31. Januar 2012

Goodbye Januar ~ Goodbye January

January says Goodbye here in Berlin with a tender snow cover, bright sunshine and clanking cold. I was longing for snow for so long and my first breath in the wintry white landscape was so enchanting, refreshing and tonic, that I hope there will be much more snow, so that I can really dive into winter silence and the warmth of my nest. My January was all about being at home, coziness and recovering. Although I felt quite exhausted and tired, I started my work right after the change of the years, which was a true challenge, because sometimes I really worked against what my body and soul were longing for, which of course made me even more tired and unsatisfied. My main theme in January was structure in all its forms of appearance, both energetic and physical. Working with this theme (making lists, arranging and rearranging things, clearing my pinboard, going to IKEA, transcribing birthdays into my new calendar, creating a customer list, cleaning my studio, making an index for my fabrics and so on) helped me to avoid my real work, which really made me laugh sometimes. But one fine day I found my old working rhythm back and now I feel much better and balanced. I expected to dream big and wild and make plans and visions for this year in January, but I didn’t have the energy and muse. It just wasn’t the time. Maybe in February?

Der Januar verabschiedet sich in Berlin mit einer hauchdünnen Schneedecke, strahlendem Sonnenschein und klirrender Kälte. Schnee habe ich mir von Herzen gewünscht und mein erster Atemzug in der winterweißen Landschaft war so verzaubernd, erfrischend und belebend, dass ich hoffe, dass noch viel mehr Schnee fällt und ich doch noch so richtig eintauchen kann in Winterstille und Nestwärme.

Die Wärme und Gemütlichkeit meiner Wohnung habe ich in diesem Monat sehr genossen und ausgekostet. So richtig nach draußen oder in andere Nester gezogen hat es mich nicht. Meine Seerunde bin ich viel seltener als sonst gelaufen. Und ich war nur zwei Mal mit Freundinnen verabredet. Nach wie vor bin ich an den Wochenenden offline und arbeite nicht, so dass ich es allmählich lerne und immer mehr zu schätzen weiß, den Vormittag im Schlafanzug zu verbringen, auszuschlafen, Mittagsschlaf zu machen und früh ins Bett zu gehen, stundenlang auf dem Sofa zu liegen, zu lesen und sogar wieder einfach so aus Spaß zu stricken, ausgiebig zu kochen und Fünfe grade sein zu lassen.

Ich habe in diesem Monat, vor allem in der ersten Hälfte, ganz deutlich gespürt, dass ich Ruhe und Zeit brauche, um neue Energie zu tanken. Da die Schule meiner Tochter direkt nach Neujahr wieder losging, habe auch ich mir keinen Tag länger Urlaub gegönnt und bin direkt nach den Feiertagen wieder in den Mariengold Werkstattalltag gestartet. Das hat mich viel Kraft gekostet, denn ich habe an vielen Tagen gegen mein Bedürfnis nach Erholung gearbeitet, was mich natürlich zunehmend müde und unzufrieden gemacht hat. Irgendwann war ich aber wieder gut in meinem Rhythmus, die Arbeit ging mir fließender von der Hand und ich wurde ausgeglichener. Dazu haben die Wochenenden sehr beigetragen, ohne viele Termine, dafür einmal mit Hund. Das war eine ganz tolle Zeit! Ein Tier bringt so viel Spaß, Bewegung und Liebe in den Familienalltag. Was haben wir gelacht und wie sehnen wir uns jetzt nach Totò, der hoffentlich bald wieder einmal ein paar Tage bei uns sein wird.

Mein wichtigstes Thema im Januar war Struktur. Die ersten beiden Wochen des Monats habe ich mit Sortieren, Räumen, Säubern, Sichten, Ordnen, Beschriften, Umräumen, Sammeln, Planen und Ausmisten verbracht. Ich habe meine Stoffe sortiert und sauber im Regal geordnet. Ich habe Listen für alles mögliche angelegt. Ich habe meine Pinnwand einmal komplett geräumt. Ich habe Geburtstage in meinen Kalender übertragen. Ich habe endlich eine ordentliche Kunden-/Warteliste erstellt. Ich war bei IKEA. Ich habe mir eine Art Stoffkartei angelegt. Ja, zuweilen hat das ganze bizarre Züge angenommen. Dann musste ich auch über mich selbst lachen, denn oft habe ich gemerkt, dass mein Strukturwahn mein Verbündeter im Vermeiden der eigentlichen Puppemacherei ist. Aber gut, das war einfach nötig und ich habe es mit mit Humor genommen. Irgendwann war das auch vorbei und jetzt bin ich wieder ganz bei der Sache, wenn ich arbeite.

