23. Februar 2011

Winter an der See

Das letzte Wochenende habe ich mit meinem Mann auf Rügen in Sellin verbracht. Wir haben dort vor fünfeinhalb Jahren geheiratet und kehren immer wieder gern an diesen Ort zurück, der sich mit der Zeit zu unserem Familienkraftplatz entwickelt hat. Die Ostsee im Winter zu erleben, war sehr beeindruckend. Eis, Schnee und Wind haben in dieser Jahreszeit eine ungeheure Gestaltungkraft. Das karge Land wiederum, das auf den Frühling wartet, strahlt eine tiefe Stille und Ruhe aus. Beides habe ich mit nach Hause genommen, denn oft genug vergesse ich es: In der Ruhe liegt die Kraft.


10. Februar 2011

Hallo aus der Mariengold Werkstatt

In der letzten Zeit habt ihr viele Puppenbilder hier gesehen, aber nur wenig von mir lesen können. Es ist ruhig geworden an diesem Ort, und es haben mich einige liebe Nachrichten erreicht mit der Frage, ob alles in Ordnung sei. Ich habe mich zu Beginn des Jahres sehr ausgebrannt gefühlt. Dazu kamen starke Rückenschmerzen, die ich seit dem letzten Herbst habe und die im Januar ihren Höhepunkt erreichten. In den letzten Wochen der Erschöpfung und Krankheit habe ich einige Veränderungen in der Gestaltung meines Alltags ausprobiert, von denen die ein oder andere gefruchtet hat. Manch guten Vorsatz habe ich nur ein paar Tage verwirklicht, anderes funktioniert nun schon seit ein paar Wochen gut. Ich habe einen Arzt gefunden, der meine Rückenschmerzen gut behandelt, und ich habe mir selbst ein paar schöne Dinge verordnet, so dass ich mich seit einer Woche spürbar auf dem Weg der Heilung befinde. Mit der wiederkehrenden Sonne und dem Licht kehren langsam meine Lebensgeister wieder und ich freue mich auf die Energie des Frühlings.

Der wichtigste Veränderungsimpuls ist für mich zur Zeit die Strukturierung meines Alltags mit dem Ziel, meine Arbeitszeit und meine Freizeit in Balance zu bringen. Ruhezeiten muss ich mir leider regelrecht verordnen, daher habe ich mich für die Gestaltung von Wochenplänen entschieden, um eine neue Struktur für meinen Alltag zu finden. So erstelle ich seit einiger Zeit zu Beginn jeder Woche einen Plan, der meine Zeit so regelt, dass Arbeit und Ruhe, Einatmen und Ausatmen, Aktivität und Muße im Ausgleich sind. Es gab gute Wochen. Und es gab Wochen, in denen ich nach den alten Mustern gelebt und gearbeitet habe. Es braucht viel Zeit, einen neuen, wohltuenden Rhythmus zu finden.

Eng verbunden mit der heilsamen Alltagsstrukturierung war und ist die Gestaltung meines Nutzungsverhaltens von Internet und E-Mail, ein sehr spannendes Feld, auf dem ich gern experimentiere. Ich habe hier verschiedenes ausprobiert und war überrascht, wie gut und schnell sich schon kleine Veränderungen auswirkten. Was mir gut tut: Die Nutzungszeiten für Internet und E-Mail auf zwei Mal eine halbe Stunde täglich begrenzen. Das E-Mail-Progamm nur in dieser Zeit öffnen und während anderer Arbeiten am Computer ausgeschaltet lassen. Kein Internet und E-Mail am Wochenende. Es ist eine solche Wohltat, ganz bei mir zu sein, ohne ständig erreichbar, auf Empfang oder in Verbindung zu sein. Aber auch die Veränderungen meines Internet- und E-Mail-Nutzungsverhaltens gehen nur langsam voran und ich bin wohl noch weit von wirklich guten Gewohnheiten entfernt, aber ich bewege mich und probiere aus und das ist wichtig.

