29. Juni 2012

Goodbye Juni ~ Goodbye June

June was an intensive and moving month for me and there is a lot I could write about now that it is nearly past. Generally, this month I had an incredibly big need to write which probably has something to do with all my questions about life and my place in this world, now that I am at the beginning of a change process for Mariengold. Writing helps me to connect, understand, arrange my thoughts, position myself, make peace and so much more. Writing is good. But writing so much and so personal in this place? These days I am thinking about this question a lot and ask myself if my weblog is still the right place for all my thougths and ponderings. I really want to go further with my writing, I am ready for new adventures and curious where it will lead me. I have the feeling that in this ongoing shift for Mariengold writing is an important keyword, that it is not just the compass but also the destination or at least one of the destinations of my journey. Where ever this will be. Everything seems to be open at the moment. I don’t really know how things will go on for Mariengold after my summer break. I am taking a timeout from doll making and blogging for some weeks and will presumably be back here mid August. You can reach me via E-Mail and also my Etsy shop will be open except during the time when I am on vacation in the mountains with my family. Wishing you a wonderful summer and waving goodbye half crying, half laughing.

Der Juni war ein intensiver und bewegender Monat für mich und es gibt viel, über das ich jetzt an seinem Ende schreiben könnte. Ich mache mir ja immer schon im Laufe des Monats ein paar Notizen und schreibe Ideen und Stichwörter auf. Da waren im Juni zum Beispiel mein einjähriges Gitarrenspiel-Jubiläum, mein ungewöhnlich langes Kranksein, das Thema Kreativität, über das ich nach meinem letzten besuchten Puppennähkurs viel nachgedacht habe, der Beginn meines Business Coachings und die mögliche Bedeutung der auffällig vielen Anfragen für Mariengold Heilungspuppen in den letzten Wochen. Stattdessen möchte ich über das Schreiben selbst schreiben.

Im Juni habe ich so viel geschreiben, wie lange nicht mehr. Ich hatte ein riesengroßes Bedürfnis zu schreiben und habe das auch getan. Manchmal war es leicht, manchmal war es schwer. Völlig unabhängig von Prozess und Ergebnis musste ich es einfach tun, ich musste schreiben. Erst nach einem ebenso interessanten wie emotionsgeladenen Gespräch mit meinem Mann über einen meiner letzten Artikel hier begann ich mich ernsthaft zu fragen, warum ich eigentlich schreibe, so viel, so persönlich, so offen. Nach Antworten musste ich nicht lange suchen. Das Schreiben hilft mir, mich selbst kennenzulernen, mich zu verorten, meine Gedanken zu sortieren, Klarheit zu gewinnen, Frieden zu machen.

In letzter Zeit ist mir an meinem Schreiben aufgefallen, dass es mir wichtig ist, in die Tiefe zu gehen, genau hinzuschauen, den Dingen auf den Grund zu gehen, sie zu benennen, Sinn zu finden, konkret zu sein, präzise Formulierungen zu finden, mich möglichst einfach, klar und treffend auszudrücken. Aber auch Brüche und Widersprüche wollte ich zeigen, Grenzen ausloten, Sinn herstellen, wo ich ihn nicht auf den ersten Blick erkennen konnte, und provozieren, vor allem mich selbst. In meinem Kopf ist die meiste Zeit ein wildes Durcheinander. Das Schreiben setzt einen Gegenakzent. Gerade jetzt, wo ich mich in einer schwierigen persönlichen und beruflichen Phase befinde, in der ich mich scheue, bestimmte Themen genau unter die Lupe zu nehmen, scheine ich um so mehr Energie darauf zu verwenden, bei anderen, im Moment viel weniger wichtigen Dingen besonders genau hinzuschauen. Du meine Güte, wie lange ich an einigen Artikeln geschrieben habe! Aber es musste sein. Und es zeigt mir, dass ich die Fähigkeit habe, klar zu denken und noch viel mehr, nämlich dass es mir ein tiefes Bedürfnis ist, die Welt und mich darin zu verstehen. Ich wünschte nur, ich hätte den Mut, die wirklich wichtigen Dinge in meinem Leben auch so anzuschauen und zu durchdringen, wie ich es in diesem Monat bei anderen Themen gemacht habe. Ich erkenne darin eine Ablenkungsstrategie. Oder ist es ein langsames Herantasten? Eine Arbeiten an der Oberfläche, das Stück für Stück tiefer geht?