Was ich nicht oder viel weniger gemacht habe als gedacht, war großes Träumen, Ausspinnen, Visionieren und Planen. Es gibt zwar einige Themen, denen ich mich gern in den letzten Wochen gewidmet hätte, jedoch habe ich dafür keine Energie aufbringen können. Lediglich das kreative Briefing für meine neue Internetseite habe ich geschrieben. Joy, von der auch mein aktuelles Webdesign stammt, hat mir ihre Zusage für eine erneute Zusammenarbeit gegeben und ich freue mich, dass wir unsere Zusammenarbeit noch in diesem Monat begonnen haben. Alle anderen kleinen und großen Zukunftsprojekte und Pläne habe ich erst einmal gut sein lassen. Alles hat seine Zeit.

Was mir im Januar Spaß gemacht hat: Smoothies in allen Farben, am liebsten mit Beeren, Klezmer, Luisa Francias “Schatzhüterin”, noch mehr Astrid Lindgren, The Voice of Germany, Sesamsauce, die Akkorde a-Moll und G-Dur in allen möglichen Kombinationen und dazu Singen, “Schloss aus Glas” von Jeannette Walls, Kaugummi, Strickgarn mit tollen Farbverläufen, Clowns und Ringelstulpen.

Was im Februar kommt: Anna Ternheim im Babylon Berlin-Mitte, Hyazinthen, “Ein ungezähmtes Leben” von Jeannette Walls, der Beginn der Stoffmarktsaison und endlich nach fünf Jahren oder so Ramona treffen.

Ich freue mich drauf und wünsche euch einen guten Januarausklang.


26. Januar 2012

Geschichten fürs Herz ~ Stories for the Heart

As a dollmaker I also collect little stories about Mariengold dolls. They are for example about a doll who accompanied a little boy on his healing journey, about a woman who, before she died, gave her daughter a doll for her grand-children who she would never get to know and about two dolls that I will create next week who will accompany the two little girls of a young family from Berlin that will hit the road for a big journey around the world to find the place where they want to live. I treasure all these stories because they confirm my feeling, that every doll has its child and that there is a connection between the two long before they really meet. Every doll has a reason, a mission, each and every handle and design decision in the process of making a doll has a sense and is part of the big picture, of whom I am a part as well. We all have our stories and all our stories are interweaved, just like we are all connected with each other with our hearts. I thank all the people who share their dolls stories with me and who allow me to be a part of them.

Als Puppenmacherin sammle ich auch kleine Geschichten und Anekdoten rund um die Mariengold Puppen. Drei davon erzähle ich euch heute.

Beginnen möchte ich mit der Geschichte von Hans-Gaspards Puppe, die ich schon vor einiger Zeit genäht habe, als der Kleine noch nicht einmal ein Jahr alt war. Sie war eine meiner ersten, wenn nicht sogar die erste Puppe mit runden Augen. Der Kontakt mit Hans-Gaspards Mama war von Anfang an vertraut und warm und mein Herz war ganz offen für die kleine Familie, die gerade aus Frankreich nach Deutschland gezogen war. Der Papa arbeitete viel und die Mama, eine Französin, ganz neu in Deutschland fern von ihrer Familie und ihren Freunden, war die meiste Zeit allein mit dem Kleinen. Die Puppe sollte ihn auch über die häufige arbeitsbedingte Abwesenheit des Papas hinwegtrösten. Aber sie sollte noch etwas ganz anderes für ihn tun, was  damals keiner von uns ahnen konnte. Viele Monate nachdem Hans-Gaspard seine Puppe bekomme hatte, erhielt ich wieder ein Lebenszeichen von seiner Mama. Sie erzählte mir, dass bei ihrem Sohn kurz nach unserem letzten Kontakt eine schwere Krankheit diagnostiziert wurde, die zwar nicht lebensbedrohlich ist, jedoch das Leben der Familie sehr veränderte. Die Puppe war von nun Hans-Gaspards Begleiter auf seiner Heilungsreise. Sie war stets bei ihm und erleichterte zahlreiche Bluttests, Behandlungen und Medikamenteneinnahmen. Heute geht es dem Kleinen viel besser. Einen Namen hat er für seine Puppe noch nicht, aber er liebt es mit ihr zu spielen und zu tanzen und sie zu liebkosen. Zu Weihnachten erhielt ich von Hans-Gaspards Mama eine ganz liebe Karte mit einer Illustration von ihrem Sohn mit seiner Puppe. Ich war so bewegt und habe mich unheimlich gefreut. Die Karte werde ich für immer in meiner Mariengold Schatzkiste aufbewahren.

