18. Dezember 2014

Einige Herzmomente und Freudebegegnungen

Die 93 Briefe und Karten, die ich in den letzten Jahren von Kundinnen, Leserinnen und Fans bekommen habe. Und dass jetzt so kurz vor Weihnachten fast täglich neue dazukommen.

Das kleine, herbstgeborene Mädchen, das nach meiner Puppe Oska benannt wurde. Was für eine Freude!

Jubelrufe und Fotos, wenn Frauen mit meinen Anleitungen ihre allererste Puppe genäht haben und unheimlich glücklich und stolz auf sich sind. Zu Recht.

Was man alles unter #Mariengold bei Instagram entdecken kann.

Zerliebte Puppen (je oller, je doller).

Prächtige Kleiderschätze nach meinen Anleitungen, die in meinen Puppennähkursen auf dem Tisch ausgebreitet werden.

Und das Strahlen in ihren Augen, wenn alles passt und sitzt und einfach wunderschön aussieht.

Die Kundin mit einer Heilungspuppe aus meinen Händen, die mir seit Jahren Postkarten aus dem Sommerurlaub in Frankreich schickt und mir erzählt, wie es ihrer Kleinen geht.

Fast jeden Morgen mit einem guten Gefühl und der Frage aufzuwachen, was der heutige Tag wohl bringen mag.

Kursteilnehmerinnen mit Tränen in den Augen beim Abschied.

Und dass es mir ganz genauso geht. Wirklich. Jedes. Mal.

Eine Studienkollegin, die zufällig Anni in meinem DaWanda-Shop entdeckte, sie für ihre kleine Tochter kaufte und wir uns nach all den Jahren so viel zu erzählen hatten, dass es kaum in das Mitteilungsfeld der Bestellung passte.

Eine andere Studienkollegin, die ich unverhofft in einem meiner Kurse wiedertraf und die mittlerweile selbst ein kleines Label für Puppenmacherei hat.

In einem anderen Kurs eine Teilnehmerin, die auf dieselbe Schule in Dresden ging wie ich. Dass sie ein Jahr später noch einmal zum Puppennähen kam. Und auch ihre Mama und ihre Schwester mitbrachte.

Die Postmitarbeiterin, die scheinbar ihren ganzen Mut zusammennahm und mich nach all den Jahren fragte, was sich eigentlich in den vielen Paketen befindet, die sie für mich fertig macht. Und die mich seitdem immer entzückt anlächelt, wenn ich mit meiner großen, blauen IKEA-Tasche an ihren Schalter komme.

Mich selbst als Auftrag- und Arbeitgeberin (a.k.a. Chefin, unglaublich) zu erleben und unendlich dankbar dafür zu sein, wie Mariengold mit diesem wunderbaren Team wächst und gedeiht.

Der Anblick farbig gedruckter und sorgfältig gehefteter Anleitungen für Puppen und Puppenkleidung.

Und wenn ich ab und zu sogar einen kleinen Gruß reinschreiben darf.

Die Kursteilnehmerin im Mai, die extra aus Barcelona anreiste und eine Dolmetscherin mitbrachte.

Die dann im nächsten Kurs dabei war, weil sie nach der Übersetzerei unbedingt auch eine Puppe nähen wollte.

Die 1000. Rechnung des Jahres auszustellen. Oder die 333. Oder die 247. (mein Geburtstag).

Meine Nase ab und zu in meine große Mariengold-Erinnerungskiste zu stecken.

Mich jahrelang in einem Handwerk zu üben, es in aller Tiefe zu erfassen und vielleicht irgendwann zur Meisterschaft zu bringen.

Wie aus vier Freundinnen und Puppenmacherinnen 8Hände wurden.

Die Kursteilnehmerin, die in zwei aufeinanderfolgenden Jahren Puppen für ihre Kinder nähte und gerade mit dem dritten Kind schwanger ist, was ein baldiges Wiedersehen verspricht.

Einer Mariengold-Puppe in Berlin zu begegnen. (Das ist aber erst ein einziges Mal passiert und da habe ich mich nicht getraut, die Familie anzusprechen.)

Meine Tochter, die fachmännisch erklären kann, wie eine Puppe genäht wird.

Und es auch selbst kann.

Nach einem langen Kurstag die Nummer 23 mit Tofu bei meinem Lieblingsthailänder zu bestellen.

Andere Puppenmacherinnen – persönliche Bekanntschaften oder unbekannterweise – wachsen zu sehen und mich an all den herrlichen Puppen zu erfreuen, die auf der ganzen Welt genäht werden.