Je mehr ich über mein Schreiben nachdachte, desto grundsätzlicher wurde mein Fragen. Ja, was mache ich hier eigentlich? Mit hier, meine ich dieses Journal, diesen Blog, der doch eigentlich ein Portfolio-Blog über meine Arbeit als Puppenmacherin sein soll. Das Schreiben selbst ist gut für mich. Das Veröffentlichen persönlicher Texte hier stelle ich machmal in Frage. Es gibt Gründe, die dafür sprechen. Und es gibt Gründe, es nicht zu tun. Heute sehe ich es so und morgen vielleicht so. Das ist in Ordnung, und ich bin bereit mit diesem Fluss zu gehen. Was immer ich richtig und wichtig finde, werde ich tun.

Darüber hinaus stelle ich mir noch die Frage, ob ich dem Schreiben eigentlich wirklich die Bedeutung in meinem Leben einzunehmen erlaube, die es in meinem Herzen schon hat. Ich habe die Autorin in mir vor allem in den letzten Jahren immer wieder verleugnet, aus Angst ich wäre nicht gut genug, um mehr daraus zu machen. Möglicherweise habe ich mir deshalb auch ein Handwerk als Beruf ausgesucht. Aber das Schreiben hat mich auch bei der Puppenmacherei immer begleitet und in letzter Zeit offensichtlich mehr und mehr Bedeutung gewonnen. Hier auf meinem Blog hat es einen kleinen geschützten Raum, wohlgesonnene Leserinnen und Leser, eine Probierbühne, auf der allein ich bestimme, was gespielt wird. Im Moment habe ich das Gefühl, dass mein Blog nicht mehr der richtige Raum ist, er wird mir allmählich zu eng. Vielleicht ist es nötig, ihn zu verlassen, wenn ich mit dem Schreiben wachsen möchte. Das heißt nicht, dass ich die Puppenmacherei aufgeben werde. Aber es heißt, dass ich neben der Puppenmacherei einen neuen, unabhängigen Raum für mein Schreiben finden möchte. Ich will mutiger werden und mich der Gewissheit anvertrauen, dass mich das Schreiben dahin tragen wird, wo immer ich sein möchte. Wo das ist? Ich bin dabei es herauszufinden. Und möglicherweise ist das Schreiben in diesem Prozess, in dem ich mich gerade befinde, nicht nur mein Kompass, sondern auch mein Ziel oder zumindest ein Ziel.

Bestimmt spürt ihr ihn auch, den Wind der Veränderung, der hier weht. Im Moment weiß nicht genau, wie es hier nach der Sommerpause weitergehen wird. Sommerpause ist ein gutes Stichwort. Ich werde voraussichtlich bis Mitte August eine Auszeit vom Puppenmachen und Bloggen nehmen. Auszeit, ja. Raus aus gewohnten Zusammenhängen, Ansprüchen, Beziehungen und Pflichten. Eine Reise ins Innere. Natur und Weite. Reflektion und Meditation. Herzöffnung. Mutmachen für den kommenden Schritt. So oder so ähnlich. Meine Stimmung jetzt in den letzten Arbeitstagen vor meiner Auszeit schwankt von vorfreudig und neugierig bis ratlos und ängstlich. Ich bin sehr erschöpft und in meinem Kopf und Herzen ist eine große Unruhe. Ich weiß noch nicht, was ich vor allem in den nächsten beiden Wochen machen werde, so ganz für mich allein, ohne Arbeit, ohne Kind (das ist verreist), ohne Mann (der arbeitet). Meine Überschrift für die kommende Zeit ist Weite. Dafür werde ich vielleicht für den Anfang ein paar Orte hier in Berlin besuchen, die mir einen weiten Blick und damit hoffentlich auch weites Denken, mutiges Hinschauen und Fühlen und pures Sein erlauben. Ich denke da an das Flugfeld Tempelhof, den Fernsehturm und den Teufelsberg. Mehr Pläne habe ich noch nicht gemacht. Und das ist auch gut so. Es darf kommen, was möchte. Ich bin da.

Was ich im Juni toll fand: Lemon Curd, Michael Kiwanuka, Smoothies mit frischen statt tiefgekühlten Beeren, Kindheitssommererinnerungen, die ersten Pfirsiche und Aprikosen, Shorts, roter Lippenstift, Lauryn Hill, Risi Bisi, Hörbar Rust, üppige Pfingstrosen, selbstgemachte Grill-Sauce, Hitzegewitter, Erdbeeren satt, das erste Eis am Stiel, Wunderlied, Ringbahnfahrten und Kiezreisen, meine neuen Ombre Yoga Leggings von Purusha, Überraschungsbesuch von Totò an ihrem Geburtstag, Jasminduft, Ringelshirts, Eintauchen in die Highland Saga, den ganzen Sommer noch vor mir zu haben.

