30. September 2011

Fastenjubiläum

In diesem Herbst feiere ich mein fünftes Fastenjubiläum. Seit fünf Jahren faste ich nun regelmäßig zwei Mal im Jahr im Frühling und im Herbst für jeweils zwei Wochen. Ich werde oft gefragt, warum ich faste. Meine Gründe für das Fasten sind vielseitig und jedes Mal unterschiedlich gewichtet. Fasten ist etwas sehr Persönliches und ich habe es in den letzten Jahren zu schätzen gelernt, nicht viel darüber zu sprechen, sondern in Stille meinen Weg zu gehen.

Beim Fasten fühle ich mich mir selbst sehr nahe. Das ist eine Erfahrung, die mich stets gut durch den Alltag nach dem Fasten trägt und mich immer wieder auf das nächste Fasten freuen lässt.


29. September 2011

Mariengold Postkarte “Handgemachte Weihnachten”

Endlich ist es soweit: Ich möchte euch die Mariengold Weihnachtspostkarte vorstellen. Schon im Frühling habe ich bei der Veröffentlichung des Postkartensets “Puppenbegleiter” angekündigt, dass es in diesem Jahr noch ein weiteres Motiv geben wird. Zu diesem Zeitpunkt, haben die Designerin und ich schon fleißig an der Weihnachtsillustration gearbeitet. Am Ende des Sommers war das Motiv vollendet, so dass ich euch meine Weihnachtspostkarte rechtzeitig vor dem Fest in meinen Mariengold Läden bei DaWanda und Etsy anbieten kann.

Die Zusammenarbeit mit der Designerin Anke Lissowski (noch ohne Internetseite, Link wird aber in Kürze nachgereicht) war wunderbar fließend. Anke hat sich auf mein Gesuch mit einem langen, liebevoll illustrierten Brief gemeldet, mit dem sie mein Herz so berührte, dass ich sofort mit ihr zusammenarbeiten wollte. Vielleicht habe ich auch eine besondere Verbundenheit gespürt, weil Anke ganz in der Nähe meiner Geburtsstadt Dresden im schönen Elbtal lebt. Wir einigten uns bald darauf, dass sie ein Weihnachtsmotiv entwerfen würde.

In meiner Vorstellung sah ich es schon ganz klar vor mir. Ich liebe die Bücher von Sven Nordqvist, ganz besonders “Das Geheimnis der Weihnachtswichtel” und “Wie Findus zu Petterson kam”. Und so stellte ich mir eine lebendige, bunte und bewegte Szene vor, bei der es allerlei zu entdecken gibt. Puppen und Kinder sollten natürlich die Hauptrolle spielen. Anke hat mir nach und nach Detailentwürfe geschickt und allmählich kristallisierte sich das Thema “Handgemachte Weihnachten” heraus, mit dem ich sehr glücklich war, denn Mariengold steht ja auch für handgemachte Freude. Ich zeige euch ein paar Entwürfe auf dem Weg zum vollendeten Motiv:

Ich freue mich sehr über die anregende Zusammenarbeit mit Anke. Es ist doch auch ein Wunder, wenn zwei Menschen, die sich nicht persönlich kennen und ausschließlich via E-Mail kommunizieren, derart in Gleichklang kommen, dass etwas so Schönes entsteht. Ich habe es hier schon mehrfach geschrieben: Die Zusammenarbeit mit anderen Menschen macht mir sehr viel Freude und ist etwas, das ich nicht mehr missen möchte. Ich habe mir mittlerweile einen guten Kreis liebevoller, kreativer, unterstützender Frauen aufgebaut, die alle dazu beitragen, dass Mariengold wächst und gedeiht und ich mit Freude meiner Arbeit nachgehe. Mit so einem kleinen, feinen Postkartenprojekt verdiene ich kaum Geld, aber es sind auch die kleinen Dinge, die kleinen Sprünge, die meinen Weg zu einer wunderbaren Reise machen.

Möge in diesem Jahr ganz viel Mariengold Weihnachtspost mit tausend Grüßen und Küssen verschickt werden!


