stellt ihr euch eure Puppe vor? Möchtet ihr vielleicht einmal etwas ganz Neues ausprobieren? Welche Puppen gefallen euch besonders gut? Könnt ihr Bücher, Anleitungen und Online-Tutorials empfehlen? Wo kauft ihr euer Material ein? Und ganz wichtig: Wem wollt ihr mit eurer Puppe eine Freude machen? Erzählt es uns. (Hier meine Beiträge von 2016 und 2015.)

2. August: Vorbereitungen
Ihr wisst jetzt, was für eine Puppe ihr nähen möchtet. Anleitung,  Schnittmuster und Materialien liegen bereit. Denkt auch an die Arbeitsutensilien. Besorgt euch alles, was ihr zur Herstellung eurer Puppe braucht. Und macht auch eure Nähmaschine fit. Denn bei unserem zweiten Treffen geht es direkt los und wir nähen die Puppenteile. (Hier mein Beitrag von 2015. Letztes Jahr habe ich diesen Termin ausgesetzt.)

6. September: Herstellung von Kopf und Körper
Bei unserem dritten Treffen nehmen wir gemeinsam die erste große Hürde und fertigen den Puppenkopf an. Wenn das geschafft ist, stopfen wir die Arme und Beine und nähen die Puppe zusammen. (Hier meine Beiträge von 2016 und 2015.)

4. Oktober: Gestaltung von Gesicht, Haaren und Details
Bei unserem vierten Treffen wird es noch einmal richtig kniffelig, denn es geht um die Gestaltung des Gesichtes. Danach bekommt die Puppe Haare und süße, kleine Details wie Bauchnabel, Popo, Ohren und worauf immer ihr Lust habt. (Hier meine Beiträge von 2016 und 2015.)

1. November: Anfertigung von Kleidung, Accessoires und Möbeln
Weiter geht es mit den Puppenkleidern. Bei unserem fünften Treffen stellen wir unter dem Schnurren der Nähmaschine und dem Klappern von Stricknadeln die Kleidung für die Puppe her. Wer mag, statt sein Goldstück noch mit Accessoires und Möbeln aus. (Hier meine Beiträge von 2016 und 2015.)

6. Dezember: Finale
Die Puppen sind jetzt fertig genäht und schön eingekleidet. Bei unserem sechsten und letzten Treffen präsentieren wir unser Werk, schauen – wenn ihr mögt – noch einmal zurück auf die letzten Wochen und Monate und freuen uns darauf, die Puppen endlich den Menschen in die Arme zu legen, für die sie gedacht sind. Vielleicht an Weihnachten? (Hier meine Beiträge von 2016 und 2015.)

Teilnahme

Die PuppenMITmacherei ist offen für alle Puppennähverliebten, ganz gleich ob ihr dieses Handwerk ganz neu entdeckt habt, wenig, mittel oder viel Erfahrung mitbringt oder professionelle Puppenmacherinnen seid.

Was für eine Puppe ihr herstellt, könnt ihr frei entscheiden. Das kann eine klassische Waldorfpuppe sein à la Karin Neuschütz, eine Filzkopfpuppe wie Charlie Bo, eine Jess Brown Rag Doll, wie Caro und ich sie letztes Jahr gemacht haben, eine Strickpuppe oder etwas ganz anderes sein.

Wenn ihr eure Puppenmacherei mit uns teilen möchtet, benötigt ihr natürlich einen eigenen Blog, einen Instagram-Account oder eine Facebook-Seite. Dort könnt ihr an den sechs Terminen zu den jeweiligen Themen schreiben und Fotos veröffentlichen. Unser Hashtag für die sozialen Netzwerke lautet #puppenmitmacherei.

Bei unseren sechs Online-Dates sammelt Caro alle Beiträge bei NATURKINDER, wo ihr eure Blogartikel ganz einfach mit einem speziellen Blogging Tool verlinken könnt. Dort könnt ihr dann auch sehen, was die anderen so machen und euch vernetzen, wenn ihr mögt. Ich schaue an diesen Tagen auch regelmäßig vorbei, um eure Puppen zu bestaunen, Kommentare zu moderieren und Fragen zu beantworten.

Der oben beschriebene Ablauf dient übrigens nur der groben Orientierung. Werkelt, schreibt und fotografiert, ganz wie es euch gefällt.

Wir haben auch einen Banner für die PuppenMITmacherei gestaltet, den ihr gern verwenden könnt. Ihr seht ihn in der Seitenleiste hier auf meiner Internetseite und könnt hier eine Version herunterladen, deren Größe ihr selbständig für euer Medium anpassen könnt.

Natürlich könnt ihr auch ohne Öffentlichkeit an unserer Aktion teilnehmen. Nur für euch. Auch schön.

Eine offizielle Anmeldung für die Puppenmitmacherei ist nicht nötig. Ihr könnt Caro oder mir aber gern an hello@mariengold.net schreiben, wenn ihr dabei seid. Das steigert die Vorfreude!

Ausblick

In drei Wochen geht es los mit dem ersten Treffen zum Thema Inspiration. Ein paar Tage vorher ist Mariengold wieder zu Gast als Partner bei NATURKINDER mit einem puppennähverliebtem Give-Away für euch.

Für den Juli ist auch wieder eine Sonderpreisaktion für meine E-Books zur Herstellung von Puppen und Puppenkleidung geplant. Und ich werde natürlich meine Vorräte für Puppenbastelmaterial kräftig aufstocken, falls ihr eure Puppe mit einer Anleitung und Material von Mariengold nähen möchtet. Mehr dazu bald.

Caro und ich freuen uns von Herzen auf euch und eure Puppen in der PuppenMITmacherei 2017!

Alle Beiträge von Mariengold zur PuppenMITmacherei, auch aus den letzten Jahren, findet ihr hier.


12. Juni 2017

Puppen-Highs im Hohen Fläming (Landpartie 2017)

Am Ende der vier Tage gab es diesen einen Moment, in dem alles stimmte. Ich saß in der quietschenden Hollywoodschaukel im Garten unseres Refugiums, der Holunder duftete schwer nach Sommer, die Vögel zwitscherten ihr Abendlied, eine wohlig warme Brise umschmeichelte meine nackten Arme, es wurde langsam dunkel und unser Workshopraum, in den ich von meinem Happy Place direkt hineinschauen konnte, war so heimelig erleuchtet und von Puppennähverliebten bewuselt, dass mir vor Seligkeit das Herz anschwoll.