Worauf ich mich in der Sommerpause freue: Wieder nach Doro, Alpenglühen, Kirschen, mein Geburtstag, Sonne, Mohnblütenrot und Kornblumenblau, Blaubeerpfannkuchen, Pilze finden.

Noch etwas Organisatorisches, bis auf die Zeit des Urlaubs im Tessin werde ich per E-Mail erreichbar sein. Auch meine Webshops werden geöffnet sein.

Ihr Lieben, ich wünsche euch einen herrlichen Sommer und verabschiede mich mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Seid ganz lieb gegrüßt,


28. Juni 2012

Freitagspuppe Isla ~ Friday Doll Isla

It is the end of the month, another month full of Friday doll joy, a doll line that I first introduced in November 2011, when I, due to so many custom orders, decided to create one doll a week according to my own ideas and sell them in my shop on Fridays. The concept is successfull for both sides, for my customers who at the moment usually have to wait about one year for their custom dolls as well as for me as the artist who can live out her creativity and inspiration independent from customer requests. Summer is just around the corner and I want to announce that I will take a break from doll making and blogging presumably until mid August. So Isla and her little companion is the last Friday doll set for some weeks. Enjoy the both little rascals! They will be available tomorrow in the Mariengold Etsy Shop at 8 am central european time / 1 am central standard time. More pictures and information can be found in my Flickr photostream. This is not my summer goodbye. I will be back with a last blog post tomorrow, my friends.

Ihr Lieben, der Monat Juni neigt sich dem Ende zu. Es war ein weiterer Monat mit Freitagspuppen, einer Produktlinie, die ich im November 2011 eingeführt habe, als ich aufgrund der vielen, vielen Puppenaufträge  beschloss, wenigesten einmal in der Woche eine Puppe nach meinen Vorstellungen anzufertigen und sie freitags in meinem Webshop zu verkaufen. Das Konzept war von Anfang an erfolgreich, sowohl für meine Kunden, die zur Zeit normalerweise ein Jahr auf ihre Puppenbestellungen warten müssen, als auch für mich als Puppenmacherin, die so ihre Kreativität und Inspiration unabhängig von Kundenwünschen ausleben kann. Jetzt steht der Sommer vor der Tür und einige ahnen und wissen es schon, dass ich eine längere Pause vom Puppenmachen und Bloggen nehmen werde. Isla und ihre kleine Begleiterin werden also das letzte Freitagspuppenset voraussichtlich bis Mitte August sein. Habt Spaß mit den beiden kleinen Rackern!

Isla und ihre kleine Begleiterin werden morgen um 8 Uhr im Mariengold Etsy Shop erhältlich sein. Mehr Informationen und Bilder findet ihr in meinem Flickr Fotostream.

Das hier ist aber noch nicht mein Abschied vor der Sommerpause. Ich werde morgen mit einem vorerst letzten Blogeintrag für euch hier sein.

 


27. Juni 2012

Buchvorstellung: Das Herz der Puppe von Rafik Schami

– Die Gewinnerinnen der Buchverlosung sind Dorle, Marie Christine und Marina. Die Puppe Widu wird zu Mira reisen. Ich bedanken mich ganz herzlich bei allen TeilnehmerInnen. –

This spring the new children’s book by the Syrian-German author Rafik Schami was published. The name of the book is “Das Herz der Puppe”, which means “The Heart of the Doll” in English. Here in Germany the author is very famous. Some of his books are also available in English, but as far as I know this one has not been translated yet. The book is about a girl and her beloved doll and the question if dolls have a heart. I really love the book and I am happy to have the chance to raffle three copies which I was given by the publishing house. The book is in German, so it doesn’t probably make sense to take part in the drawing if you don’t understand this language. I was also inspired to create a doll like Widu, the doll in the book, whose most significant feature is the power to take away all the fear from her child when she is hold tight. The Mariengold Widu doll is 16 inch / 40 cm high. She has red tousled hair, a tiny nose, ears, big bright blue eyes and a bottom. She wears a simple blue dress of cotton velvet, a cream shirt and panties. The doll’s price is 150 Euro plus shipping. If you want to buy Widu, just send a message to kontakt@mariengold.net. I will draw and inform the buyer on Friday.