Als ich im letzten Urlaub in Doro eines Nachts plötzlich wahnsinnige Sehnsucht danach hatte, eine Puppe in meinen Händen zu spüren.

Der verliebte Blick von Kindern, die mich für die Puppenfee halten. (Weil ihre Eltern ihnen das mit den Puppen so erklärt haben.)

Feedback auf Blog-Artikel, bei denen ich es am wenigsten erwartet habe.

Tagelang an Blog-Artikel zu schreiben, dir mir am Herzen liegen.

Die Dinge selbst gestalten zu können.

Mit Lieferanten und Dienstleistern per du zu sein und mich manchmal am Telefon mit ihnen zu verquatschen.

Kursteilnehmerinnen mit Handschlag zu begrüßen und mit einer Umarmung zu verabschieden.

Meine Arbeit von Herzen zu lieben und zu wissen, dass sie auch all das wert ist, was ich manchmal anstrengend, langweilig oder blöd finde.

Die Zuverlässigkeit, mit der die Frauen in meinen Kursen fragen, ob auch schon mal Männer teilgenommen haben. (Ja, ein einziger in sechs Jahren.)

Mir selbst ab und zu etwas Schönes für die viele Arbeit zu gönnen, zuletzt dieses Buch, dessen 1280 Seiten ich mir für die Zeit zwischen den Jahren aufhebe.

Wahnsinnig schöne Begegnungen und Freundschaften in der echten und virtuellen Welt und wenn beide verschmelzen und man sich plötzlich bei einem Milchkaffee gegenübersitzt und es ist, als kenne man sich schon ewig.

Mein Mann, der zwar Stricken und Häkeln nicht unterscheiden kann, aber findet, dass meine Puppen die allerschönsten auf der ganzen Welt sind (Ich liebe dich!).


11. Dezember 2014

FKK im Kuchenkaiser

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Am Dienstag waren meine Freundin Laura von 1000 Rehe und ich im Kuchenkaiser in Kreuzberg, um bei feinstem Wintersonnenschein weiter an unserem Filzkopfpuppenprojekt zu arbeiten. Wir hatten einen herrlichen Blick über den Oranienplatz, unsere Frühstücke hießen Oslo und Paris und je höher die Sonne stieg, desto breiter wurde unser Grinsen. Denn es geht voran!

Zuallererst: Tausend Dank für euer Interesse an unseren Filzkopfkursen in 2015! Der Kurs im Juli ist fast ausgebucht und auch für den September haben sich schon einige Frauen angemeldet. Wenn ihr auch dabei sein möchtet, schreibt an hello@mariengold.net. Die Termine und Details findet ihr hier.

Laura und ich freuen uns sehr über eure Begeisterung für unser Projekt, das wir mit einem Augenzwinkern „FKK“ (für Filzkopfkurs) nennen. Obwohl es längst über die ursprüngliche Idee für einen Kurs hinausgeht und wir jetzt auch an einer ganz neuen Puppe mit Anleitung zum Selbermachen tüfteln. Diese wird natürlich einen gefilzten Kopf haben und weitere Besonderheiten wie z. B. ein prachtvolles Hinterteil und einen schönen, runden Bauch, die ebenfalls mit der Filznadel entstehen, Füße mit Sohlen und ein supertolles 2-in-1-Kleidungsstück.

Und hier kommt ihr ins Spiel. Noch befinden wir uns nämlich in der Entwurfsphase für die neue Puppe. Wir sind zwar schon ziemlich weit fortgeschritten, aber immer noch offen für Ideen. Für eure Ideen. Eine Leserin von Lauras Blog wünscht sich z. B. Grübchen im Gesicht. Und ich werde immer wieder nach Pobäckchen gefragt. Wenn ihr auch Anregungen habt, lasst uns gern per E-Mail an hello@mariengold.net wissen, was ihr von uns lernen möchtet und wie die Filzkopfpuppe eurer Träume aussieht.

Bevor es für 1000 Rehe und Mariengold in die Weihnachtspause geht, feile ich noch weiter an der Projektplanung und entwerfe einen Fahrplan für unsere Zusammenarbeit. Die Koordination von zwei Puppengestalterinnen, von denen eine auch noch als Clownin arbeitet, ist nämlich herausfordernder als gedacht. Und wenn wir nicht in den Winterschlaf fallen (wonach mir pünktlich zum Jahresbeginn eigentlich immer ist), wird es im Januar dann so richtig losgehen mit Fotos, Texten, Layout und allem Drumherum. In den letzten beiden Jahren habe ich 7 DIY-E-Books herausgegeben und kann gut einschätzen, was da auf uns zukommt, nämlich jede Menge Arbeit. Aber auch ganz viel Schaffensfreude. Zu zweit wird es leichter (hoffentlich) und der Spaß dafür doppelt so groß (so viel ist schon mal sicher)!

