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Die Puppen willkommen heißen

Letzten Samstag hatte ich eine besondere Begegnung mit einer Mariengold Puppe. Mein Mann hat beim Wochenendeinkauf einen Aushang entdeckt, auf dem eine Puppe angeboten wurde, die meinen sehr ähnlich schien. Es stellte sich zu Hause heraus, nachdem wir das Handyfoto lange betrachtet hatten, dass es sich um eine Puppe von mir handelte, die ich vor mehr als zwei Jahren verkauft habe. Eine frühe Mariengold Puppe also, die ich auf dem ersten Blick gar nicht erkannt habe. Dass diese Puppe, Tomte habe ich sie damals genannt, nun auf diesem Weg verkauft wird, bewerte ich nicht, das vorab. Möge sie noch in diesem Jahr ihre neue Familie, ihr Weihnachtskind finden!

Begegnungen wie diese wirken dennoch nach und ich habe mich in den letzten Tagen immer wieder gefragt, was mir das Universum damit sagen möchte. Was mich zum Lächeln und Staunen bringt, sind die Wege, die das Leben manchmal so nimmt. Vor zwei Jahren nämlich, als ich Tomte nähte und verkaufte, habe ich noch am anderen Ende der Stadt gewohnt, im Prenzlauer Berg. Schon dort waren wir Stammkunden der Bio Company, in deren Filiale in Zehlendorf mein Mann den Aushang entdeckte. Ich hätte ihn auf meinen regelmäßigen Streifzügen durch den Bioladen wohl nicht gesehen, da ich andere Wege gehe als er. Dieser ganze Hergang bringt mich so zum Schmunzeln, weil mir wieder einmal bewusst wird, dass es im Leben keine Zufälle gibt und dass alles eine Bedeutung, einen Sinn hat.

Copyright Frontier Dreams via Flickr

Ein Sinn war es, mir noch einmal klar zu machen, wie wichtig es ist, die Puppen, die ich genäht habe, loszulassen und die Verantwortung für die Puppen den Familien zu geben, die sie gekauft haben. Mein Auftrag ist in dem Moment abgeschlossen, wenn die Familien mich für meine Arbeit bezahlt haben und die Puppen empfangen. Sie entscheiden dann, was mit den Puppen geschieht, ob sie in Kinderhände gelangen, unbespielt auf dem Sofa sitzen oder in einer Kiste im hintersten Winkel des Schrankes liegen. Das Vertrauen in die Familien, das sie in ihrem Sinne gut entscheiden, habe ich. Ich konnte meine Mariengold Puppen von Anfang an gut loslassen. Ich werde immer wieder gefragt, ob es mir nicht schwerfalle, mich von den Puppen, die ich genäht habe, zu trennen. Meine Antwort auf diese Frage ist schon immer ein klares Nein, zu dem ich auch stehen kann, wenn ich weiß, dass es anderen Puppenmacherinnen ganz und gar nicht so geht. Für mich fühlt sich das ganz richtig an. Das hat mir dieser Aushang noch einmal bewusst gemacht.

Copyright Rohini108 via Flickr

Was er mir auch zeigt, ist meine Entwicklung der letzten zwei Jahre. Wie oben geschrieben, auf dem ersten Blick habe ich meine eigene Puppe nicht erkannt, so sehr haben sich meine Puppen gewandelt. Voller Dankbarkeit und Anerkennung blicke ich auf meine Arbeit und wie sie sich mit mir verändert hat, aber auch auf meine Kunden, die meine Puppen zu jedem Zeitpunkt wertgeschätzt und gekauft haben, auch als ich selbst noch nicht so recht an meine Arbeit glaubte. Ich habe ganz tolle Kunden und freue mich, dass bisher jede Puppe ihre Familie gefunden hat.

Copyright TumbleberryToys via Flickr

Aber jetzt möchte ich meine eigene Geschichte verlassen und den Raum öffnen. Die Puppen willkommen heißen, so habe ich diesen Eintrag genannt. Ich möchte euch in Hinblick auf den Aushang und die Puppen, die ihr vielleicht in diesem Jahr zu Weihnachten verschenken möchtet, etwas mit auf den Weg geben. An einer Stelle auf meiner Internetseite schreibe ich, dass eine Puppen vielleicht das schönste Geschenk ist, das Eltern ihrem Kind machen können. Dieser Satz wird für mich als Mutter einer kleinen Tochter und Puppenmacherin mit viel Erfahrung mit den Jahren immer wahrer. Puppen sind wichtige Begleiter für unsere Kinder, denn sie lernen an ihnen und mit ihnen Selbstliebe und Fürsorge, Fähigkeiten, die von entscheidender Bedeutung auf ihrem Weg zu heilen Erwachsenen sind. Nur wer sich selbst liebt, kann in Freiheit zum anderen finden.