Es war an einem Sonntag im Frühjahr, als ich bei einem Bummel in der Akazienstraße in Berlin-Schöneberg das Buch “Das Herz der Puppe” von Rafik Schami entdeckte. Weil es Sonntag war, blieb mir nichts anderes übrigs, als meine Nase am Schaufenster des Buchladens platt zu drücken, um mir, so gut es eben ging, ein Bild zu machen. Mein Herz schlug natürlich bei dem Titel gleich ein paar Takte schneller und schon als ich das Cover aus der Ferne sah, spürte ich, dass es ein gutes Buch ist und dass es ganz viel mit meiner Arbeit als Puppenmacherin zu tun hat. Zwei Täge später begann ich mit der Lektüre.

Das Buch handelt von Nina und ihrer Puppe Widu, die sie auf dem Flohmarkt gefunden hat. Widu ist schon viele Kinderleben alt und hat bereits eine Menge gesehen und erlebt. Nina hat vor allem gerade einen Umzug erlebt und fühlt sich deshalb oft einsam und traurig. Da kommt Widu gerade recht. Sie kann sprechen, auf Ninas Zehen Flöte spielen, sie weiß ganz viel, kann Geschichten erzählen und Nina zum Lachen bringen. Aber das Beste ist, dass Widu Nina ihre Angst nehmen kann, wenn diese sie fest in den Arm nimmt. Mit Widu wird Nina endlich wieder fröhlich. Gemeinsam spielen sie die tollsten Sachen. Die Puppe erklärt Nina die Welt und steht ihr mit Rat und Tat, Humor und Liebe zur Seite. Nina und Widu haben sich sehr gern. So gern, dass Widu manchmal nachts, wenn Nina schon schläft, ganz nachdenklich wird und sich zu wünschen beginnt, selbst ein Mensch zu sein, wie Nina, mit einem Herzen. Puppen haben aber kein Herz und Widu glaubt, dass das auch gut so ist. Doch spätestens als Nina krank wird, entdeckt sie ihre Gefühle für das kleine Mädchen. Wird die Puppe sich nun doch für ein Herz entscheiden?

“Lag es an diesem besonders sympathischen Mädchen allein, oder lag es auch an ihr? Wünschte sie sich etwas, was sich noch keine Puppe zu wünschen gewagt hatte? Wünschte sie sich etwa – ein Herz? Um Himmels willen, was dachte sie da bloß? Widu lächelte über ihre eigenen Gedanken. Eine Puppe mit Herz? Nein, das kam überhaupt nicht in Frage! Dann würde sie ja älter werden müssen und am Ende noch sterben. Nein, ein Herz war Widu zu gefährlich. Aber vielleicht konnte eine Puppe ja auch ohne Herz fühlen? Ach, das wäre göttlich, dachte Widu, und bald darauf schlief sie lächelnd ein.”

Bestsellerautor Rafik Schami greift in diesem Buch die einfache und alte Frage nach der Seele von eigentlich leblosen Dingen wie Puppen und Kuscheltieren auf. Das Buch erzählt von der tiefen Freundschaft eines kleinen Mädchens zu seiner Puppe, von der Kraft der Liebe, von Angst und Mut, von Einsamkeit und Verlust, von Miteinander und Verbundenheit, von Krankheit und Tod. Die Geschichte wird in vielen kurzen, nicht zusammenhängenden Kapiteln erzählt, mal locker und humorvoll, mal berührend und ergreifend, mal philosophisch und tiefsinnig. Die Sprache des Autors ist poetisch und humorvoll, sensibel und klug, voller Bilder, Kraft und Wärme. Kinder und Erwachsene mit vielen Fragen an die Welt, das Leben und ihren Platz darin finden in diesem Buch ungewöhnliche Antworten, aber auch Halt und Trost sowie die Ermutigung, sich ganz lange das Kindsein zu bewahren.

“Solange du Raureif und Tau für ein Wunder hältst und jeden Vollmond anschaust, als stünde er zum ersten Mal am Himmel, solange du über jede Blume staunst und jeden Schmetterling und jeden Stern als einzigartiges Wunder betrachtest – so lange bleibst du ein Kind”, erklärte Widu.”