Weitere FKK-Berichte findet ihr hier.


10. Dezember 2014

Lieblingsmusik im Dezember

„Don’t Wait“ von Mapei: Seit Wochen meine Nummer Eins. Ich mag die Slow Motion und die Outfits und die Haare in dem Video. Das Lied gefunden habe ich über diesen Clip, den ich auch sehr gelungen finde.

„Pretty Girls“ von Little Dragon: Ein Lied, das mir immer Lust zum Tanzen macht. Bei meinem Lieblingssender Radio Eins wird es gerade rauf und runter gespielt, so dass es hier öfter kleine Tanzeinlagen gibt.

„Happy Idiot“ von TV On The Radio: Ein richtiger Ohrwurm. Und nicht der schlechteste. Denn einen Happy Idiot habe ich mich in letzter Zeit oft selbst schmunzelnd genannt.

„Creep“ von Radiohead: 1992, als das Lied erschien, war ich 12 Jahre alt und total verknallt in Johnny Depp, der schon in 24 Jumpstreet so verdammt cool aussah und mit den Jahren noch toller wurde. Das konnte ich damals von mir nicht gerade behaupten. Mit 12, 13, 14 habe ich mich ziemlich oft wie ein „Creep“ gefühlt.

„Unfinished Sympathy“ von Massive Attack: Eins meiner Alltime Favorites. Versetzt mich sofort zurück in das Jahr 1999, als ich zum ersten Mal so richtig verliebt war. Er war DJ und dieses Lied gab es oft zum Aufwachen.

„I Follow Rivers“ von Likke Li: Auf die Sängerin bin ich Spätzünderin erst aufmerksam geworden, als sie im September zusammen mit & Other Stories eine großartige Kollektion herausbrachte. Modisch gesehen genau mein Ding. Die Musik mag ich auch sehr.

„Begging For Thread“ von Banks: Meine Entdeckung des Herbstes und das letzte Album, das ich mir gekauft habe. Hat von Anfang bis Ende eine unglaublich Kraft.

„Marilyn Monroe“ von Pharrell Williams: Nach Happy dachte ich eigentlich, es geht nicht besser. Aber das hier ist auch Knaller.

„Metropolis“ von The Belle Brigade: Vorfreude auf den Weihnachtsurlaub!

Mehr Lieblingsmusik findet ihr hier.


8. Dezember 2014

Fundstücke im Dezember

Fundstücke Dezember

1 Happy Birthday! Vor drei Jahren brachten Kamrins Poppenatelier und Little Oke Dolls unter dem Label DollyMo ein ganz neues Puppenhaargarn auf den Markt. Es ist unfassbar weich, kommt in den natürlichsten Farben und hat schön lange Fasern, was es zu einer echten Bereichung in den Materialschränken der Puppenmacherinnen dieser Welt macht. Erhältlich hier und hier.

2 Tabea von der Sonnenwiege hat eine bemerkenswerte Puppe für die Hebammerei entwickelt, in der ihre ganz persönlichen Herzensthemen Geburt & Mutterschaft im wahrsten Sinne des Worte verpuppt sind.

3 Ich verstehe zwar kaum Französisch, aber diese Ballerina von Julie Adore ist ganz bezaubernd, n’est-ce pas?

4 Küss die Hand, schöne Frau! Der Blog We Like Mondays startete im Mai seine Reihe Die Handarbeiter mit einer Geschichte über meine Freundin Julia, der Puppenmacherin von Von Kowalke.

5 Die Firma Käthe Kruse zeigt auf ihrer Internetseite kleine Filme über ihre Puppenproduktion.

6 Ich bin immer ganz gerührt, wenn ich einen Blick auf die Arbeitstische meiner Kundinnen werfen darf. Vor einiger Zeit ist diese schöne Lotta-Puppe mit dem Mitzi E-Book und der passenden Materialpackung von Mariengold entstanden. Für ihren Sohn hat Sibylle später noch Maxi mit den Sommersprossen genäht.

7 Die schwedische Designerin Gudrun Sjoeden hat auch in diesem Jahr wieder eine Weihnachtspuppe entworfen. Nach Mimmi in 2012 und Sami in 2013 ist es jetzt eine Mini-Gudrun mit schönen rosa Bäckchen geworden.