Da lag sie schon fast hinter uns, unsere Landpartie, ein Traum, den meine Freundin Laura von 1000 Rehe und ich seit Jahren gemeinsam träumten und in den letzten zwölf Monaten haben Wirklichkeit werden lassen. Mehrere Tage Puppennähen auf dem Land, Puppenmachen bis in die Puppen, das stellten wir uns nur allzu gut vor und hatten von Anfang an das Gefühl, dass wir damit nicht alleine sind. Und tatsächlich fanden sich zehn Frauen, die mit uns diese Reise machen wollten. Von überall her kamen sie, sogar aus der Schweiz, in einem kleinen roten Auto, das mit ganz viel Geduld und Mutter-Tochter-Vorfreude den langen Weg ins Brandenburger Hügelland schaffte.

Vier Tage

Ankommen, Kennenlernen und Wiedersehen im wilden Paradies unserer Gastgeber Ulrike und Douglas, die erste gemeinsame Mahlzeit im blauen Salon, behutsame Annäherung, Lachen, Worttaumel. Bei einem Blick in die Zimmer sehe ich auf fast jedem Bett eine mitgebrachte Puppe sitzen. Am Abend die erste kleine Workshop-Einheit, in der wir kleine Herzen mit persönlicher Liebesbotschaft nähen, die später in unseren Goldstücken schlagen sollen. Danach beginnen schon die ersten mit der Puppenkleiderschneiderei. In unserem Zimmer unterm Dach hören Laura und ich das Rattern der Nähmaschinen und besprechen im Nachthemd den kommenden Tag. Mittlerweile geht die Sonne vor einem zauberschönen pastellfarbenen Himmel unter und der Kuckuck ruft. Alle sind da, alles ist gut.

Am nächsten Vormittag tauchen wir richtig ein. Laura leitet das Kopfmachen an, ich reiche das Material und unterstütze mit Maßen, Handanlegen, Tipps und Tricks und ein bisschen Struktur. Wir funktionieren gut als Team, auch in diesem Kurs. Die Köpfe, die entstehen, sehen mal mehr nach 1000 Rehe, mal mehr nach Mariengold aus. An unserem großen Werkeltisch für Zwölf wird es immer lebendiger. Stunde um Stunde werden die Frauen weicher und offener, trauen sich zu zeigen und zu erzählen. Es wird viel gelacht, die Stimmung ist großartig. Schlag 13 lassen alle die Nadeln fallen und folgen dem Duft nach nebenan. Dort stehen um einen schweren antiken Tisch zwölf Stühle und es braucht viel Kommunikation und lange Arme, um die Schüsseln von einem Eck ins andere zu bringen. Immer wieder Lachen. Zum Nachtisch gibt es Apfelmus aus dem Garten vom letzten Jahr. Wir können unser Glück kaum fassen. Mittagsschlaf, wer es sich gönnen möchte. Danach weiter mit den Puppen. Einige arbeiten parallel an zweien. Wir stopfen feste, ganz fest. Zum Nachmittag Zitronenkuchen aus der Mischung von Laura. Wir häkeln, immer wieder an den nächsten Tagen, bis das Käppchen auf den Kopf passt. Zeit für das Abendessen. Wieder gibt es eine Suppe vorweg. Was für eine Verwöhnung für uns Frauen, von denen die meisten es zu Hause mit Kindern, Job und Alltag kaum schaffen, sich selbst gut zu nähren. Der stets so reich und liebevoll gedeckte Tisch ist ein großes Geschenk für alle. Langsam klingt der Tag aus. Laura und ich machen einen Wald- und Wiesenspaziergang, pflücken Blumen, tauschen uns aus. Irgendwann einvernehmliches Schweigen der untergehenden Sonne entgegen. Die Ruhe tut gut. Zurück im Refugium emsiges Treiben im Workshopraum. Puppenkleider werden genäht, keiner mag sich so recht in die Nacht verabschieden. Der Kuckuck meldet sich wieder. Laura und ich schlafen tief und fest.

Am nächsten Tag wird aus der Gruppe eine echte Gemeinschaft. Das fühlt sich an wie ein kleines Wunder und ist eigentlich auch schon alles, was Laura und ich uns für die Landpartie gewünscht haben: Puppennähverliebte in heiterer Verbundenheit. Die Frauen wachsen zusammen, Laura und ich wachsen mit und staunen immer wieder über diese Magie. Bis zum Gong werkeln wir an unseren Puppen, die immer mehr Form annehmen und schließlich zusammengenäht und mit süßen kleinen Details versehen werden. Da liegen sie, mindestens zwölf Puppen, noch ganz roh, ohne Gesicht und Haare, dafür mit Grübchen, Bauchnabel, Popo und was uns sonst noch eingefallen ist. Der Abschied fällt schwer, denn erst am nächsten Tag soll es weitergehen. Für das Mittagessen haben Douglas und Ulrike im Garten eingedeckt. In dieser satten und blühenden Umgebung schmeckt es gleich doppelt so gut. Danach ein Nickerchen. Die zweite Tageshälfte darf jede frei für sich gestalten. Ein paar Frauen schließen sich Laura für eine kleine Wanderung zum Badeteich im Nachbardorf an. Lebensgespräche, nennt Laura es später, was sie unterwegs verbindet. Die anderen lassen weiter die Hände tanzen oder genießen das herrliche Anwesen, die Kunstwerke und Rückzugsnischen, die Wandelwege auf der Streuobstwiese, den Buddha mit der leuchtenden Schneckenmuschel in den Armen, Douglas im Gemüsegarten, der klatschrote Mohn, die Rosen, das Meisenpärchen, das immer vor der Veranda herumschwirrt. Beim Abendessen wieder Farben und Düfte, Kräuter und Blüten, soweit der Appetit reicht. Zum Abschluss das Hörbuch Vasalisa und das erste Mal Tränenschimmer in den Augen einiger Frauen, auch in meinen. Wie nah Leichtigkeit und Schwere, Glück und Trauer manchmal beieinander liegen, bringt uns später ein Anruf in Erinnerung, den eine Frau von Zuhause erreicht und sie am nächsten Morgen nach einer unruhigen und sorgenvollen Nacht vorzeitig abreisen lässt. An den kommenden Tagen bleibt ihr Platz leer, aber sie ist weiterhin Teil der Gruppe und wird liebevoll bedacht.