Mit der Frage nach dem Herz der Puppen beschäftige auch ich als Puppenmacherin mich seit einigen Jahren. Aus diesem Grund hat mich wohl auch das Buch auf den ersten Blick angesprochen. Ich war sehr gespannt auf die Antworten des Autors. Diese passen ganz gut zu meiner eigenen Sichtweise und haben darüber hinaus für mich den Raum auch noch geweitet. Das Puppenmachen sehe ich mittlerweile ganz pragmatisch. Zu Beginn meiner Arbeit als Puppenmacherin glaubte ich fest daran, dass ich ganz viel von mir selbst in die Puppen hineingebe und sie dadurch beseele oder zum Leben erwecke und dass vor allem das ihre Qualität ausmacht. Wie genau das funktionieren sollte, konnte ich mir selbst nie wirklich erklären, aber es machte dennoch Sinn und gab mir Halt. Irgendwann stimmte das Bild nicht mehr für mich. Ich wollte nichts mehr von mir irgendwo hineingeben, weggeben. Meine Essenz, mein Inneres sollte bei mir bleiben, ich wollte ganz bleiben. Es war gewissermaßen ein Schritt der Trennung. Ich bin ihn schon vor einigen Jahren gegangen und er hat mir und meiner Arbeit sehr gut getan.

Heute gebe ich mein Bestes, einfach schöne, gut verarbeitete und stabile Puppen herzustellen, die Gefühle wecken und Freude machen. Denn ich weiß, dass nicht ich es bin, die die Puppen beseelt, sondern ihre Gegenüber, die Kinder. Puppen sind wie Spiegel. Im Spiel mit den Puppen finden die Kinder sich selbst, ihre eigene Seele und kommen in Kontakt mit ihren Herzen. Puppen selbst haben kein Herz. Es sind die Herzen der Kinder, die die Puppen zum Leben erwecken, sie am Leben erhalten und sie in diesem Sinne schließlich auch sterben lassen, wenn die Kindheit und die Zeit des Spielens vorbei ist. Rafik Schamis Buch lässt die kleinen und großen Leser ein Gefühl für die eigene Kindheit und für ihre Nähe oder Entfernung zum Reich der Erwachsenen bekommen. Ganz gleich wo wir uns befinden, es ist gut so, wie es ist. Alles hat seine Zeit.

Der Carl Hanser Verlag in München hat mir freundlicherweise drei Exemplare des Buches für eine Verlosung zur Verfügung gestellt. Wenn ihr eines haben möchtet, schreibt mir bis Donnerstag Nacht ein E-Mail an kontakt@mariengold.net. Die Gewinner werde ich am Freitag auslosen und benachrichtigen.

Das wunderbare Buch hat mich auch inspiriert, eine Puppe nach dem Vorbild von Widu herzustellen. Dafür habe ich die Illustrationen von Kathrin Schärer gründlich untersucht und auch in der Geschichte nach Anhaltspunkten gesucht. Was ich an Äußerlichkeiten gefunden habe, waren rotes Strubbelhaar, große blaue Augen, Ohren, Nase und ein einfaches blaues Kleid. Als wichtigste Eigenschaften von Widu als Charakter habe ich versucht, ihren Schalk und ihren Humor sowie ihre Stärke und ihr Selbstbewusstsein herauszuarbeiten. Und natürlich hoffe ich, dass auch meine Widu die Fähigkeit besitzt, die Angst ihres Kindes einfach verschwinden zu lassen, wenn es sie fest in den Arm nimmt.

Wenn ihr Widu kaufen möchtet, schreibt mir ebenfalls bis Donnerstag Nacht ein E-Mail an kontakt@mariengold.net. Widu ist 40 cm groß und trägt außer ihrem Kleidchen aus blauem Baumwollnicki ein weißes Shirt und eine Unterhose. Sie hat marzipanfarbene Haut, rotes Strubbelhaar, Ohren, ein kleines Stupsnäschen, große, leuchtend blaue Augen und einen Po. Der Preis für Widu beträgt 150 Euro plus Versand. Widu bringt natürlich auch ihr Buch mit zu ihrer Familie, eines das ich unabhängig von der Verlosung aus meinem eigenen Vorrat weitergebe, den ich mir für alle möglichen Verschenk-Gelegenheiten angelegt habe. Aus allen Interessenten für die Puppe Widu werde ich am Freitag einen Käufer auslosen und benachrichtigen.

Ich wünsche euch viel, viel Glück für die beiden Verlosungen!

 

 


26. Juni 2012

Jakob und Lino und freche Puppen ~ Jakob and Lino and cheeky Dolls

Meet Lino, a ready to go doll for my Etsy shop, and Jakob, a custom doll whose orderer wanted him to look cheeky. After I sent her pictures of the doll we talked about cheekiness and what we intend with cheeky dolls. It was an interesting exchange of ideas and I concluded for myself once again that dolls are a mirror of the soul. Maybe with our desire for cheeky dolls we especially give voice to our own need for more cheekiness in our life in terms of being braver and daring more. We concede this to our children and even want to strengthen this aspect of their personality when giving them cheeky looking dolls. For us adults it could be intersting and salutary to ask ourselves, what cheekiness means to us personally, what we maybe in this regard miss in our live and how we could get it back.