Das Internet ist voller schöner Dinge und guter Ideen. Wenn ihr Vorschläge und Links für diese Reihe habt, schickt sie gern an hello@mariengold.net. Weitere Fundstücke findet ihr hier.


4. Dezember 2014

Bücher: „Spielzeug von Eltern selbst gemacht“ von Freya Jaffke

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Es gibt zwei Bücher in meinem Leben als Mama und Puppengestalterin, die in mir ein Gefühl von Nostalgie auslösen, obwohl ihre Zeit noch gar nicht allzu weit zurückliegt. Das ist „Die Waldorfpuppe“ von Karin Neuschütz, das ich hier besprochen habe. Und das ist auch „Spielzeug von Eltern selbst gemacht“ von Freya Jaffke.

Dieses Buch ist ein echter Klassiker der waldorforientierten Handarbeitsliteratur, ein Standardwerk der Waldorfkindergartenbewegung und mit 160.000 verkauften Exemplaren eines der erfolgreichsten Bücher des Verlags Freies Geistesleben in diesem Bereich. Das Buch, das mittlerweile in der 22. Auflage erschienen ist, enthält zahlreiche Ideen und Anleitungen zum Herstellen von Spielzeug aus Naturmaterialien und vermittelt Eltern und Erziehern, wie sie das kreative Spiel der Kinder fördern können.

So weit, so gut. Aber was ist sein Geheimnis? Warum ist es so erfolgreich? In dem Buch geht es um die Essenz der Waldorfpädagogik. Darum, dass Kinder eigentlich so wenig brauchen, um glücklich zu sein und schön zu spielen. Und dass diese Dinge ganz einfach von den Menschen hergestellt werden können, die sie am meisten lieben, ihren Eltern. Aus einfachen Materalien und natürlichen Werkstoffen. Mit viel Freiraum für die eigene Phantasie. Und natürlich mit ganz viel Liebe.

Wer schon einmal in einem Waldorkindergarten zu Besuch war, kennt all diese wunderbaren, anrührenden Spielzeuge: Die Schneckenbänder und die gestrickten Schafe, die rundgeschliffenen Bauhölzer und die Rindenschiffe, die Spieltücher und die Bohnensäckchen, die Tiere aus Astholz und das Zwergenvolk, die bestickten Filzbälle und die Häkelkordeln, die Knotenpuppen und die Seidenmarionetten, die Purzelmännchen und die Tütenfrieder.

Damals habe ich für mein kleines Mädchen fast alles aus diesem Buch selbst angefertigt oder auf Waldorfbasaren zusammengesucht. Und erst die Puppen! Denn natürlich hat das Buch mich auch auf meinem Weg in die professionelle Puppenmacherei begleitet, obwohl mir die meisten Puppen darin gar nicht so recht gefallen haben. Aber damals gab es noch nichts anderes. Und ich habe auch gespürt, dass es eben nicht um Äußerlichkeiten geht, sondern um das Herz. Meines war jedenfalls immer ganz berührt beim Anschauen, Basteln, Verschenken und Spielen.

Die wenigsten dieser Dinge gibt es heute noch im Reich meiner Tochter. Aber die Erinnerung ist ganz lebendig, in ihr und in mir, und noch heute überkommt mich ein wohliges Gefühl allein beim Durchblättern des Buches. Es wird für mich immer ein großer Schatz sein.

Der Verlag hat mir freundlicherweise ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt, das ich wie immer verlose. Wenn ihr das Buch gewinnen möchtet, schreibt bis Sonntag Nacht an hello@mariengold.net. Den Gewinner werde ich am Montag auslosen und benachrichtigen. Ich wünsche euch viel Glück!

Freya Jaffke: Spielzeug von Eltern selbst gemacht, Verlag Freies Geistesleben, ISBN: 3772523013, 15.90 Euro

(Das Buch hat Steffi gewonnen.)


3. Dezember 2014

Ein Schal aus Wolle und Licht

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An einem Wochenende im November habe ich mir einen lang gehegten Wunsch erfüllt und endlich, endlich einen Webkurs besucht. Das Weben wollte ich schon seit einigen Jahren lernen, der Besuch von 8Hände auf der Textile Art im Juni gab den letzten Anstoß. Allein, es fehlte ein Kurs hier in Berlin. Aber wie immer fügte sich alles gut zusammen und ich wurde eines Tages auf dem Blog We Like Mondays fündig und vereinbarte gleich ein Date mit dem schönen Handwerk.