Es ist Samstag. Es regnet und wir fühlen uns wohl behütet in unserem Raum. Weiter, weiter mit den Puppen. Sie bekommen Gesicht und Haare und ihren Lebenshauch von roter Farbe. Uns Kursleiterinnen macht es so viel Freude, die Frauen und ihre Puppen beim Sein und Werden zu begleiten. Es tut gut, Zeit zu haben, viel Zeit. Herzen schlagen höher. Ohs und Ahs tönen von jeder Seite des Tisches. Jede einzelne Puppenseele wird überschenglich begrüßt. Wieder der Gong. Passend zum neuen Wetter gibt es ein indisches Menü, das uns wunderbar die Bäuche wärmt. (Unglaublicherweise wird das Essen mit jedem Tag noch ein bisschen besser.) Satt und zufrieden. Wieder abtauchen in die Mittagsruhe. Danach Puppennähfinale. Zeit für den letzten Schliff und alle offenen Wünsche. Laura leitet spontan die Herstellung ihres Puppenkleidklassikers an, ich zeige, wie aus einem rechteckigen Stück Stoff ein Bindebeutel für Habseligkeiten entsteht. Am Nachmittag gibt es Kuchen mit Rhabarber aus dem Garten von Ulrike, darauf haben wir uns die ganze Zeit gefreut. Weiter geht’s mit der Puppenkleiderschneiderei. Manche Frauen stellen eine ganze Garderobe her, können sich kaum trennen von ihren Werken und der Nähmaschine. Zum Abschluss danken wir unseren Händen mit einem Peeling unter freiem Himmel. Samtweiche Pfötchen, Kichern und ulkige Momente beim Abendessen. Wie im Schullandheim. Abends feiern wir Abschied auf der Veranda mit zwei Flaschen Wein und Reisegeschichten. Dieser Ort macht Lust auf mehr. Die Sonne geht unter. Mein Zaubermoment auf der Hollywoodschaukel. Im Workshopraum wird bis spät gewerkelt. Müdigkeit macht sich breit.

Der letzte Tag. Unser letztes gemeinsames Frühstück. Mit Sonntagsei. Es regnet in Strömen. Douglas macht trotzdem ein großartiges Abschlussbild von uns und den Puppen. Zurück im Trockenen werden sie alle noch einmal vorgestellt und willkommen geheißen. Wir lassen unsere vier Tage Revue passieren. So viele Eindrücke, so viele Bilder, so viele Geschichten. Leuchtende Augen. Weite Herzen. Lachen und Weinen. Taschentücher werden herumgereicht. Erste Anmeldungen für nächstes Jahr werden angekündigt. Den Termin habe ich schon auf dem Zettel. Ulrike und Douglas wollen uns und die Puppen auch gern wieder in ihrem Haus haben. Der Abschied naht. Vertraute Blicke. Warme Worte. Umarmungen im Hausflur. Der Regen strömt weiter. Da fahren sie alle wieder. Auch Laura und ich packen unsere Siebensachen. Großes Dankeschön an unsere Gastgeber, ein letzter Blick auf unser Refugium und glücklich erfüllt zurück in die Stadt.

Zehn Jahre und weiter

So ein Programm, das Miteinander von zwölf Personen, lässt sich nicht auf dem Reißbrett planen. Und doch ging unser Konzept mit allen Überlegungen und Gedankenspielen bestens auf und es war genauso, wie wir es uns gewünscht und erträumt hatten. Nur ein paar Punkte haben wir spontan vor Ort umgestellt: So fehlte für das Hörbuch am ersten Abend die Ruhe und die Verwöhnbehandlung für die Hände war perfekt für den Abschluss. Sonst haben wir es fließen lassen und sind mit dem gegangen, was sich in jedem Moment zeigte. Das war genau richtig. Und Laura wie immer meine beste Lehrerin in diesem Sein-Lassen. Es war für uns beide ein ganz herrliches und erfüllendes Erlebnis, rundum wunderbar und bereichernd.

In der Landpartie steckt mein ganzes Herzblut. Und zehn Jahre Erfahrung im Unterrichten. Bei meinem Zaubermoment auf der Hollywoodschaukel wurde mir auf einmal bewusst, dass jeder Kurs, den ich seit 2008 gegeben habe, jede Begegnung mit Puppennähverliebten, jede Puppe, die durch meine Hände ging, ja auch jedes Hoch und jedes Tief mich genau dahin geführt hatten, wo ich gerade war – an diesen traumhaft schönen Ort in der Natur, mit diesen tollen Menschen und der besten Co-Kursleiterin, die ich mir vorstellen kann, und der Gabe, Menschen über das Puppenhandwerk mit ihrer Seele in Kontakt zu bringen.

Nach zehn Jahren mit Mariengold empfinde ich meine Arbeit oft nicht mehr als etwas Besonderes, sondern eher als einen ganz normalen Beruf mit allen Schwierigkeiten und Herausforderungen, Glücksmomenten und Alltäglichkeiten. Das ist absolut in Ordnung und der Lauf der Dinge. Und doch braucht es ab und zu eine Erinnerung. Die bekomme ich immer wieder in meinen Kursen und eben jetzt bei der Landpartie. Dann spüre ich ganz deutlich, dass es doch viel mehr ist als ein Broterwerb. Nämlich eine Leidenschaft, ein tiefes Bedürfnis, eine Herzensangelegenheit. Es ist der zwischenmenschliche Kontakt im Hier und Jetzt, der mich immer wieder zurück zum Kern bringt.

Das ist auch auch der Grund, warum mir meine Kurse so wichtig sind und ich diesen Bereich weiter ausbauen werde. Immer und immer wieder möchte ich solche Räume echter Begegnung und kollektiver Kreativität schaffen. Das bringt Freude und ist zutiefst heilsam für uns Menschen. Damit möchte ich dienen, darin sehe ich meine Berufung.

Nächstes Jahr findet die Landpartie vom 23. bis 27. Mai statt. Alle Details findet ihr hier, einen tollen Artikel von unserer Teilnehmerin Maike hier und Lauras Bericht hier. Anmeldung an hello@mariengold.net.

© Bilder Maike Coelle, Laura Erceg-Simon und Maria Ribbeck


29. März 2017

FKK im Wohnzimmer

Letzten Samstag ging es für Laura und mich in die fünfte Runde unseres Filzkopfkurses, der im Sommer 2015, am heißesten Tag des Jahres, Premiere hatte. Obwohl die Zeichen dieses Mal nicht unbedingt auf Grün standen – Terminkollision im Theater am Schlachthof, nur vier Anmeldungen, Laura mitten im Ringelnatz und ich auf Hochtouren bei der Arbeit an meinem neuen E-Book -, entschieden wir uns, den Kurs trotzdem zu machen und so lud Laura mich und die filzvorfreudigen Frauen kurzerhand zu sich nach Hause in den Prenzlauer Berg ein.

