31. Januar 2019

Mein Dezember und Januar in Dingen

Jeden Monat halte ich hier ein paar Dinge fest, die von Herzmomenten und Freudebegegnungen erzählen. Das kann ein Buch sein, ein Rezept, Musik oder einfach eine schöne Erinnerung.

1 Im Dezember strickte ich wie eine Weltmeisterin an einem Pullover für meinen Mann, den ich schon im Januar begonnen hatte und der ein Weihnachtsgeschenk werden sollte. Natürlich wurde die Zeit trotz monatelangem Puffer knapp, der Pullover dafür umso schöner (und auch pünktlich zum Fest fertig). Es handelte sich dabei um den Cobblestone Sweater von Brooklyn Tweed, gestrickt aus dem hauseigenem Garn Shelter in einem wunderschönen, warmen Weinrot (Long Johns).

2 Für mich gab es auch ein Geschenk, von mir für mich, und zwar Gypsy Water von Byredo, ein wildromantischer Duft, wie ich ihn mir jahrelang gewünscht habe: erdig, fruchtig und sehnsuchtsvoll. Ich erfreue mich jeden Tag daran.

3 Das große Durchatmen nach einem wilden Ritt durch den Dezember begann für mich ein paar Tage vor Weihnachten im Kino in „Astrid“ über den Kampf Astrid Lindgrens um ihr uneheliches Kind, ein berührender Film mit einer großartigen Hauptdarstellerin. Hier geht’s zum Trailer und hier zu einem sehr guten, ergänzenden Beitrag auf ZEIT-Online.

4 Richtig geheult habe ich am Ende beim Abspann bei „Springa“, das erst von Kindern und dann von Ane Brun, einer meiner Lieblingssängerinnen, gesungen wurde. In dem Lied geht es darum, dass man einfach in das Leben hinein springen soll, egal wie verdammt viel Angst man hat. Astrid Lindgren hat es vorgemacht und auch in ihren Geschichten immer wieder thematisiert, was sicher mit ein Grund für ihren riesigen Erfolg und die zeitlose Frische ihrer Bücher ist.

5 Musiklisch geht es auch weiter, mit Cat Power, deren neues Album „Wanderer“ mich seit einigen Wochen begleitet. Ich verehre und liebe Cat Power seit vielen Jahren, denn obwohl ihre Musik oft traurig klingt, geht bei mir dabei immer die Sonne auf. Leider nicht auf dem Album, aber mein erstes Lied des Jahres: What The World Needs Now.

6 Diesen Monat ist es mir zum ersten Mal in zehn Jahren passiert, dass ich am ersten Tag eines Kurses krank wurde – ein Albtraum für mich als Kursleiterin. Den zweiten Tag hätte ich eigentlich im Bett bleiben sollen, ging aber trotzdem hin und brachte zum Glück alles gut über die Bühne. Dafür gönnte ich mir die ganze Woche den Luxus des Nichtstuns, hüllte mich in meine Bettdecke ein, zählte Sonnenstrahlen und dachte noch einmal in Ruhe über 2019 nach und was mir eigentlich wirklich wichtig ist – und kam zu Erkenntnissen, die ich ohne diese erzwungene Auszeit sicher nicht gehabt hätte. Dafür war ich sehr, sehr dankbar.

7 Meine Sonne und mein Elixier im oft grauen und eiskalten Januar in Berlin: Passionsfrüchte. Sie duften und schmecken herrlich fruchtig und haben innen die Farben des Sommers, nach dem ich mich in dieser Jahreszeit so oft sehne.

8 Gutes Essen hilft immer gegen den Winterblues, vor allem die israelische Küche, die sich sehr schätze. Mein Mann und ich verbrachten einen Abend im Shishi in Kreuzberg und genossen es sehr.

9 „How to talkt with the birds, trees, fish, shells, snakes, bulls and lions“ ist der Name einer Ausstellung im Hamburger Bahnhof, in der es um die künstlerische Auseinandersetzung mit der wechselseitigen Beziehung zwischen Menschen und anderen Lebewesen geht. Anfang Januar war ich da und gebe zu: Ohne das ausführliche Begleitheft hätte sicher nicht so viel verstanden. Aber es war ein großartiger, erfrischender Nachmittag im Museum, wovon ich unbedingt mehr haben möchte in diesem Jahr. Die Ausstellung läuft noch bis zum 12. Mai.

10 Jeden Sonntag drehe ich eine Runde um den Schlachtensee, das ist meine Meditation. Dabei bleibe ich immer vor einer Holztafel stehen, auf dem das Gedicht „The Robin And The Sparrow“ von Elizabeth Cheney verewigt ist und das mich jedes Mal berührt, tröstet und ermutigt (und das ich mittlerweile auswendig kann):

Said the robin to the sparrow,
“I should really like to know,
Why these anxious human beings
Rush about and worry so.”
Said the sparrow to the robin,
“Friend I think that it must be,
That they have no Heavenly Father,
Such as cares for you and me.”

Mehr Monatsdinge findet ihr hier.

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in: Monatsdinge