26. September 2011

Gesund werden in der Mariengold Werkstatt

Meine kleine Tochter ist seit ein paar Tagen schlapp und kränklich, so dass sie heute nicht zur Schule gegangen ist, sondern einen Ausruhtag zu Hause macht. Zuerst hat sie mit einem Hörbuch im Bett gelegen und dann gemalt. Irgendwann kam sie in meine Werkstatt, in der ich am Arbeiten war, und fragte, ob sie eine Puppe nähen dürfe. Viele Handgriffe und Arbeitsschritte kennt sie schon gut vom Zuschauen und manches hat sie auch selbst schon ausprobiert. So entstanden heute Vormittag gleich zwei Puppen in meiner Werkstatt, ihre kleine Heilpuppe, so hat sie sie selbst genannt, und ein Mariengold Puppenbaby, das ich euch in den nächsten Tagen zeigen werde. Wir hatten viel Freude miteinander und ich habe wieder einmal spüren und beobachten können, wie heilsam das Puppennähen ist. Die Heilpuppe meiner Tochter ist noch nicht ganz vollendet, wir werden wohl noch einige Zeit mit ihr verbringen, aber bisher hat sie schon sehr zu ihrer Heilung und Erholung beigetragen.

Im Moment schläft meine Tochter übrigens in ihrer selbstgebauten Höhle im untersten Fach eines Regals in meiner Werkstatt, in dem sonst meine Stopfwolle lagert. Dort ist sie eingeschlafen, während in der Küche eine Suppe vor sich hinköchelte und ich ein paar Kunden-E-Mail beantwortete. Von der Suppe werde ich nichts essen, da ich gerade wieder am Fasten bin, aber ich habe schon eine Kerze angezündet und warte darauf, dass meine Tochter aufwacht …

Nachtrag am frühen Abend: Hier ein Bild der kleinen Mittagsschlafhöhle in meiner Werkstatt.


25. September 2011

Wachsmalblöckchenliebe

Meine Tochter geht jetzt in die zweite Klasse und freut sich, dass sie nach den Herbstferien endlich die langersehnte Federmappe zunächt nur mit Buntstiften bekommen wird. In der ersten Klasse und in den ersten Wochen der zweiten Klasse haben die Kinder nur mit Wachsmalblöckchen von Stockmar gearbeitet. Diese begleiten uns nun schon seit fünf Jahren. Als meine Tochter zwei Jahre alt war, brachte ihr der Nikolaus ihre erste Packung Wachsmalblöcke. Die Blöckchen haben uns auf jede Reise begleitet und auch wenn meine Tochter seitdem Buntstifte, Filzstifte, Fineliner, Kugelschreiber, Bleistifte und Wasserfarben entdeckt und ausprobiert hat, so bleiben die Wachsmalblöcke ihre liebsten Malwerkzeuge. Grund genug vor dem Wechsel zu den Buntstiften in der Schule, die Wachsblöckchen zu ehren und zwar mit einer gründlichen Reinigung.

Wir haben dafür Sonnenblumenöl und Baumwollläppchen benutzt und damit die Wachsmaler kräftig abgerieben. Die Blöckchen sahen hinterher zwar nicht wie neu aus, aber erstrahlten in wunderbarem Glanz. Anschließend hat meine Tochter die Blöcke glücklich wieder in ihr Stiftemäppchen gepackt und am nächsten Tag ganz selbständig an meiner Nähmaschine ein Mäppchen für ihre Wachsmaler zu Hause genäht. Es war wunderbar ihr dabei zuzusehen. Sie hat mich nichts gefragt und ich habe nur hin und wieder geschaut und war ganz gerührt ob ihrer ganz eigenen Gestaltung und Lösungen so manch kniffeliger Nähfragen. Großes kleines Mädchen.

Ich habe übrigens das Stiftemäppchen für meine Tochter bei jumoberlin gekauft. Das Mäppchen ist toll, es sieht schön aus und hat allen Strapazen des ersten Schuljahres wunderbar standgehalten und wird für alle Zeit in Ehren gehalten werden, denn es erinnert uns an ihr erstes Schuljahr.