Das gemeinsame Unterrichten ist uns eine große Freude und bis zur Landpartie im Juni nehmen wir gern jede Gelegenheit wahr, um zu üben, zu üben und nochmals zu üben. In den Genuss von Lauras Gastgeberinnenzauberei komme ich ja schon seit vielen Jahren, deshalb wusste ich, dass sie es ehrlich meinte, als sie die Teilnehmerinnen mit einem herzlichen „Fühlt euch wie zu Hause“ begrüßte. Und natürlich wurde es auch eine gemütliche, lustige, kreative, verplauderte, wonnige, leckerbissige und schaffensreiche Wohnzimmersession.

Unsere allhalbjährliche Befürchtung, in der Zwischenzeit das Filzen verlernt zu haben, bewahrheitete sich nicht. Ganz im Gegenteil, Laura und ich waren entspannt und fokussiert wie nie zuvor, die Zeit floss angenehm dahin und ohne ganz ohne Hektik, dafür mit viel Frühlingssonne und köstlicher Obsttorte, entstanden unter unserer Anleitung vier schöne Filzköpfe. Wir warnen die Frauen zu Beginn immer vor, der Kurs habe eher Werkstattcharakter und es brauche viel Geduld und Spucke, bis die Köpfe so werden wie gewünscht. Dieses Mal aber könnte jeder einzelne ohne weiteres zu einer kompletten Puppe weiterverarbeitet werden. So etwas macht Laura und mich natürlich auch stolz und glücklich.

Viel wichtiger sind uns jedoch die Begegnungen mit den Frauen, ihre Geschichten und ganz besonders die Puppen, die meist aus ihren Taschen herauslugen. Das öffnet die Herzen und schafft Verbindung. Und mit diesem Rückenwind tanzen die Filznadeln von ganz allein. Die meisten Frauen, die zu uns kommen, haben schon Erfahrung im Puppenmachen. Meist werkeln sie bereits seit Jahren mehr oder weniger allein im stillen Kämmerlein und stellen die schönsten Dinge für ihre Kinder, für Freunde und Bekannte oder für das Regal her. Sie sehnen sich nach Austausch und gegenseitiger Inspiration, nach Feedback und Mutmachworten oder einfach nach dem Gefühl, nicht allein oder kein Alien zu sein, wie es oft mit einem Augenzwinkern formuliert wird.

Einen Tag mit Gleichgesinnten zu verbringen, kann Wunder bewirken. Laura und ich können immer förmlich dabei zusehen, wie Leben in die Frauen kommt, wie ihre Augen zu leuchten und die Wangen zu glühen beginnen. Es wird viel gelacht und erzählt, auch in stiller Harmonie geschwiegen und schwer geschafft. Deshalb ist unsere Arbeit so wichtig und viel mehr als nur ein Broterwerb. Das ist der Grund, warum ich mittlerweile zwölf Kurse im Jahr plus zwei Filzkopfkurse und die Landpartie mit Laura anbiete. Weil es einen Bedarf gibt und weil so ein Erlebnis rundum glücklich macht, mich selbst natürlich auch. Puppennähen tut der Seele gut. Diesen Raum schaffen Laura und ich mit unserem Angebot. Alles andere geschieht dann fast von allein. Inmitten von Heiterkeit und Verbundenheit bahnen sich die Puppen auf magische Weise durch die Hände und Herzen der Frauen ihren Weg ins Leben und werden freudig begrüßt und von allen Seiten mit Liebe überhäuft.

Mehr zu unserem Filzkopfpuppenprojekt findet ihr hier, das Charlie Bo E-Book zur Herstellung unserer Filzkopfpuppe hier. Der nächste Kurs findet am 23. September statt. Anmeldung an hello@mariengold.net.

Unsere Landpartie für Puppennähverliebte ist bereits ausgebucht, es gibt aber eine Warteliste, für die ihr euch anmelden könnt.


27. September 2016

FKK mit Kastanienglanz und Weihnachtswichtel

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Als Laura und ich uns letzten Samstag auf den Weg zum Theater am Schlachthof machten, dem Veranstaltungsort unseres Filzkopfkurses, sie vom Prenzlauer Berg, ich von Zehlendorf aus, hatten wir beide die gleiche Idee: Kastanien sammeln. Der Morgen war sonnig und mild, die Luft frisch und voller Herbstwürze, die Kastanien leuchteten in tiefstem Rotbraun und vor uns lag Runde Vier unseres gemeinsamen Workshops. Mit gefüllten Jackentaschen und voller Vorfreude kam ich heiter und gut durchgewärmt im Friedrichshain an. Wie immer hatte Laura den Raum bereits wunderschön vorbereitet und eine gemütliche und einladende Atmosphäre geschaffen, Kaffee gekocht, Blumen hingestellt und an jedes Detail gedacht. So ein Empfang ist für mich, die ich bei meinen anderen Puppennähkursen immer allein für alles verantwortlich bin, ein großes Glück. Einfach anzukommen, meine Sachen auszupacken, einen Kaffee zu trinken und mit Laura zu plaudern, bevor es losgeht, ist der schönste Einstieg in so einen langen, kreativen Tag.

Dieses Mal waren wir eine eher kleine Runde von sieben Frauen, alle mit Erfahrungen in der Puppenmacherei, eine sogar zertifizierte Porzellanpuppenkünstlerin. Entsprechend entspannt lief der Kurs ab, auch wenn Laura und ich wie immer einige Male die Luft anhielten und uns im Stillen fragten, wie aus den üppigen Wollbergen jemals ansehnliche Puppenköpfe werden sollten. Diese Zweifel kannten wir schon vor den anderen Kursen und wussten (oder ahnten oder hofften), dass auch dieses Mal alles gut gehen würde. Trotzdem dachte ich, ach, hättest du in der Zwischenzeit doch wie eine Weltmeisterin gefilzt, kam aber letztlich wieder zu der Erkenntnis, dass dieser Kurs mit Laura für mich ein gute und wichtige Übung im Loslassen ist. Kontrolle gibt es hier nicht, stattdessen Hingabe an den Moment, die Bereitschaft, mit dem zu gehen, was ist, und zu vertrauen, dass alles genau richtig ist, wenn auch anders als vorgestellt oder gewünscht. Dann wird, nein, dann ist alles gut. Die Augen der Teilnehmerinnen strahlen sowieso die ganze Zeit, einfach weil es Spaß macht, miteinander zu handarbeiten, etwas Neues zu lernen, andere Puppennähverliebte kennenzulernen und einen aufregenden Tag in Berlin zu verbringen. Da nehmen die Filzköpfe wie von selbst Form an, begleitet von Lachen und Seufzen, Stirnrunzeln und Schmunzeln, Glücksgefühlen und Kekslaune. (Laura beschreibt das verflixte Filzen übrigens sehr schön hier.)