Mit Herzklopfen und riesengroßer Vorfreude machte ich mich dann vorletzten Freitag auf den Weg zu der Textildesignerin Christina Klessmann nach Charlottenburg. Dort befindet sich in einem alten Gewerbegebäude ihre Textilmanufaktur, ein lichtdurchflutetes Atelier mit ein paar Webstühlen, einer farbenprächtigen Auswahl an verschiedenen Garnen und vielen wunderschönen, handgewebten Stücken, die so richtig Lust aufs Selberweben machen. Von mir aus konnte es also gleich losgehen.

Und so begannen wir mit der Einrichtung der Webstühle, der Planung der Textilien und der Auswahl der Garne, was an diesem ersten Kurstag mein Lieblingsteil war. Einen Schal wollte ich mir weben. In meiner Vorstellung sah ich ihn schon ganz genau vor mir – ein Traum in Creme, Pink, Senfgelb und Altrosa. Das passende Garn suchte ich mir ruckzuck zusammen, wickelte es von den Konen auf Spulen und begann mein Webabenteuer unter Christinas fachkundiger und herzlicher Anleitung.

Als ich da so an meinem Webstuhl saß mit Blick in die Novembersonne und dem vertrauten Geräusch der Berliner S-Bahn im Ohr, war es, als hätte ich nie etwas anderes getan. So leicht ging mir die Arbeit von der Hand. So viel Freude machte mir das Spiel mit den Farben, Texturen und Mustern. Mein Schal wuchs und streifte sich im Nu und als ich am Sonntag die letzte Franse zwirbelte, war ich überglücklich und wusste, hier bin ich richtig, mit all den Garnen, Farben und Mustern, mit dieser relativ gleichförmigen Arbeit, bei der die Gedanken so herrlich zur Ruhe kommen und die Seele durch Augen- und Handschmaus genährt wird. Ich wusste und besprach sogleich aufgeregt mit Christina, ich würde weitermachen, wiederkommen und das Weben irgendwie in meine Arbeit als Puppengestalterin integrieren.

Jetzt überlege ich, wie ich einen Tischwebrahmen hier in meinem Atelier unterbringen kann (eigentlich gar nicht), wie ich das Weben weiter lernen kann (als wir die Webstühle einrichteten, scannte ich insgeheim schon die Garnauswahl) und wie ich eine ganz bestimmte Idee umsetzen kann, die mir schon seit einiger Zeit für Mariengold vorschwebt (nein, keine Puppenschals).

Aber das Allerbeste nach diesem Kurs ist das Tragen meines selbst gewebten, großartigen Schals, jetzt wo es so richtig kalt geworden ist in Berlin. Ich bin stolz, irre glücklich und habe das Gefühl, eine neue Liebe gefunden zu haben. Wie schön, Winterzeit, dass du jetzt da bist!

Am 6. und 7. Dezember öffnet Christina ihr Atelier zu einer Adventsausstellung, in der sie ihre handgewebten Textilien aus hochwertigen Materialien für Bekleidung und Inneneinrichtung zum Verkauf anbietet. Weitere Informationen hier.


1. Dezember 2014

DIY: Stricktuchpuppen zum Pucken

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Kurz nachdem meine Tochter geboren wurde, schloss ich mich einer Elterninitiative zur Gründung eines neuen Waldorfkindergartens in Berlin-Mitte an, der heute als Fliederhof bekannt ist. Die intensive Mitarbeit dort sowie die nachfolgenden Kindergartenjahre haben meine Arbeit als Puppengestalterin natürlich sehr inspiriert.

In der Gründungsinitiative habe ich zum Beispiel meine liebe Freundin Laura von 1000 Rehe kennengelernt. Damals waren wir noch keine Puppenmacherinnen, sondern Mamis, die im wöchentlichen Bastelkreis Spielsachen für den Kindergarten herstellten. Dort bin ich auch zum ersten Mal mit sogenannten Waldorfpuppen in Berührung gekommen. Liebe auf den ersten Blick war es aber nicht, denn diese Puppen wirkten so unheimlich streng und altbacken auf mich. Es war vor allem Laura mit ihrer frischen und freien Herangehensweise und ihrer unbändigen Kreativität, die mir später zeigte, dass es auch ganz anders geht.

