10. August 2009

Schnitzen auf Hof Lebherz

Nun bin ich zurück von meinen kurzen Kreativ-Urlaub auf Hof Lebherz in Warmsen. Ich habe dort mit Jürgen Maaßen, dem Kursleiter, und neun leidenschaftlichen Puppenbauern und -spielern aus ganz Deutschland drei Tage lang Figurenköpfe geschnitzt. Ausgehend von grob vorbereiteten Rohlingen aus Lindenholz haben wir Teilnehmer geschnitzt, geschnitzt und geschnitzt. Jürgen und seine liebe Assistentin Maarit Kreutzinger, Holzbildhauerin, standen uns dabei mit Rat und ganz viel Tat zur Seite. So entstanden zehn Figurenköpfe, allesamt anders und einzigartig und doch unverkennbar mit Jürgens Handschrift versehen.

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Meinen Wunsch einen Kopf für meine Marienpuppen zu schnitzen, habe ich im Kurs nicht verwirklichen können. Der Kurs war konzipiert als Weiterbildung für Puppenspieler, die die Figuren für ihre Stücke selbst herstellen. So lag der Schwerpunkt der Arbeit auf der Fertigung von bühnenwirksamen Figurenköpfen mit ihren ganz speziellen Anforderungen. Unter den vielen Puppenspielern bin ich diesen Weg mitgegangen und hatte so das Glück, einmal für ein paar Tage in eine völlig andere Welt einzutauchen, Gespräche über Puppenspiel und Bühnen zu belauschen, wunderbare mitgebrachte Figuren zu bestaunen und das ein oder andere improvisierte Spiel zu sehen. Und natürlich mich an einem Holzklotz abzuarbeiten, der nach vielen, vielen Stunden des Schnitzens und mit ermunternder Motivierung und tatkräftiger Unterstützung von Jürgen und Maarit die Form eines jungen Mädchens annahm. Wie es mit der hölzernen Schönen weitergehen wird, weiß ich nicht. Damit werde ich mir viel Zeit lassen.

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Das wichtigste, was ich in den vergangenen Tagen gelernt habe: In jeder Kunst steckt ein großes Können. Und in jedem Können steckt viel Arbeit, Übung und Beschäftigung mit Material, Technik und Ausdruck. Während meines Exkurses in die Welt des Schnitzens habe ich meine eigene Arbeit mit anderen Augen sehen gelernt. Auf neue Weise schätzen gelernt. Und auf einmal wurde ich wieder ganz neugierig auf die Möglichkeiten, die in meinem ganz eigenen Schaffen mit Nadel und Faden und meinen Händen liegen.

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Die Arbeit mit dem lebendigen Material und den Eisen hat mir Spaß gemacht. Habe ich doch vor zwei Jahren auch das Schnitzen an unserer Kinderharfe sehr genossen. Aber ich habe auch viel Achtung vor dem Werk von Holzbildhauern bekommen. Zu meiner großen Freude lebt und arbeitet Maarit in Berlin. So habe ich auch weiterhin die Möglichkeit die Arbeit mit Holz zu erlernen, mit dem Material zu spielen und zu schauen, wohin mein Weg mich führt.

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Nun freue ich mich so sehr auf die Arbeit in meinem Werkraum in unserem neuen Nest. Dort gibt es noch viel zu tun. In den nächsten Tagen werden wir alle Räume lasieren und schließlich in zwei Wochen umziehen. Also blicke ich dem späten Sommer, dem Altweibersommer mit viel Vorfreude auf meine Arbeit und vor allem auf eine neue Zeit in einer neuen Umgebung entgegen.