Eine andere Geschichte, die mich noch heute zu Tränen rührt, ist die einer Paika, wie ich sie zu Beginn meiner Puppenmacherei einige Male genäht habe. Im Herbst letzten Jahres erhielt ich eine Anfrage aus Irland von einer deutschen Mama für zwei Puppen für ihre Kinder. Die Kinder hatten sich in die Puppe ihres Au Pairs, die Tochter einer guten Freundin der Mama, verliebt. Die Freundin war vor einiger Zeit gestorben und hatte ihrer Tochter eine Mariengold Puppe hinterlassen für die Enkel, die sie nie kennenlernen würde. Es stellte sich heraus, dass es sich bei der Puppe um eine Paika handelte. Ich habe damals auch ein paar Worte dazu geschrieben, welche Bedeutung Paika und der Film Whale Rider für mich hat. Und als ich im Herbst diese kleine Geschichte erfuhr mit der Bitte, zwei Puppen für die Kinder zu nähen, die sich so sehr in die kleine Paika verliebt haben, hat sich für mich ein Kreis geschlossen, und ich bin gespannt, wie die Geschichte weitergeht.

Die Geschichte der nächsten beiden Puppen beginnt gerade erst. Es wird die Geschichte einer jungen Familie aus Berlin sein, die mit ihren Töchtern auf eine große Reise geht, um den Ort zu finden, an dem sie leben möchte. Die beiden Mädchen werden bei diesem Abenteuer von zwei Mariengold Puppen begleitet werden. Wohin die Reise gehen wird? Vielleicht erfahre werde ich es irgendwann. Aber erst einmal werde ich im Februar die beiden Begleiterpuppen nähen und dabei bestimmt auch selbst ein bischen träumen von den vielen schönen Flecken unserer Erde.

Wann immer ich solche Geschichten höre, bestärken sie mich in meinem Gefühl, dass es für jede Puppe, die in meiner Werkstatt entsteht, ein Kind gibt, und dass diese Verbindung schon vor der eigentlichen Begegnung besteht. Jede Puppe hat ein Anliegen. Jeder Handgriff und jede Gestaltungsentscheidung der Puppenmacherin hat einen Sinn und ist Teil eines großen Ganzen, von dem auch ich ein Teil bin. Jede Puppe hat eine Geschichte mit seinem Kind und auch ich als Puppenmacherin und die Eltern, die die Puppen bei mir in Auftrag geben, haben eine Geschichte mit der Puppe. Und die Geschichten sind miteinander verwoben, so wie wir alle über unsere Herzen miteinander verbunden sind. Ich freue mich, wenn ich diese Geschichten erfahre, wenn mir Eltern schreiben oder ich selbst Beobachtungen machen kann. Aber auch ohne dass die Geschichten direkt erzählt werden, spüre ich sie alle in meinem Herzen, weil ich von Beginn meiner Puppenmacherei offen war für die Bedeutung meiner Arbeit auf allen Ebenen.

Ich danke allen Menschen, die ihre Puppengeschichten mit mir teilen, und dafür dass sie mir erlauben, ein Teil dieser Geschichten zu sein.


20. Januar 2012

Freitagspuppe Piet ~ Friday Doll Piet

It is the time of the week to introduce you to my friday ready to go doll. His name is Piet and his blue eyes are shining in pleasant anticipation of his child. Piet plus a second outfit will be available in my Etsy shop today at 6 pm central european time.

Es ist wieder Freitag und ich freue mich, euch meine heutige Freitagspuppe für den freien Verkauf vorzustellen. Nachdem es noch vor ein paar Tagen herrlich sonnig und freundlich und am Montag sogar schneehell hier in Berlin war, zeigt sich das Wetter gestern und heute wieder von seiner schmuddeligen und nass-grauen Seite, was sich leider auch auf meine Puppenbilder auswirkt. Ich versuche mein Bestes, um euch einen möglichst natürlichen Eindruck von den Farben zu geben.