23. September 2011

Über das Stopfen der Puppen

Bei meinem letzten Puppennähkurs hat mir eine Teilnehmerin ein kleines Geschenk gemacht, das mir Lust machte, über das Thema Puppen Stopfen zu schreiben. Ich bin eigentlich immer auf der Suche nach dem idealen Stopfwerkzeug. Anfang des Jahres habe ich sogar selbst ein Werkzeug entworfen mit der Idee, es gemeinsam mit einem Holzhandwerker umzusetzen. Es blieb erst einmal bei dem Entwurf auf Papier, denn ich hatte bisher einfach nicht die Zeit und Muse, jemanden für die praktische Umsetzung des Projektes zu finden. Aber das Thema lässt mich nicht los, deshalb bin ich immer ganz neugierig, welche Stopfwerkzeuge meine Kursteilnehmerinnen mitbringen und wie sie sich im Kurs beim Stopfen zu helfen wissen, um schöne, ebenmäßige Körperformen zu gestalten.

Das hier sind meine Werkzeuge:

Ganz links der klassische Rührlöffel aus Holz aus der Küche. Der auf dem Bild ist tatsächlich aus meiner Küchenschublade. Mit dem arbeite ich selbst nie, sondern hole ihn nur zum Kochen oder für eine Einzelkursteilnehmerin heraus, wenn sie selbst kein Werkzeug mitgebracht hat. Er eignet sich zum festen Stopfen großer und dicker Puppenteile. Die runde Seite des Löffels liegt schön in der Hand und überhaupt fühlt sich das alte, abgenutzte Holz wie ein Handschmeichler an.

Daneben in Mintgrün das Wunderwerkzeug meiner Kursteilnehmerin, das mich in Entzückung versetzt hat, weil es dem recht nahe kommt, was ich selbst entworfen habe und das in etwas abgewandelter Form das ideale Stopfwerkzeug sein könnte. Es handelt sich um ein Ess-Stäbchen von IKEA, das laut der Doerthe jedoch nicht zum Essen geeignet ist, was ich mir gut vorstellen kann, denn als Ess-Stäbchen hätte ich es auch nicht identifiziert. Was das Stäbchen zum Stopfen so gut macht, ist, dass es zwei verschieden dicke Seiten hat. Eine dünne zum feineren Stopfen und zum Modellieren kleiner Körperteile wie Daumen und zarte Füße und eine dicke fürs Grobe. Der Nachteil an diesem Stäbchen aus Kunststoff ist, dass es nicht besonders stabil ist und leicht verbiegt. Zudem, und jetzt komme ich wieder zu meinem Idealentwurf, könnte das dünnere Ende noch schmaler zulaufen und das dickere Ende noch kräftiger sein. Aber dieses Stäbchen ist schon ganz gut und empfehlenswert, weil es im Grunde zwei Werkzeuge in einem sind.

In der Mitte befindet sich das Stopfwerkzeug, das ich am meisten benutze. Es ist ein Holzquirl, dessen Kopf im Laufe der Zeit aufgrund der starken Beanspruchung gebrochen ist. Ein paar Tage habe ich mit dem abgebrochenen Kopf in der Hand gearbeitet, was mir aber irgendwann wehtat und meine Hand verletzte, so dass ich nach einer Lösung für das geliebte Werkzeug suchte. Ich wickelte kurzerhand Wolle um die Bruchstelle und spannte schönen Leinenstoff darüber. Jetzt ist das Stopfwerkzeug sogar noch besser, denn der Wollkopf liegt schön weich in der Hand und außerdem sieht es so lustig und ganz nach mir aus, dass ich gern danach greife. Außer dem gepolsterten Kopf und dem Material Holz macht seine relativ schmale Breite den Quirl für mich zu einem guten Werkzeug. Ich stopfe damit alle Teile der Puppengrößen 20 cm bis 50 cm. Und ich nutze ihn auch als Hilfsmittel beim Wenden der zugeschnittenen Puppenteile von der linken auf die rechte Seite.

