In Verbindung kommen, das war mein Wunsch, als ich euch Mitte Februar fragte, was euch interessiert, was ihr sucht, wenn ihr diesen Ort hier besucht. Viele Fragen haben mich daraufhin erreicht, Ermunterungen, Zuspruch, Worte, die von Herzen kommen und mich berühren. Was wir gemeinsam haben, ist unser Wunsch nach einer authentischen und erfüllten beruflichen Selbständigkeit. Ich schreibe mein Internettagebuch auch in der Hoffnung, dass ich euer Vertrauen in euren persönlichen Weg stärken kann, indem ich mit euch teile, was ich selbst auf meinem Weg erfahren und gelernt habe. Das ist auch der Impuls für mein Reisetagebuch, in dem ich hier Stück für Stück von meinem Weg erzählen möchte.
Im Folgenden schließe ich nicht chronologisch an meinen letzten Eintrag ins Reisetagebuch an, sondern erzähle von einem Aspekt meiner Selbständigkeit, dem lieben Geld.
Ja, Geld ist mir lieb. Denn Geld ist ein Ermöglicher. Deshalb beschäftige ich mich gern und regelmäßig mit Überlegungen und Entscheidungen zum Thema Geld und Preisgestaltung. Puppen nähe ich von Herzen gern. Es ist mir eine große Freude, Puppen für eure Kinder und euch zu nähen und ich empfinde meine Arbeit als zutiefst erfüllend und sinnvoll. Dieses Empfinden wird jedoch nicht nur durch die Herzensverbindung zu meiner Arbeit genährt, sondern auch durch das Gefühl, dass meine Arbeit mich finanziell trägt, dass sie mir ermöglicht, von meinem Lohn zu leben und meine Bedürfnisse und Wünsche zu erfüllen.
Seit Beginn meiner Arbeit als Puppenmacherin habe ich mich stets um eine angemessene Preisgestaltung bemüht, die mir langfristig, Schritt für Schritt ein Leben von der Handarbeit ermöglicht. Dabei ging und geht es immer darum, den Wert meiner Arbeit selbst zu erkennen und zu diesem zu stehen, indem ich ihn für alle Welt in Form eines guten Preises formuliere. Ein guter Preis entsteht aus der Fülle, nicht aus dem Mangel. Das heißt, er deckt alle entstandenen Kosten, nicht nur Materialkosten, sondern auch meinen selbst gewählten Stundenlohn oder was auch immer ich mir als monatliches finanzielles Wunschziel setze. Ein guter Preis ist ein echter Energieaustausch, ein Austausch von gleichen Werten. Er trägt, nährt und bereichert mich. Ein guter Preis macht Freude und jeden Verkauf, jeden Austausch zu einem beglückenden Erlebnis.
So weit, so gut. Denn in der Umsetzung finden sich viele Gründe, doch aus einem Mangelgefühl heraus zu handeln. Oberflächlich betrachtet haben diese Gründe meist etwas mit den anderen zu tun: Die anderen nehmen auch geringe Preise. Oder die anderen sind nicht bereit, mehr für meine Leistung zu bezahlen. Oder die anderen finden meine Arbeit nicht gut genug. Oder die anderen stellen schönere Dinge her. Aber letztlich sind das Projektionen und bei diesen Glaubenssätzen geht es eigentlich um uns selbst und sie meinen in Wirklichkeit, dass uns unsere Arbeit gerade so viel wert ist wie der Preis, den wir selbst dafür nehmen. Und entweder fühlt sich dieser Preis stimmig an, das heißt, er passt zu unserem Selbstwertgefühl, oder eben nicht. Hier geht es um Eigenverantwortung. Es geht darum, die Preisgestaltung nicht von den anderen abhängig zu machen und von dem was, unsere Arbeit im Vergleich zu den anderen vermeintlich wert ist, sondern selbst Verantwortung für den eigenen Preis und die damit verbundenen Gefühle zu übernehmen. Wer sich selbst wertschätzt, wird eben diese Wertschätzung von anderen erfahren. Und wer einen guten, stimmigen Preis für seine Arbeit formuliert, wird ihn gern bezahlt bekommen. Ich weiß, wovon ich schreibe, denn ich befinde mich seit bald drei Jahren auf dieser Reise. Ein wenig möchte ich euch von dem Prozess meiner Preisfindung erzählen.