Tine hatte wieder ihren Weihnachtswichtel dabei, ein kleines Meisterwerk des mütterlichen Puppenerschaffens. Der fühlte sich pudelwohl zwischen den Kastanien und dem Blumenstrauß, die er sonst wohl nie zu Gesicht bekommt, weil er nur den Advent kennt. Auch die anderen mitgebrachten Puppen wurde geherzt und bewundert, angelacht und durch alle Hände gereicht. Es ist immer wieder ein Fest, diese Vielfalt zu sehen und die Freude der Frauen zu spüren, mit der sie an die neue Technik herangehen. Nicht immer kommt dabei ein perfekter Filzkopf heraus, aber darum geht es in unserem Kurs auch nicht. Vielmehr sehen wir ihn als Werkstatt, in dem nach Herzenslust probiert und experimentiert, gestaltet und gewerkelt, geschwatzt und auch geschmatzt werden darf, denn Kuchen und eine schöne Tasse Kaffee gehören bei uns immer dazu.

Auch nächstes Jahr öffnen wir unseren Werkraum im kleinsten Theater der Stadt wieder für euch. Dann findet unser Filzkopfkurs voraussichtlich im März und September statt. Die genauen Termine und der Anmeldebeginn folgen im November.

Es haben sich auch schon ganz viele Frauen für unser Puppenmacherei-Retreat auf Land gemeldet. Laura und ich freuen uns riesig über das große Interesse. Die Vorbereitungen sind bereits in vollem Gange und schon bald geht es damit hinaus in die Welt. Wenn ihr schon jetzt Lust habt, dabei zu sein, schreibt ganz unverbindlich an hello@mariengold.net. Dann erfahrt ihr die Neuigkeiten als erste.

Mehr zu unserem Filzkopfpuppenprojekt findet ihr hier, das Charlie Bo E-Book zur Herstellung unserer Filzkopfpuppe hier.


18. Juli 2016

In die Puppen (große Pläne für 2017)

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In den letzten Wochen waren Laura und ich in den schönsten Ecken Brandenburgs unterwegs auf der Suche nach einem Ort für unser neues gemeinsames Projekt.

Seit eineinhalb Jahren arbeiten wir zwei Berliner Puppenmacherinnen jetzt zusammen, haben gemeinsam die Filzkopfpuppe Charlie Bo ins Leben gerufen, ein Anleitungsbuch für diese Puppe geschrieben und einen Kurs dazu gestartet, der im September in die vierte Runde geht. Laura und ich, das geht gut. Wir sind ein Dreamteam und ergänzen uns ganz wunderbar. Jetzt wollen wir gemeinsam weitergehen, etwas Neues wagen.

Dafür haben wir uns auf den Weg gemacht, in die Uckermark und in den Hohen Fläming, haben unsere Köpfe in neue Räume gesteckt, Menschen mit spannenden Visionen getroffen, alte Bäume gestreichelt, in Zirkuswagen gelugt, Katzen gezählt, göttliche Holunderbrause in wildromantischen Gärten gesüffelt, sonnenwarme Früchte genascht, Betten ausprobiert, in Kochtöpfe geschaut, geträumt und gesponnen, Pläne geschmiedet und in Vorfreude geschwelgt.

Was wir vorhaben? Wir wollen mit euch raus aufs Land für ein mehrtägiges Puppenmacherei-Retreat unter dem Motto „Werkeln & Wohlfühlen“. Nächstes Jahr im Juni soll es soweit sein. Die Details erfahrt ihr im Oktober, dann geht es auch los mit den Anmeldungen.

Wenn ihr schon jetzt Lust habt, dabei zu sein, schreibt ganz unverbindlich an hello@mariengold.net. Dann erfahrt ihr die Neuigkeiten als erste.

Laura und ich freuen uns wie verrückt auf die Zeit mit euch und den Puppen!

Mehr zu unserem gemeinsamen Filzkopfpuppenprojekt findet ihr hier. In unserem letzten Kurs in diesem Jahr am 24. September ist noch genau ein Platz frei. Details dazu hier, Anmeldungen an hello@mariengold.net.


1. Juni 2016

PuppenMITmacherei 2016: Es geht wieder los!

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Do you remember last year’s PuppenMITmacherei? This was a virtual craft initiative hosted NATURKINDER and Mariengold which can loosely be translated as „doll making together“. This year, Caro and I again cordially invite you to join us and make a doll in company with hopefully many other wo/men in the doll making blogosphere. Starting in July, the initiative is taking place until December. Actually, we won’t work together step by step with the same tutorial but every participant will work on her/his own doll with a tutorial, patterns and material of her/his choice. We will meet online on the first Wednesday of every month to share the process on our blogs, Instagram or Facebook. And you can link your blog posts at NATURKINDER then. For further details please see below (an online translator can be found here). If you want to join us, just drop a line to hello@mariengold.net. Looking forward to meeting you in the PuppenMITmacherei 2016!

Nach unserem großen virtuellen Puppennähfest im letzten Jahr laden NATURKINDER und Mariengold auch 2016 wieder ganz herzlich zur PuppenMITmacherei ein.

Caro und ich hatten 2015 so viel Freude: Wir haben viele tolle Menschen und neue Blogs kennengelernt, einen superfreundlichen und ermutigenden Austausch zwischen den PuppenMITmacher/innen wahrgenommen und wunderschöne, herzige Puppen in einer großen Vielfalt entstehen gesehen. Bis heute bekommen wir regelmäßig Anfragen, ob die Veranstaltung auch in diesem Jahr wieder stattfindet. Na klar!

Für diejenigen, die ganz neu zu Mariengold und den Puppen gefunden haben, hier die wichtigsten Details:

Die PuppenMITmacherei ist eine Aktion im Internet, bei der wir (also ihr und Caro und ich) gemeinsam Puppen nähen und darüber auf unseren Blogs berichten.