Daneben liegt meine Handarbeitsschere. Vor bald zwei Jahren im Puppennähkurs von meiner Freundin Laura von 1000 Rehe gestand sie mir, dass sie ausschließlich mit ihrer Schere stopft. Dabei zeigte sie mir ihre spezielle Technik, die sich kaum beschreiben lässt, aber blaue Flecken auf der Hüfte macht. Ich schüttelte damals nur den Kopf und hätte ihr am liebsten einen Holzlöffel geschenkt, aber wenig später entdeckte auch ich meine Schere als wertvolles Stopfwerkzeug. Ich nutze sie, keine Ahnung warum, ausschließlich zum Stopfen von Schultern, Brust und oberen Rücken meiner Puppen und bilde mir ein, dass ich das nur mit der Schere kann, was ganz sicher nicht so ist. Aber ich habe mich daran gewöhnt und werde das wohl nicht so schnell aufgeben. In meinen Kursen, in denen ich ja selbst keine Puppe nähe und meine Teilnehmerinnen mich somit auch nie mit der Schere stopfen sehen, verteufle ich allerdings die Schere als Stopfwerkzeug (das wird nach diesem Beitrag zugegebenermaßen sicher nicht mehr funktionieren). Die Schere ist ja ganz spitz und ein falscher Handgriff kann dazu führen, dass sie den Trikotstoff kaputt macht. Mir ist das noch nicht passiert, aber ich habe in meinen Kursen schon einige Glieder flicken müssen, weil die Frauen mit zu viel Power ans Werk gegangen sind. Die Schere als Stopfwerkzeug ist also ein Geheimtip für Puppenmacherinnen, die ihr Material und ihr Werkzeug sehr gut kennen.

Ganz außen befindet sich mein schön schmales Ess-Stäbchen, das ich vor allem zum Stopfen winziger Körperteile benutze. Ich nehme es auch beim Wenden der zugeschnittenen Puppenteile von der linken auf die rechte Seite, um die Daumen schön auszuformen oder zum partiellen Stopfen. Wenn sich an einem bereits gestopften Körperteil noch irgendwo zu wenig Wolle befindet, dann hilft mir das schmale Stäbchen, die Wolle dahin zu schieben, wo sie sein soll.

Ein wichtiges Werkzeug, das nicht auf den Bildern zu sehen ist, ist mein Daumen. Mit dem drücke, wenn ein Puppenteil schon fertig gestopft ist, immer noch mal mehr Wolle ganz fest hinein.

Womit ich bei der eigentlichen Stopftechnik bin. Mariengold-Puppen sind richtig fest gestopft. Die Glieder sind recht hart, Kopf und Bauch fest, aber doch auch weich, eben wie die in diesem Zusammenhang viel zitierte reife Pflaume. Ich stopfe so fest, weil sich die Wolle in der Puppe im Laufe der Zeit durch das Spielen, Bewegen und Kuscheln verändert. Bewegung und Wärme führen dazu, dass die Wolle in sich zusammenfällt, kompakter wird und vielleicht sogar leicht filzt. Das ist ein Naturgesetz und sollte beim Puppenmachen unbedingt berücksichtigt werden. Wenn das Wollevolumen schrumpft, verändern sich die Körperformen. Die Glieder werden weicher, vielleicht unebener und unförmiger, ich nenne das auch Puppen-Cellulitis. Die Kinder stört es meist nicht, wenn sich ihre Puppen verändern. Dennoch berücksichtige ich diesen Prozess vorab und stopfe so fest wie möglich, damit die Puppe möglichst lange gut in Form bleibt und ihre Haltung bewahrt.

Ich stelle in meinen Kursen immer wieder fest, dass sich gutes Stopfen schlecht mit Worten, wie auch im Tun vermitteln lässt. Festes Stopfen scheint eine Frage der Erfahrung und der ständigen Wiederholung zu sein und beim ersten Puppenmachen eher selten so zu gelingen, dass es meinem Stopfen gleichkommt. Ich schiebe jede einzelne Wollflocke ganz fest mit Hilfe meines Werkzeuges in das Puppenteil hinein und ziehe gleichzeitig mit der anderen Hand den Trikotstoff straff. So vermittle ich es verbal in meinen Kursen und zeige es natürlich auch. Jede Frau macht beim Stopfen andere Erfahrungen und es braucht Geduld, bis die richtige Technik und der feste Griff eingeübt sind. Ich schmunzele oft, weil es in jedem Kurs auch Frauen gibt, die ganz weich arbeiten, egal wie fest sie eigentlich stopfen wollen und wie oft sie zu mir rüberschauen und so gut wie möglich von mir lernen. Es ist spannend zu beobachten, welche Frau wie stopft, und dass sich bestimmte Beobachtungen in jedem Kurs wiederholen, aber das ist ein anderes Thema, das hier vielleicht auch einmal Raum bekommen wird.