Frech sollte Jakob auf Wunsch meiner Kundin eigentlich werden. Als ich ihr Bilder ihrer Puppe schickte, entspann sich eine Autausch zum Thema, den ich hier in Auszügen teilen möchte:

Maria: “Das mit dem frechen Ausdruck wird in diesem Puppenmacherleben, glaube ich, nichts mehr. Tatsächlich habe ich echt ein Thema mit frechen Puppen, denn es war von Anfang an meine Absicht, frech-verschmitzte Puppengesichter zu gestalten, aber das ist mir nie gelungen. Irgendwann recht zu Beginn meiner Selbständigkeit habe ich mich darüber mit meinem Mann ausgetauscht und er sagte, meine Puppen würden so lieb und schüchtern aussehen, weil ich es selbst auch bin. Ich glaube, da hat er Recht. Ich selbst empfinde mich nicht als frech und glaube daran, dass wir nur das in die Welt bringen können, was wir in uns tragen. Was nicht heißt, dass ich diesen Aspekt meiner Persönlichkeit, der ja früher mal da war, nicht wieder stärken könnte. Aber noch soll es wohl nicht sein.”

Kundin: “Du hast recht mit dem was du zu “frech” schreibst und ich werde beobachten , ob sich deine Puppen verändern.“

Maria: “Ich habe mich gestern noch sehr mit dem Thema “Freche Puppen” beschäftigt und bin ganz dankbar für den Denkanstoß, den du mir da unbewusst gegeben hast. Im Moment gehe ich der Frage nach, was eigentlich genau “frech” bedeutet.”

Kundin: “Ja, was ist “frech” eigentlich?  Von vielen wird das sicherlich als etwas eher negatives angesehen, zumindest mußte ich in der 5. Klasse einen Aufsatz schreiben “Warum ich nicht so frech sein soll”. Irgendwie hat es auch etwas mit einer gewissen Schlagfertigkeit, die vielleicht entlarvend sein kann und häufiger auch als respektlos angesehen wird, zu tun. Für mich aber auch mit einer gewissen Form von Vertrauen, “freche Bemerkungen” mache zumindest ich nur dann wenn es eine Vertrauensebene gibt. Ich selber würde mich auch nicht als frech bezeichnen, es ist allenfalls eine einzelne Facette, die es neben vielen anderen gibt und in ganz vielen Situationen überhaupt nicht vorkommt. Bei kleinen Kindern verbinde ich mit dem Begriff einen wachen Blick, vielleicht eine gewisse Unerschrockenheit und Neugierde. Gar nicht so einfach…”

Maria: “Ja, genau darüber habe ich in den letzten Tagen auch nachgedacht, nämlich dass “frech” in der Regel wohl eher negativ assoziiert wird. Ich habe mich auch gefragt, was für mich “frech” ist und da kommen mir ganz ähnliche Ideen wie dir: ein Blitzen in den Augen, überraschende Ideen, ein eigener Kopf, das eigene Ding machen, auch mal anecken, Spaß und Lust haben am Leben, am Wilden. Vor allem habe ich erkannt, dass das alles Dinge sind, die mir im Alltag im Grunde fehlen. Als kleines Mädchen hatte ich es auch faustdick hinter den Ohren, wie man so schön sagt, aber ich wurde im Laufe der Zeit immer angepasster und braver. Heute faszinieren mich sogenannte freche Kinder, vor allem freche, erwachsene Kinder. Ich kenne da ein paar. Bei denen fühlt sich mein jüngeres, kindliches Ich ganz lebendig. Und dann traut sich die kleine Maria auch mal wieder raus und spürt, dass es eigentlich keinen Grund gibt sich zu verstecken.”

Kundin: “Gestern ist das Paket endlich angekommen und abends hatte ich dann endlich Zeit einen Blick hineinzuwerfen. Wunderschön ist er geworden, der Puppenjunge, und saß im Sessel im Wohnzimmer als hätte er nie woanders gesessen! Er paßt also bestens zu uns und ich bin gespannt wie mein Sohn mit ihm umgehen wird. (…) Dir wünsche ich ganz gute Besserung weiterhin und dazu vielleicht noch ein bißchen freche und mutige Entscheidungsfreude.”