Copyright themushroomgnome via Flickr

Damit die Puppen solch wertvolle Begleiter für Seele und Spiel werden können, ist es wichtig, dass sie gut bei den Kindern ankommen und liebevoll von der ganzen Familie aufgenommen werden. Es gibt da gewiss kein Richtig oder Falsch, wohl aber ein individuelles Passend für jede Familie. Eine Puppe wird schon dadurch liebevoll bedacht, wenn die Eltern gut überlegen, wie sie dem Kind zu Weihnachten überreicht werden soll. Ganz klassisch eingewickelt in schönes Geschenkpapier mit einer großen Schleife? Sorgsam gebettet in ein Körbchen, das unter dem Weihnachtsbaum stehen wird? Oder ganz pur aus den Armen der Mutter in die Arme des Kindes? In der ersten Zeit mag es vor allem für ganz kleine Kinder (und die Mehrzahl meiner Kunden hat Kinder unter zwei Jahren) hilfreich sein, wenn die Eltern dem Kind zeigen, wie mit einer Puppe umgegangen wird. Puppen sind Bilder des Menschen. In diesem Sinne ist es wichtig, den Kindern zu zeigen, dass mit den Puppen so umgegangen wird, wie wir wollen, dass mit uns selbst umgegangen wird, nämlich liebevoll und achtsam, aufmerksam und fürsorglich, mitfühlend und nährend. Wenn Eltern die Puppe in den Arm nehmen, sie in eine warme Decke einhüllen, sie füttern, ihr immer wieder Aufmerksamkeit schenken, dann wird das Kind das selbst bald auch tun, denn es ahmt die Eltern nach. Das Engagement der Eltern ist also ganz wichtig, um dem Kind zu zeigen, was eine Puppe braucht. So lernt das Kind nicht nur, sich um seine Puppe zu kümmern, sondern es wächst zwischen den beiden ein zartes Band heran, über welches das Kind auch immer mit sich selbst verbunden sein wird.

Copyright Waldorfmama via Flickr

Im Spiel mit den Puppen suchen Kinder ihr eigenes Ich. Mit ihrer reichen Phantasie und ihrem Einfühlungsvermögen beseelen Kinder ihre Puppen und schenken ihnen Leben. Wenn sie sich liebevoll um ihre Puppen kümmern, sie mitfühlend umsorgen und nähren, dann bemuttern sie vor allem sich selbst. Sie lernen, sich um sich selbst zu kümmern und sich selbst zu lieben. Wir Eltern können unsere Kinder bei der Entwicklung von Fürsorge und Selbstliebe begleiten, wenn wir ihnen ein achtsames Miteinander vorleben. Und zu diesem Miteinander gehört in der Familie im besten Falle auch die Puppe.

Aber auch hier darf nicht Festgehalten werden. Manchmal ist es eben so, dass ein Kind keine Puppe braucht. Ich erfahre im Austausch mit meinen Kunden und in meinen Puppennähkursen immer wieder, welche Vorstellungen und Wünsche die Frauen mit den Puppen verbinden, die sie für ihre Kinder nähen. Da werden vielleicht Erwartungen an die Kinder gerichtet, die sie gar nicht erfüllen können. Ein Geschenk, eine Puppe möchte freien Herzens überreicht werden. Eltern können einiges dafür tun, dass die Puppe für ihre Kind die Bedeutung bekommt, die sie sich wünschen. Aber wenn ein Kind keine Puppe braucht, dürfen Eltern auch loslassen und darauf vertrauen, dass ihr Kind die Entscheidung getroffen hat, die jetzt genau richtig für es ist.

Habt ein schönes 4. Adventswochenende voller Weihnachtswichtelgeheimnisse und Vorfreude auf die Festzeit,

eure Maria

Wer noch auf der Suche nach einer Puppe für Weihnachten ist und Interesse an Tomte hat, dem vermittle ich gern den Kontakt zu der Familie, die die Puppe in Berlin anbietet.


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