Das Ganze ist allerdings kein Online-Kurs, das heißt, wir Veranstalterinnen leiten die Puppenherstellung nicht Schritt für Schritt an und wir werkeln auch nicht an den gleichen Puppen. Vielmehr bringen alle ihre Ideen mit, arbeiten mit selbst gewählten Anleitungen, Schnittmustern und Materialien an ihren eigenen Puppen und tauschen sich bei sechs thematischen Online-Dates mit den anderen PuppenMITmacher/innen im Internet aus.

Ablauf

Richtig los geht’s am 6. Juli. Ab dann treffen wir uns immer am ersten Mittwoch des Monats, erzählen von unseren Fortschritten, zeigen Bilder, teilen unsere Freude, tauschen uns aus, geben Feedback machen uns gegenseitig Mut. Das große Finale ist für den 7. Dezember geplant, dann sollen die Puppen fix und fertig sein.

6. Juli: Ideensammlung
Bei unserem ersten Treffen geht es um Ideen und Inspiration. Habt ihr schon Erfahrung mit der Puppenmacherei? Wie stellt ihr euch eure Puppe vor? Möchtet ihr vielleicht etwas ganz Neues ausprobieren? Welche Puppen gefallen euch besonders gut? Könnt ihr Bücher, Anleitungen und Online-Tutorials empfehlen? Wo kauft ihr euer Material ein? Und ganz wichtig, wem wollt ihr mit eurer Puppe eine Freude machen? Erzählt es uns. (Hier mein Beitrag von 2015)

3. August: Vorbereitungen
Ihr wisst jetzt, was für eine Puppe ihr nähen möchtet. Anleitung,  Schnittmuster und Materialien liegen bereit. Denkt auch an die Arbeitsutensilien. Besorgt euch alles, was ihr zur Herstellung eurer Puppe braucht. Und macht auch eure Nähmaschine fit. Denn bei unserem zweiten Treffen geht es direkt los und wir nähen die Puppenteile. (Hier mein Beitrag von 2015.)

7. September: Herstellung von Kopf und Körper
Bei unserem dritten Treffen nehmen wir gemeinsam die erste große Hürde und fertigen den Puppenkopf an. Wenn das geschafft ist, stopfen wir die Arme und Beine und nähen die Puppe zusammen. (Hier mein Beitrag von 2015.)

5. Oktober: Gestaltung von Gesicht, Haaren und Details
Bei unserem vierten Treffen wird es noch einmal richtig kniffelig, denn es geht um das Sticken des Gesichtes. Danach bekommt die Puppe Haare und süße, kleine Details wie Bauchnabel, Popo, Ohren und worauf immer ihr Lust habt. (Hier mein Beitrag von 2015.)

2. November: Anfertigung der Kleidung
Weiter geht es mit den Puppenkleidern. Bei unserem fünften Treffen stellen wir unter dem Schnurren der Nähmaschine und dem Klappern von Stricknadeln die Kleidung für die Puppe her. (Hier mein Beitrag von 2015.)

7. Dezember: Finale
Die Puppen sind jetzt fertig genäht und schön eingekleidet. Bei unserem sechsten und letzten Treffen präsentieren wir unser Werk, schauen – wenn ihr mögt – noch einmal zurück auf die letzten Wochen und Monate und freuen uns darauf, die Puppen endlich den Menschen in die Arme zu legen, für die sie gedacht sind. Vielleicht an Weihnachten? (Hier mein Beitrag von 2015.)

Teilnahme

Die PuppenMITmacherei ist offen für alle Puppennähverliebten, ganz gleich ob ihr noch nie eine Puppe genäht habt, wenig, mittel oder viel Erfahrung mitbringt oder professionelle Puppenmacherinnen seid.

Was für eine Puppe ihr herstellt, könnt ihr frei entscheiden. Das kann eine klassische Waldorfpuppe sein à la Karin Neuschütz, eine Filzkopfpuppe wie Charlie Bo, eine Strickpuppe oder etwas ganz anderes sein.

Wenn ihr eure Puppenmacherei mit uns teilen möchtet, benötigt ihr natürlich einen eigenen Blog, einen Instagram-Account oder eine Facebook-Seite. Dort könnt ihr an den sechs Terminen zu den jeweiligen Themen schreiben und Fotos veröffentlichen. Wenn ihr via Instagram teilnehmt, taggt eure Fotos bitte mit #puppenmitmacherei.

Bei unseren sechs Online-Dates sammelt Caro alle Beiträge bei NATURKINDER, wo ihr eure Blogartikel ganz einfach mit einem speziellen Blogging Tool verlinken könnt. Dort könnt ihr dann auch sehen, was die anderen so machen und euch vernetzen, wenn ihr mögt. Ich schaue an diesen Tagen auch regelmäßig vorbei, um eure Puppen zu bestaunen, Kommentare zu moderieren und Fragen zu beantworten.

Der oben beschriebene Ablauf dient übrigens nur der groben Orientierung. Werkelt, schreibt und fotografiert, ganz wie es euch gefällt.

Wir haben auch einen Banner für die PuppenMITmacherei gestaltet, den ihr gern verwenden könnt. Ihr seht ihn in der Seitenleiste hier auf meiner Internetseite und könnt hier eine Version herunterladen, deren Größe ihr selbständig für eure Blogs anpassen könnt.

Natürlich könnt ihr auch ohne Blog an unserer Aktion teilnehmen. Nur für euch. Auch schön.

Eine offizielle Anmeldung für die Puppenmitmacherei gibt es nicht. Ihr könnt Caro oder mir aber gern an hello@mariengold.net schreiben, wenn ihr dabei seid. Das steigert die Vorfreude!

Ausblick

Im Laufe der PuppenMITmacherei beantworte ich gern all eure Fragen rund um die Herstellung von Puppen. Dafür könnt ihr mir jederzeit an hello@mariengold.net schreiben. Zu jedem Termin wähle ich einige Fragen aus und beantworte sie hier auf meinem Blog.

Bei den Treffen selbst beantworte ich Fragen auch in den Kommentaren von NATURKINDER.

Schaut dann unbedingt bei Caro vorbei, denn bei jedem Online-Date werden wir ein Buch verlosen.

Für den Juli ist auch wieder eine Sonderpreisaktion für meine E-Books zur Herstellung von Puppen und Puppenkleidung geplant. Und ich werde natürlich auch meine Vorräte für Puppenbastelmaterial kräftig aufstocken, falls ihr eure Puppe mit einer Anleitung und Material von Mariengold nähen möchtet. Mehr dazu in ein paar Wochen.