Aus der Fülle leben
Aktuell haben mich das viele Nähen von Puppen und Puppenkleidersets in den letzten Wochen und Überlegungen zum Verkaufswert meines Handwerks angeregt, mich wieder einmal den Preisen für meine Arbeit zu widmen. Ein bis zwei Mal im Jahr dokumentiere ich über ein paar Wochen mein Tun rund um Mariengold, in dem ich Arbeitsstunden und Materialkosten und alles, was dazu gehört, so genau wie möglich aufschlüssele und überprüfe, ob meine Preise im Gleichgewicht sind mit meinem Aufwand in jeglicher Hinsicht. Dabei berücksichtige ich auch monatliche feste Ausgaben wie Krankenversicherung, Miete und Nebenkosten, Urlaubs- und Krankheitszeiten sowie Steuerzahlungen. Bisher beziehe ich jedoch bei meiner Preisgestaltung nicht alle Faktoren gleichberechtigt ein. Würde ich das tun, würden meine Puppen noch einiges mehr kosten. Hier greifen noch immer meine persönlichen Mangel-Glaubenssätze, manchmal mehr, manchmal weniger. Es ist eben eine Reise mit Aufs und Abs und Zeiten, in denen ich mehr oder weniger gut zu dem Wert meiner Arbeit stehe.
Rückblickend auf die vergangenen zwei, drei Jahre stelle ich fest, dass der Prozess meiner Preisgestaltung im ständigen Fluss ist. Zu Beginn meiner Arbeit als Puppenmacherin habe ich meine Preise stark marktorientiert gestaltet, d. h. ich habe beobachtet, welche Nachfrage es für handgemachte Puppen gibt und was die Kunden bereit sind, dafür auszugeben. Vor allem aber habe ich geschaut, welche Preise andere Puppenmacherinnen nehmen und habe vergleichend eingeschätzt, wo ich in diesem Umfeld stehe, und dann nach bestem Wissen und Gewissen den Wert meiner Arbeit eingeschätzt und meine Preise formuliert. Diese haben sich im Laufe der Zeit verändert. Immer wichtiger wurde mir die Frage, was ich wirklich brauche für ein gutes Leben, aber auch um mir die Freude an meiner Arbeit zu bewahren. Statt mich zu sehr am Außen zu orientieren, habe ich auf meine eigenen Bedürfnisse geschaut. Und das war und ist eine große und spannende Herausforderung, für mich selbst zu formulieren, wieviel Geld ich brauche und wie ich dieses Geld mit meiner Arbeit verdienen kann. Es geht immer besser und ich werde immer klarer und zufriedener.
Etwas wichtiges habe ich in den letzten Jahren gelernt und das möchte ich mit euch teilen: Nichts ist unmöglich. Wie oft wurde mir vorausgesagt, dass ein Leben von der Handarbeit nicht möglich ist?! Auch wenn ich mich das anfangs verunsichert hat und ich mehr als einmal alles hinwerfen wollte, so hat mir meine innnere Stimme stets Mut gemacht und mich durch dunkle Zeiten ins Licht geführt. So habe ich die Puppenmacherei von Beginn an nicht nur als Mittel meines schöpferischen Ausdrucks gesehen, sondern auch als meinen Weg zur Antwort auf die Frage, ob man in Deutschland davon leben kann, mit guter Handarbeit ein solides und schönes Produkt herzustellen und es selbst zu vermarkten. Meine guten Erfahrungen ermutigen mich, meinen Weg weiter zu gehen und meine Vision von einem authentischen Leben und einer selbstbestimmten und sinnvollen Arbeit voll zu entfalten.
Was ich mir sehr wünsche, und das ist auch ein Grund dafür, warum ich hier für euch, für mich über das Thema Geld und Handarbeit schreibe, ist, dass alle Menschen, die mit ihrer Hände Arbeit ihren Lebensunterhalt verdienen möchten, den Wert ihrer Arbeit erkennen und selbstbewusst einfordern. Nur so entsteht ein Möglichkeits- und Handlungsspielraum, in dem wir uns den Wunsch, von unserer Handarbeit leben zu können, erfüllen können. Jeder ist dabei für sich selbst verantwortlich und möge bei sich selbst beginnen. Das tue auch ich. Jedoch gehe ich diesen Weg nicht nur für mich selbst und um der Erfüllung meiner Bedürfnisse und Wünsche Willen, sondern ich handle auch in dem Bewusstsein, dass mit und nach mir auch andere den Weg in die berufliche Selbständigkeit mit Handarbeit gehen und meine Erfahrungen sie vielleicht in ihrem Vertrauen in ihren persönlichen Weg stärken.
Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt.
- Mahatma Gandhi
Ich komme gern ins Gespräch mit euch über dieses Thema.
Es grüßt euch von Herzen,
eure Maria
Alle Einträge in mein Reisetagebuch findet ihr jetzt auch unter Maria im letzten Abschnitt.



