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In der Tat der Hand findet der Mensch sich selbst

Das Tätigsein mit meinen Händen tut meiner Seele gut und begleitet mich schon mein Leben lang.

Seit meiner Kindheit ist mir die Handarbeit ein seelisches Zuhause. Sie öffnete mir einen Raum für meine freie, schöpferische Entfaltung, einen Raum, in dem meine Hände geschickt und kräftig werden konnten, in dem es vielfältige Anregungen für das tüchtige und freudige Tun-Wollen gab und in dem ich zu dem Vertrauen gelangte, dass ich mit meinen Händen so vieles selbst fertigen kann, nicht nur Nützliches und Zweckmäßiges, sondern auch Sinnvolles und Schönes als Nahrung für die Seele. Damals wie heute bedeutet mir die Handarbeit Freude, Heilung und Inspiration.

Der Mensch ist ganz bei sich, wenn er handwerkt. Die Auseinandersetzung mit dem Werkstoff ist die geerdetste Form der Selbsterfahrung und der Selbsterziehung. Es begegnen sich hier die Möglichkeiten und Grenzen des Werkstoffs mit den Möglichkeiten und Grenzen des Menschen. Der Mensch erfährt im Handwerk seinen Bereich des Erreichbaren, sein menschengemäßes Maß. Hier ist er ganz er selbst. Die Erfahrung, dass sein Werkstück nichts scheinen, sondern einfach nur sein will, rührt den Menschen an und lehrt ihn, mit dem zu leben, was  gegeben ist, die Aufmerksamkeit auf die Gegenwart zu richten und Glück und Freude im Moment zu finden und nicht in den Träumen und Möglichkeiten, die fern in der Zukunft liegen.

Im Handwerk reift der Mensch. Jede Entwicklung braucht Phasen der Reifung, so wie sie auch Krisen und schmerzhafte Übergänge braucht. In der Berührung zwischen dem sinnlich Erlebbaren und dem Bewußtsein des Menschen, wie sie im Handwerk erfahren wird, reift heran, was später Entwicklungsschritt wird. Im Handwerk lebt etwas Schöpferisches. Darin liegt die Reifungskraft: In der Absicht etwas zu erschaffen. Reifung und Entwicklung setzt dieses innere Wissen um ein Ziel voraus. Die tätige Besinnung im handwerklichen Tun regt die innerliche Reifung an, indem sie dem Menschen ermöglicht, etwas Ganzes mit seinen Händen zu schaffen und dabei ganz im Moment zu sein. Der Mensch findet so ein Zutrauen zu sich selbst.

Es ist mein Wunsch und meine Hoffnung, dass ich Menschen anregen und begleiten kann, dieses Vertrauen in sich selbst und den eigenen Weg zu finden und zu stärken, indem ich mit ihnen teile, was ich selbst auf meinem Heilungsweg erfahren und gelernt habe. Der Impuls meiner Arbeit ist der authentische Ausdruck meiner Schöpferinnenkraft, auf dass die Verbindung von Handarbeit, Spiritualität und Heilung umgesetzt werden und die Liebe fließen kann.

Im Rhythmus des Wandels

Ich erblickte am 24. Juli 1980 in Dresden das Licht der Welt.

Nach meinem Abitur im Jahr 1999 entschied ich mich für das Studium der Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation an der Universität der Künste Berlin.     Hier erlernte ich die professionelle Erforschung, Planung und Gestaltung von Auftragskommunikation, zum Beispiel für den Bereich Marketing. Den Schwerpunkt meines Studiums legte ich auf die Gestaltung von Texten. Meine Diplomarbeit schrieb ich über die Nutzung und den Wert von Erzählungen in der Unternehmensberatung und beschäftigte mich mit der Frage, wie wir mit unserer Sprache unsere Wirklichkeit erschaffen. In den Jahren meines Studiums widmete ich mich viel meiner Leidenschaft für die Sprache und das Schreiben und meinem liebevollen Interesse für Menschen und ihre erzählten Geschichten. In dieser Zeit trat die Handarbeit zugunsten der Sprache und der Worte in den Hintergrund, bis ich den goldenen Faden wieder aufnahm, der all die Dinge zusammenhält, die mir im Leben wichtig sind.

Nach meinem Studium brachte ich meine Tochter Leni zur Welt. Ihre Geburt im Sommer 2004 und das erste Jahr als Familie brachten entscheidende Impulse für eine neue Orientierung meiner Lebensgestaltung. In dieser Zeit erwachte aus dem Herzen und einem Alltagsbedürfnis heraus mein Interesse für die Waldorfpädagogik. Hier fand und finde ich Antworten auf wichtige Fragen des Familienlebens und der liebevollen Begleitung eines Kindes.