Piets Augen leuchten aus Vorfreude auf sein Kind!

Piet ist heute Abend um 18 Uhr in meinem Mariengold Laden bei Etsy erhältlich.

Sonnig möge auch euer Wochenende sein! Ich freue mich ganz besonders auf die nächsten Tage, weil wir einen Hund zur Pflege haben werden, sehr zur Freude meiner kleinen Tochter, und weil ich morgen mit einer lieben Freundin zum Konzert von Riva, dem musikalischen Projekt meiner Gitarrenlehrerin, gehen werde. Wer Lust auf einen schönen Abend mit spirituellen Liedern und Mantren für Herz und Seele hat: Das Konzert findet um 19.30 Uhr im Activity in der Akazienstraße 27 in Berlin-Schöneberg statt.


18. Januar 2012

Stricken ohne Tränen ~ Knitting without Tears

A few days ago, after a very long period of thinking about this question, I decided to take extra charges for my knitted doll clothes. I knit for my dolls ever since I am a dollmaker. I love knitting, I love yarn, I love soft textures and nice patterns, I love the sweet rhythm of knit and purl stitches and the songs of my knitting needles. But to be honest, I am tired of knitting so much for my work. Many of you, especially the people on my waiting list, know how many orders there are in the queue in the next months and how much I sometimes struggle to fulfill all the wishes. Knitting is the part of my work, that takes the most time and patience and that can hardly be paid for adequately. But knitting is also a good way to balance all the other handles that are necessary to create a beautiful doll. Plus I absolutely don’t want to give up knitted garments for Mariengold dolls. So what to do? At first, over one year ago, I got the support of a friendly knitter, who helps me out with my knitting orders. But in the last weeks I realized that I still have too much to knit, so that often I have to work during my free time, which I don’t want to do anymore. So I decided on extra charges for knitted garments, that can be found in English language and US Dollars here. It is the attempt to adjust the demand for elaborate knit pieces by pricing with the wish for less big knitting orders and comfortable prices for my needlework that I feel good with. I am curious how this will affect my knitting time and my attitude towards knitting for work. I hope for more free time especially in the evenings to spend with my guitar rather than knitting needles.

Was mag sich wohl unter der heutigen, zugegebenermaßen etwas dramatischen Überschrift verbergen?! Ich habe vor ein paar Tagen eine Entscheidung getroffen, die mich bestimmt über ein Jahr beschäftigt hat. Mal mehr und mal weniger. Ich habe mich wirklich ganz schön gerieben an dem Thema, deshalb möchte ich dazu ein paar Gedanken aufschreiben.

Als ich mit dem Puppenmachen angefangen habe, konnte ich überhaupt nicht nähen. Ich hatte noch nicht einmal eine Nähmaschine, bis mir eine Freundin eine alte Maschine aus einem Dachbodenfund schenkte. Bis dahin habe ich die Puppenteile in einer kleinen Änderungsschneiderei in meiner Nachbarschaft nähen lassen. Die Puppen selbst habe ich am Anfang komplett eingestrickt, bis ich soweit war, ganz einfache kleine Kleidungsstücke mit der Nähmaschine zu nähen. Ich habe immer gern, viel und gut gestrickt und verfügte, im Gegensatz zu meinen zunächst geringen Nähkünsten, beim Stricken über einen großen Gestaltungspielraum, der mir stets ermöglichte, meine Ideen relativ schnell, einfach und schön umzusetzen. Das Nähen mit der Maschine ging mit der Zeit immer besser, so dass ich auch hier bald meine Vorstellungen und Entwürfe gut verwirklichen konnte. Dem Stricken blieb ich weiterhin treu. Und so wurde die Kombination aus genähten und gestrickten Kleidungsstücken allmählich zu einer Art Markenzeichen für Mariengold Puppen. Anfangs genoss ich das Stricken als willkommene, gleichförmige Abwechslung zur schnellen und lauten Nähmaschine und als rhythmischen Ausgleich für die flinken und vielseitigen Handgriffe, die beim Puppenmachen nötig sind. Beim Stricken konnte ich immer ganz gut abschalten und es gelang mir lange Zeit, es gut in meinen Werkstattalltag zu integrieren.