Es gab aber ein besonderes Erlebnis in dieser Zeit, das mich  sehr berührte und mir große Lust auf die Puppenmacherei machte. Ich erinnere mich noch genau, wie Anna, die Gründungserzieherin, uns Eltern ihre einfachen Stricktuchpuppen zum Pucken vorstellte, die sie den Kindern als einzige Puppen zum Spielen geben wollte. Dafür nahm sie ein Stück Wolle und wickelte es mit ruhiger und aufmerksamer Geste zu einer Kugel auf. Diese band sie mit einem schlichten naturweißen Stricktuch ab, so dass ein Kopf und vier einfache Glieder entstanden. Dann nahm sie ein großes farbiges Baumwolltuch, faltete es sorgfältig und schlug die Puppe fest damit ein.

Wow! In dem Moment standen mir Tränen in den Augen. Ich war so gerührt und mein Herz ganz weit. Diese Puppe war so schlicht und einfach und doch spürte ich, dass alles in ihr steckte, was ein Kind an Puppe braucht. An diesem unscheinbaren Nachmittag in einem Raum voller geschäftiger Eltern und lärmender Kinder bekam ich zum ersten Mal eine wirkliche Ahnung davon, was meine Berufung sein könnte.

In den darauffolgenden Wochen strickte ich wie eine Weltmeisterin, schließlich sollte jedes Kind in unserem Kindergarten eine solche Puppe in die Arme gelegt bekommen. Und auch zu Hause mit meiner kleinen Tochter habe ich das Spiel unzählige Male wiederholt. Wickeln, binden, pucken, lösen. Diese Puppenmomente gehören zu meinen allerschönsten Erinnerungen an ihre Kleinkindzeit.

Als ich mich ein, zwei Jahre später auf den Weg in die berufliche Puppenmacherei machte, habe ich die Stricktuchpuppen zum Pucken natürlich in mein Portfolio aufgenommen und ein paar Jahre zum Verkauf angeboten. Sie liefen zwar nicht besonders erfolgreich, aber ich glaube bis heute fest an ihren unschätzbaren Wert. Denn ganz ehrlich, neben all den schönen Puppen, die ich heute für Kinder auf der ganzen Welt nähe, haben diese einfachen Stricktuchpuppen einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen.

Damit möglichst viele Familien – denn aus eigener Erfahrung weiß ich, dass nicht nur die Kinder daran Freude haben –  in den Genuss dieses wertvollen Spielzeugs kommen, möchte ich heute ein Herzens-Do-It-Yourself mit euch teilen und euch zeigen, wie ihr selbst so eine Stricktuchpuppe herstellen könnt.

Ihr braucht

1 bis 2 Knäuel Strickgarn aus naturweißer Schurwolle mit einer Lauflänge von ungefähr 100 bis 120 Metern auf 100 Gramm

20 bis 30 Gramm Schurwolle am Vlies

1 Stück reißfesten Zwirn

1 Baumwolltuch ungefähr mit den Maßen 100 cm x 100 cm

und natürlich Stricknadeln, eine Schere und eine Nähnadel

Und so geht’s

Aus dem Schurwollgarn strickt ihr im kraus-rechten Muster ein quadratisches Tuch ungefähr mit den Maßen 40 cm x 40 cm und vernäht die Fäden. Damit ist die Arbeit schon geschafft und das Spiel kann beginnen.

Bei den folgenden Schritten können eure Kinder gern dabei sein und miterleben, wie aus einem einfachen Tuch und ein bischen Wolle ihre Puppe entsteht. Aus dem Schurwollvlies wickelt ihr eine Kugel mit einem Umfang von ungefähr 25 cm. Diese legt ihr in die Mitte des Stricktuchs und bindet sie mit einem Stück Zwirn ab, so dass ein Kopf und vier Zipfel für die Arme und Beine entstehen. Aus den Enden der Zipfel können auch noch Hände und Füße geknotet werden. Zum Pucken faltet ihr das Baumwolltuch ein Mal in der Diagonalen, legt es mit der Spitze nach unten und schlagt die Puppe fest damit ein.

So schön eingehüllt liegt sie warm und angenehm in den Armen eurer Kinder und begleitet sie durch den Tag. Am Abend wird die Puppe wieder gelöst und kann am nächsten Tag durch eure Hände neu entstehen. Dieser tägliche Vorgang kann zu einem schönen gemeinsamen Ritual werden, vor allem wenn er von einem kleinen Liedchen oder Vers begleitet wird. So werden die Stricktuchpuppen zu einem großen Geschenk für eure Kinder, jeden Tag aufs Neue. Und ganz nebenbei erfahren sie, dass mit viel Vorstellungskraft und Liebe aus allem alles entstehen kann, was eine der besten und wertvollsten Lektionen der Spielzeit ist.

Ich wünsche euch und euren Kindern ganz viel Freude mit den Stricktuchpuppen!