Als neulich auch in einem Puppennähkurs, den ich selbst besuchte, die Mehrheit der Frauen den Wunsch äußerte, ihre Puppen sollten frech aussehen, was immer das bedeutet, ist mir einmal mehr bewusst geworden, dass Puppen ein Spiegel der Seele sind. Möglicherweise verleihen wir mit unserem Wunsch nach frechen Puppen vor allem unserem eigenen Bedürfnis nach mehr Frechsein Ausdruck im Sinne von, dass wir uns mehr trauen und mutiger sein möchten. Unseren Kindern gestehen wir das zu und wollen diesen Aspekt ihrer Persönlichkeit mit frech aussehenden Puppen sogar noch stärken. Ein Impuls für uns Erwachsene könnte sein, uns zu fragen, was uns persönlich Frechsein bedeutet, was wir vielleicht in dieser Hinsicht an uns selbst vermissen und wie wir uns das in unser Leben (zurück-)holen können.


25. Juni 2012

Anleitungsbesprechung: Kiki in the Meadow von Fröken Skicklig

It took me nearly half a year, but finally she is done, my Kiki, also known as Kiki in the Meadow, a doll Juliane from Fröken Skicklig designed for the Handmade Living Magazine last year. During the weeks and months before the tutorial was published, Juliane and I were talking a lot about the conception and development of Kiki. Whenever Juliane told me about the project, her eyes were shining and in her voice there was enthusiusm and delight, which caught me soon as well. Little by little I got to know Kiki’s story, her character and particular being, her everday life, her likings and her plans for the future. The little girl grew dear to me quickly and I wanted to make my own Kiki as soon as the pattern would be published. Now that I have finally completed the doll, I am totally in love with Kiki, who by the way is now in the hands of my little daughter. Kiki is a lusty, little creature who is just fun and awakens feelings. She has a fresh and bright charisma, a powerful and facing attitude, a whimsical smile and an open look. Kiki radiates love of adventure, curiosity about life and self-confidence and can certainly strengthen these aspects in her counterpart as well. I had the chance to follow the doll design process a little bit behind the scenes. Against the background of Juliane’s profession as a puppetry artist, I found it especially interesting to see how careful she developed Kiki as a character and implemented her conceptual considerations in the design itself. The traditional techniques of waldorf doll making are the basis of the tutorial, but Juliane also went after a fresh look and tried out new design possibilities. And so Kiki’s hair with the cute little buns is made of a wool felt wig and her shining eyes are beads which reflect the light and make the dolls eyes look very lively. Kiki also has ears, which at least at the time of her development was something really new about cloth dolls of this kind. With the big hands and feet and the dimples on knees and elbows, Juliane furthermore added some typical features of her Fröken Skicklig dolls and assured a good recognition of her design. Kiki’s tutorial is very well done and I can highly recommend it both for beginner and advanced doll makers. Currently Juliane is working on a complete book about Kiki with an updated and even more detailed tutorial and more DIY projects for clothes and accessory for the doll. On her website you can subscribe to her newsletter and find out when the book will be available.

Letzten Freitag war ja der Geburtstag meiner Tochter. Ich habe diesen besonderen Tag zum Anlaß genommen, endlich ein Projekt zu abzuschließen, das ich schon in den Ferien zwischen den Jahren 2011/12 begonnen hatte, nämlich Kiki, auch bekannt als Kiki in the Meadow, eine Puppe, die Juliane von Fröken Skicklig im letzten Jahr für die Zeitschrift Handmade Living entworfen hat.

Über die Konzeption und Entstehung von Kiki habe ich in den Wochen und Monaten vor Erscheinen der Anleitung viel mit Juliane gesprochen. Wann immer Juliane von Kiki erzählte, leuchteten ihre Augen und in ihrer Stimme schwangen Begeisterung und Entzücken mit, die auch mich schnell ergriffen. Nach und nach lernte ich Kikis Geschichte, ihren Charakter und ihre Eigenheiten, ihren Alltag, ihre Vorlieben und ihre Zukunftspläne kennen. Und so wuchs die Kleine mir richtig ans Herz, so dass es mein fester Wunsch und Wille war, auch eine Kiki zu nähen, sobald die Anleitung veröffentlicht sein würde. Es war dann ein bischen wie früher als Teenager, als ich jeden Monat dem Erscheinen meiner Lieblingszeitschriften entgegenfieberte. Jede der vier Ausgaben der Handmade Living wurde also vorfreudig erwartet, die einzelnen Anleitungsteile ausgedruckt und das Ganze zum Schluss sogar noch schön gebunden (auch das erinnerte mich übrigens an früher, als ich immer die ordentlichsten Schulsachen hatte).