Mit zunehmender Auftragszahl, spätestens seit dem Sommer 2010, wurde das Stricken jedoch langsam anstrengend und sogar zum Stress. Während das Nähen mir immer recht leicht und schnell von der Hand ging, kam ich mit dem Stricken der Puppenkleidung kaum hinterher, so dass es nötig wurde, dass ich ihm immer mehr Zeit in meiner eigentlichen Freizeit an den Abenden und Wochenenden widmen musste. Ich strickte unter anderem auf Spielplätzen, bei Elternabenden, im Café mit Freundinnen, in der U-Bahn, in der Warteschlange bei der Post und als Beifahrerin auf langen Autofahrten. Das Stricken für mich privat hatte ich längst aufgegeben, was mich traurig machte, denn ich habe immer sehr gern gestrickt. Wie glücklich war ich, als ich in den Tagen zwischen den Jahren 2009 und 2010 einmal Zeit und Muse hatte, zur Geburt des dritten Kindes einer lieben Freundin ein winziges Babyjäckchen zu stricken! Versteht mich nicht falsch, ich liebe das Stricken sehr, aber neben dem Stricken für die Puppen hatte ich bald keine Lust mehr auf mehr, so verlockend all die schönen Garne, Muster, Anleitungen und Ideen auch waren. Die Frage wurde immer dringender, wie ich all die gewünschte gestrickte Puppenkleidung anfertigen sollte, ohne dass ich dafür einen großen Teil meiner Freizeit aufwenden müsste.

Ein erster Schritt war die Zusammenarbeit mit einer Strickerin, die ich vor über einem Jahr begann. Es war eine große Erleichterung, einen Teil der Strickaufträge an sie abzugeben und ich spürte und genoss schon bald den Zeitgewinn. Im Sommer 2011 jedoch stiegen meine Auftragszahlen noch einmal deutlich an, so dass ich schon bald wieder in die tägliche Strickarbeit einsteigen musste, um alle Wünsche erfüllen zu können. Zudem erfreuen sich vor allem bei den amerikanischen Kunden gerade meine aufwendigen Strickmodelle wie lange Kleider, Tuniken, Strickjacken aus dünnem Garn mit großen Taschen, Latzhosen und Kapuzenmäntel großer Beliebtheit und werden sehr gern bestellt. Bei diesen Kleidungsstücken ist es nicht nur viel Zeit, die für die Herstellung nötig ist. Nein, da ich am liebsten mit hochwertigen, natürlichen und möglichst pflanzengefärbten Garnen arbeite, fallen für diese oft auch Materialkosten im zweistelligen Bereich an.

Um euch eine Vorstellung zu machen: Für eine einfache Raglanjacke mit Bindebändern oder Knöpfen, wie sie viele meiner Puppen tragen, benötige ich anderthalb Stunden Strickzeit plus Zeit für die Materialbestellung, das Wickeln des Wollstranges, das Waschen und Spannen des Teils und das Annähen der Knöpfe. Die Materialkosten für ein Jäckchen liegen bei etwa 4,50 Euro, wenn ich das pflanzengefärbte Schurwollgarn von Kroll verwende. Für einen Strickmantel mit Kapuze benötige ich doppelt so viel Zeit und Material, für eine gestrickte Latzhose gut und gerne drei bis vier Abende. Meine Strickerin, die jedoch nur die einfachen Jäckchen für mich herstellt, arbeitet sogar etwas langsamer als ich, aber ich bezahle sie auch nicht stunden-, sondern stückweise.

Das Stricken der Kleidung ist der Teil der Puppenmacherei, der mir zwar sehr viel Freude macht und eine Möglichkeit zum gemütlichen Ausgleich der vielen anderen Arbeiten bietet, aber es beansprucht auch die meiste Zeit und Geduld und kann im Vergleich zu den anderen Tätigkeiten an den Puppen meiner Meinung nach am wenigsten adäquat bezahlt werden. Wie kann eine Lösung aussehen, wenn ich nicht, und das steht für mich fest, auf schöne, hochwertige, gestrickte Puppenkleidung verzichten möchte, und weniger Zeit mit dem Stricken verbringen möchte?