Und ich entdeckte die Handarbeit wieder. Von Beginn meines Mutterseins an schenkte sie mir Balance und Ausgleichskraft. Beim handwerklichen, schöpferischen Gestalten erfüllt mich Gelassenheit, Fröhlichkeit und Zuversicht. Ich bin ganz bei mir selbst und im Hier und Jetzt. Das sinnliche und intuitive Arbeiten mit meinen Händen bringt mich in Zwiesprache mit meiner Seele. Es ist mein Weg, in Kontakt zu mir selbst zu kommen, zur Natur und auch zu dem, was ich als „das Göttliche“ bezeichne. Hier finde ich Anregungen, mich zu entwickeln und all das zu entfalten, was in mir schlummert.

Nachdem meine Tochter nach mehr als zwei Jahren Familienzeit zu Hause in den Waldorfkindergarten gekommen war, beschäftigte ich mich mit meinem Einstieg in das Arbeitsleben. Nach reiflicher Überlegung wusste ich, dass ich nicht in dem von mir studierten Bereich arbeiten, sondern die Wendekraft der vergangenen beiden Jahre nutzen wollte, um mich beruflich neu zu orientieren. Ich wollte mit meinen Händen arbeiten, mein Geld mit Handarbeit und Handwerkskunst verdienen. Das im Studium erworbene Wissen würde mir bei der Vermarktung meiner Produkte und Fähigkeiten behilflich sein. Diese Entscheidung traf ich im Oktober 2007.

Es war der Wunsch nach dem guten und einfachen Leben jetzt und hier und als Ergebnis eigener Hände Arbeit, der mich die Handarbeit zu meinem Beruf hat machen lassen. Die Wiederbelebung des alten Puppenhandwerks ist nicht nur Mittel meines schöpferischen Ausdrucks, Technik der Alltagsentschleunigung und politisches Statement gegen die Massenproduktion, sondern auch mein Weg zur Antwort auf die Frage, ob man in Deutschland davon leben kann, mit guter Handarbeit ein solides und schönes Traditionsprodukt herzustellen und es selbst zu vermarkten. Die guten Erfahrungen der letzten Jahre und Monate ermutigen mich, meinen Weg weiter zu gehen und meine Vision von einem authentischen Leben und einer selbstbestimmten und sinnvollen Arbeit voll zu entfalten.

Kraft und Halt finde ich in der Natur, in ihren inneren und äußeren Vorgängen, in ihren immer wiederkehrenden Kreisläufen von Auf- und Abstieg, Annehmen und Hergeben, Gewinnen und Verlieren, Leben und Sterben. Mit meiner kunsthandwerklichen Arbeit nehme ich bewusst Kontakt mit dem Rhythmus der Natur auf, binde mich in das große Netzwerk ein und nutze den Jahreskreis mit seinen wandelnden Energien als Kraftquelle. Hier finde ich Anregungen für meine Lebensgestaltung, Antworten auf die großen und kleinen Fragen des Alltags und des Lebens, aber auch Ruhe und Gelassenheit und das Vertrauen, von einem großen Ganzen getragen und gehalten zu werden.

Inspiration bedeutet mir auch die Liebe zu meinen Freunden und zu meiner Familie, die Energie von Sprache und Worten, Farben, Gold, Musik, Licht und Dunkelheit, Mythologie und Folklore, Märchen und Geschichten, Skandinavien und Nordeuropa, traditionelles Handwerk, Spaziergänge und das einfache und naturnahe Leben.

Reisetagebuch

“Ein Krieger des Lichts teilt sein Wissen über den Weg mit den anderen. Wer hilft, dem wird immer geholfen werden, und er sollte das weitergeben, was er gelernt hat. Daher setzt er sich ans Feuer und erzählt von seinem Kampfestag. Ein Freund flüstert: »Warum sprichst du so offen über deine Strategie? Siehst du nicht, daß du Gefahr läufst, deine Siege mit anderen teilen zu müssen?« Der Krieger lächelt nur und antwortet nicht. Er weiß, daß, wenn er am Ende des Weges in einem leeren Paradies anlangt, sein Kampf nichts wert war.”

- Paulo Coelho, Handbuch des Kriegers des Lichts

Seit dem Frühjahr 2010 veröffentliche ich in meinem Internettagebuch unter Journal Beiträge der Reihe Reisetagebuch, in denen ich über meine berufliche Selbständigkeit mit Kunsthandwerk schreibe. Mögen meine Erfahrungen euer Vertrauen in euren persönlichen Weg stärken!

24. Februar 2010 Es war einmal

9. März 2010 Post aus anderen Ländern

26. März 2010 Die Schmetterlingsfrau

10. Juni 2010 Das liebe Geld

Rechts
     
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