Weitere DIYs findet ihr hier.


24. November 2014

Acht Hände fliegen hoch in die Luft (und ein Festtagstorten-Rezept))

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Mitten im grauen November hatten wir vier Berliner Puppenmacherinnen von 1000 Rehe, Von Kowalke, Lilla Kirrivi und Mariengold letzten Donnerstag einen wundervollen Glitzertag mit Torte, Prosecco und Gesangseinlage. Jede von uns hatte einen Jubelgrund zum Glücklichsein, privat oder beruflich. Aber der schönste Anlass für einen Trinkspruch mit Granatapfelkernprickeln war die feierliche Gründung unseres Puppenkünstlerinnenkollektivs.

Was vor bald zwei Jahren mit der Idee begann, uns regelmäßig zum Werkeln und beruflichen Austausch zu treffen, wuchs mit der Zeit zu einer tollen Gruppe von befreundeten Puppenmacherinnen – oder treffender – puppenmachenden Freundinnen zusammen. Im Mai auf unserer Reise zum Puppenfestival, in diese ganz andere, eher befremdliche Welt der Puppen, sprachen wir zum ersten Mal zaghaft über unseren Wunsch nach einem inspirierenden Umfeld, nach einer wohlwollenden, kreativen Gemeinschaft, in der wir uns mit unserer Kunst richtig gut aufgehoben fühlen und entfalten könnten. Schon in Neustadt war uns klar, dass wir das, was wir suchten, selbst erschaffen müssten. Aber auch, dass wir schon auf einem richtig guten Weg waren. Denn schließlich waren wir bereits ein kleines Kollektiv.

Was uns verbindet: Wir lieben Puppen und Puppenmacherei. Wir lieben es, mit unseren Händen zu arbeiten. Wir schätzen schöne, handgemachte Dinge aus natürlichen Materalien. Wir bemühen uns um möglichst nachhaltiges Leben und Arbeiten. Wir leben ganz oder teilweise von unserer Arbeit als Puppenmacherinnen. Wir mögen uns und sind gern zusammen. Wir schätzen den gegenseitigen Austausch über unsere Arbeit und werkeln gern gemeinsam. Und wir haben Lust auf mehr, viel mehr.

Im Sommer dann gute Aussichten, erste Ideen für Projekte und natürlich Namensvorschläge. Das war die Geburt unserer Gruppe und mit leuchtenden Augen und einem superguten Gefühl ging es in den Herbst, den wir mit konzeptioneller Arbeit an unserem Manifest verbrachten und immer noch damit beschäftigt sind. Welche Ziele verbinden wir mit unserer Gruppe? Was wollen wir in der Welt bewirken? Wie erreichen wir das? Wie wollen wir unsere Gruppe nach außen präsentieren? Welche Ideen haben wir für erste Projekte?

Gut‘ Ding will Weile haben. Und so geht es munter weiter mit unseren Ideen und unserer Planung. Jetzt war es aber an der Zeit für den nächsten Meilenstein, einen kleinen Schritt weiter in die Öffentlichkeit. Und so haben wir am Donnerstag mit dem zarten Pling von Lauras Kristallgläsern unsere Gruppe feierlich auf den Namen 8Hände getauft, mit dem wir uns von jetzt an als Puppenkünstlerinnenkollektiv in der Welt zeigen.

8Hände, das sind wir vier Puppenmacherinnen aus Berlin, das ist unser Projekt, mit dem wir gemeinsam die Welt der Puppenmacherei erforschen, erleben und gestalten wollen. 8Hände ist natürlich auch für euch. Denn irgendwann soll es neben dem Mitfiebern hier auch Veranstaltungen und Aktionen in Berlin und im Internet geben – Geduld nur, Geduld. Wir sind sehr glücklich!

Lauras Festtagstorte

Grundlage für den Teig ist Julias berühmter Spanischer Mandelkuchen:

2 Tassen fein gemahlene Mandeln
3 Esslöffel Butter
2/3 Tasse Zucker
6 Eier
Geriebene Schale von 1 Bio-Zitrone
1/4 Teelöfel Zimt

Die Butter mit dem Zucker und dem Zimt mischen und mit den Eigelben aufschlagen. Mandeln und Zitronenabrieb unterrühren. Die Eiweiße steif schlagen und locker unterheben. Den Teig in eine runde Kuchenform gießen und 30 Minuten bei 200 Grad backen. Den Kuchen abkühlen lassen und längs in drei Teile schneiden. (Ist mir ein Riesenrätsel, wie Laura das so toll hinbekommen hat!)