Caro und ich freuen uns von Herzen auf euch und eure Puppen in der PuppenMITmacherei 2016!

Alle Beiträge von Mariengold zur PuppenMITmacherei, auch aus dem letzten Jahr, findet ihr hier.


7. März 2016

FKK mit Zupfkuchen und Klebepünktchen

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Gut ein Jahr ist es jetzt her, dass meine Freundin Laura von 1000Rehe und ich so richtig in unser gemeinsames Projekt eingestiegen sind. Zuerst war da die Idee, zusammen einen Kreativ-Kurs zu veranstalten. Um gefilzte Puppenköpfe sollte es gehen und um ein neues Kurskonzept, eine Einladung an Menschen, die ihre Puppenmacherei weiterentwickeln und etwas Neues ausprobieren wollen. Schnell spannen wir den Faden weiter und so entstand noch vor dem allerersten Kurs im Sommer 2015 ein E-Book mit Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Herstellung unserer Filzkopfpuppe Charlie Bo.

Auch nach dem intensiven ersten Jahr unserer Zusammenarbeit erweist sich unser Doppel als echtes Dreamteam. Laura und ich ergänzen uns nicht nur hervorragend, auch ist es eine tolle Abwechslung, neben all den Kursen, die ich allein meistere, mit einer Freundin und Kollegin zusammenzuarbeiten. Was mir an Laura gefällt, sind ihre magische Hände, ihre entspannte Gelassenheit, ihre Erzählkunst und ihre Gabe, herrlich gemütliche Räume und ein wohliges Gefühl von Rundum-Willkommen-Sein zu zaubern. Laura wiederum sagt, sie schätze meinen klaren Kopf, mein Talent für Zahlen und Struktur und meine Lust am Konzipieren und Organisieren. Es passt also gut mit uns beiden.

Deshalb laden wir auch in diesem Jahr wieder herzlich zu unserem Filzkopfkurs im Berliner Friedrichshain ein. Der erste Termin fand vorletzten Samstag statt. Wieder reisten Frauen aus ganz Deutschland und sogar Österreich an. Aus dieser Vielfalt entstand im vergangenen Jahr schon die Idee, jede Teilnehmerin sich mit ihrem Wohnort auf einer großen Deutschlandkarte verewigen zu lassen. Irgendwann werden dort hoffentlich viele, viele bunte Klebepunkte zu sehen sein.

Laura und ich staunen immer wieder über das große Interesse an unserem Kurs und darüber, dass die Frauen teilweise wirklich weite Wege auf sich nehmen, um dabei zu sein. Auch freuen wir uns auch sehr, dass jedes Mal professionelle Puppenmacherinnen dabei sind, die wir sonst nur aus dem Internet kennen. Ebenfalls toll: Meist bringen die Frauen Puppen oder andere Wesen aus ihren Händen mit, die sich dann auf unserem grünen Samtsofa tümmeln und immer wieder für Gespräche, Streicheleinheiten, Liebesbekundungen und sogar die ein oder andere Bestellung zwischendurch sorgen.

Kunterbunt und fröhlich sind sie, unsere Runden im Theater am Schlachthof, der vielleicht kleinsten Off-Bühne der Stadt mit dem wohl am vielseitigsten genutzten Raum. Wir füllen ihn gern mit Leben und Lachen, Fadenresten und Wollmäusen, Stöhnen und Staunen, abgebrochenen Filznadeln und Kuchenkrümeln, Schnattern und Schweigen, Nähmaschinensurren und Rischrischrisch und vor allem vielen Ohs und Ahs für all die wunderbaren, liebenswerten und eigensinnigen Filzköpfe, die in stundenlanger Hingabe unter den Händen unserer abenteuerlustigen und furchtlosen Teilnehmerinnen entstehen.

Mehr zu unserem Filzkopfpuppenprojekt findet ihr hier, das Charlie Bo E-Book zur Herstellung unserer Filzkopfpuppe hier. Unser nächster und auch letzter Filzkopfkurs in diesem Jahr findet am Samstag, den 24. September statt. Details hier, Anmeldungen an hello@mariengold.net.


14. Oktober 2015

Herzchenangelegenheit

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Design Management hat mich schon während meines Studiums der Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation an der Universität der Künste Berlin wahnsinnig interessiert. Vielleicht weil es meinem Sinn für Schönes und meinem Bedürfnis nach Struktur und Klarheit gleichermaßen entgegenkommt.

Während meiner studentischen Mitarbeit in der Design Agentur MetaDesign habe ich außerhalb der Uni Design Management von der Pike auf gelernt und zehre noch immer von den Erfahrungen und dem Wissensschatz aus dieser Zeit. Das heißt nicht, dass ich ein Profi bin, aber das Thema Corporate Design ging mir mit Mariengold immer leicht von der Hand und macht mir viel Freude.

Was ist Corporate Design?

Corporate Design, das ist das Erscheinungsbild eines Unternehmens oder einer Organisation. Es ist ein Teilbereich der Corporate Identity, der Unternehmenspersönlichkeit, die durch eine langfristige Strategie konsistenten Handelns, Kommunizierens und visuellen Auftretens entsteht. Ziel ist die Prägung eines wiedererkennbaren, die Selbsteinschätzung vermittelnden Erscheinungsbildes in der Öffentlichkeit. In diesem Prozess spiegelt das Corporate Design die Unternehmsidentität nach außen und sorgt für Ganzheitlichkeit, also die Übereinstimmung von Selbstbild und Fremdbild.

Das klingt erst einmal ziemlich theoretisch, ist aber ein grundlegendes und spannendes Thema für jedes Unternehmen, auch für Menschen, die in viel kleinerem Rahmen mit ihrer Herzenssache beruflich selbständig sind. Denn es vermag die Seele eines Projektes über das Visuelle nach außen zu tragen, was neben einem guten Produkt oder einer guten Dienstleistung ein weiterer wichtiger Erfolgsfaktor ist. Ein ganzheitliches Corporate Design ist auch ein Zeichen von Professionalität.

Aber noch einmal zurück zur Definition: Corporate Design ist die einheitliche Gestaltung aller Kommunikationsmittel und Produkte eines Unternehmens oder einer Organisation. Dazu gehört alles, was die visuelle Erscheinung ausmacht, also Firmenzeichen, Geschäftspapiere, Werbemittel, Verpackung, manchmal auch Klänge, Architektur und Arbeitskleidung.