Zunächste habe ich bereits letzten Herbst eine Preiserhöhung für meine Puppen vorgenommen, die von meinen Kunden gut angenommen wurde. Eine gewisse kleine Unzufriedenheit ist aber geblieben. Etwas hat sich noch nicht richtig angefühlt. Und so habe ich vor kurzem umgesetzt, was ich schon lange überlegt und durchdacht habe, und was eigentlich ziemlich naheliegt. Ich habe Aufpreise für die gestrickte Kleidung festgesetzt, die unter Verkauf zu finden sind. Mit diesem Schritt habe ich lange gerungen und er ist mir wahrlich nicht leicht gefallen. Es ist der Versuch, die Nachfrage nach aufwendigen Strickteilen über den Preis zu regulieren mit dem Wunsch nach etwas weniger großen Strickaufträgen, die dann aber so bezahlt werden, dass es sich für mich gut anfühlt. Die regulären Preise meiner Puppen beinhalten weiterhin ein Wunschkleiderset bestehend aus vier bis sechs Kleidungsstücken inklusive Häkelschühchen und Mütze, jedoch kosten Jacken und andere aufwendig gestrickte Teile von jetzt an mehr. Die Aufpreise mögen zunächst einmal hoch erscheinen, jedoch bleibt mir davon nach Abzug der Materialkosten, Mehrwert- und Einkommenssteuer nur ein kleiner Gewinn. Wer den Aufpreis nicht zahlen möchte oder kann, hat immer auch die Möglichkeit, zu Stricknadel und Garn zu greifen und mit meinen Anleitungen die Kleidungsstücke selbst herzustellen. So habe ich es bisher mit meinen Kunden gehandhabt, wenn ich aus Zeit- oder anderen Gründen keine aufwendigen Stücke stricken konnte. Auf diese Weise, so die Rückmeldungen, haben die Kunden oft sogar eine engere Beziehung zu den Mariengold Puppen ihrer Kinder bekommen.

Jetzt braucht es Erfahrungszeit, um zu sehen, wie sich dieser Schritt auf meine Strickzeit und meine Haltung zum Stricken für die Puppen auswirkt. Vielleicht werde ich mich entscheiden, in Zukunft noch mehr Aufträge an meine Strickerin abzugeben oder gar mit einer weiteren Strickerin zusammenzuarbeiten. Vielleicht werde ich den ein oder anderen  Strickwunsch auch mal nicht erfüllen. Vielleicht werde ich die Aufpreise noch erhöhen. Für den Moment aber bin ich zufrieden und gespannt. Ich hoffe auf viel weniger Strickzeit für die Puppen außerhalb meiner Arbeitszeit und wünsche mir Abende ohne Nadelgeklapper, denn mir fallen so viele Dinge ein, die ich stattdessen gern tun würde. Es wird zum Beispiel bald ein Songbook von der Alin Coen Band erscheinen. Dafür möchte ich noch einige Akkorde mehr auf meiner Gitarre lernen und meine Hände geschmeidig spielen.

Und keine Sorge, ich stricke ohne Tränen, ob für die Puppen oder privat. Ich habe sogar um Neujahr herum ein wunderschönes Geburtstagsgeschenk für eine Freundin gestrickt, mit dem ich so richtig viel Freude hatte und es nun kaum erwarten kann, es ihr zu überreichen. Für das Wochenende ist ein Pullunder für meine Tochter aus Noro Silk Garden in der Farbe 84 geplant, ein schönes, warmes Farbfeuerwerk mitten im kalten Winter.

Den Strickerinnen unter euch wünsche ich Stricken ohne Tränen, immer genug Wolle auf der Nadel und eine schöne, faserverrückte Zeit … und das sind nur drei der Abschiedsgrüße, die ich bisher am Ende von Distels Strickpodcast “Die urbane Spinnstube” gehört habe.


13. Januar 2012

Freitagspuppe Rose ~ Friday Doll Rose

It is the second friday of the new year, time for first friday doll in 2012. Baby Rose will be available in my Etsy shop today at 6 pm central European time. There will surely be another Friday doll next week. Wishing you a sparkling and comfy winter weekend.

Heute, am zweiten Freitag des neuen Jahres, möchte ich euch meine erste Freitagspuppe für den freien Verkauf in 2012 vorstellen. Der Januar meint es nicht gerade gut mit uns Berlinern. Seit Tagen ist es grau und dunkel. Keine optimalen Voraussetzungen für schöne Puppenbilder. Baby Rose hat trotzdem verschmitzt in meine Kamera gelächelt.

Baby Rose ist heute Abend ab 18 Uhr in meinem Mariengold Etsy Shop erhältlich.