In Verbindung kommen, das war mein Wunsch, als ich euch Mitte Februar fragte, was euch interessiert, was ihr sucht, wenn ihr diesen Ort hier besucht. Viele Fragen haben mich daraufhin erreicht, Ermunterungen, Zuspruch, Worte, die von Herzen kommen und mich berühren. Was wir gemeinsam haben, ist unser Wunsch nach einer authentischen und erfüllten beruflichen Selbständigkeit. Ich schreibe mein Internettagebuch auch in der Hoffnung, dass ich euer Vertrauen in euren persönlichen Weg stärken kann, indem ich mit euch teile, was ich selbst auf meinem Weg erfahren und gelernt habe. Das ist auch der Impuls für mein Reisetagebuch, in dem ich hier Stück für Stück von meinem Weg erzählen möchte.
Nach meinem Abitur in Dresden studierte ich in Berlin Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation an der Universität der Künste. Hätte ich mit 18, 19 Jahren den Mut und das Vertrauen gehabt, der Stimme meines Herzens zu folgen, hätte ich ein Studium der angewandten Künste oder noch lieber Kunsttherapie studiert. Es fehlte mir jedoch an Zuversicht und Vertrauen in meine Fähigkeiten und Interessen, so dass ich eine Bewerbung für einen künstlerischen Studiengang gar nicht erst in Erwägung zog. Und so begann ich mein Studium ohne Inspiration und Neugier. Immerhin jedoch war ich an der Kunsthochschule meiner Wünsche …
Als ich in den letzten Zügen meines Studiums war, wurde ich überraschend schwanger. Ich war 23 Jahre alt, hatte, wenn auch nicht mit Leidenschaft, zügig, konzentriert und erfolgreich studiert, in Praktika und einem großen Diplomprojekt praktische Erfahrungen gemacht und mein Studium mit einer umfangreichen wissenschaftlichen Arbeit abgeschlossen. Gegen Ende fehlte mir noch immer eine tragfähige Idee von einer erfüllenden beruflichen Zukunft. In meinem Studium beschäftigte ich mich am liebsten mit der Frage, wie wir mit unserer Sprache unsere Wirklichkeit erschaffen. Und so schrieb ich meine Diplomarbeit über narrative Methoden in der Unternehmensberatung, über das Zuhören und Erzählen zur Lösung komplexer Probleme im Unternehmenskontext, die mit dem Zusammenspiel von Menschen zu tun haben. Ich hegte den leisen Wunsch, nicht nur theoretisch im Rahmen meiner Diplomarbeit, sondern danach auch praktisch in diesem Bereich zu arbeiten. In den Jahren meines Studiums hatte ich keine wirklich leidenschaftlichen Interessen oder besonderen Fähigkeiten entwickelt, die mir Visionskraft, Aufbruchslust und Tatendrang für meine Arbeitssuche schenkten. Zudem mangelte es mir an Zuversicht und Selbstvertrauen, frei und selbstbestimmt meinen Weg zu gehen und meinen Platz zu finden. Doch bevor ich mich auf den Weg in die Arbeitswelt machen konnte, wurde mir mein Kind geschenkt.
Meine Geburt als Mutter und die ersten zwei Jahre mit meiner Tochter zu Hause waren eine große Gnade für mich. In dieser Zeit erlaubte ich es mir zum ersten Mal, innzuhalten und darüber nachzudenken, was mir Freude macht, was mir wichtig im Leben ist, welchen Weg ich gehen möchte. Durch den Spiegel meiner Tochter und die liebevolle Unterstützung und Ermunterung meines Mannes kam ich mir immer mehr selbst auf die Spur und machte mich auf den Weg meines Herzens. Dieser Prozess war nicht immer einfach und fließend, er war auch schmerzhaft und zäh, voller Schatten, Ängste, Tränen, Widerstand und Trotz. Aber er führte langsam, ganz langsam ins Licht. In die Kraft meiner Hände.
Als meine Tochter ein halbes Jahr alt war, entdeckte ich die Ausgleichskraft des Strickens. Das Stricken schenkte mir Balance in einer Zeit, die mir wie eine ständige Wiederkehr der zu bewältigenden Aufgaben im Haushalt und als Mutter vorkam. Nach dem Stillen war vor dem Stillen. Nach dem Einkaufen war vor dem Einkaufen. Nach dem Wohnungsputz war vor dem Wohnungsputz. Kaum war etwas erledigt, kündigte sich die gleiche Aufgabe wieder an. Am Stricken genoss ich neben der beruhigenden Wirkung vor allem die Möglichkeit, etwas zu planen, auszuführen und abzuschließen und im wahrsten Sinne des Wortes von Anfang bis Ende in der Hand zu haben. Irgendwann kam ich wohl auf die Idee, mich im Internet über Garne und Anleitungen zu informieren und so fand ich zum ersten Mal einen Blog. Da öffnete sich eine Tür für mich und ich entdeckte in den folgenden Wochen die Welt des Handwerks im Internet. Bei all den werkelnden Frauen, lebendigen Netzwerken und Austauschen, Quellen der Inspiration und kreativen Möglichkeiten ging mir das Herz auf, weil ich einen Ruf spürte und allmählich mein Vertrauen wuchs, dass es doch irgendwo einen Platz für mich und meine Worte und meine Handarbeit gibt.
Damals machte ich viele Bekanntschaften und knüpfte Netze. Ich habe so viel aufgenommen, Anregungen bekommen, Inspiration gefunden. Bin selbst aktiv geworden, habe gewerkelt und genäht und geklebt und gemalt und gestrickt und und und, war Mitglied einer Gruppe von Frauen, die Kunst- und Handwerkstausche organisiert, habe intensive Brieffreundschaften mit spirituell-kreativen Frauen aus Deutschland und Finnland begonnen. Ich bin in Austausch gegangen und in den Fluss gekommen. Das war eine richtige Initiation, der Beginn meines Heilungsweges. Ohne meine ersten zögerlichen Schritte in die virtuelle Öffentlichkeit wäre ich heute nicht da, wo ich bin. Damals begann für mich ein wichtiger Prozess, in dem ich gelernt habe, mit meiner Handarbeit selbstbewusst nach außen zu gehen, mich zu zeigen, zu mir und meinem Weg zu stehen, Worte zu finden für das, was ich tue, mich selbst und meine Arbeit in einen großen Zusammenhang zu bringen. Nach einem Jahr des Probierens und Experimentierens mit verschiedenen Medien und Techniken, des Austauschs mit den Frauen, des Beobachtens und Wachsens war mein Vertrauen in meinen ganz eigenen Weg so weit gereift, dass ich den Wunsch hatte, professionell mit meinen Händen zu arbeiten und davon zu leben. An diesem Punkt in meinem Leben wußte ich, dass ich nicht anders kann, als dem Ruf meines Herzens zu folgen und endlich das zu tun, was mir wirklich Freude macht. Ich machte mich also auf herauszufinden, mit welchem Werk meiner Hände ich die Welt bereichern und selbst davon leben könnte.
Soweit für heute. Bald schreibe ich mehr. Wer noch einmal zurücklesen möchte, findet hier den ersten Eintrag in meinem Reisetagebuch.
Es grüßt euch zur Nacht,
eure Maria