Das Herz des Ganzen ist das Logo. Ein gutes Logo macht aber noch kein komplettes grafisches Erscheinungsbild. Dafür braucht es noch mehr, nämlich Typografie, Farben, Formate und Bilder, also Gestaltungsrichtlinien, die in einem sogenannten Corporate-Design-Manual festgehalten werden. Sie bilden die Grundlage für jede Gestaltung und sind ein wichtiges Arbeitsmittel für alle daran beteiligten Mitarbeiter des Unternehmens oder externe Dienstleister wie eine Werbeagentur oder ein Designbüro.

Corporate Design bei Mariengold

Bei Mariengold ist das meine Grafik-Designerin Clara, die seit einigen Jahren für das visuelle Erscheinungsbild zuständig ist. Sie hat – in enger Zusammenarbeit mit mir – das Logo und die Gestaltungsrichtlinien entwickelt und wendet diese auf alle Kommunikationsmittel (Internetseite, Flyer, Geschäftspapiere, Kursaushänge) und Produkte (Blog, E-Books) von Mariengold an.

Dadurch ist mit der Zeit ein einzigartiges, prägnantes und wiedererkennbares Corporate Design entstanden, das in Einklang mit dem Selbstverständnis und den Werten meines Labels steht und die Essenz von Mariengold hoffentlich glaubwürdig nach außen vermittelt.

Wichtige Stichworte für Claras Gestaltungsarbeit sind Herzverbundenheit, Offenheit, Leichtigkeit, Frische und Humor. Deshalb das handgezeichnete Herzchen im Logo. Hellrosa, Weiß und Pink als Farben. Und spielerische Collagen. Um ein paar Beispiele zu nennen.

Es geht aber nicht nur um Wiedererkennbarkeit und Konsistenz, sondern die Herausforderung besteht auch darin, immer wieder lebendig und modern zu wirken. Das geschieht durch kleine, manchmal minimale Veränderungen, die an neuen Kommunikationsmitteln und Produkten ausprobiert und dann vielleicht langfristig übernommen werden. Auch wenn dabei Zeitgeschmack und Trends eine Rolle spielen können, ist es wichtig, dass das Corporate Design weiterhin der Unternehmensstrategie und nicht einer Mode folgt.

Anregungen für euch

Wenn ihr gerade dabei seid, euch selbständig zu machen und ein Corporate Design für euer Projekt zu entwickeln, sind die folgenden Anregungen vielleicht hilfreich für euch:

Die wichtigste Frage zu Beginn ist die, wofür euer ihr mit eurer Geschäftsidee steht. Wie lautet euer Selbstverständnis? Welchen Sinn macht eure Arbei für euch? Was sind eure Werte? Welcher Vision folgt ihr? Es geht dabei um das Herz und die Essenz eures Vorhabens.

Nehmt euch Zeit für diese Überlegungen. Macht euch Notizen und destilliert am Ende die wichtigsten Stichworte heraus. Sie bilden die Grundlage für euer Corporate Design.

Als nächstes geht es um das Praktische. Welche Ziele verfolgt ihr? Welche Zielgruppe soll das Design ansprechen? Und was soll eigentlich gemacht werden? Ein Logo? Eine Internetseite? Ein Flyer? Oder das Komplettprogramm? Welches Budget steht euch zur Verfügung? Schreibt die wichtigsten Informationen auf und ergänzt sie um eure Stichworte von oben.

Ihr könnt auch Inspiration von anderen Unternehmen sammeln. Vielleicht gibt es Corporate Designs, die ihr besonders gelungen findet? Studiert auch die Erscheinungsbilder eurer Konkurrenz. Wie könnt ihr euch davon abgrenzen? Aber schaut nicht zu sehr nach links und recht, manchmal verstellt das den Blick auf die eigenen Ideen.

Wenn ihr schon erste Ansätze für die Gestaltung habt, z. B. ein Symbol oder eine Farbe, notiert auch diese.

Das alles zusammen ergibt euer Briefing, also die Aufgabenstellung für den Designprozess. Je besser das Briefing, desto besser das Ergebnis. Jetzt kann es losgehen.

Wenn ihr nicht selbst vom Fach seid, empfehle ich euch die Zusammenarbeit mit beruflichen Grafik-Designer/innen. Ja, ein professionelles Corporate Design kostet Geld, je nach Umfang sogar viel Geld. Aber so eine Investition zahlt sich langfristig aus und sorgt für einen guten Start in euer Business.

Wenn ihr euch keinen Profi leisten könnt, hört euch im Freundes- und Bekanntenkreis um. Vielleicht findet ihr da jemanden für euer Anliegen. Oder ihr nehmt Kontakt zu einer Hochschule mit Fachrichtung Kommunikationsdesign auf. Studenten arbeiten oft für weniger Geld, sie sind am Puls der Zeit und möchten Erfahrungen sammeln. So ähnlich habe ich es 2008 gemacht. Da hat Joy von Wurzelfrau die erste Internetseite für Mariengold gestaltet. Auch sie stand damals am Anfang, wollte sich gern ausprobieren und hat nur einen verhältnismäßig kleinen Preis genommen.

Vielleicht habt ihr aber auch Lust (oder es bleibt euch nichts anderes übrig) und ihr macht es ganz allein. Meine Freundin Anita hat so ein Selfmade Corporate Design für ihr Label Lilla Kirrivi gestaltet und es wirkt hochwertig und stimmig. Natürlich kostet dieser Weg mehr Zeit und sicher auch mehr Nerven, aber ihr könnt dabei viel lernen und seid unabhängig.

Wenn euer Corporate Design dann steht, bleibt an dem Thema dran. Stellt euch regelmäßig die Frage, ob es zeitgemäß ist, sprich ob ihr euch und eure unternehmerische Vision noch damit identifiziert. Wahrscheinlich braucht es irgendwann eine Erfrischung oder gar eine komplette Überarbeitung. Schließlich verändert ihr euch und damit auch euer Label sich mit der Zeit und diesen Wandel darf auch euer Corporate Design spiegeln.

Und vergesst die Freude nicht! Das Erscheinungsbild eures Business‘ ist eine wunderbare Möglichkeit, euer tiefstes Herzensanliegen nach außen zu tragen. Das ist eine große Chance und ein großes Glück und dieses Glück wird auch den Erfolg anziehen.

Ich wünsche euch alles Gute auf dem Weg!