Ich habe in den letzten Wochen viel über mich selbst und mein Arbeitsverhalten gelernt. Einige Dinge sind mir im wahrsten Sinne des Wortes (rücken-) schmerzhaft bewusst geworden. Es sind jetzt ein paar Wochen, in denen mir klar ist, dass Veränderungen nötig sind, um gesund und glücklich zu bleiben. Es braucht viel Zeit, Dinge nachhaltig anders zu machen. Und manchmal erscheinen diese Herausforderungen unbewältigbar. An anderen Tagen, die mit dem Sonnenschein, und seien es nur ein paar Minuten, erscheint es kinderleicht. Im Grunde ist es ganz einfach: Jeder Tag ist eine neue Chance, etwas anders zu machen. Diese Gewissheit trägt mich von Tag zu Tag, in guten und in weniger guten Zeiten.

In den letzten Wochen habe ich trotz Erschöpfung und Krankheit weiter gearbeitet. So widersprüchlich es erscheint, aber ich hatte in diesen Wochen auch sehr kreative und produktive Phasen, in denen ich viele gute Dinge auf den Weg gebracht habe, wie mein Beratungsangebot, die ersten Mariengold Anleitungen für genähte Puppenkleidung und die Informationen für englischsprachige Besucher meiner Internetseite. Neben der Herstellung von meinen Puppen werkele ich meist auch an neuen Ideen, die mal mehr und mal weniger Vorlauf vor ihrer Verwirklichung brauchen. In den nächsten zwei Wochen werde ich noch drei Anleitungen für Puppenkleidung herausgeben, bevor ich mich im März an die Umsetzung meines nächsten großen Projektes machen werde, die ausführliche Anleitung zur Herstellung von Mariengold Puppen. Auch habe ich in den letzten Tagen mit der Vorbereitung eines Mariengold Marktes begonnen, der im Herbst stattfinden soll, Arbeitstitel “Happy Doll Making”, und ich freue mich schon sehr darauf. So sehr ich die Puppenmacherei liebe, so gern entwickle ich auch neue Ideen rund um die Puppen und die Puppenmacherei. Meine Arbeit erfüllt mich und diese Gewissheit gibt mir Kraft, auch in Zeiten, in denen ich neue Energie brauche. Auch in den nächsten Wochen werde ich weiter ausprobieren, was mir gut tut und wie ich meinen Alltag so ändern kann, dass ich zu neuen Kräften komme, und vor allem langfristig in meiner Kraft bleibe.

Es gibt noch eine Veränderung, von der ich euch schreiben möchte. In Hinblick auf das Ende meiner Zeit als Kleinunternehmerin habe ich schon im letzten Jahr begonnen, langsam meine Preise zu erhöhen. Seit Anfang diesen Jahres zahle ich für alle meine Produkte wie Puppen, Anleitungen und Bastelmaterial und anderen Leistungen wie Kurse und Beratungen Umsatzsteuer. Hinzu kommt, dass meine beiden Hauptlieferanten für Puppenmachereibedarf im letzten Jahr ihre Preise erhöht haben. Damit ich weiterhin von meiner Arbeit leben kann und sie mir mit Freude von der Hand geht, habe ich die Preise für meine Puppen, Puppenkleidersets und Kurse entsprechend erhöht. Die Preise für Materialpackungen und meine Anleitungen sind nach wie vor gleich. Ich hoffe, dass die Preiserhöhung für meine Kunden verständlich und nachvollziehbar ist, und dass ich weiterhin viele kleine und große Menschen mit meiner Arbeit glücklich machen werde.

In der nächsten Woche wird es wieder viele Bilder von Puppen geben. Ich habe zur Zeit eine so große Puppenschar in meiner Werkstatt, wie schon lange nicht mehr. Manche warten auf warme Strickkleidung, eine wartet auf die Vollendung ihres Haarschopfes, andere sind schon schön zurechtgemacht für Fotos und warten nur auf mich und meine Kamera, und ich warte auf Materiallieferungen und lasse mir ganz im Sinne meiner Genesung einfach mehr Zeit. Das tut gut.