Nach und nach suchte ich mir das Bastelmaterial für Kiki zusammen, wobei ich nur schokoladenbraunen Wollfilz für das Haar und kleine, schwarze Perlen für die Augen kaufen musste, alles weitere befand sich ja in meinem Vorrat. Also konnte es endlich losgehen! Inzwischen war auch meine kleine Tochter ein großer Fan von Kiki geworden und freute sich sehr darauf, die Puppe endlich zum Leben erwachen zu sehen. Aber dann sollten doch noch Wochen, sogar Monate vergehen, bis ich mit der Arbeit beginnen und sie schließlich vollenden würde. Die ersten Arbeitsschritte verfolgte meine Tochter noch mit, bis das Projekt zwischen Winter und Sommer in den Dornröschenschlaf fiel. Als es auf den Juni zuging, nutzte ich die Kraft meines Mutterherzens und die Vorfreude auf den Geburtstag und brachte Kiki in drei knackigen Abendschichten zum Abschluß.

Und was soll ich sagen? Ich bin schwer verliebt! Kiki ist ein kerniges, kleines Wesen, das Spaß macht und Gefühle weckt. Sie hat eine frische und fröhliche Ausstrahlung, eine kraftvolle und zugewandte Haltung, ein verschmitztes Lächeln und einen offenen Blick. Kiki strahlt Abenteuerlust, Neugier auf das Leben und Selbstvertrauen aus und kann diese Aspekte gewiss auch in ihrem Gegenüber stärken.

Den Puppenentwurfsprozess konnte ich ja ein bischen hinter den Kulissen verfolgen. Vor dem Hintergrund von Julianes Profession als Puppenspielkünstlerin, fand ich dabei besonders interessant zu sehen, wie sorgfältig sie Kiki als Charakter erarbeitete und anschließend ihre konzeptionellen Überlegungen bildkünstlerisch, gestalterisch und handwerklich im Puppenentwurf umsetzte. Dabei baute sie zwar auf den traditionellen Techniken zur Herstellung von Stoffpuppen auf, wie sie auch in den klassischen Waldorfbastelbüchern vermittelt werden, jedoch bemühte sie sich besonders um einen frischen Ausdruck und probierte ganz neue Gestaltungsmöglichkeiten aus. So entsteht Kikis Haarschopf mit den süßen Schnecken aus einer Wollfilzperücke und ihre strahlenden Augen sind Perlen, die das Licht spiegeln und so ganz lebendig wirken. Kiki hat auch Ohren, was zumindest zum Zeitpunkt ihrer Entstehung noch etwas ganz Neues an Stoffpuppen dieser Art war. Mit den besonders großen Händen und Füßen und den Grübchen an Knien und Ellenbogen hat Juliane Kiki außerdem ein paar typische Merkmale ihrer Fröken Skicklig Puppen gegeben und damit auch für eine gute Wiedererkennung ihres Entwurfs gesorgt.

Die Schritt-für-Schritt-Foto-Anleitung für Kikis Herstellung ist inhaltlich sehr gut und auch gestalterisch schön und gelungen umgesetzt. Sie spiegelt Julianes genaue und sorgfältige Arbeitsweise und geht auf jedes Detail ein. Sowohl für Einsteiger als auch für fortgeschrittene und professionelle Puppenmacherinnen gibt es viel zu lernen und zu erfahren. Bewährte Techniken können erweitert und verfeinert und neue Möglichkeiten ausprobiert werden. Gewiss ist auch die ein oder andere Herausforderung zu meistern, was vielleicht auch dazu einlädt, eigene Lösungen zu finden.

Juliane arbeitet zur Zeit an einem kompletten Buch für Kiki mit einer aktualisierten und noch genaueren Anleitung und mehr DIY-Projekten für Kleidung und Zubehör für die Puppe. Auf ihrer Website könnt ihr den Fröken Skicklig Newsletter abonnieren und erfahren, wann das Buch erhältlich ist.

Mit Laura von 1000 Rehe haben jetzt schon zwei Frauen richtig gute Anleitungen zum Puppenmachen mit innovativen Techniken und einem ganz frischen Touch veröffentlicht. Als professionelle Puppenmacherin kenne ich die Fachliteratur gut und frage mich schon seit Jahren, warum die Verlage die Entwicklungen in der Handmade Szene verschlafen und die Chancen des Marktes ungenutzt lassen. Umso mehr freue ich mich darüber, dass es mit der digitalen Technik und den Verkaufsplätzen im Internet möglich ist, dass Kreative die Vermarktung ihrer Arbeit selbst in die Hand nehmen und Projekte jeder Art frei und auf immer neuen Wegen verwirklichen können.