Nach dem Rezept für die Füllung gefragt, zuckte Laura nur mit den Schultern. Sie habe einfach Mascarpone, Quark, Sahne, Vanille und Zucker zusammengerührt, bis eine perfekte Creme entstanden ist.

In Schichten geht es weiter – Boden, Füllung, Boden, Füllung, Boden, Decke. Darauf Granatapfelkerne rieseln. Die geben der Torte einen herrlich frischen Geschmack.

Lasst es prickeln und guten Appetit!

Für 8Hände habe ich eine neue Kategorie auf der rechten Seite eingerichtet, in der ihr alle Artikel zu unserer Gruppe findet. Mehr Rezepte gibt es hier.


13. November 2014

FKK mit 1000 Rehe

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Richtig schön novemberherbstlich, gemütlich und vorfreudig-inspirierend ging es vor zwei Tagen zu, als meine Freundin Laura von 1000 Rehe und ich zum Frühstück im Prenzlauer Berg verabredet waren. Marmeladentrunkene Mohnhörnchen, samtigen Schwarztee mit Milch und emsiges Werkeln mit freudestrahlendem Blickkontakt und munterer Plauderei gibt es jetzt regelmäßig bei uns, denn seit einigen Wochen arbeiten wir gemeinsam an einem großen Projekt, das wir spaßeshalber FKK nennen. Was mit der Idee für einen Filzkopfkurs begann, wurde schnell zu einem größeren Vorhaben, das noch immer nach allen Seiten hin sprießt und wächst, aber allmählich Form und Struktur annimmt.

Form und Struktur, das ist auch ungefähr die Aufgabenverteilung zwischen Laura und mir. Während Laura in ihrem herrlich kreativen Chaos tüftelt und entwirft, was das Zeug hält, bin ich für das große Ganze zuständig und kümmere mich um das Projektmanagement, die Textarbeit und das Marketing. Aber natürlich greife ich in diesem Arrangement auch beherzt zu Stift und Papier, Filznadel und Wolle und Schere und Stoff, um Lauras Ideen auszuprobieren, sie zu verfeinern oder eigene Einfälle ins Spiel zu bringen. Laura tut mir total gut mit ihrem freitanzenden Geist, ihrer sprühenden Kreativität und ihrem ruhigen Gemüt. Unsere Zusammenarbeit funktioniert ganz leicht und wir wachsen gerade zu einem richtigen Dreamteam zusammen, das sich gegenseitig wunderbar ergänzt und den individuellen Stärken viel Raum gibt.

Jetzt gibt es einen ersten Zwischenstand zu vermelden. Die Daten für die Filzkopfkurse 2015 in Berlin stehen fest. Am 4. Juli ist Premiere und am 26. September folgt ein weiterer Termin. In den Kursen stellen wir mit der Filztechnik einen komplett fertigen Puppenkopf mit Gesichtsmerkmalen und allem Pipapo her, den ihr später zu Hause mit einer ausführlichen Anleitung und einem ganz neuen, exklusiven Schnitt von Laura und mir zu einer Puppe vervollständigen und natürlich auch schön einkleiden könnt. Details folgen in den nächsten Wochen. Wild Entschlossene können sich aber schon jetzt mit einem E-Mail an hello@mariengold.net für die Teilnahme an einem der beiden Termine vormerken lassen.

Laura und ich freuen uns wahnsinnig auf euch!

Weitere FKK-Berichte findet ihr hier.


11. November 2014

Meeresberauscht und glücklich

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Nach der Zwölf und der Dreizehn haben meine Freudin Julia und ich uns im dritten Jahr gemeinsam aufgemacht ans Meer zu einem langen Novemberwochenende mit ganz viel Yoga (und unendlich vielen herabschauenden Hunden), Sonnenspaziergängen und einer frischen Brise um die Nase, Verwöhnmahlzeiten und durchwärmendem Yogitee, Herzenslektüre in der Stille, einem Abenteuer mit Schafen aus der Ferne, Nachmittagsschlaf und roten Wangen, Meditation am Morgen und ganz vielen stärkenden und inspirierenden Asanas und Weisheiten von Julia und Ruth von Flying Yoga, die uns in diesen Tagen so behutsam und kraftvoll von außen nach innen geführt haben.

Genau das ist ist für mich das Geschenk von Herbst und Winter – die wunderbare, herzspiralförmige Reise von mir zu mir, eine innige Zeit in Stille und Verbundenheit. Bin endlich angekommen und wohlig eingenistet in der dunklen Jahreszeit.